Christenverfolgung: Märtyrer
100 Millionen Christen werden wegen ihrer Religion verfolgt. Die Morde an den ägyptischen Kopten und ein Kinofilm in Europa erinnern an das Leiden für den Glauben.
© -/AFP/Getty Images

Ein Schaufenster in Kairo zeigt Bilder von Jesus und Shenouda III. von Alexandrien, dem Oberhaupt der Koptischen Kirche
Nicht der Mord ist die äußerste Provokation, sondern das Opfer. Dass Fanatiker im Namen des Glaubens töten, ist zur schrecklichen Normalität geworden; in den Augen vieler definiert die brutale Intoleranz schon fast das Wesen der Religion. Aber, umgekehrt, wegen des Glaubens, für den Glauben getötet zu werden, wie es den Kopten in Alexandria oder Ende Oktober einer christlichen Gottesdienstgemeinde in Bagdad geschehen ist – das führt in eine viel geheimnisvollere, uns vielleicht schon ganz unverständliche Welt. Der Märtyrer, der »Blutzeuge«, der für das Bekenntnis sein Leben hingibt, gehört zum Ur- und Kernbestand des Christentums. »Selig seid ihr, wenn euch die Menschen um meinetwillen schmähen und verfolgen«, sagt Jesus in der Bergpredigt zu seinen Jüngern. Und eine alte christliche Weisheit lautet: »Das Blut der Märtyrer ist der Same der Kirche.«
Diese sehr fremde Welt ist plötzlich in die Gegenwart eingetreten. Jahrelang war »Christenverfolgung« ein Thema, das niemanden interessierte. Jetzt, nach dem Attentat von Alexandria , ist es (für einen Augenblick) zum Großpolitikum geworden. Frankreichs Staatspräsident Sarkozy warnt vor einer religiösen »Säuberung« des Mittleren Ostens und nennt die Opfer von Alexandria und Bagdad »Märtyrer« – zwar laizistisch korrekt »Märtyrer der Gewissensfreiheit«, aber natürlich ist er sich der sakralen Untertöne des Wortes voll bewusst.
Ausgerechnet zur selben Zeit ist in den Kinos der Film Von Menschen und Göttern zu sehen (ZEIT Nr. 50/10), die Geschichte einer Gruppe französischer Trappistenmönche, die 1996 aus ihrem Kloster im algerischen Atlasgebirge verschleppt und ermordet wurden, wahrscheinlich von Islamisten. Den äußerlich sperrigen und unspektakulären Film haben in Frankreich mehr als drei Millionen Zuschauer gesehen. Man kann ihn auch in Deutschland in voll besetzten Kinosälen anschauen, in Gesellschaft eines atemlosen, gerührten Großstadtpublikums. Leuten, die lange nicht mehr in der Kirche, geschweige denn beim Abendmahl waren, kommen die Tränen, wenn die Mönche mit zwei Flaschen Rotwein und unter den Klängen von Tschaikowskys Schwanensee- Musik aus dem Kassettenrekorder ihr Abschiedsessen vom Leben zelebrieren. Was ist das für eine seltsame Faszination, die das Martyrium auf einmal ausübt?
Die Identifikation mit dem Leiden von Christen ist nämlich im Westen keineswegs selbstverständlich. Im Gegenteil: Es fällt uns schwer, Christen als Opfer, das Christentum als Opferreligion zu sehen. Die Organisation Open Doors veröffentlicht Jahr für Jahr einen Weltverfolgungsindex, der das Schicksal von Christen von Nordkorea bis zu den Malediven verzeichnet; 100 Millionen Gläubige, so die Schätzung der Verfasser, werden weltweit wegen ihrer religiösen Überzeugung drangsaliert. Doch dringen diese Zahlen nicht ins Bewusstsein durch. Das vorherrschende Bild ist anders, kritisch und selbstkritisch, es sieht das Christentum im Bund mit der Macht, nach historischem Muster: Inquisition, Diskriminierung der Juden, Bündnis von Thron und Altar. Das Christentum erscheint immer noch als Religion des Imperialismus, als Glaube, den die Kolonisatoren über die Welt verbreiten wollten, und in den westlichen Gesellschaften selbst hat man nicht vergessen, dass Aufklärung und Geistesfreiheit gegen den teils erbitterten Widerstand der Kirche erstritten werden mussten. Das Christentum ist irgendwie »oben«, offiziell, Establishment; man stellt es sich nicht leicht als schwach und bedroht vor.
