Dietmar Dath
Die Allerbesten unter denen, die schreiben und geschrieben haben, reden mit ihrer Grazie, ihrer Dringlichkeit und ihrer blutig ernsten Verspieltheit uns anderen, längst nicht so Guten andauernd unabsichtlich ein, dasjenige, was sie da können, könnte man selbst womöglich auch, aber dann scheitert man etwa nach Lektüre von Else Lasker-Schüler an dem Wörtchen »mein«, das sie so oft verwendet, weil man es übernimmt, ohne dazu ein Recht zu haben, oder man glaubt, weil man zwei Tage mit Texten von Peter Hacks verbracht hat, man dürfe in Alexandrinern schreiben, nur weil der das durfte, da er es konnte, oder man stammelt wie Marianne Fritz, weil man von ihrem souveränen Stammeln ganz besoffen ist, oder man lügt drauflos wie Rainald Goetz, der aber im Gegensatz zu allen seinen Nachahmerinnen und Nachahmern seine Lügen eben dichten darf, da er sie erstens selber glaubt und zweitens den weißglühenden Eifer hat, der allein andere zwingt, sie auch zu glauben, ja: Im allerschlimmsten Fall fällt man sogar auf Kleist herein, dessen makellose Parataxen uns anderen, längst nicht so Guten den Irrtum nahelegen, wir dürften ebenfalls endlos lange, nur durch den synkopierten Beat absolut sicher gesetzter Kommas gegliederte Sätze schreiben, auf dass der Text, der so entsteht, ganze Welten umfasse, welche Kleist aber eben nicht nur ergriffen, sondern in diesem Zugriff zugleich erschaffen hat, wozu ich heute Nachmittag jedenfalls zu müde und vielleicht sogar ein bisschen zu glücklich bin, ganz anders als Kleist, dem es oft genug so dreckig ging, dass er nicht anders konnte, als sich in kosmische Atemlosigkeiten hineinzuformulieren, die ihn wenigstens für die Dauer der Niederschrift aus jener scheußlichen Wirklichkeit herausgehoben haben dürften, welche die Allerbesten unter denen, die schreiben und geschrieben haben, ja lebenslang mit uns anderen, längst nicht so Guten teilen müssen.
Dietmar Dath, geboren 1970, Journalist, Popkritiker und Schriftsteller, veröffentlichte zuletzt den Roman »Deutschland macht dicht« (2010)
- Datum 13.01.2011 - 16:26 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 5.1.2011 Nr. 02
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Sie scheinen ja den Rat von Mosebach angenommen zu haben und befragen zu Kleist nun wirklich (Ausnahme Mosebach) nur Autoren der zweiten Reihe, fällt den Namhaften zu Kleist nichts mehr ein oder wollten die einfach nur nicht?
auf dessen Beitrag ich gerade erst im Zuge einiger Recherchen gestoßen bin, als einzig erstrangigen Autor - was immer das heißen mag - zu bezeichnen, spottet nicht nur angesichts des Beitrags von Brigitte Kronauer, sondern auch seiner, Mosebachs, sprachlichen Bedenk- bzw. Unzulänglichkeiten - man achte z.B. auf die waghalsigen Konjunktive im letzten Absatz - jeder Beschreibung.
Wer hat sich noch nicht ein Vergnügen daraus gemacht, in den Mosebachschen Texten nach groben sprachlichen Schnitzern zu forschen? Und ein Vergnügen ist es, da sie leicht zu finden sind, allemal,
auf dessen Beitrag ich gerade erst im Zuge einiger Recherchen gestoßen bin, als einzig erstrangigen Autor - was immer das heißen mag - zu bezeichnen, spottet nicht nur angesichts des Beitrags von Brigitte Kronauer, sondern auch seiner, Mosebachs, sprachlichen Bedenk- bzw. Unzulänglichkeiten - man achte z.B. auf die waghalsigen Konjunktive im letzten Absatz - jeder Beschreibung.
Wer hat sich noch nicht ein Vergnügen daraus gemacht, in den Mosebachschen Texten nach groben sprachlichen Schnitzern zu forschen? Und ein Vergnügen ist es, da sie leicht zu finden sind, allemal,
Dietmar Dath hat wohl "Parataxen" mit "Hypotaxen" verwechselt.
auf dessen Beitrag ich gerade erst im Zuge einiger Recherchen gestoßen bin, als einzig erstrangigen Autor - was immer das heißen mag - zu bezeichnen, spottet nicht nur angesichts des Beitrags von Brigitte Kronauer, sondern auch seiner, Mosebachs, sprachlichen Bedenk- bzw. Unzulänglichkeiten - man achte z.B. auf die waghalsigen Konjunktive im letzten Absatz - jeder Beschreibung.
Wer hat sich noch nicht ein Vergnügen daraus gemacht, in den Mosebachschen Texten nach groben sprachlichen Schnitzern zu forschen? Und ein Vergnügen ist es, da sie leicht zu finden sind, allemal,
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