RWE-Chef Jürgen Großmann "Meine Frau ist nicht pflegeleicht"

Jürgen Großmann über seine Ehe und warum sie seit 25 Jahren hält.

RWE-Chef Jürgen Großmann auf der Jahresbilanzkonferenz seines Unternehmens im vergangenen Februar

RWE-Chef Jürgen Großmann auf der Jahresbilanzkonferenz seines Unternehmens im vergangenen Februar

ZEITmagazin: Herr Großmann, Sie sind alleiniger Gesellschafter einer Unternehmensgruppe, stehen in der Liste der reichsten Deutschen an 83. Stelle und sind seit 2007 Vorstandsvorsitzender der RWE. Welche Eigenschaften machten Sie so erfolgreich?

Jürgen Großmann: Die wichtigste ist, dass ich mich nie zufriedengebe. Dass ich laufend Dinge infrage stelle und dabei auch vor der eigenen Person nicht haltmache.

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ZEITmagazin: Gab es ein Ereignis, das Sie auf Ihrem Weg besonders geprägt hat?

Jürgen Großmann

58, ist einer der bekanntesten deutschen Manager und Unternehmer. Seit 2007 ist er Vorstandsvorsitzender des Energiekonzerns RWE. Außerdem betreibt er das Sternerestaurant La Vie in Osnabrück und ein Luxushotel in Arosa.

Großmann: Ja, vor meiner ersten Lateinarbeit unternahm ich mit meinem Vater einen Sonntagsspaziergang. Als er herausfand, dass ich nichts kapiert hatte, schlug er die Hände über dem Kopf zusammen. Er war kein sehr geduldiger Mensch, und es gab Tränen, aber dann hat er sich mit mir hingesetzt und mir erklärt, was Konjugation und Deklination ist. In der Lateinarbeit bekam ich die einzige Eins in der Klasse. Ich bin meinem Vater sehr dankbar für diesen schrecklichen Sonntagnachmittag.

ZEITmagazin: Weil er Sie vor einer schlechten Note gerettet hat?

Das war meine Rettung
Alle Interviews aus der Serie des ZEITmagazins zum Nachlesen

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Großmann: Weil ich durch ihn eingesehen habe, dass es sich lohnt, sich für etwas anzustrengen. Damals lag das Heft mit der besten Note immer obenauf, wenn der Lehrer hereinkam. Es hat Spaß gemacht, dass das mein Heft war. Ohne meinen Vater wäre meine Schulkarriere sicher anders verlaufen. Er hat mir klargemacht, dass man sich intensiv mit den Dingen beschäftigen muss, dass man sie richtig durchdringen muss.

ZEITmagazin: Seitdem analysieren Sie die Dinge mit scharfem Verstand?

Großmann: Ich bin keiner, der nur kühl analysiert, sondern eher ein emotionaler Typ, der bei Geschäftsentscheidungen auch mal nach der Trial-and-Error-Methode vorgeht. Manche Dinge muss man einfach ausprobieren. Hätte Friedrich der Große McKinsey als Unternehmensberater gehabt, hätte er die Schlacht von Leuthen nie gewagt.

ZEITmagazin: Wie würden Sie sich noch beschreiben?

Großmann: Manche Leute sagen, ich sei barock. Treffender ist, dass ich Freude am Leben habe und sie besonders gern mit anderen teile.

ZEITmagazin: Ist der Geschäftsmann Großmann auch deshalb so erfolgreich, weil es daneben noch den Genussmenschen gibt?

Großmann: Der Genuss ist ein Ausgleich. Eine Opern- oder Theateraufführung gibt Kraft. Auch Essen ist ein Mittel zur Stressbewältigung. Vielleicht habe ich deshalb einiges zugenommen. Maßhalten fällt mir schwer, wenn es mir schmeckt, aber das gilt auch für andere Dinge. Die Menge bringt Befriedigung. Und ich esse immer zu schnell. Das ist fürchterlich.


Leser-Kommentare
  1. Ich werde RWE Aktien kaufen.

    Eine Leser-Empfehlung
  2. ... wirkt dieser Mann - vor allem so ehrlich zu sich selbst (und anderen), wie er sich am Anfang des Interviews beschreibt. Unabhaengig davon, was er sonst so macht: das gefaellt mir gut!

    • Arodon
    • 15.01.2011 um 19:17 Uhr

    Ich weiß auch, dass in dieser Serie "Das war meine Rettung" keine allzu tiefschürfenden Gespräche möglich sind, aber das hier war ja ausgesprochen flach. Wie anbiedernd, fast schon anhimmelnd ist die die Journalistin bitte schön!?!. Fragen wie "Welche Eigenschaften machten Sie so erfolgreich?" oder "Seitdem analysieren Sie die Dinge mit scharfem Verstand?" haben in einem ernsthaften Interview nichts zu suchen.

    Seine Erinnerungen haben für mich rein fiktionalen Charakter, die bei der Journalistin genau das erreichen, was das Ziel war. Zwar unglaubwürdig, aber schließlich hören sie sich toll an und haben ihn natürlich zu dem gemacht was er heute ist...

    Noch zu "Welche Eigenschaften machten Sie so erfolgreich?":
    So erfolgreich ist der gute Mann nun auch wieder nicht. Der Aktienkurs ist unter seiner Führung mehr gefallen als gestiegen, gerade in den letzten Jahren. Zudem hat er für RWE, obwohl sich so viel in dem Energieversorgungsbereich tun wird, keinerlei Visionen. Das Unternehmen ist unter ihm nicht entscheidend und perspektivenreich neu aufgestellt worden. Und wenn es dazu nicht reicht: auch politisch ein laues Lüftchen, Draht zu Politik ist wie man sehen durfte mehr als kalt.

    Aber es ist gut zu wissen, dass wir so einen Journalismus haben, der das noch offen legt.

    • redfox
    • 15.01.2011 um 20:02 Uhr

    Und wenn - und was hat er denen beigebracht?

    Verrät mir wikipedia leider nicht.

    Dafür aber, dass er im letzten Jahr vom Naturschutzbund Deutschlands ausgezeichnet wurde. Mit dem Negativ-Preis "Dinosaurier des Jahres" für seine Lobbyarbeit und Beeinflussung der Bundesregierung für die Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke...

    Nicht ganz so pflegeleicht für die Allgemeinheit.

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