Renten für DDR-Flüchtlinge Vom Rechtsstaat geprellt
Wer aus der DDR geflüchtet ist, bekommt heute eine kleinere Rente als mancher frühere Stasimitarbeiter
Sein bester Freund hatte ihn gewarnt, vor ein paar Jahren, am Telefon. »Pass bloß auf«, hatte er gesagt, »die bescheißen dich. Die nehmen dir deine Rente weg.« Ach was, hatte Eckart Gühne geantwortet, bestimmt nicht. »Ich habe den Bescheid, in dem ist alles geregelt.« Und außerdem war das hier doch die Bundesrepublik, der Staat, in dem er immer leben wollte.
Der Staat, in dem Eckart Gühne nicht mehr hatte leben wollen, verabschiedete ihn mit vorgehaltenen Kalaschnikows. Die Volkspolizisten, die am Morgen des 26. März 1984 vor seiner Tür stehen, wedeln mit ihren Waffen und teilen ihm mit, dass sein Ausreiseantrag heute vollzogen werde. Gühne, seine Frau und ihre drei Kinder müssten bis Mitternacht das Gebiet der Deutschen Demokratischen Republik verlassen. Keine Zeit zum Innehalten, keine Zeit, zu begreifen, was passiert. Um 19.17 Uhr besteigen die Gühnes in Dresden den Interzonenzug und finden sich, ehe sie sich’s versehen, auf dem Stuttgarter Hauptbahnhof wieder.
Ein Vierteljahrhundert später sitzt Gühne in seinem Ingenieurbüro für Elastomertechnik im Schwarzwald und fühlt sich wieder als DDR-Bürger. »Nein«, korrigiert er sich. »Wir sind weniger als das. Sogar ein Ex-Stasimitarbeiter bekommt heute mehr Rente als wir Flüchtlinge.« Es ist eine unglaubliche Geschichte: Hunderttausende einstige Oppositionelle, die vor dem Mauerfall unter widrigsten Umständen in die Bundesrepublik gekommen sind, die ihr Leben lang gearbeitet haben, werden vom gesamtdeutschen Sozialstaat mit minimalen Renten ausgehalten. Renten, die um Hunderte Euro unter dem liegen, was ihnen nach der Ankunft im Westen offiziell zugesichert worden war. Schuld ist eine Gesetzesänderung nach der Wiedervereinigung. Nur dass ihnen von der keiner etwas gesagt hat.
Eckart Gühne hat seinen Terminkalender von 1984 aufgehoben. Die Seiten sind vollgeschrieben mit Zahlen und Daten, vom Abfahrtgleis in Dresden über den Preis der Zugfahrkarten bis hin zum Termin seines ersten Bewerbungsgespräches im Westen. Konfrontiert mit einer Flut von Unbekannten, hat er, ganz der Techniker, die wenigen Bekannten jener Wochen akribisch dokumentiert. Er hat sie abgeheftet, all die Papiere und Bescheide, die seine Existenz als DDR-Bürger beendeten, und jene, die sein neues Leben als Bundesbürger begründeten. Es war sein Versuch, anzukämpfen gegen das Gefühl der Machtlosigkeit angesichts von Ereignissen, die das Leben seiner Familie für immer veränderten.
