AutotestKuscheltage im Harz

Julian Hans fährt den VW California Beach 2.0 TDI von 

Der California Beach ist serienmäßig mit einem Aufstelldach ausgestattet

Der California Beach ist serienmäßig mit einem Aufstelldach ausgestattet  |  © VW Nutzfahrzeuge

Als Kind habe ich gern in einem dicken Bildband geblättert, der Die besten Fotos aus Life hieß. Ein Foto zeigte eine junge Frau beim Tanzen im Freien, wahrscheinlich auf einem Festival. Sie schwenkt die Arme in der Luft, schneidet eine Grimasse, und ihre nackten Brüsten wackeln. Hinter der tanzenden Frau steht ein bunt bemalter VW-Bus mit runden Kulleraugenscheinwerfern. Liebe, Friede, erotischer Übermut und dieses unschuldige Auto namens »Bulli« gehörten für mich fortan zusammen.

Vereinzelt sieht man noch heute alte Bullis, am Steuer geduldige Hippies auf dem langen Weg zurück zur Natur, eine dicke Abgaswolke hinter sich herschleppend.

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Der California Beach, Urenkel des Bullis, ist ein Nutzfahrzeug für alle, die mehrere Kinder durch den Alltag chauffieren und Freitagnachmittag spontan zwei Surfbretter einladen, um das Wochenende am Strand zu verbringen. Ein Wagen, so wendig, schnell und parkbar wie ein Pkw und so geräumig wie ein Wohnmobil. Keine acht Liter verbraucht der Bus auf gemischter Strecke, die Sitzbank lässt sich mit einem Handgriff zum Doppelbett umlegen und das Dach aufstemmen, sodass vier Schlafplätze entstehen. Nicht einmal die Gardinen muss man noch selbst häkeln, Rollos sind schon eingebaut (freie Liebe braucht heute Privatsphäre).

Nur was, wenn gerade kein Strandwetter ist? Dann tun es auch zwei Schlitten und die Berge! Im Harz bücken sich die Tannen unter der Schneelast, aber der Campingplatz hat geöffnet. Wir rodeln bis es dunkel wird, dann schlüpfen wir in unsere Schlafsäcke, die Kinder unten, die Erwachsenen unterm Dach. Acht Grad Frost zeigt das Bordthermometer; nur eine Zeltplane trennt uns in der oberen Etage vom eisigen Wind. Doch die Standheizung pustet beharrlich warme Luft ins fahrbare Schlafzimmer. Am Morgen öffnen wir die Schiebetüre und stehen bis zu den Knien im Neuschnee. Die letzten Reste davon fliegen auf der Autobahn bei 150 km/h davon.

Zum Abschied schaue ich dem California noch einmal ins Gesicht. Guter Bulli, was hat die Zeit mit dir gemacht? Groß und stark bist du geworden. Aber deine Kulleraugen sind zu Schlitzen verengt, und du fletschst deinen Kühler. Vielleicht geht es dir wie uns: Um die Träume unserer Jugend zu verwirklichen, haben wir gekämpft – und sie dabei fast vergessen. Jetzt könnten wir sie zurückkaufen.

Technische Daten
   
Motorbauart: 4-Zylinder-Dieselmotor
Leistung: 75 kW (102 PS)
Beschleunigung (0–100 km/h): 17,9 s
Höchstgeschwindigkeit: 157 km/h
CO²-Emission: 198 g/km
Durchschnittsverbrauch: 7,5 Liter
Basispreis: 38.740 Euro

Julian Hans ist Chefredakteur bei ZEIT CAMPUS

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Leserkommentare
  1. "Der California Beach, Urenkel des Bullis, ist ein Nutzfahrzeug für alle, die mehrere Kinder durch den Alltag chauffieren und Freitagnachmittag spontan zwei Surfbretter einladen, um das Wochenende am Strand zu verbringen."

    Wohlgemerkt für alle, die mehrere Kinder haben und mal locker aus der Hüfte 50.000€ plus X für ein Wochenendspaßmobil ausgeben können.

  2. ...– und sei es auch noch so klein und überteuert – auf einem Campingplatz nächtigt, hat irgendetwas nicht verstanden ;-)
    Außerdem betr#ägt der "Grundpreis" für den California Beach lt. VWN-Website 36.711,50 €; dafür gibt es tatsächlich vier Räder, die bis zum Boden reichen.

