Geldanlage: Bei Risiken und Nebenwirkungen...
...lesen Sie den Beipackzettel. Bankberater müssen künftig besser über Risiken aufklären. Tricksen können sie aber auch weiterhin.
© Ralph Orlowski/Getty Images

Ein Fußgänger vor Bankentürmen von Frankfurt am Main
Wenn Sie 10.000 Euro einzahlen, bekommen wir davon 500 Euro an Provision. Der Rest Ihres Geldes fließt in einen Fonds, wo noch einmal Gebühren anfallen.« Haben Sie solche Sätze schon mal von Ihrem Kundenbetreuer bei der Bank gehört? Nein? Dann geht es Ihnen wie den meisten Anlegern in Deutschland. Trotz eindeutiger Rechtslage weigern sich viele Bankberater noch immer hartnäckig, über Provisionen aufzuklären, die ihr Institut für den Verkauf von Anlageprodukten kassiert. Lieber sprechen sie vom »Agio« oder von »Emissionskosten«. Oder sie verweisen auf einen 200 Seiten langen Fondsprospekt.
Die Verschleierungstaktik ist aus Sicht der Berater nachvollziehbar. Sie haben oft strenge Verkaufsvorgaben, und gerade Produkte, die der Bank hohe Einnahmen bescheren, würden sich bei voller Transparenz deutlich schwerer verkaufen lassen. Der Verdacht drängt sich auf, dass es in erster Linie am sogenannten Kickback von zehn Prozent oder mehr liegt, dass der Berater den riskanten Schiffsfonds anpreist und nicht den konservativen Aktienfonds oder gar das provisionsfreie Sparbuch.
- Kickback
Hat ein Anleger Fonds im Depot, bezahlt er dafür jedes Jahr eine Gebühr an die Verwaltungsgesellschaft. Diese reicht einen Teil davon weiter an den Fondsverkäufer. Häufig ist das der persönliche Bankberater des Kunden. Solche Rückprovisionen heißen Kickbacks. Eigentlich ist das nichts anderes als Schmiergeld. Juristen sprechen vornehmer von Rückvergütungen, die vom Geld des Kunden abgezwackt werden und an die Bank fließen
Da bisher weder strengere Gesetze noch Urteile des Bundesgerichtshofs daran etwas ändern konnten, will Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner nun mit einem neuen Instrument Transparenz erzwingen: dem Beipackzettel . Wenn Bankberater Wertpapiere wie Aktienfonds oder Zertifikate als Anlage empfehlen, müssen sie Kunden künftig »ein kurzes und leicht verständliches Informationsblatt« präsentieren, das über Chancen, Risiken und Kosten aufklärt. So sieht es ein Gesetz vor, das demnächst verabschiedet werden soll . Ähnliches soll künftig auch für Mitarbeiter von Finanzvertrieben gelten.
Das Ziel der Aufklärung: Wenn Anleger auf einen Blick erfahren, wie viel die Bank für den Verkauf von Wertpapieren kassiert, können sie die Motivation hinter einer Empfehlung besser einschätzen. Fälle wie im Herbst 2008, als Tausende deutsche Anleger nach dem Zusammenbruch der US-Bank Lehman Brothers auf dem Schaden sitzen blieben, soll es künftig nicht mehr geben. Berater und Vermittler hatten damals das Risiko dieser provisionsträchtigen Produkte immer kleingeredet.
Aber können zwei- oder dreiseitige Infoblätter provisionshungrige Berater tatsächlich ausbremsen? Bei näherem Hinsehen wird deutlich: Die Papiere sind nur ein kleiner Fortschritt. Schon jetzt ist absehbar, dass Finanzinstitute erneut Wege finden werden, um die Vorschriften zu umgehen.
Wie viel Raum für Tricksereien bleibt, hängt zunächst davon ab, ob die Bundesregierung detaillierte Vorgaben macht, wie die Beipackzettel auszusehen haben. Ministerin Aigner hatte im Sommer strenge Vorschriften angekündigt. Doch der Gesetzentwurf enthält nur grobe Richtlinien, die Details sollten ursprünglich in einer Rechtsverordnung geregelt werden. Der Bundesrat drängt jedoch darauf, das Gesetz zu ergänzen und genau festzulegen, in welcher Reihenfolge die Angaben aufzulisten sind.
Parallel zu den Debatten in Berlin bereitet auch die EU neue Regeln vor: Binnenmarkt-Kommissar Michel Barnier hat Ende November verkündet, dass er zweiseitige »Key Investor Information Documents« für sämtliche Geldanlagen zur Pflicht machen will – mit einheitlichen EU-Standards. Bis Ende Januar können sich Finanzlobbyisten und Verbraucherschützer dazu äußern.




Wer nichts oder wenig von Kapitalanlagen versteht, soll sein Geld auf das Sparbuch legen oder Bundesanleihen kaufen. Alle anderen müssen damit rechnen, dass es überall dort, wo es Gewinne gibt, auch Verluste geben kann.
Beratung durch die Bank kann immer nur eine Meinung unter vielen sein. Man kann auch (Finanz-)Zeitungen lesen.