Einer der Bescheide ist datiert auf den 2. Juli 1985, Absender ist die Bundesversicherungsanstalt für Angestellte (BfA). Sie informierte ihn, dass seine in der DDR geleisteten Berufsjahre auf seine Rente im Westen angerechnet würden. Grundlage sei das Fremdrentengesetz – was bedeutete, dass die BfA Gühne so behandelte, als habe er schon immer im Westen Beiträge gezahlt. Sie hatten ihn, wie es amtlich hieß, »eingegliedert«. Vielleicht muss man Ingenieur sein, um sich von ein paar Sätzen Behördendeutsch so rühren zu lassen. Vielleicht muss man zuvor als gesellschaftlicher Außenseiter gelebt haben, dass einem ein solches Schreiben das Gefühl gibt: Jetzt gehörst du endlich dazu. Jetzt bist du wirklich einer von ihnen. »Wir waren die hundertprozentigen Bundesbürger«, sagt Gühne. »Wir hatten dafür gekämpft, hier leben zu können.«
Nach der Einheit wurden die Übersiedler schlechtergestellt
Und dann das: Gühne kramt einen Bescheid der Deutschen Rentenversicherung heraus, diesmal von 2006. Die Warnung seines Freundes hatte ihm keine Ruhe gelassen, so hatte er am Ende doch Auskunft über seine Rente verlangt. Und da stand es schwarz auf weiß: »Der Bescheid vom 2. Juli 1985 (...) wird mit Wirkung ab 1.1.1992 aufgehoben.« Mit 14-jähriger Verspätung wurde ihm mitgeteilt, dass die 1985 festgestellten Beitragszeiten »wegen einer Rechtsänderung« nicht mehr berücksichtigt werden könnten. Gühne fühlte sich, als habe man ihn soeben wieder aus der Bundesrepublik ausgegliedert. Sein Freund, der ebenfalls ausgereiste Lothar Gebauer, nickte nur traurig. »Ich habe es dir gesagt. Das Versprechen, das sie dir gegeben haben, ist nicht das Papier wert, auf dem es steht.«
Dabei hat das, was sich für die Betroffenen wie Betrug anfühlt, seinen Ursprung wohl eher in einer eklatanten Gedankenlosigkeit. Als Bundesrepublik und DDR 1990 die Sozialunion aushandelten, einigten sie sich: Im Osten geleistete Arbeitsjahre werden auf Grundlage des DDR-Sozialversicherungsausweises auf die künftige gesamtdeutsche Rente angerechnet. Und: Das Fremdrentengesetz soll für künftige Übersiedler nicht mehr angewandt werden. Ein Rentenüberleitungsgesetz (RÜG) sollte später die Details regeln. Das Problem tauchte ein gutes Jahr später auf: Die Rentenversicherung interpretierte das neue RÜG so, dass plötzlich auch die bereits vor dem Fall der Mauer in den Westen Geflüchteten darunterfielen – obwohl man denen doch längst anderes versprochen hatte, nämlich eine Rente auf der Grundlage der westlichen Einkommen.
Die Folge war ein herber finanzieller Verlust für die Betroffenen, den die aber zunächst gar nicht bemerkten, weil sie keiner über die Ungültigkeit ihrer alten Bescheide informierte. Ihre Lage wurde verschlimmert dadurch, dass viele Flüchtlinge aus Prinzip nicht in die Freiwillige Zusatzrentenversicherung (FZR) der DDR eingezahlt hatten. Weil sie ihren passiven Widerstand gegen die Staatsmacht demonstrieren wollten – und weil sie wussten, dass sie nach ihrer Ausreise ohnehin nichts mehr von ihrem Geld sehen würden: Sie alle mussten die berüchtigte Verzichterklärung unterschreiben, mit der sie alle Ansprüche gegenüber der DDR aufgaben. Und ausgerechnet die Beiträge zur FZR wurden jetzt im vereinten Deutschland für sie wieder rentenrelevant.
Die Flüchtlinge fühlen sich im Nachhinein für ihren Mut bestraft: Wären sie in der DDR geblieben und hätten im System mitgemacht, stünden sie heute besser da. Was sie als zusätzliche Häme empfinden: Während man ihre Beschwerden immer wieder als ungerechtfertigt zurückweist, sind die damals ebenfalls vorgenommenen Rentenkürzungen vieler DDR-Funktionäre von den Gerichten kassiert worden, da sie verfassungswidrig seien. Sogar ein Ex-Stasimitarbeiter bekommt heute pro Berufsjahr 40 Prozent mehr Rente als Eckart Gühne.
- Datum 17.01.2011 - 18:40 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 13.1.2011 Nr. 03
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Das alles ist eine große Schweinerei, die sofort beseitigt werden sollte! Nicht nur weil die Betroffenden 2019 nicht mehr leben könnten.
Doch glaube ich, dass die Renten für gleiche Leistungen im Ost-West-Vergleich im Grunde eh nicht übereinstimmen , so dass in diesem Bereich eh nachgebessert werden sollte!