    • oh
    • 13. Januar 2011 9:32 Uhr

    Seit 15 Jahren stehe ich im Urlaub mit meinem Bulli auf Campingplätzen. Was ist daran nicht zu verstehen, bzw was habe all' die Jahre nicht verstanden?
    Ausnahme: Schweden + Norwegen, vorausgesetzt, man findet einen geeigneten Platz. Denn dort gilt im Gegensatz zu D das allemansrätt. .

    • medscot
    • 13. Januar 2011 11:05 Uhr

    das klingt schon sehr deutsch und sehr wenig nach dem stereotypischen Bulli-Fahrer!
    Allemanrätt muß man sich auch in D und anderswo manchmal einfach nehmen, das gehört zumindest für mich zum Bulli-Gefühl dazu.
    Aber Hauptsache Sie sind glücklich auf dem Campingplatz und nicht böse auf die, die nicht dort stehen;-)

    ICH LIEBE DEN BULLI - in allen Jahrgängen;-)

  3. ... WoMo nochnie auf einem Campingplatz übernachtet. Wenn nicht "wild" findet sich immer der Parkplatz eines Landgasthofes o. ä. Auch in Großbritannien geht das ohne Campingplätze, auch wenn in England und Schottland das "wilde" Übernachten ausdrücklich verboten ist. Aber erstens gibt's da auch nette Pub-Besitzer und zweitens ist es in Walse ja noch viel schöner. Und dort darf man, wo nicht ausdrücklich ausgeschildert (wie auf macnhen Stränden) bis zu drei Tage auf öffentlichen Plätzen übernachten und "wohnen". Außerdem gibt's in Wales alle paar Meilen hervorragend gepflegte öffentliche Toiletten, die sich prima zum Ver- und Entsorgen nutzen lassen, was auch keinen stört, wenn man sich dabei anständig aufführt.
    Und auch in der Schweiz haben wir mit dem Camper noch nie auf einem Campingplatz übernachtet, sondern immer nur an öffentlich zugänglichen (Park-) Plätzen.

  4. Ich war Bullifahrer der frühen Tagen und kann mich nur wundern über Beschleunigungswerte und Verbräuche wie bei einem Rennwagen. Der Kaufpreis heute ist ja wohl vollkommen abgehoben für diese Kiste. Der alte 1200er 35 Ps Käfermotor im Heck der Bullis mit geteilter Frontscheibe brauchte damals 5Liter Normalbenzin - und ich frage mich, wo für baucht man heute 102Ps ? Um in die Ferien oder Freizeit zu fahre- rasen oder Freizeit abzuarbeiten? Ein ziemlich pragmatischer irgendwie verrückter Ansatz, aber passend für den heuteigen Verbraucher.
    Am liebten sind mir heutzutage die Mutti´s aus dem Fertighaus-Neubaugebiet die mit solchen Teiel vollkommen überfordert einkaufen und die Kinder vier mal am Tag bringen und abholen, das ist die California-Zielgrüppe die sowieso nie Zeit hat

    • oh
    • 14. Januar 2011 13:08 Uhr

    ist der Bulli allemal. Danke auch für den Artikel. Hat mich an einen Skiurlaub im Bulli in Mittelschweden erinnert. Direkt an der Piste. Nur ohne Standheizung, dafür mit Heizlüfter und Zeitschaltuhr.
    @ mescot: ja, ich bin deutsch (ist das wichtig?). Habe aber nicht behauptet, nicht auch in D mal außerhalb von Campingplätzen zu stehen. Gerade an der Nordsee stehen wir gerne auf einem tollen Platz. Nur leider sind solche Plätze rar gesäht. Dann lieber auf nem Campingplatz als auf nem Hotelparkplatz. Was ist denn der stereotypische Bullifahrer?

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    ... zum Übernachten geht der California schon mal, aber für einen dreiwöchigen Urlaub mit Familie darf's schon ein richtiges Wohnmobil sein.

  5. ... zum Übernachten geht der California schon mal, aber für einen dreiwöchigen Urlaub mit Familie darf's schon ein richtiges Wohnmobil sein.

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  • Serie Autotest
  • Schlagworte Harz | Autobahn | Autotest | Bildband | Campingplatz | Festival
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