Stimmt's?Die Gerüchteküche

"Ist Toast Hawaii wirklich krebserregend?", fragt Sebastian Scharf aus Münster von 

Toast Hawaii

Ein Toast Hawaii – mit Kochschinken, Ananas, Käse und einer Cocktailkirsche  |  © Rainer Zenz/Wikimedia Commons

Gepökelte und geräucherte Fleischwaren enthalten Nitrite, Käse enthält Amine. Gemeinsam bilden diese unter Beihilfe der Säure aus der Ananas Nitrosamine – und die erzeugen Krebs. So lautet jedenfalls eine weitverbreitete urbane Legende.

Bei genauerer Betrachtung bleibt von der vermeintlichen Gefahr nicht viel übrig. Es stimmt, dass Nitrosamine im Tierversuch Krebs erzeugen, und da es für solche Substanzen keine Untergrenzen gibt, ist generell richtig, dass man möglichst wenig davon essen sollte.

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Stimmt's?

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Wir nehmen allerdings schon heute viel weniger Nitrosamine zu uns als noch vor 20 Jahren: Ihr Gehalt in Fleischwaren ist drastisch gesenkt worden. Auch der Genuss von Tabakrauch – der große Mengen an Nitrosaminen enthält – ist stark zurückgegangen.

Bleibt die Gefahr, dass sich Nitrate in Nitrite und diese wiederum in Nitrosamine umwandeln können. Das stimmt zwar, aber dieser früher oft zitierte Mechanismus gilt heute nicht mehr als so bedrohlich. Ein epidemiologischer Zusammenhang zwischen Nitratzufuhr und Krebserkrankungen konnte bislang nicht nachgewiesen werden.

Was die konkrete Gefahr von Toast Hawaii angeht: Diese ist – ebenso wie jene der in Verruf geratenen Salami-Pizza – im Labor untersucht worden. Weil die Speisen viel Wasser enthalten und nicht sehr heiß zubereitet werden, erklärt die Ökotrophologin Claudia Weiß, enthalten sie "nur geringe Mengen" an Nitrosaminen. Es ist also an der Zeit, den Käse-Schinken-Ananas-Toast zu rehabilitieren.

Die Adressen für "Stimmt’s"-Fragen: DIE ZEIT, Stimmt’s?, 20079 Hamburg oderstimmts@zeit.de. Das "Stimmt’s?"-Archiv:www.zeit.de/stimmts

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Leserkommentare
  1. ...in zeiten, in denen ja anscheinend alles irgendwie gesundheitsschädlich ist.

    • optun
    • 08. Januar 2011 20:18 Uhr

    Es ist großer Irrtum, dass man Käse in Verbindung mit Schinken oder Salami toasten oder eben als Pizza im Backofen backen kann.
    Gerade bei dieser Kombination werden Stickstoffverbindungen (Nitrite) freigesetzt, die für den Organismus nicht gerade hilfreich, ja krebseregend sind.
    Ich hätte es mir gewünscht, dass auch hier der Staat, ob an Schulen oder eben als Kontrolleuer der Hersteller dieser Produkte, sich hier mehr in den Vorderfrund bringt. Viele, auch diese, Produkte bilden bei uns Menschen die bestimmten Zivilisationskrankheiten. Welches Kind kann noch richtig im Schmutz oder auf dem Bauerhof spielen, ohne gleich Allergien zu bekommen. In Praxen sitzen heute Kinder und Erwachsene und lassen sich auf bestimmte Allergien testen. Das Ergebnis ist erschreckend. Es geht hin bis zum Asthma, ein Skandal.

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    wenn sie mich dafür meine Salami Pizza essen lassen.
    Werden die Nitrite nicht auch schon ohne käse aus der Salami freigesetzt, oder muss ich mich nun zwischen einer Salamipizza ohne Käse und einer Salamipizza ohne Salami entscheiden?

  2. vor einigen Jahren mit dem Künast'schen Acrylamid?

  3. Kann ich´s mir nicht verkneifen meinen Senf dazuzugeben:
    Diese Panikmache ist vollkommen unangebracht. Solange es noch Menschen gibt, die:
    - sich nicht bewegen
    - zu viel trinken und essen
    - rauchen
    - gefährlichen Extremsportarten nachgehen oder schlicht
    - dumm sind.

    Darüber hinaus dürften Nitrosamine und verwandte Stoffe die im Rahmen der Zubereitung natürlicher / weitgehend naturbelassener Lebensmittel entstehen keine ernstzunehmende Bedrohung sein.