Aber warum sollte der Politiker dies tun, wo die Rentner doch 2019 eh nicht mehr leben.. (Schweinerei!)
"Gemeinsam ist allen Betroffenen, dass es ihnen in den seltensten Fällen nur auf das Geld ankommt – es geht ihnen um Anerkennung, um den Wert ihrer Arbeit und damit ihrer Lebensleistung insgesamt"
Wenn von 900€ 1/3 gekürzt werden, bleiben 600€. Ich glaube da würde es mir persönlich auch um das Geld gehen, nicht nur, aber auch!
Den Satz "dir geht's ja nur um Geld" kann sich hier jeder sparen, da 600€ nur knapp an dem Existenzminimum vorbei kratzen.
Immer wieder erschreckend wohin einen die Profitgier einiger Leute hintreibt.
Ich für meinen Teil kann den betroffenden Rentner nur mein Glück vor den Gerichten wünschen!
Zur Wendezeit fragte mich mein erster Personalchef:
"Wann haben Sie Ihr Begrüßungsgeld geholt?"
Antwort meinerseits:
"An einem Samstag und Wochen später als ich nicht arbeiten brauchte."
Seine Antwort:
"Sie haben den Job, denn wir brauchen Leute, die ihren Arbeitsplatz nicht wegen ein paar Hundert Mark verlassen und den Betrieb und die Arbeit im Stich lassen."
Nach einer kurzen Pause:
"Ich stelle Sie deshalb ab ein! Sie holen noch vorher Ihren Firmenwagen und finden sich am 02.01.1991 bei uns im Hauptsitz ein."
Noch Fragen?
Allmosen nie geholt, weil verdientes Geld das beste war! Der Umtausch 1:1 hat mir recht gegeben!
Feststellen musste ich aber, das das persöhnliche Ego auch bei den OSSIES vorn an stand!
Allmosen nie geholt, weil verdientes Geld das beste war! Der Umtausch 1:1 hat mir recht gegeben!
Feststellen musste ich aber, das das persöhnliche Ego auch bei den OSSIES vorn an stand!
Sie habend den Deal mit der Stasi gemacht und nicht mit den Leuten auf der Straße!
Den Rentnern im Osten wird die Arbeit ihres Lebens nicht gen Ende belohnt. Viele Menschen damals hatten Stempelmarken die die Westpolitik nicht anerkennt. Die Linke hat dafür gekämpft, dass diese Leute dennoch eine Rente entsprechend ihrer Arbeit bekommen. Die übrigen Parteien verhindern das bis heute. Gysi sagte dazu etwas sehr interessantes, nämlich, dass diese Parteien darauf warten, dass die Zeit das Problem löst. Damit ist das Absterben der Rentner gemeint, die von Hartz4 Leben müssen.
http://www.youtube.com/wa...
http://www.youtube.com/wa...
Aber um Inhalte geht es ja nicht in den Medien. Die Linke bleibt eben in deren Augen die Böse Kommunsitenpartei, ganz egal welche Politischen Ziele sie verfolgt.
...zahlen die jungen Ostler (die Geburtenquote im Osten war höher als die im Westen) jetzt die höheren Westrenten per Umlage. IdR ohne Chancen jemals selbes Niveau zu erreichen, dank der absoluten Unfähigkeit und Kurzsichtigkeit westlicher Politiker.
[...]
Man kann denen ja die Rente in der Währung auszahlen, wie sie eingezahlt wurde, doch inzwischen dürfte sogar der Aluminiumpreis gestiegen sein.
Da sollten sich die "Ostler" im klaren sein, die Rente egal wie hoch, ist ein Geschenk, wofür viele andere hart arbeiten müssen.
Bitte verzichten Sie Pauschalisierungen. Danke. Die Redaktion/sh
dieser Kommentar ist mit hoher Wahrscheinlichkeit nur zum Provozieren gedacht und sollte deshalb ignoriert werden. Danke!
Weil es ein Goldregen für Banken und Versicherungsgesellschaften waren?
[...]
