Sachbuch: Sie lebt!
Thomas Steinfelds Stilfibel jammert nicht über den Untergang der deutschen Sprache, sondern feiert ihre Fülle. Sie gehört in jeden Haushalt.
Als Buchautor ist Thomas Steinfeld ein etwas unberechenbarer Kandidat. Man ahnt nie, was als Nächstes von ihm kommt. Schwedische Landschaften? Architektur? Philologie als Lebensform? Axel Munthe auf Capri? Deutsches Feuilleton? Alles Themen, die Steinfeld im Lauf der vergangenen Jahre behandelt hat. Besser gesagt: alles Erfahrungen aus Steinfelds Denk- und Lebenswelt, die sich irgendwann eben zu Büchern vertieften. So wirkt es zumindest. Denn diese Buchessays erzählen, ob es um Schweden oder die Philologie geht, immer auch die Geschichte ihres Interesses mit. Sie besitzen bei aller Gelehrsamkeit jenen persönlichen, unakademischen Impetus, der es dem Leser gestattet, sich nicht als Empfänger beeindruckender Forschungsergebnisse, sondern als Gast im geistigen Haushalt des erstaunlich vielseitigen Herrn Steinfeld zu fühlen.
Ein schönes Beispiel hierfür findet sich in den ersten Zeilen des vor zehn Jahren erschienenen Buches Riff. Tonspuren des Lebens. Sie lauten: »Bum. Tschak. Ein Automobil hält vor einer Ampel, die Fenster sind geschlossen. Durch das Blech hört man die tiefen Töne. Bum. Bum. Tschak.« Man kennt das Gewummere und ist, auch als Musikbanause, sofort bereit zu einer Spazierfahrt durch die Welt der Klänge, Töne und Gitarrengriffe, die so einladend mitten im Alltag beginnt. Und man erinnert sich bei der Lektüre von Steinfelds neuem Buch an das Ermunternde der »Bum. Bum. Tschak«-Zeilen einfach deshalb, weil das Thema dieses neuen Buches wenig geeignet scheint, muntere Stimmung zu verbreiten. Thomas Steinfeld, 1954 in Leverkusen geboren, promovierter Philologe, leitender Redakteur des Feuilletons der Süddeutschen Zeitung, schreibt über die deutsche Sprache. Das klingt zunächst: bedrohlich. Das klingt nach dem üblichen Dekadenzbericht, nach einer jener Anklageschriften, die all unsere für Niedergang und Vulgarisierung des Deutschen verantwortlichen Vergehen auflisten, strenge Mahnungen und Regeln mit auf den Weg geben.
Aber so ist es kein bisschen. Das wahrhaft Erstaunliche an Steinfelds Sprachverführer, der tatsächlich hält, was der Titel verspricht, ist vielmehr seine animierende, ja nachgerade fröhliche Wirkung. Man legt das Buch zur Seite und hat auf der Stelle Lust, jemanden anzurufen und in ein Gespräch zu verwickeln, nur um ein paar Wörter zu verwenden, die man seit Langem nicht mehr verwendet hat. Oder: die man seit Langem nicht mehr verwandte? Schon zieht, mithilfe des Präteritums und der starken Beugung des Verbs, eine dunklere, leicht dramatische Tendenz in den Sinn des Satzes ein. Schon verlagert sich der Schwerpunkt seiner Aussage. Und ein einziger grammatikalischer Handgriff, so klein er sein mag, zaubert das Wunder der vitalen Gestaltungskraft unserer Sprache herbei. Darum, nicht um verdrossene Denkmalpflege, geht’s in Steinfelds neuem Buch. Sein Anliegen lässt sich recht einfach beschreiben. Thomas Steinfeld will vor Augen führen, dass die deutsche Sprache kein technischer Apparat ist , sondern ein lebendiger Organismus, der in der Literatur und im Alltagsgebrauch in die verschiedensten Richtungen wächst, der sich fortentwickelt, sich mit der Kulturgeschichte seit je immerzu verändert und dies auch verträgt.
Schon vor Jahren setzte sich Thomas Steinfeld gegen die dogmatische Verteufelung von Anglizismen zur Wehr – »das Verb ›dealen‹ zum Beispiel oder das Adjektiv ›cool‹ können Dinge ausdrücken, für die es kein deutsches Wort gibt und für die es auch keines geben muss« –, wohl aus der Einsicht heraus, dass Sprachdogmatismus und sprachlicher Sauberkeitsfimmel auf nichts anderem denn defensiv geduckter Abwehr beruhen. Auf einem Kleinmut, der rückwirkend die grandiose Furchtlosigkeit verrät, die das Deutsche in seiner Hochphase der Emanzipation und Kultivierung am Ende des 18. Jahrhunderts erlebte. Dass heutzutage etwas Freudloses, vielleicht auch Unstolzes in unserem Verhältnis zur eigenen Sprache liegt, dass Kindern suggeriert wird, sie kämen mit Englisch, wie holprig auch immer, besser durchs Lebens, dass die öffentliche Rede mehr und mehr von monströsen Phrasen beherrscht wird, wie Josef Ackermann sie so lehrbuchmäßig hervorzubringen vermag (»Wie werden unseren Kurs der zeitnahen Transparenz fortsetzen und uns unvermindert für zielführende Reformen des Finanzsystems insgesamt einsetzen«), diesen Raubbau bemerkt Steinfeld natürlich. Aber die Intention seines Buches, und das macht es so erbaulich und ausgesprochen unterhaltsam, ist nicht die kulturpessimistische Darstellung des Mangels, sondern die Vorführung der Fülle.





