Russland Reisen: "Das vergessen Sie nie!"Seite 3/3
© Oleg Nikishin/Getty Images

Ein Eisfischer in Sibirien
ZEIT: Solche Erlebnisse hatten damals viele. Ein Großteil der Investoren hat sich schnell wieder zurückgezogen, weil niemand in Russland Rechtssicherheit garantieren konnte. Das Image des Landes hat sich davon nie wieder erholt.
Steinhausen: Meine Erfahrung ist: Man musste wissen, mit wem man Geschäfte macht. Ich habe mich zum Beispiel nie auf Leute eingelassen, die mit Bodyguards zum Treffen kamen, auch Schutzgeld haben wir nicht gezahlt. Doch wenn man einmal seine Leute hatte, dann ging es problemlos. Das einzige Problem mit den Russen: Die sind unheimlich stur, die bleiben auch auf ihrer Linie, wenn sie wissen, dass es ihnen schadet. Soll ich Ihnen dafür auch ein Beispiel geben?
ZEIT: Bitte.
Steinhausen: Mitte der neunziger Jahre wandte sich Moskau an mich: Unser Image ist so schlecht, können wir da nicht gemeinsam was gegen machen? Ich fand das eine gute Idee. Moskau hat ja seine glamourösen Seiten, es gibt nirgends so viele Millionäre auf einem Fleck, nirgends so viele schicke Geschäfte. Also hatte ich die Idee: Wir holen die Formel 1 nach Moskau, dann kommt die entsprechende Klientel, und wir können schöne Bilder in die Welt funken. Ich habe zusammen mit meinem Freund Grigorij den damaligen Bürgermeister Luschkow mit Bernie Ecclestone von der Formel-1-Holding zusammengebracht. Die haben sich prächtig verstanden, gemeinsam eine wunderschöne Location gefunden, und als dann alles unter Dach und Fach war, gab es eine Pressekonferenz im Marmorsaal. Anschließend beim Essen kommt Ecclestone dann mit so einer Mappe, ein kleiner Zusatzvertrag über die Fernsehrechte, eine Lappalie im Grunde, aber nicht für Luschkow. Bei Russen schiebt man nicht nach. Morgens um sechs erhalte ich einen Anruf: Es wird keine Formel 1 in Moskau geben.
ZEIT: Diese Sturheit zeigt sich auch bei der Visa-Vergabe: Seit Neuestem müssen Deutsche, die nach Russland reisen wollen, nicht nur eine Einladung und eine Auslandskrankenversicherung vorweisen, sondern auch einen Einkommensnachweis.
Steinhausen: Jetzt hören Sie auf! Ich persönlich habe 30 Jahre lang Reisen nach Russland abgewickelt, und kann Ihnen versichern: Wenn die Bestimmungen verschärft wurden, ging das nie von den Russen aus. Die ziehen bloß nach, sind aber noch lange nicht so streng wie wir.
ZEIT: Gibt es Momente, in denen Sie froh sind, dass Sie sich aus dem Geschäft zurückziehen?
Steinhausen: Ne, überhaupt nicht. Aber ich habe keine andere Wahl. Ich kann nicht mehr reisen, keine Kontakte mehr pflegen. Es ist traurig, dass das Lebenswerk von zwei Generationen einfach verschwindet.
ZEIT: Warum haben Sie nicht verkauft?
Steinhausen: So ein Geschäft kann man nicht verkaufen, da muss man reinwachsen, wie ich damals da reingewachsen bin. Meine wichtigen Partner kenne ich alle privat, die waren regelmäßig in meinem Landhaus, viele waren auch schon bei meinen Eltern.
ZEIT: Hatten Ihre Kinder kein Interesse?
Steinhausen: Meine Älteste hätte Interesse, aber ich finde, dieses Russlandgeschäft ist nichts für ein junges Mädchen. Es wird dort ja immer noch wahnsinnig viel getrunken. Sehen Sie die ganzen Wodkaflaschen hier im Büro? Zu Hause habe ich noch mal ein paar Hundert, alles Geschenke von russischen Partnern. Weil ich in Russland immer kräftig mitgebechert habe, entstand bei denen der Eindruck, ich sei ein großer Schnapsfreund. Dabei habe ich zu Hause nie einen Schluck getrunken, sonst hätte ich diesen Job vermutlich nicht überlebt.
ZEIT: Wenn Sie das Geschäft nicht drangeben müssten, was wären Ihre Pläne?
Steinhausen: Clubbing in Moskau, eindeutig, das wäre die nächste Reise. Die aufwendigsten, schicksten, abgedrehtesten Nachtclubs gibt es schon lange nicht mehr in New York. Moskau ist die Stadt für Menschen, die es gern richtig krachen lassen, was natürlich auch daran liegt, dass dort niemand so genau weiß, was morgen ist.
ZEIT: Die Türsteher in den angesagteren Clubs stehen allerdings in dem Ruf, besonders streng zu sein. Eine deutsche Reisegruppe lassen die wohl kaum durch.
Steinhausen: Meine Leute kämen durch, dafür könnte ich garantieren. Wozu hat man Freunde?
Interview: Stefanie Flamm









"ZEIT: Klingt nicht gerade nach einem schönen Urlaubserlebnis."
Frau Flamm scheint sich unter Urlaub nichts anderes als Ballermann, Ibiza, Djerba oder Plattensee vorstellen zu können. Unter einem gelungenen Abenteuerurlaub verstehen manche eben nicht, nach der Arbeitsfreien Zeit möglichst viele intime zwischenmenschliche Trophäen vorweisen zu können.
Ich hoffe, die Tochter von Herrn Steinhausen lässt sich von der väterlichen (Über-)Fürsorglichkeit nicht davon abhalten, die Firma zu übernehmen. Erstens wird auch ein "junges Mädchen" mal erwachsen, und zweitens habe ich (weiblich, 27 Jahre) in Russland die Erfahrung gemacht, dass die Wodkaschlachten reine Männersache sind und auch sein sollen, die Frauen halten sich da völlig raus und werden auch gar nicht damit konfrontiert.
Ich fand das Interview klasse. Besten Dank.
Dsa Bild zeigt nicht die Eremitage, sondern das der Eremitage gegenüberliegende Flussufer, also das Ufer der Wassilijinsel mit der von Peter I. gegründeten Kunstkammer (mit Turm).
Liebe/r germecon,
herzlichen Dank für den Hinweis – die Information hatten wir von der Bildagentur so übernommen und es ist tatsächlich nicht der Regelfall, dass deren Angaben fehlerhaft sind.
Wir kümmern uns darum.
Mit freundlichem Gruß
Daniel Erk
Liebe/r germecon,
herzlichen Dank für den Hinweis – die Information hatten wir von der Bildagentur so übernommen und es ist tatsächlich nicht der Regelfall, dass deren Angaben fehlerhaft sind.
Wir kümmern uns darum.
Mit freundlichem Gruß
Daniel Erk
Liebe/r germecon,
herzlichen Dank für den Hinweis – die Information hatten wir von der Bildagentur so übernommen und es ist tatsächlich nicht der Regelfall, dass deren Angaben fehlerhaft sind.
Wir kümmern uns darum.
Mit freundlichem Gruß
Daniel Erk
So etwas liest man gerne: Ein interessantes und lebendiges Gespräch - hätte ruhig noch etwas länger sein dürfen!
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