Übrigens, zur wiedervereinigung hatte WD ein kindersegen und tehoretisch müsste man wohl heute von diesen Kindern eine Rente sichern. Sollen jetzt die Ostdeutschen Kinder (meine Studierten) Eure Westrenten finanzieren? [...]
Teile entfernt. Bitte äußern Sie Kritik in einem sachlichen Ton. Danke. Die Redaktion/wg
dieser Kommentar ist mit hoher Wahrscheinlichkeit nur zum Provozieren gedacht und sollte deshalb ignoriert werden. Danke!
Weil es ein Goldregen für Banken und Versicherungsgesellschaften waren?
[...]
Übrigens, zur wiedervereinigung hatte WD ein kindersegen und tehoretisch müsste man wohl heute von diesen Kindern eine Rente sichern. Sollen jetzt die Ostdeutschen Kinder (meine Studierten) Eure Westrenten finanzieren? [...]
Teile entfernt. Bitte äußern Sie Kritik in einem sachlichen Ton. Danke. Die Redaktion/wg
der leider völlig unterschiedliche Dinge durcheinanderwirft.
Zuerst einmal: Die Rentenanwartschaft folgt nach dem Erwerb von Anteilen und anderen Regelungen-da spielt es keine Rolle, wo der Empfänger politisch steht oder ob er mal kriminell war (die Kreisler-Witwe bezog in der BRD eine hohe Rente von ohrem Mann) oder ob er Frau und Kinder schlägt. Deshalb ist der Vergleich mit einem "Systennahen" (etwa jemand, der für die Stasi tätig war- der bekommt nebenbei gesagt nicht gerade viel) dümmliche Polemik ohne Inhalt. Was andere bekommen, hat nichts damit zu tun.
Zweitens handelt es sich hierum jemanden, der legal ausgereist ist. Die Klamotte mit den Polizisten oder des Widerständlers hätte man steckenlassen können. Er war kein Flüchtling und der Weggang war auch gefahrlos.
Drittens sind sehr große Gruppen der Ex-DDR-Berufstätigen enorm benachteiligt, völlig unabhängig von ihrem politischen Wirken in der DDR. Die meisten Gruppen von Intellektuellen (Ärzte, Professoren, Lehrer, Ingenieure, Kulturleute etc) gehören dazu- die beziehen oft nur die Hälfte der Rente der entsprechenden Berufsgruppe der BRD. Das kommt durch den Modus der Anrechnung von Erwerbszeiten und Ansprüchen aus der DDR, der alle trifft, unabhängig von ihrer Ostbiographie, so auch den Mann aus dem Beitrag.
Hallo
,irgenwelche Kommentare aus den Reihen der SED - PDS sind hier eher wohl ungeeignet.
Wann entschuldigt sich die SED bei den Opfern ?
mfg
Wann entschuldigen sich die Westpolitiker für ihre nicht eingehaltenen Wahlversprechen?
Und was ich gleich garnicht abkann, ist " nicht jeder Flüchtling war ein politischer" Flüchtling! Da gabs auch die Wirtschaftlichen (hängen sich heute einen Orden dran) dann die (Krimminellen)!
Nicht jeder war ein Politischer ,fersteckt sich aber unter dem Mantel! Der größte Teil war an seiem EGO interresiert und mehr nicht!
Gleich kommt ein Schrei! Wie können Sie?
Ich kann! Ich kenne viele Wirtschaftssysteme und habe wohl Lebenserfahrungen die nicht ohne sind.
Wann entschuldigen sich die Westpolitiker für ihre nicht eingehaltenen Wahlversprechen?
Und was ich gleich garnicht abkann, ist " nicht jeder Flüchtling war ein politischer" Flüchtling! Da gabs auch die Wirtschaftlichen (hängen sich heute einen Orden dran) dann die (Krimminellen)!
Nicht jeder war ein Politischer ,fersteckt sich aber unter dem Mantel! Der größte Teil war an seiem EGO interresiert und mehr nicht!
Gleich kommt ein Schrei! Wie können Sie?
Ich kann! Ich kenne viele Wirtschaftssysteme und habe wohl Lebenserfahrungen die nicht ohne sind.
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