Aber das Bild vom Establishment-Christentum stimmt nicht länger. Selbst die katholische Kirche, die am zähesten an ihren Herrschaftsansprüchen festgehalten hatte, hat sie inzwischen aufgegeben. Auf dem 2. Vatikanischen Konzil hat sie 1965 die Religionsfreiheit anerkannt und spätestens seit Papst Johannes Paul II. auch die Menschenrechte der Andersgläubigen kraftvoll vertreten. Christen haben den Unrechtsregimen des 20. Jahrhunderts keineswegs massenhaft heroisch widerstanden. Trotzdem haben viel mehr Gläubige als in den Epochen davor für ihren Glauben mit ihrem Leben bezahlt – Opfer von KZ und Gulag, von Militärdiktaturen und politisch-kriminellen Mafias. In der Kirche San Bartolomeo auf der Tiberinsel in Rom kann man in den Seitenkapellen Zeugnisse dieser Verfolgungsgeschichte sehen, Reliquien der neuen Märtyrer des 20. Jahrhunderts – das Messbuch des salvadorianischen Erzbischofs Óscar Romero, der 1980 von rechten Todesschwadronen am Altar seiner Kathedrale ermordet wurde, oder ein Kreuz aus dem kommunistischen Albanien, in dem seit 1967 jeglicher Gottesdienst, selbst in Privaträumen, verboten war, als Verbrechen gegen den ersten atheistischen Staat der Welt. Auch einen Brief von Christian de Chergé, einem der ermordeten Trappistenmönche aus dem Kloster im Atlasgebirge. Zum ersten Mal seit dem Beginn seines historischen Siegeszugs in der Spätantike hat das Christentum Züge der urchristlichen Kleinheit und Verletzlichkeit wiedergewonnen.





... angesichts dieses wirklich hervorragenden Artikels?
Herr Wolf, Argusaugen, rhein. Citoyen, F.M., wo sind Sie? Sie müssten doch schon längst ihre "sekulären" Tiraden geposted haben!
Jetzt aber los: Zölibat, Hexenverfolgung, Kreuzzüge, Homosexualität und der "pöhse" Benedikt dürfen doch wahlich nicht ungeschmäht bleiben... obwohld das alles nichts mit dem Artikel zu tun hat.
Aber das stört Euch doch sonst nicht...
Gruß,
Joe
was sie schreiben, hat mit dem artikel nichts zu tun! ich wurde hier schon angezählt, wegen nicht-sachlicher schreibweise. warum ihr kommentar stehen bleibt ist mir ein rätsel! außer das es ein "hervorragender artikel" ist, kommt nicht viel. mir scheint es eher als ob sie dieses lob nur benutzen, um gegen die besagten foristen frust abzulassen!
ich finde den artikel auch interessant, aber er tangiert mein nicht-verhältnis zur kirche gar nicht.
zum artikel, besser gesagt zum kinofilm:
ich denke auch, dass der film(also ich hatte vorher noch gar nichts von dem gehört...) mehr interesse weckt, durch den fakt, dass es sich um muslime handelt.
aber das wäre doch auch bei anderen themen die uns im alltag begegnen und polarisieren, sei es durch medien oder persönliche erfahrungen. auch sind die beispiele nicht besonders dolle. ich glaub ich würde den film sogar eher anschauen, wenn mexikanische drogenhändler am werke gewesen wären.
aber soweit ich es aus dem artikel herauslese, geht es darum dass einige menschen für etwas einstehen, und bereit sind einen hohen preis zu bezahlen. und dich denke das ist der spezielle reiz des films.
ich kann nur für mich sprechen. ich würde diesen film nicht schauen, nur weil da muslime gegen christen vorgehen, sondern aus schon erklärten gründen. märtyrer hin, märtyrer her.