wie stilvoll.
auch unserem Seehofer Horsti.
Vielleicht erübrigt sich dann auch sein abstruser Einfall, die deutsche Sprache radikal von Anglizismen zu befreien.
Bislang fühlt er sich ja fast unwidersprochen als Lordsiegel-Bewahrer der deutschen Sprache!!
Thomas Steinfelds Stilfibel jammert nicht über den Untergang der deutschen Sprache, sondern feiert ihre Fülle. Sie gehört in jeden Haushalt.
In jedem Haushalt soll sein was? Die Fülle? Die deutsche Sprache? Oder gar die Stilfibel?
Zum Stil gehört, ja seine Voraussetzung ist der richtige Gebrauch der Grammatik. Ein Relativpronomen bezieht sich jeweils auf das letzte passende Nomen.
Schade nur, dass sich in dem von Ihnen zitierten Satz kein Relativpronomen befindet ;-)
Gäbe es eines, müsste es heißen "...feiert ihre Fülle, DIE in jeden Haushalt gehört." "Sie" ist lediglich ein Pronomen und sein Bezug erklärt sich aus dem Sinnzusammenhang. Dieser, da gebe ich Ihnen Recht, könnte sich sowohl auf die Sprache, die Fülle als auch auf die Stilfibel beziehen. Aber das war vielleicht auch Absicht des Autors!?
Schade nur, dass sich in dem von Ihnen zitierten Satz kein Relativpronomen befindet ;-)
Gäbe es eines, müsste es heißen "...feiert ihre Fülle, DIE in jeden Haushalt gehört." "Sie" ist lediglich ein Pronomen und sein Bezug erklärt sich aus dem Sinnzusammenhang. Dieser, da gebe ich Ihnen Recht, könnte sich sowohl auf die Sprache, die Fülle als auch auf die Stilfibel beziehen. Aber das war vielleicht auch Absicht des Autors!?
Schade nur, dass sich in dem von Ihnen zitierten Satz kein Relativpronomen befindet ;-)
Gäbe es eines, müsste es heißen "...feiert ihre Fülle, DIE in jeden Haushalt gehört." "Sie" ist lediglich ein Pronomen und sein Bezug erklärt sich aus dem Sinnzusammenhang. Dieser, da gebe ich Ihnen Recht, könnte sich sowohl auf die Sprache, die Fülle als auch auf die Stilfibel beziehen. Aber das war vielleicht auch Absicht des Autors!?
Kein Relativpronomen, stimmt. Nur ein relativ unglückliches, von der zugehörigen Person abgeschnittenes Personalpronomen. Keine Ahnung, wie ich aufs Relative gekommen bin. Für das Personalpronomen gilt jedoch das gleiche. Falscher Satzbezug: „Wenn meine Oma wäscht, helfe ich ihr. Ich lege sie in einen Korb, trage sie auf den Speicher und hänge sie auf.“ ;-)
Kein Relativpronomen, stimmt. Nur ein relativ unglückliches, von der zugehörigen Person abgeschnittenes Personalpronomen. Keine Ahnung, wie ich aufs Relative gekommen bin. Für das Personalpronomen gilt jedoch das gleiche. Falscher Satzbezug: „Wenn meine Oma wäscht, helfe ich ihr. Ich lege sie in einen Korb, trage sie auf den Speicher und hänge sie auf.“ ;-)
Kein Relativpronomen, stimmt. Nur ein relativ unglückliches, von der zugehörigen Person abgeschnittenes Personalpronomen. Keine Ahnung, wie ich aufs Relative gekommen bin. Für das Personalpronomen gilt jedoch das gleiche. Falscher Satzbezug: „Wenn meine Oma wäscht, helfe ich ihr. Ich lege sie in einen Korb, trage sie auf den Speicher und hänge sie auf.“ ;-)
"Wenn meine Oma Wäsche wäscht, helfe ich ihr. Ich lege sie in einen Korb, trage sie auf den Speicher und hänge sie auf.“
Für Ihr Wäscheproblem (oder das Ihrer Oma) bietet das Deutsche eine schöne Abhilfe: Ersetzen Sie "sie" einfach durch "diese" oder "jene". Schon erkennt man, ob Sie tatsächlich ein Samariter oder ein Mörder sind :-)
Schwierig wird es dann, wenn Ihre Oma in ihrer STUBE Wäsche wäscht. Wen oder was hängen Sie dann bloß auf dem Speicher auf? ;-)
... schnell hat der Beckmesser bewiesen, dass er viel dilettantischer ist als der, den er da so hochmütig kritisiert. Erst Relativ- und Personalpronomen verwechseln und dann im eigenen Gegenbeispiel das entscheidende Wort vergessen - da war wohl jemand mehr von selbstzufriedener Entrüstung erfüllt als von Sprachkenntnis.
