Knappheit Teurer Stoff

Die Preise für Öl, Metalle, Nahrung und Agrarrohstoffe steigen rasant. Kann man dagegen etwas tun?

Eine Frau auf einem lokalen Gemüsemarkt in Siliguri, Indien. Die Preise für Zwiebeln und anderes Gemüse sind dort stark gestiegen.

Eine Frau auf einem lokalen Gemüsemarkt in Siliguri, Indien. Die Preise für Zwiebeln und anderes Gemüse sind dort stark gestiegen.

Auf der Internetseite eines finnischen Dienstleisters für Schiffstransporte kann man neuerdings auf die Zukunft der Globalisierung wetten. Der Fünf-Milliarden-Euro-Konzern Wärtsilä, ein Logistikriese, der an jedem zweiten weltweiten Schiffstransport mitverdient, lässt hin und wieder Szenarien für die kommenden 20 Globalisierungsjahre ausarbeiten. Wird der Welthandel weiter wachsen und Wohlstand für alle schaffen? Oder beginnt ein Zeitalter, in dem die Chinesen die Weltwirtschaft nach ihren Interessen steuern?

Für die etwa 1000 Experten aus den Branchen Seefahrt, Handel und Finanzen, die seit September bei Wärtsilä ihre Stimme abgegeben haben, ist die Sache offenbar entschieden: Die Mehrheit macht sich über keine dieser beiden Möglichkeiten die größten Gedanken. 38 Prozent fürchten stattdessen am meisten ein drittes Szenario, das die Finnen »raue See« nennen: »Ressourcen sind knapp und zur Machtquelle geworden«, heißt es in dieser düsteren Vision. »Kartelle und direkte Verträge zwischen Staaten haben den freien Markt ersetzt.« Der Welthandel zwischen den Kontinenten ist zusammengeschrumpft. Es riecht nach Krieg.

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Dass ein Zeitalter knapper Ressourcen begonnen hat und dass uns deshalb eine Menge Ärger bevorsteht – das leuchtet angesichts der Wirtschaftsnachrichten dieser Tage ein. Die Preise für Agrarrohstoffe, Metalle und Energieträger steigen seit Monaten. Der Preis für Rohöl legte, in Euro gerechnet, innerhalb von zwölf Monaten um 28 Prozent zu. Der frisch veröffentlichte Rohstoff-Preisindex des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI), der Energieträger außen vor lässt, stieg 2010 um 41,3 Prozent. Die UN meldet »alarmierende« Rekordpreise für die Grundnahrungsmittel Weizen und Zucker.

Warum solch ausgeprägte Steigerungen – jetzt, wo die Weltkonjunktur erst langsam auf die Beine kommt? So viel Grund- und Rohstoffe können eigentlich doch nicht schon wieder nachgefragt werden?

Die eine Antwort lautet: Wir hatten einfach Pech. Dürren in Russland und Kasachstan, trockene Sommer in den USA, Argentinien und Brasilien, überraschende Unwetter in etlichen Teilen der Welt und dann auch noch die Rückkehr längst vergessener Pflanzenkrankheiten wie Getreideschwarzrost – all das hat die Erntemengen empfindlich getroffen. Solche Ereignisse drücken auch die Erwartungen künftiger Ernteerträge, und die Wirkung geht über Nahrungsmittel hinaus: Wenn Pflanzen auf den Äckern vertrocknen, wird es weniger Biodiesel geben, und weil Biodiesel sonstigen Sprit ersetzt, steigt auch der Ölpreis.

Es gab zuletzt viele Beispiele für Pleiten, Pech und Pannen in der Rohstoffproduktion. Das fing mit der Ölbohrplattform Deepwater Horizon an, ging mit der Flutkatastrophe in Australien weiter, die etliche Koksminen lahmgelegt hat, was wiederum die Stahlproduktion in Mitleidenschaft zieht – und setzte sich am vergangenen Wochenende damit fort, dass eine wichtige Ölpipeline in Alaska wegen eines Lecks geschlossen werden musste.

Die Preisexplosion, sagen manche Ökonomen, ist bloß die gesunde Reaktion der Märkte auf diese vertrackte Situation: die Kombination eines verknappten Angebots mit einer wieder steigenden Nachfrage. Pech, aber auf lange Sicht nicht so schlimm. Höhere Preise schüfen ja zugleich Anreize, damit Ölförderer mehr Förderkapazitäten schafften, Kohle- und Metallproduzenten fleißiger nach neuen Minen suchten, Bauern mehr in die Bewässerung investierten.

