DIE ZEIT: Herr Etgeton, zum Jahreswechsel sind die Beiträge der privaten Krankenversicherer zum wiederholten Mal kräftig gestiegen, Umfragen zufolge um durchschnittlich 7,5 Prozent. Wird sich diese Entwicklung fortsetzen?

Stefan Etgeton: Wir erleben seit Jahren, dass die Beiträge in der PKV stärker steigen als bei den gesetzlichen Kassen. Ein Grund dafür ist, dass die privaten Versicherungen weniger gegen den Anstieg der Kosten unternehmen als die gesetzlichen Kassen. Das gilt vor allem für die Arzthonorare und für Arzneimittel – und das sind die stärksten Kostentreiber. Hinzu kommt, dass die privaten Versicherungen momentan für Makler Vermittlungsprovisionen von 9 bis 18 Monatsraten pro Vertrag zahlen. Diesen Kostenfaktor bekommt die Branche nicht in den Griff – auch dafür zahlen die Versicherten. Dann gibt es noch die gemeinsamen Probleme von gesetzlichen und privaten Versicherungen: eine steigende Zahl älterer Mitglieder, die mehr Leistungen in Anspruch nimmt, sowie der teure medizinische Fortschritt.

ZEIT: Stimmt dann der Vorwurf der Zweiklassenmedizin überhaupt, wonach privilegierte Privatpatienten oft für weniger Geld bessere Leistungen erhalten?

Etgeton: Die heutigen Privatversicherten sind Mitglied in einem System mit ungewisser Zukunft, sie müssen mit weiter steigenden Beiträgen rechnen und können nicht ins gesetzliche System wechseln. Insofern sind sie in keiner günstigen Position. Anders ist das bei freiwillig Versicherten, den gut verdienenden Mitgliedern der gesetzlichen Kassen. Sie können sich aussuchen, wo sie versichert sein wollen – und die Regierung hat gerade den Wechsel zur privaten Versicherung erleichtert. Die Einkommensgrenze, ab der das möglich ist, ist auf ein Jahreseinkommen von 49.500 Euro gesunken – und dieses Einkommen muss nur noch ein Jahr statt drei aufeinanderfolgende Jahre lang erreicht werden.

ZEIT:Für wen lohnt sich der Wechsel noch ?

Etgeton: Kurzfristig lohnt sich der Wechsel vor allem für gut verdienende Menschen ohne Kinder. Plant man eine Familie, ist die gesetzliche Krankenversicherung mit ihrer Beitragsfreiheit für Kinder und Partner schon wieder attraktiver. Jungen privat Versicherten ist auf jeden Fall zu empfehlen, Rücklagen zu bilden für die steigenden Gesundheitskosten im Alter.