Für Ihr Wäscheproblem (oder das Ihrer Oma) bietet das Deutsche eine schöne Abhilfe: Ersetzen Sie "sie" einfach durch "diese" oder "jene". Schon erkennt man, ob Sie tatsächlich ein Samariter oder ein Mörder sind :-)
Schwierig wird es dann, wenn Ihre Oma in ihrer STUBE Wäsche wäscht. Wen oder was hängen Sie dann bloß auf dem Speicher auf? ;-)
... schnell hat der Beckmesser bewiesen, dass er viel dilettantischer ist als der, den er da so hochmütig kritisiert. Erst Relativ- und Personalpronomen verwechseln und dann im eigenen Gegenbeispiel das entscheidende Wort vergessen - da war wohl jemand mehr von selbstzufriedener Entrüstung erfüllt als von Sprachkenntnis.
lieber Worte anderer Sprachen.
Beu uns herrscht ein unglaubliches, würdeloses Phlegma bei den sogenannten Gebildeten gegenüber der Heimat !
Heimat, das brauche ich nicht, sagt der linksliberale Bildungsakademiker!
Das Eigene in der Qualität wird nicht aureichend wahrgenommen - übersetzen sie mal RAUM ins Italienische oder Französische!
Herauskommt nur eine Art Zwischenraum zwischen 2 Polen , eben nicht Raum vor allem Körperlichen.
Das Deutsche (das Germanische, also auch NL;S, ISL...) hat eine besondere Qualität, die die sog. Humanisten ignorieren, weil sie nicht romanisch ist!
....die Geschichte der deutschen Sprache an!
Sehr sehr viele Worte sind aus anderen Sprachen entlehnt, bei denen wir uns oft nicht mehr bewusst sind dass dem so ist!
Mathematik, Sofa, famos, Polizei, Teller, Tasse, ja selbst ihr geliebtes Wort "Raum" sind Entlehnungen und Ableitungen aus anderen Sprachen.
Genauso die Worte Humanist, Phlegma, Qualität, Pol, Körper, liberal, etc in ihrem Beitrag.
Sooo, und nun schreiben wir mal komplett ohne diese "Fremdworte". viel Spass (auch ein Fremdwort, aus dem italiernischen, "spasso") dabei.
Sprache ist nicht ein antikes Kulturgut, sondern etwas das sich wie ein lebendiger Organismus verändert mit den Menschen die sie sprechen. Früher waren es viel lateinische und Griechische übernahmen, auch arabisch (siehe "Sofa") und Französisch. Jetzt ist es englisch und in 200 Jahren - vielleicht Chinesisch?
Von der Vorstellung man müsse die Sprache unter eine Glas- (tatsächlich aus dem germanischen)Glocke stellen sollte man sich langsam verabschieden. Dies wäre nur unnatürlich.
....die Geschichte der deutschen Sprache an!
Sehr sehr viele Worte sind aus anderen Sprachen entlehnt, bei denen wir uns oft nicht mehr bewusst sind dass dem so ist!
Mathematik, Sofa, famos, Polizei, Teller, Tasse, ja selbst ihr geliebtes Wort "Raum" sind Entlehnungen und Ableitungen aus anderen Sprachen.
Genauso die Worte Humanist, Phlegma, Qualität, Pol, Körper, liberal, etc in ihrem Beitrag.
Sooo, und nun schreiben wir mal komplett ohne diese "Fremdworte". viel Spass (auch ein Fremdwort, aus dem italiernischen, "spasso") dabei.
Sprache ist nicht ein antikes Kulturgut, sondern etwas das sich wie ein lebendiger Organismus verändert mit den Menschen die sie sprechen. Früher waren es viel lateinische und Griechische übernahmen, auch arabisch (siehe "Sofa") und Französisch. Jetzt ist es englisch und in 200 Jahren - vielleicht Chinesisch?
Von der Vorstellung man müsse die Sprache unter eine Glas- (tatsächlich aus dem germanischen)Glocke stellen sollte man sich langsam verabschieden. Dies wäre nur unnatürlich.
Für Ihr Wäscheproblem (oder das Ihrer Oma) bietet das Deutsche eine schöne Abhilfe: Ersetzen Sie "sie" einfach durch "diese" oder "jene". Schon erkennt man, ob Sie tatsächlich ein Samariter oder ein Mörder sind :-)
Schwierig wird es dann, wenn Ihre Oma in ihrer STUBE Wäsche wäscht. Wen oder was hängen Sie dann bloß auf dem Speicher auf? ;-)
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