Leser-Kommentare
  1. Selbst wenn sich der Preis für Nahrung und Wasser verdoppelt ist es immer noch billiger als Krieg zu führen.
    Das die Zeit des billigen Öls vorbei ist weis bis auf die Amerikaner auch jeder.
    Und die Spekulanten kann man ganz einfach loswerden und sobald der politische Wille - und der Zorn des Volkes - es wollen wird das auch geschehen.
    Zeit sich Sorgen zu machen und vorauszuplanen, Panik ist nicht angebracht...

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    Vielleicht sollten wir damit aufhören bestimmte Werte in Geld zu messen, solange die Wertigkeit weniger wichtige Dinge (welche aber knapp zu sein scheinen oder endlich sind) auch daran gemessen werden.

    Vielleicht sollten wir damit aufhören bestimmte Werte in Geld zu messen, solange die Wertigkeit weniger wichtige Dinge (welche aber knapp zu sein scheinen oder endlich sind) auch daran gemessen werden.

    • Keiner
    • 14.01.2011 um 7:23 Uhr

    Hans Christoph Binswanger: Ich fürchte schlicht, dass es noch ein, zwei Krisen braucht, bis wir erkannt haben, dass wir auf ernste Probleme zusteuern.

    http://www.zeit.de/wirtsc...

  2. Oder der Bauer soll mehr wässern,

    Wieso wird nicht erwähnt, dass jedes Jahr 80 Millionen mehr Menschen hinzukommen, dass der Bauer gar nicht mehr dazu kommt das Land zum Wässern zu finden, und das nicht der Müll getrennt werden muss, sondern erst gar kein Müll entstehen sollte!

    Hier gehört ein Kulturwandel her, und nicht die Fortsetzung des Irrglaubens, dass die Art und Weise wie Welt sich bisher entwickelte eine Basis sein kann für die Zukunft.

    Hier wird der gleiche Wahn wiederholt wie bei der sogenannten Finanzkrise, mit mehr Schulden alte Schulden zu retten! Nur von einem anderen Blickwinkel aus.

  3. Da subventionieren wir über Jahrzehnte die Kohlepolitik um dann, wenn die Förderung mehr und mehr selbstragend gehoben werden kann, die Zechen zu schließen.
    Mal sehen wie schnell grüner Strom nach Wind und Sonnenlage rationiert wird.
    Ja und gewählt wird (in der Mehrheit) immer noch nach dem Geldbeutel. Das funktioniert im kleinen wie im großen.
    Es wird spannend.

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    ... was bitte meinen Sie mit "mehr und mehr selbstragende" Förderung? Geben Sie uns auch Zahlen für Ihre Behauptungen?

    Oder sind das doch nur die Träume gewisser Leute, die deutsche Kohle für deutsche Menschen fordern?

    Übrigens wird auch mit "grünem Strom" keine Rationierungen geben, auch wenn das eines der Lieblingsschreckensszenarios der Ewiggestrigen ist.

    ... was bitte meinen Sie mit "mehr und mehr selbstragende" Förderung? Geben Sie uns auch Zahlen für Ihre Behauptungen?

    Oder sind das doch nur die Träume gewisser Leute, die deutsche Kohle für deutsche Menschen fordern?

    Übrigens wird auch mit "grünem Strom" keine Rationierungen geben, auch wenn das eines der Lieblingsschreckensszenarios der Ewiggestrigen ist.

  4. Ja. Weniger verbrauchen.

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    • joG
    • 14.01.2011 um 12:44 Uhr

    ....werden wir alle. Das werden zuerst die Armen und tun dies bereits. Das muss aber nicht schlecht sein. Die Anpassung wird aber leichter, wenn wir den weltweiten _Markt für Rohstoffe offen halten und ihn nicht verkleinern durch bilaterale Lieferverträge. Solche verknappen die frei verfügbaren Mengen, vergrößern die Volatilität der Preise und können viel leichter zu Kriege führen.

    • joG
    • 14.01.2011 um 12:44 Uhr

    ....werden wir alle. Das werden zuerst die Armen und tun dies bereits. Das muss aber nicht schlecht sein. Die Anpassung wird aber leichter, wenn wir den weltweiten _Markt für Rohstoffe offen halten und ihn nicht verkleinern durch bilaterale Lieferverträge. Solche verknappen die frei verfügbaren Mengen, vergrößern die Volatilität der Preise und können viel leichter zu Kriege führen.

  5. ... was bitte meinen Sie mit "mehr und mehr selbstragende" Förderung? Geben Sie uns auch Zahlen für Ihre Behauptungen?

    Oder sind das doch nur die Träume gewisser Leute, die deutsche Kohle für deutsche Menschen fordern?

