Beinahe wirkt es wie eine gezielte Provokation, dass sich die repräsentative Demokratie ausgerechnet mit einem Dauerwahljahr zurückmeldet. Nach dem Jahr der Emotionen 2010 wird 2011 in sieben der 16 Bundesländer gewählt, vielleicht kommen sogar noch ein oder zwei weitere Termine hinzu. Mindestens sieben Mal werden die Wähler Karrieren beenden und auch Regierungen auswechseln. Auf die Empörung folgen die Entscheidungen.

2010 war beherrscht von der Sarrazin-Debatte , dem Protest gegen den neuen Bahnhof in Stuttgart , der Kandidatur von Joachim Gauck für das Amt des Bundespräsidenten. Die Leidenschaften, die dabei sichtbar wurden, die Angst, die Wut, aber auch das Engagement, bündelten das Misstrauen in die etablierten Institutionen. Sarrazin, Gauck und Stuttgart 21 gerieten zu Chiffren für den Zustand unserer Demokratie.

Der Wahlkampf, der in Hamburg bereits begonnen hat und frühestens im September in Berlin endet , wird in diesem Jahr eine Reihe von Fragen beantworten, die in den vergangenen Monaten dringlich geworden sind. Fragen, die weit über die einzelnen Landtage hinausreichen: Werden die Volksparteien weiter schrumpfen und die Grünen weiter wachsen? Findet der Rechtspopulismus in Deutschland ein Zuhause? Was wird aus der Wut?

Und: Wird es den etablierten Parteien gelingen, jenen Protest, der sich zuletzt immer häufiger auf der Straße artikulierte, zurückzuverwandeln in Unterstützung für die parlamentarische Demokratie?