Kleistjahr Wie gefährlich ist Kleist?
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Moritz Rinke


Mitte der Achtziger war er mir als Dichter gefährlich, weil er einen jungen Mann, aus dem hätte etwas Anständiges werden können, zur dramatischen Laufbahn verführte, wissend, dass, wenn es nicht gelingen sollte, man sich erschießen müsste. Gefährlich auch, weil Kleist im Zusammendenken von Poesie und Pointe, von Überhöhung und politischer Gegenwärtigkeit Vorbild war. (Und dann war er auch noch moralisch! Und gleichzeitig Journalist!) Und gefährlich heute? Vielleicht wünsche ich mir etwas von dieser Mobilisierungskraft des Michael Kohlhaas: Nicht Thilo Sarrazin soll Kohlhaas sein, sondern andersherum: Im Sinne Kleists, der seine Widerstandsfigur gegen herrschaftliche Willkür liebte, müssten doch eigentlich heute manche Banker, Lobbyisten und Politiker (und wo ist noch der Unterschied??) am Galgen hängen. Wo ist die Wut gegen eine gesetzliche, ja postdemokratische Willkür? Es gibt doch noch Widerstandswürdigeres als Stuttgart 21!

Dies zu schreiben – Moral oder Staatsräson?–, das ist vielleicht das Gefährliche an Kleist. (Der Luther in mir nickt zusammen mit Heiner Geißler eifrig mit dem Kopf, und ich sage: Bei einem Dichter hängen sie auch immer nur poetisch am Galgen. Wenn ich mir allerdings demnächst meinen Pfefferminztee in der Apotheke holen muss, ist wirklich Schluss!)

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Moritz Rinke, geboren 1967, Schriftsteller und Dramatiker; zuletzt veröffentlichte er den Roman »Der Mann, der durch das Jahrhundert fiel« (2010)

 
Leser-Kommentare
  1. Sie scheinen ja den Rat von Mosebach angenommen zu haben und befragen zu Kleist nun wirklich (Ausnahme Mosebach) nur Autoren der zweiten Reihe, fällt den Namhaften zu Kleist nichts mehr ein oder wollten die einfach nur nicht?

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    auf dessen Beitrag ich gerade erst im Zuge einiger Recherchen gestoßen bin, als einzig erstrangigen Autor - was immer das heißen mag - zu bezeichnen, spottet nicht nur angesichts des Beitrags von Brigitte Kronauer, sondern auch seiner, Mosebachs, sprachlichen Bedenk- bzw. Unzulänglichkeiten - man achte z.B. auf die waghalsigen Konjunktive im letzten Absatz - jeder Beschreibung.

    Wer hat sich noch nicht ein Vergnügen daraus gemacht, in den Mosebachschen Texten nach groben sprachlichen Schnitzern zu forschen? Und ein Vergnügen ist es, da sie leicht zu finden sind, allemal,

    auf dessen Beitrag ich gerade erst im Zuge einiger Recherchen gestoßen bin, als einzig erstrangigen Autor - was immer das heißen mag - zu bezeichnen, spottet nicht nur angesichts des Beitrags von Brigitte Kronauer, sondern auch seiner, Mosebachs, sprachlichen Bedenk- bzw. Unzulänglichkeiten - man achte z.B. auf die waghalsigen Konjunktive im letzten Absatz - jeder Beschreibung.

    Wer hat sich noch nicht ein Vergnügen daraus gemacht, in den Mosebachschen Texten nach groben sprachlichen Schnitzern zu forschen? Und ein Vergnügen ist es, da sie leicht zu finden sind, allemal,

    • Aleph1
    • 14.01.2011 um 18:48 Uhr

    Dietmar Dath hat wohl "Parataxen" mit "Hypotaxen" verwechselt.

  2. auf dessen Beitrag ich gerade erst im Zuge einiger Recherchen gestoßen bin, als einzig erstrangigen Autor - was immer das heißen mag - zu bezeichnen, spottet nicht nur angesichts des Beitrags von Brigitte Kronauer, sondern auch seiner, Mosebachs, sprachlichen Bedenk- bzw. Unzulänglichkeiten - man achte z.B. auf die waghalsigen Konjunktive im letzten Absatz - jeder Beschreibung.

    Wer hat sich noch nicht ein Vergnügen daraus gemacht, in den Mosebachschen Texten nach groben sprachlichen Schnitzern zu forschen? Und ein Vergnügen ist es, da sie leicht zu finden sind, allemal,

    Antwort auf "Zweite Reihe"

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