    Übrigens wird auch mit "grünem Strom" keine Rationierungen geben, auch wenn das eines der Lieblingsschreckensszenarios der Ewiggestrigen ist.

    Eine Leser-Empfehlung
    • Thees
    • 14.01.2011 um 8:09 Uhr

    Wenn sollte das auch wundern?
    Peak Oil haben wir wahrscheinlich gerade. Nun versucht die sgn. "erste" Welt mangelndes Öl durch ursprüngliche Nahrungsmittel zu substituieren. Kein Wunder, dass die Nahrungsmittel Preise explodieren. Dies gilt umso mehr als es inzwischen genmanipulierte Energiegetreide/-früchte gibt. (z.B. BASF Stärke Kartoffel)
    Bei den Rohstoffen wird uns auch nur endlich gezeigt, das alles schlicht endlich ist. China wäre auch schön blöd seltene Erden zum Spottpreis auf den Markt zu werfen.

    (Das heisst übrigens das schon heute Menschen an Hunger sterben weil wir Auto fahren)

    Die eigentliche Frage ist doch eine andere: Was bedeutet die Thematik für unser Wachstums-Ethos? Mangels Rohstoffen werden wir irgendwann schlicht industriell nicht mehr wachsen können.
    Es muss darauf hinauslaufen eine so gut funktionierende Recycling Branche aufzubauen, das zumindest der Status Quo erhalten bleiben kann. Forschung und Entwickliung können sich dann dem sparsameren Einsatz von Rohstoffen widmen.

    @ Hafensänger: Bei Endlichkeit hilft auch nicht weniger Verbrauch denn Verbrauch ist und bleibt Verbrauch. Nur der Kulminationspunkt (an dem oben genannter Effekt eintritt) wird sich herauszögern.

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    "@ Hafensänger: Bei Endlichkeit hilft auch nicht weniger Verbrauch denn Verbrauch ist und bleibt Verbrauch. Nur der Kulminationspunkt (an dem oben genannter Effekt eintritt) wird sich herauszögern."

    Ob die dann genutzt wird ist allerdings mehr als fraglich.

    Die Grünen sind vom Tempolimit klammheimlich abgesprungen. Unter ihrer Ägide hat sich die schwachsinnigste Form von gewerblichem Verkehr entwickelt. Handwerker reisen als "Tagespendler" täglich hunderte von Kilometern im KFZ um 0815 Tätigkeiten fern ihrer Heimat durchzuführen. Das machen auch jetzt noch Landesbetriebe in NRW unter wieder Grüner Herrschaft mit ihren Ausschreibungen.

    Die Merkel verhindert mit ihrer Atomstrompolitik die Auflösung der Versorgungsmonople. Eine Politik der Dezentralisierung könnte ungeahnte Energiemengen freisetzen.

    Also werden wir mit diesen Politikern unsere Zukunftschancen wohl eher nicht nutzen. Sie sind gut bezahlte Befehlsempfänger der Großindustrie.

    Nachdem sich auf unserer Erde alles in einem Kreislauf befindet, und Energie auch nicht verbraucht, sondern nur umgewandelt wird (Energieerhaltungssatz), sind Rohstoffe eigentlich unendlich vorhanden. Das Problem ist, dass man weniger Energie beim Verbrauch erhält, als man zum Recycling benötigen würde.
    Der entscheidende Punkt ist dabei Recycling. Wenn wir in der Lage sind, unser Wirtschaftssystem dauerhaft nachhaltig zu machen, dann gibt es für Wachstum keine eindeutige Grenze.
    Die Frage ist nur, wie schnell wir dabei sind Energie von einer in die andere Form umzuwandeln.
    Tatsache ist nur, dass in einem endlichen System (endlich bezogen auf die Gesamtenergie) nicht-nachhaltiges Wachstum begrenzt ist.

    "@ Hafensänger: Bei Endlichkeit hilft auch nicht weniger Verbrauch denn Verbrauch ist und bleibt Verbrauch. Nur der Kulminationspunkt (an dem oben genannter Effekt eintritt) wird sich herauszögern."

    Nunja, je schneller man alles verbraucht, desto schneller und radikaler muss man sich umgewöhnen, wenn es nichts mehr gibt. Natürlich ist es bequemer, die Tatsache zu ignorieren, dass die Ressourcen endlich sind bzw. zu hoffen, das man selber zu denen gehören wird, die sichs noch leisten können, wenns eng wird. Besonder intelligent erscheint mir das aber nicht zu sein.

    @Mr Floppy: richtig, aber mindestens die Erwähnung der Entropie fehlt aber zur vollständigen Erklärung.

