ZEITmagazin: Herr Professor Lüpertz, Sie haben sich als Genie bezeichnet. Sind Sie ein Genie?

Markus Lüpertz: Wenn ich mich als Genie bezeichnet habe, dann bin ich ein Genie. Im Gegensatz zu Kollegen, die das von sich denken, es jedoch nicht sagen, stehe ich zu meiner Selbstdefinition.

ZEITmagazin: Ihr Selbstverständnis strotzt geradezu von Selbstbewusstsein.

Lüpertz: Wenn man in diesem einen Leben einen so exaltierten Beruf wie den des Kunstmalers ergreift, dann kann man nur unter der Prämisse antreten, das Beste, das Größte und das Schönste zu schaffen. Ich kann nicht sagen, na ja, so gut bin ich auch wieder nicht. Was soll eine solche Haltung? Wenn man nicht glaubt, etwas Besonderes zu sein, dann sollte man diesen Beruf nicht ausüben.

ZEITmagazin: Steht ein solch gewichtiges Urteil nicht vielmehr der Nachwelt zu?

Lüpertz: Gewiss, ob einer ein Genie ist, ist eine Wertung der Nachwelt, außer vielleicht bei Fußballern und Dirigenten. Aber man muss sich auch selbst einschätzen können, das ist eine bewusste Entscheidung. Die Idee meiner Genialität ist eine Erfindung von mir selbst. Ebenso erfinde ich mich als Künstler.

ZEITmagazin: Sie bestimmen Ihre Identität, indem Sie sich selbst erfinden?

Lüpertz: Aber sicher, ich bin doch kein Opfer. Ich bin kein willenloses Wesen, das zufällig in Bewegung gesetzt wurde und in irgendeine Richtung vor sich hinarbeitet. Ich habe eine Idee davon, was ich sein will, und wenn ich das sein will, dann bin ich das auch.

ZEITmagazin: Ist der freie Wille nicht eine Illusion?

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Lüpertz: Der Wille ist vielleicht die einzige wirkliche und entscheidende Freiheit, die wir uns im Leben geben können. Ich kann mich nicht einem vorgegebenen Schicksal überlassen und tatenlos zusehen, wie sich mein Leben entfaltet. Eine solche Einstellung ist für mich undenkbar. Als freier Mann und, darauf lege ich großen Wert, als freier Geist muss ich meine Ziele und Träume selbst verwirklichen.

ZEITmagazin: Was hat Sie als freien Geist dazu bewogen, zur Fremdenlegion zu gehen?

Lüpertz: Ich hatte den Film Marokko mit Gary Cooper gesehen. Das war ein Abenteuer, das hatte Weltschmerzromantik.

ZEITmagazin: Sie waren 17, was hatten Sie denn vor?

Lüpertz: Ich wollte eigentlich in Marseille auf einem Schiff anheuern und als Maler Abenteuer erleben. Wenn man mittellos ist, kein Geld hat, dann muss man sich diese Weltschmerzromantik erarbeiten. Es gab jedoch kein Schiff, so kam ich zur Legion.