was sie schreiben, hat mit dem artikel nichts zu tun! ich wurde hier schon angezählt, wegen nicht-sachlicher schreibweise. warum ihr kommentar stehen bleibt ist mir ein rätsel! außer das es ein "hervorragender artikel" ist, kommt nicht viel. mir scheint es eher als ob sie dieses lob nur benutzen, um gegen die besagten foristen frust abzulassen!
ich finde den artikel auch interessant, aber er tangiert mein nicht-verhältnis zur kirche gar nicht.
zum artikel, besser gesagt zum kinofilm:
ich denke auch, dass der film(also ich hatte vorher noch gar nichts von dem gehört...) mehr interesse weckt, durch den fakt, dass es sich um muslime handelt.
aber das wäre doch auch bei anderen themen die uns im alltag begegnen und polarisieren, sei es durch medien oder persönliche erfahrungen. auch sind die beispiele nicht besonders dolle. ich glaub ich würde den film sogar eher anschauen, wenn mexikanische drogenhändler am werke gewesen wären.
aber soweit ich es aus dem artikel herauslese, geht es darum dass einige menschen für etwas einstehen, und bereit sind einen hohen preis zu bezahlen. und dich denke das ist der spezielle reiz des films.
ich kann nur für mich sprechen. ich würde diesen film nicht schauen, nur weil da muslime gegen christen vorgehen, sondern aus schon erklärten gründen. märtyrer hin, märtyrer her.
In der gedruckten Version als auch in der eigentlichen Überschrift des Artikels steht schlicht "Märtyrer". In der Artikel-Übersicht auf der Startseite wird diese Überschrift quasi negiert und ins Gegenteil verkehrt.
Man kann natürlich darüber streiten, ob man einen Begriff, der an sich nur innerkirchliche Bedeutung haben kann, über einen Artikel aus säkularer Perspektive setzen sollte, aber wenn schon die verschiedenen Redakteure anscheinend Weltanschauungskämpfe über die politisch-korrekte Betitelung ausfechten, wird es einfach nur skurril.
Also: wenn die "Zeit" einen Artikel für abdruckenswert hält, sollte man in der Online-Ausgabe nicht plötzlich versuchen, per Überschrift den Autor zu diskreditieren.
So was weckt Zweifel an der notwendigen editorischen Neutralität.
ZEIT online ...
ZEIT online ...
Schöner, ehrlicher Kommentar mit vielen Wahrheiten drin...
Wer wirklich glaubt - und zwar nicht nur an Gott, sondern auch an sich selbst - ruht in sich und hat es weder nötig, andere zu missionieren, noch sich von zeitgeistigen Moden für dumm verkaufen zu lassen.
Stellvertretend stehen da (Trappisten-)Mönche, die ihr ICH nicht im Kleidergeschäft und bei der Elektronikabteilung kaufen müssen, sondern in ihrem Herzen, in der täglichen Begegnung mit Menschen und somit bei Gott finden.
Wer sich nicht über Konsum definiert, kann sich getrost und ohne Schaden an seinem Ego die uniforme Mönchskutte an- und eine kleine Zelle in einer WG (und nichts anderes ist ja ein Kloster) beziehen und buchstäblich für einen Gotteslohn den klostereigenen Garten oder die Seelen verletzter Menschen pflegen.
Dass solche Menschen uns verunsicherte Zeitgenossen anziehen, leuchtet ein. Auch wenn klar ist, dass der Film eine idealisierte Darstellung sein dürfte (habe den Film noch nicht gesehen).
Für seine Überzeugung zu sterben ist ein Verhalten, das in der postmodernen Beliebigkeit unbegreiflich geworden ist.
Aber dieses Verhalten zeugt - bei aller "Passivität" - von einem inneren Feuer, den wir abgestumpften Westler schon lange verloren haben und nicht einmal in unserer Sexualität erleben.
Darum wird wohl Religion immer anziehend bleiben.