Aber wovon man nichts versteht, soll man die Finger lassen; wer kein Motorrad fahren kann, sollte sich auch keine Harley kaufen.
"Wenn Anleger auf einen Blick erfahren, wie viel die Bank für den Verkauf von Wertpapieren kassiert, können sie die Motivation hinter einer Empfehlung besser einschätzen."
Deshalb werden die Politiker den Bankern Schlupflöcher auflassen - damit die Kunden gerade dies nicht erfahren oder nicht verstehen können.
"Bis Ende Januar können sich Finanzlobbyisten und Verbraucherschützer dazu äußern."
Welche der Seiten wird wohl bei unseren Entscheidern die überzeugenderen Argumente vortragen?
Na?
Na klar.
Und deshalb wird sicht nicht wirklich etwas ändern.
"Trotz eindeutiger Rechtslage weigern sich viele Bankberater ... hartnäckig, über Provisionen aufzuklären".
die Möglichkeit der Geldaufwertung sucht, sofort ausgeben! Ein tipp an den Schäuble, auch das hört auf!
Immerhin, ein Beipackzettel. Der wird Finanzvertriebler wie MLP aber auch nicht davon abhalten, sich möglichst komplizierte Produkte auszudenken, die die smarten Berater als besonders exklusiv und maximal sicher anpreisen. Natürlich geht es auch hier nur nicht um den Nutzen des Kunden oder die Sicherheit des angelegten Geldes, sondern um die Provision der Berater - die bezahlen damit nämlich ihr dickes Auto. Und wenn die Zahlen nicht stimmen, gibt´s Ärger mit dem Vorgesetzten.
"Anleger, die sich selbst schützen wollen, haben nun zwei Optionen."
Es gibt noch zwei weitere: Einen Beratungstermin bei der lokalen Verbraucherschutzzentrale ausmachen und sich regelmäßig informieren, z.B. Finanztest lesen.
In den meisten Ländern der Welt kauft man seine Aktien nicht von einer Bank, sondern unmittelbar von einem Börsenmakler oder Broker, der nur eine minimale Kommission für diesen Dienst berechnet. Auch zur Beratung wendet man sich natürlich NIE an die Person, die einem die Aktien oder den Fonds verkauft.
- das hat jetzt wahrscheinlich auch so mancher lernen müssen, der vom "Berater" seiner Bank eher gebraten als beraten wurde. Wer von den fremdfinanzierten Anlageaufschwätzern los kommen will muss die dann wohl besser selbst finanzieren: durch Honorarberatung. Das gibt es nämlich auch.
Glaubt denn wirklich jemand, eine deutsche Regierung würde auch nur ansatzweise versuchen, die Banken zu einem - soweit das bei Banken überhaupt möglich ist - 'ehrenhaften' Geschäftsgebaren zu zwingen?
Spätestens das vorläufig größte Kapitalverbrechen - es läuft unter dem Namen Finanzkrise - sollte doch geklärt haben, daß Banken und Hochfinanz die Politik bestimmen.
Wer erklärt mir die RisikoAufschläge, wenn das 'Risiko' letztlich die Bevölkerung trägt?
Sind diese Provisionen nicht in der Regel Anstiftung zum Betrug?
Ist schon herrlich, wenn die HerrenDamen sich 'ihr Recht' so ganz nach ihren Bedürfnissen hin und her biegen können, daß jede chinesische Spitzengymnastin vor Neid erblaßt.
Ps: Respekt für den Autor für diesen unZEITgemäß vergleichsweise kritischen Artikel
Da hat unsere Verbraucherschutzministerin ja doch mal einen sehr guten Einfall. Ich hoffe, dass sie da nicht unter dem Druck der Lobby zusammenbricht.
Es darf einfach nicht sein, dass wenn ein Bürger zu einer "Beratung" geht auch noch beschissen wird und wichtige Informationen (und die Anfallenden Kosten und Risiken sind ja nun wirklich keine unwichtigen Informationen) verschleiert werden.
Gerade ärmere Menschen, die eh weniger gebildet sind, als reiche Menschen fallen sehr leicht auf Abzocken herein. Diese Menschen dürfen wir dann nicht von den Banken abzocken lassen, denn am Ende muss der Steuerzahler für sie aufkommen. Es ist schon schlimm genug, dass viele dieser Menschen, die auf jeden Cent angewiesen sind, ihr Geld dann auch noch an solche "Gangster" verlieren.
Menschen mit mehr finanziellem Vermögen sollten sich dann allerdings auch überlegen, ob es wirklich die Bank sein muss, die 0.5% mehr Zinsen auf das Darlehen zahlt, oder ob nicht eine Bank, die ihr Geld mit redlichen Mitteln verdient nicht eine besser Alternative ist. Da liegt die Informationspflicht schon bei den gebildeten Menschen, denn die wollen ja auch schließlich gebildet sein.
Abschließend will ich da noch ein Zitat von einem Kommilitonen aus Amerika anführen: "Wir mögen es eben unsere dummen Menschen abzuzocken".
Bitte lassen sie es nicht soweit in Deutschland kommen.