    Leider - und hier kann ich mir die Polemik dann doch nicht verkneifen - ist es mit der Bildung - der Ratio und dem kritischen Hinterfagen der "Verbraucher" - vulgo Frauenzeitschriftenleser/innen nicht weit her. Irgendjemand untersucht im Labor mit aberwitzig hohen Dosen den Einfluss von Stoff XY, der auch beim Erhitzen von Lebensmitteln entstehen kann - und schupps wir haben ein neues Kapitel im Evangelium der unmündigen Nachplapperer. Solche Mißverständnisse würden sich nicht epidemisch verbreiten, wenn wenigstens die Multiplikatoren unserer Gesellschaft - Medien und (fast noch gefährlicher) übermotivierte Schullehrer diese Halbwahrheiten nicht unkritisch und teils falsch wieder- und weitergeben würden.

    So - nun entschuldige ich mich schon ein mal bei den Lehrern(innen), den Frauenzeitschriftenleser(innen) und natürlich allen Medienschaffenden - denn polemisch war die Aussage ja.

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    • evelote
    • 08. Januar 2011 23:03 Uhr

    @Arcus, Sie haben vollkommen Recht. Vor Jahren fanden (!) Studenten in Heidelberg heraus, dass Malz krebserregend ist. Ein Aufschrei in Deutschland, wo wir doch ein "Bierland" sind. Spaeter, viel spaeter stellte sich heraus, dass ein Dosis genommen wurde, die kein normaler oder auch kein anormaler Mensch zu sich nehmen kann. Das war es dann..... Das Problem heute ist, wie Sie sagten, dass sich jeder bemuessigt fuehlt zu dem Thema etwas zu sagen, und zwar ohne dafuer qualifiziert zu sein. Das gilt selbstverstaendlich besonders fuer Arzneimittel. Ergebnis: Heute haben viele, zuviele Menschen mehr Angst vor dem Arzt bzw. der Therapie, als vor der Krankheit. Ist halt so, und wir werden das auch nicht aendern.

    die vieltrinker von leichtalkohl wrden als risikogruppeminderbewschippst hoopdowngrading..
    nich bewuppst
    Bitte argumentieren Sie sachlich zum Artikelthema. Danke. Die Redaktion/wg

    Da kann ich nur sagen: it's more than true - c'est vraiment vrai - stimmt ganz genau!

    • Trosia
    • 08. Januar 2011 22:13 Uhr

    ...die Grenzwerte und die tatsächlich gemessenen Werte im Vergleich?

    ....fragt eine ausgewiesene Frauenzeitschriftsschreiberin?

    "Drastisch" und "geringe Mengen" erscheint mir kaum geeignet für Risikoabschätzungen und damit schwach recherchiert.

    Eine Leserempfehlung
  4. wenn sie mich dafür meine Salami Pizza essen lassen.
    Werden die Nitrite nicht auch schon ohne käse aus der Salami freigesetzt, oder muss ich mich nun zwischen einer Salamipizza ohne Käse und einer Salamipizza ohne Salami entscheiden?

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "Stickstoffverbindungen"
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    • optun
    • 09. Januar 2011 1:01 Uhr

    @alraschid
    Das können Sie entscheiden, wie Sie wollen.
    Komisch finde ich Ihren Witz nicht, aber es gibt eben Kinder oder Leute die älter werden.

    • evelote
    • 08. Januar 2011 23:03 Uhr
    7. Dosis

    @Arcus, Sie haben vollkommen Recht. Vor Jahren fanden (!) Studenten in Heidelberg heraus, dass Malz krebserregend ist. Ein Aufschrei in Deutschland, wo wir doch ein "Bierland" sind. Spaeter, viel spaeter stellte sich heraus, dass ein Dosis genommen wurde, die kein normaler oder auch kein anormaler Mensch zu sich nehmen kann. Das war es dann..... Das Problem heute ist, wie Sie sagten, dass sich jeder bemuessigt fuehlt zu dem Thema etwas zu sagen, und zwar ohne dafuer qualifiziert zu sein. Das gilt selbstverstaendlich besonders fuer Arzneimittel. Ergebnis: Heute haben viele, zuviele Menschen mehr Angst vor dem Arzt bzw. der Therapie, als vor der Krankheit. Ist halt so, und wir werden das auch nicht aendern.

    Antwort auf "Weil Wochendene ist..."
  5. Der Genuss von nitritbehandelten Fleischwaren wie Schinken und Wurst ist an sich gefahrlos, es sei denn man trinkt Kaffee dazu, wie dies besonders in England der Fall ist. Die Verbindung von Nitrit und Coffein ist in der Tat krebserregend.

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  • Schlagworte Ananas | Archiv | Gehalt | Krebs | Käse | Wasser
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