Als Atheist hoffe ich jedoch, dass wir uns an spirituellen Trappisten und nicht an fanatischen Terroristen orientieren werden.
was sie schreiben, hat mit dem artikel nichts zu tun! ich wurde hier schon angezählt, wegen nicht-sachlicher schreibweise. warum ihr kommentar stehen bleibt ist mir ein rätsel! außer das es ein "hervorragender artikel" ist, kommt nicht viel. mir scheint es eher als ob sie dieses lob nur benutzen, um gegen die besagten foristen frust abzulassen!
ich finde den artikel auch interessant, aber er tangiert mein nicht-verhältnis zur kirche gar nicht.
zum artikel, besser gesagt zum kinofilm:
ich denke auch, dass der film(also ich hatte vorher noch gar nichts von dem gehört...) mehr interesse weckt, durch den fakt, dass es sich um muslime handelt.
aber das wäre doch auch bei anderen themen die uns im alltag begegnen und polarisieren, sei es durch medien oder persönliche erfahrungen. auch sind die beispiele nicht besonders dolle. ich glaub ich würde den film sogar eher anschauen, wenn mexikanische drogenhändler am werke gewesen wären.
aber soweit ich es aus dem artikel herauslese, geht es darum dass einige menschen für etwas einstehen, und bereit sind einen hohen preis zu bezahlen. und dich denke das ist der spezielle reiz des films.
ich kann nur für mich sprechen. ich würde diesen film nicht schauen, nur weil da muslime gegen christen vorgehen, sondern aus schon erklärten gründen. märtyrer hin, märtyrer her.
ZEIT online ...
Open Doors zufolge werden Christen in den folgenden Ländern am stärksten verfolgt:
1 Nordkorea
2 Iran
3 Afghanistan
4 Saudi-Arabien
5 Somalia
6 Malediven
7 Jemen
8 Irak
9 Usbekistan
10 Laos
Quelle:http://www.opendoors-de.org/verfolgung/wvi2011/erlaueterungenwvi2011/
Warum Irak "nur" den achten Platz belegt, ist mir persönlich schwer verständlich, da Hunderttausende von Christen das Land verlassen mussten und die christlichen Kirchen dort in ihrer Existenz bedroht sind.
ist absolut unsinnig.
Warum dermaßen viel Energie und sogar das eigene Leben verschwenden für etwas das man schlichtweg nicht weiss sondern nur eventuelle Vorstellungen davon haben kann.
Stimmt absolut das kann ich in keinster Weise nachvollziehen. Niemand weiss wirklich was nach dem Tod geschieht......aber jeder kann sich für sich selbst und seine Kinder einsetzen eine positve lebensfrohe irdische Zukunft zu gestalten.
Wir können hier ne Menge Spaß haben auch ohne den Planeten zu zerstören.
Die 60 Jahre nach dem 2WK waren von einer berauschenden Säkulariserung bestimmt. Die Menschen konnten aber nicht ohne Glauben leben, so füllte man sich mit anderen Inhalten. Konsumwahn, oder z.B.: Umweltschutz wären 2 von vielen Beispielen.
Was wir in den letzten Jahren bemerken, ist eine erstaunliche Revitalisierung der Religionen. Besonders von den Protestanten ausgehend, sehen wir z.B.: eine Re-Christaniesierung der westlichen Welt. Werteverfall, Kaufrausch und Beliebigkeit, wurden leider nicht von allen Menschen als das neue Elysium (Opium) aktzeptiert.
Dabei geht es nicht nur von christlicher Seite sehr missionarisch zu. Der Islam trägt seinen Herrschaftsanspruch ebenfalls vor, mittlerweile nicht nur im Orient, sondern auch in der westlichen Welt.
Witzig, der Autor des Artikels hat doch ein Buch über Weltreligionen geschrieben. Haben sie gar nicht bemerkt, daß es den Menschen langsam reichlich egal wird, ob in Australien ein Koala vom Baum fällt und am Strand ertrinkt, weil das Wasser nun einen halben Zentimeter näher Richtung Landmasse gerückt ist?
Wer meint die Zukunft wäre vom der Abwehr vor Faschismus oder Kommunismus geprägt, gewürzt mit einer Prise Umweltschutz, der ist in der sozialistischen Blindenachterbahn für Gutmenschen mit konsumfreundlichen Anstrich auf Geisterfahrt.
Zu befürchten ist ein neues Jahrtausend, in dem die religösen Konflikte wieder brachial aufbrechen. Wer am längeren Hebel saß, oder ob es wieder ein Patt gibt, sehen wir in 50 Jahren.
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