Arme Menschen werden durch die Banken nicht durch falsche Anlageberatung abgezockt, da sie häufig kein Geld zum anlegen haben. Sie haben höchsten Probleme bei der Kreditvergabe. Wo ältere und ärmere Menschen abgezockt werden, sind Kaffee-Fahrten, Gewinnversprechen über Telefon und per Post.
Die Banken sind da weitestgehend außen vor - schon aufgrund der geringen Summen und des damit verbundenen Aufwandes.
Aber Banker-Bashing ist zur Zeit halt in - also schnell schreiben ohne zu denken.
Anlageprobleme haben eher die Halbschlauen, Superschlauen und vor allem die Gierigen; denn bei Geldanlagen gilt nunmal "ohne Risiko kein Gewinn". Außerdem gibt es viele Möglichkeiten sich kundig zu machen, wie z.B. Internet, Finanztest, TV.
Hallo,
ein sich permanent verschärfender Verbraucherschutz allein kann nicht die Lösung sein. Seit dem Beginn der 1990er ist dem interessierten und mündigen Anleger klar, dass eine Bank nicht als soziale, sondern als gewinnorientierte Institution agiert. Mehr als 20 Jahre später sollte ein Artikel also nicht mehr den Tenor verbreiten, versteckte oder offene Provisionen wären etwas völlig neues. Und statt der Schiffsbeteiligung einen "konservativen Aktienfonds" zu empfehlen, halte ich für sehr grenzwertig.
Die Lösung kann nur lauten: bessere finanzielle (Aus)Bildung der Verbraucher, so dass sich Berater und Verbraucher auf Augenhöhe begegnen und eine fundierte Beurteilung der Anlageberatung erfolgen kann, ergänzt um eine persönliche Haftung der Berater bei Falschberatung. Es ist schon beachtlich, dass man mit 18 einen Fahrprüfung ablegen muss. Für seine finanziellen und damit ökonomisch existenziell wichtigen Belange kann der unbedarfte 18-Jährige, der häufig nicht einmal die richtige Wirkung von Zinseszins oder Inflation, geschweige denn den Begriff Risiko kennt, ohne weiteres frei und ohne jede Vorausbildung oder Vorprüfung verantwortlich zeichnen. Kein Wunder, dass Finanzinstitute, dem ständigen Gewinnstreben ausgesetzt, der Versuchung dieses "free lunch" nur schwer widerstehen können.
Der Staat sollte sich darauf zurückziehen, was seine Aufgabe ist: die hoheitliche Überwachung des Marktes. Den Rest regelt dieser dann selbst.
MfG
Olaf Steglich
Arme Menschen werden durch die Banken nicht durch falsche Anlageberatung abgezockt, da sie häufig kein Geld zum anlegen haben. Sie haben höchsten Probleme bei der Kreditvergabe. Wo ältere und ärmere Menschen abgezockt werden, sind Kaffee-Fahrten, Gewinnversprechen über Telefon und per Post.
Die Banken sind da weitestgehend außen vor - schon aufgrund der geringen Summen und des damit verbundenen Aufwandes.
Aber Banker-Bashing ist zur Zeit halt in - also schnell schreiben ohne zu denken.
Anlageprobleme haben eher die Halbschlauen, Superschlauen und vor allem die Gierigen; denn bei Geldanlagen gilt nunmal "ohne Risiko kein Gewinn". Außerdem gibt es viele Möglichkeiten sich kundig zu machen, wie z.B. Internet, Finanztest, TV.
Hallo,
ein sich permanent verschärfender Verbraucherschutz allein kann nicht die Lösung sein. Seit dem Beginn der 1990er ist dem interessierten und mündigen Anleger klar, dass eine Bank nicht als soziale, sondern als gewinnorientierte Institution agiert. Mehr als 20 Jahre später sollte ein Artikel also nicht mehr den Tenor verbreiten, versteckte oder offene Provisionen wären etwas völlig neues. Und statt der Schiffsbeteiligung einen "konservativen Aktienfonds" zu empfehlen, halte ich für sehr grenzwertig.
Die Lösung kann nur lauten: bessere finanzielle (Aus)Bildung der Verbraucher, so dass sich Berater und Verbraucher auf Augenhöhe begegnen und eine fundierte Beurteilung der Anlageberatung erfolgen kann, ergänzt um eine persönliche Haftung der Berater bei Falschberatung. Es ist schon beachtlich, dass man mit 18 einen Fahrprüfung ablegen muss. Für seine finanziellen und damit ökonomisch existenziell wichtigen Belange kann der unbedarfte 18-Jährige, der häufig nicht einmal die richtige Wirkung von Zinseszins oder Inflation, geschweige denn den Begriff Risiko kennt, ohne weiteres frei und ohne jede Vorausbildung oder Vorprüfung verantwortlich zeichnen. Kein Wunder, dass Finanzinstitute, dem ständigen Gewinnstreben ausgesetzt, der Versuchung dieses "free lunch" nur schwer widerstehen können.
Der Staat sollte sich darauf zurückziehen, was seine Aufgabe ist: die hoheitliche Überwachung des Marktes. Den Rest regelt dieser dann selbst.
MfG
Olaf Steglich
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