Der California Beach ist serienmäßig mit einem Aufstelldach ausgestattet © VW Nutzfahrzeuge

Als Kind habe ich gern in einem dicken Bildband geblättert, der Die besten Fotos aus Life hieß. Ein Foto zeigte eine junge Frau beim Tanzen im Freien, wahrscheinlich auf einem Festival. Sie schwenkt die Arme in der Luft, schneidet eine Grimasse, und ihre nackten Brüsten wackeln. Hinter der tanzenden Frau steht ein bunt bemalter VW-Bus mit runden Kulleraugenscheinwerfern. Liebe, Friede, erotischer Übermut und dieses unschuldige Auto namens »Bulli« gehörten für mich fortan zusammen.

Vereinzelt sieht man noch heute alte Bullis, am Steuer geduldige Hippies auf dem langen Weg zurück zur Natur, eine dicke Abgaswolke hinter sich herschleppend.

Die Autotests aus dem ZEITmagazin © Zeit Online

Der California Beach, Urenkel des Bullis, ist ein Nutzfahrzeug für alle, die mehrere Kinder durch den Alltag chauffieren und Freitagnachmittag spontan zwei Surfbretter einladen, um das Wochenende am Strand zu verbringen. Ein Wagen, so wendig, schnell und parkbar wie ein Pkw und so geräumig wie ein Wohnmobil. Keine acht Liter verbraucht der Bus auf gemischter Strecke, die Sitzbank lässt sich mit einem Handgriff zum Doppelbett umlegen und das Dach aufstemmen, sodass vier Schlafplätze entstehen. Nicht einmal die Gardinen muss man noch selbst häkeln, Rollos sind schon eingebaut (freie Liebe braucht heute Privatsphäre).

Nur was, wenn gerade kein Strandwetter ist? Dann tun es auch zwei Schlitten und die Berge! Im Harz bücken sich die Tannen unter der Schneelast, aber der Campingplatz hat geöffnet. Wir rodeln bis es dunkel wird, dann schlüpfen wir in unsere Schlafsäcke, die Kinder unten, die Erwachsenen unterm Dach. Acht Grad Frost zeigt das Bordthermometer; nur eine Zeltplane trennt uns in der oberen Etage vom eisigen Wind. Doch die Standheizung pustet beharrlich warme Luft ins fahrbare Schlafzimmer. Am Morgen öffnen wir die Schiebetüre und stehen bis zu den Knien im Neuschnee. Die letzten Reste davon fliegen auf der Autobahn bei 150 km/h davon.

Zum Abschied schaue ich dem California noch einmal ins Gesicht. Guter Bulli, was hat die Zeit mit dir gemacht? Groß und stark bist du geworden. Aber deine Kulleraugen sind zu Schlitzen verengt, und du fletschst deinen Kühler. Vielleicht geht es dir wie uns: Um die Träume unserer Jugend zu verwirklichen, haben wir gekämpft – und sie dabei fast vergessen. Jetzt könnten wir sie zurückkaufen.

Technische Daten
   
Motorbauart: 4-Zylinder-Dieselmotor
Leistung: 75 kW (102 PS)
Beschleunigung (0–100 km/h): 17,9 s
Höchstgeschwindigkeit: 157 km/h
CO²-Emission: 198 g/km
Durchschnittsverbrauch: 7,5 Liter
Basispreis: 38.740 Euro

Julian Hans ist Chefredakteur bei ZEIT CAMPUS