»Na, endlich«, kommentiert Alexandre, »früher hat man sie gezwungen, High Heels zu tragen, und wenn sie gestolpert ist, hieß es, sie sei betrunken.« Dann sagt er nichts mehr, singt nicht mit, tanzt nicht, guckt nur wie hypnotisiert auf die Frau auf der Bühne, verfolgt ihre oft ungelenken Choreografien. Manchmal rennt sie wie ein kleines Kind hin und her, dann rückt sie ihren Busen gerade, schwenkt die mageren Hüften. Zwischendurch nimmt sie tiefe Züge aus einem Krug und dreht anschließend kleine Pirouetten, als wollte sie allen zeigen: »Seht ihr, ich bin nüchtern.«

Sie bringt die großen Hits, Rehab singt das Publikum begeistert mit. Ihre Stimme ist kraftvoll. Mehrmals überlässt sie die Bühne minutenlang der Band – was in Rio zu dem Kommentar führte, sie nehme hinten Drogen.

Ist bei ihr alles gut? So richtig von dieser Welt wirkt sie an diesem Abend nicht. Als sie irgendwann bei einer Pirouette kurz das Gleichgewicht verliert, applaudiert das Publikum. Sie muss selbst lachen – und wirkt, als hätte sie ihr Missgeschick von einem Druck befreit. Sie dankt es ihm mit der längsten Show der Tour, 75 Minuten.

Um kurz nach halb zwei ist Schluss. Tausende drängen hinaus in die laue Sommernacht. Alexandre geht schweigend und noch wie betäubt zu Fuß in seine Pension. Morgens um sieben fährt sein Bus zurück ins fünf Stunden entfernte Natal, am Tag darauf wird er wieder kellnern. Dann wird er seinen Kollegen die Fotos und Filme zeigen, die er heute Nacht aufgenommen hat.

»Ich kann es noch nicht richtig glauben«, sagt er, »ich habe sie wirklich gesehen!«

Bemerkt habe sie ihn leider nicht, obwohl er sich im November ein drittes Bild von ihr in die Haut hat stechen lassen; außer dem Ganzkörperporträt auf dem einen Arm und dem Porträt auf dem Rücken ziert jetzt eine Karikatur von ihr seinen anderen Oberarm. Nächsten Monat wird ein viertes Tattoo dazukommen, auf die Brust über das Herz, nur drei Buchstaben, ihre.