    "@ Hafensänger: Bei Endlichkeit hilft auch nicht weniger Verbrauch denn Verbrauch ist und bleibt Verbrauch. Nur der Kulminationspunkt (an dem oben genannter Effekt eintritt) wird sich herauszögern."

    Ob die dann genutzt wird ist allerdings mehr als fraglich.

    Die Grünen sind vom Tempolimit klammheimlich abgesprungen. Unter ihrer Ägide hat sich die schwachsinnigste Form von gewerblichem Verkehr entwickelt. Handwerker reisen als "Tagespendler" täglich hunderte von Kilometern im KFZ um 0815 Tätigkeiten fern ihrer Heimat durchzuführen. Das machen auch jetzt noch Landesbetriebe in NRW unter wieder Grüner Herrschaft mit ihren Ausschreibungen.

    Die Merkel verhindert mit ihrer Atomstrompolitik die Auflösung der Versorgungsmonople. Eine Politik der Dezentralisierung könnte ungeahnte Energiemengen freisetzen.

    Also werden wir mit diesen Politikern unsere Zukunftschancen wohl eher nicht nutzen. Sie sind gut bezahlte Befehlsempfänger der Großindustrie.

    Nachdem sich auf unserer Erde alles in einem Kreislauf befindet, und Energie auch nicht verbraucht, sondern nur umgewandelt wird (Energieerhaltungssatz), sind Rohstoffe eigentlich unendlich vorhanden. Das Problem ist, dass man weniger Energie beim Verbrauch erhält, als man zum Recycling benötigen würde.
    Der entscheidende Punkt ist dabei Recycling. Wenn wir in der Lage sind, unser Wirtschaftssystem dauerhaft nachhaltig zu machen, dann gibt es für Wachstum keine eindeutige Grenze.
    Die Frage ist nur, wie schnell wir dabei sind Energie von einer in die andere Form umzuwandeln.
    Tatsache ist nur, dass in einem endlichen System (endlich bezogen auf die Gesamtenergie) nicht-nachhaltiges Wachstum begrenzt ist.

    "@ Hafensänger: Bei Endlichkeit hilft auch nicht weniger Verbrauch denn Verbrauch ist und bleibt Verbrauch. Nur der Kulminationspunkt (an dem oben genannter Effekt eintritt) wird sich herauszögern."

    Nunja, je schneller man alles verbraucht, desto schneller und radikaler muss man sich umgewöhnen, wenn es nichts mehr gibt. Natürlich ist es bequemer, die Tatsache zu ignorieren, dass die Ressourcen endlich sind bzw. zu hoffen, das man selber zu denen gehören wird, die sichs noch leisten können, wenns eng wird. Besonder intelligent erscheint mir das aber nicht zu sein.

    @Mr Floppy: richtig, aber mindestens die Erwähnung der Entropie fehlt aber zur vollständigen Erklärung.

  6. Ein guter Artikel, Herr Thomas Fischermann, führt er doch mehrere wichtige Komponenten an. Ungleichgewichte zwischen Angebot und Nachfrage bei Rohstoffen und auch Vorprodukten mit Preisbewegungen haben in der Tat nicht nur eine Ursache.

    Mittel- und langfristig entscheidet der effektive Verbrauch von Stoffen irgendeiner Art über deren Preistrends. Effektiv verbraucht werden Stoffe, wenn sie über die Kette Produktion, Handel, Einsatz in der weiteren Produktion, Handel usw. dann endgültig bei den Konsumenten angekommen sind. Dort verschwinden sie dann "im Gehege der Zähne" und bleiben zum Teil als Müll zurück.

    Die Menschen als Verbraucher, als Konsumenten, entscheiden somit auf lange Sicht erheblich mit, wie sich die Preise für diese Stoffe entwickeln werden. Letzlich sind alle Ressourcen auf dem Planeten begrenzt. Bei einem bestimmten Aufwand an Entstehungskosten steht nur eine bestimmte Menge an Rohstoff für den Verbrauch zur Verfügung. Auch neuartige Produktionsverfahren und neue Quellen der originären Entstehung ändern im Prinzip daran wenig, selbst wenn sie zeitweise das Angebot ausweiten.

    Wir selbst als Verbraucher können einen Beitrag leisten, indem wir uns kritisch fragen, ob wir z. B. alle 4 Jahre eine neues Auto benötigen oder jedes Jahr das Handy wechseln. Die Menschen in den hochentwickelten Industrieländern müssen sich auch eingestehen, daß sehr viele Menschen in den Ländern mit geringem Konsumniveau das gleiche Anrecht auf Konsum haben. Chinesen als Radlervolk?

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