Steve Jobs Der König ist krank

Apple-Chef Steve Jobs pausiert. Schon hat die Suche nach einem Erben begonnen.

Steve Jobs auf einer Präsentation im Oktober

Steve Jobs auf einer Präsentation im Oktober

Wie geht es ihm? Was hat er? Wann kehrt er zurück? Es wären naheliegende Fragen an Tim Cook gewesen. Schließlich hatte Steve Jobs, der Vorstandschef von Apple, erst tags zuvor eine beunruhigende E-Mail geschrieben: »Auf meinen Wunsch hin hat mir der Aufsichtsrat eine medizinische Auszeit zugestanden, sodass ich mich um meine Gesundheit kümmern kann.«

Doch Cook, sein Stellvertreter, musste sich damit gar nicht auseinandersetzen. Bei der Vorstellung der Quartalszahlen in der Nacht zum Mittwoch geriet der Gesundheitszustand des Chefs allenfalls zur Nebensache. Steve Jobs hin oder her, viel mehr interessierten sich die Analysten für das Tagesgeschäft und die Finanzdaten aus der Konzernzentrale im kalifornischen Cupertino. Die freilich waren fantastisch: Der Umsatz des Elektronikkonzerns wuchs um 70 Prozent, der Gewinn um 76 Prozent. Der Name des Firmenchefs fiel nur selten.

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»Hinter Jobs steht ein Konzern, das sollte man nicht vergessen«

Steve Jobs kämpft schon seit Langem. 2004 musste er wegen eines Tumors an der Bauchspeicheldrüse operiert werden. 2009 fiel er für ein halbes Jahr aus, offiziell wegen »hormoneller Störungen«, Medienberichten zufolge soll er sich aber einer Lebertransplantation unterzogen haben. Worunter Jobs aktuell leidet, ist unklar, womöglich sind es Spätfolgen der vergangenen Operation. »Wirklich niemand hat mit einer solchen Ankündigung gerechnet. In Cupertino machen sich viele Menschen Sorgen um Steve Jobs«, sagt Carolina Milanesi von der Technologieberatung Gartner. »Er hat aber ein sehr gutes Team. Hinter Jobs steht ein ganzer Konzern, das sollte man nicht vergessen.«

An der Börse indes scheint genau das in diesen Tagen zu geschehen. Steve Jobs und die von ihm gegründete Firma Apple werden praktisch gleichgesetzt. Von seinen Anhängern als »iGod« verklärt, gilt der 55-Jährige als Heilsbringer, als Herz und Hirn von Apple. Ein Mann, der sein Unternehmen einst im Streit verließ, Ende der neunziger Jahre zurückkehrte und es zum Erfolg führte. Genau diese kultische Verehrung ließ den Aktienkurs um acht Prozent einbrechen, nachdem die Nachricht von der Auszeit bekannt wurde. Rund 20 Milliarden Dollar Börsenwert wurden vernichtet, das entspricht in etwa dem kompletten Marktwert der ThyssenKrupp AG. Oder anders gesagt: Allein die Person Steve Jobs wäre demnach so viel wert wie der größte deutsche Stahlkonzern mit all seinen Walzwerken, Immobilien, Zigtausenden Mitarbeitern und Patenten. Kann das überhaupt sein? Und wäre seine Firma ohne ihn wirklich dem Niedergang geweiht? Wohl nein, die Börse machte die meisten Verluste jedenfalls schnell wieder wett.

Als Steve Jobs 2009 krankheitsbedingt pausierte, kamen ähnliche Fragen hoch. Doch zwischen Januar und Juni, während der Abwesenheit des Chief Executive Officer, stieg der Kurs der Apple-Aktie um rund 60 Prozent. In der Logik der Börse bedeutete das, dass es durchaus ein Apple ohne Jobs geben könne und der Konzern nicht gleich kollabieren müsse.

Die Lage heute ist freilich anders. »Neu ist, dass wir keinen zeitlichen Rahmen für seine Auszeit kennen«, sagt die Analystin Milanesi. Damals kündigte Jobs an, sich auf ein halbes Jahr Abwesenheit beschränken zu wollen. Diesmal bleibt offen, ob Jobs jemals wieder antritt – selbst wenn er versichert: »Ich bleibe CEO und bin weiterhin an allen großen strategischen Entscheidungen beteiligt.«

Dass es keinen ausgemachten Nachfolger gibt, macht die Personalie besonders sensibel. Jobs gilt als Perfektionist und Workaholic mit einem ausgeprägten Gespür für die Wünsche seiner Kunden. Sein wichtigstes Talent aber dürfte sein, Mitarbeiter zu Höchstleistungen anzutreiben. Deswegen sieht sich aber nicht einmal Apple selbst als Einmannfirma. Im Risikobericht, den der 46.000-Mitarbeiter-Konzern jährlich der Börsenaufsicht SEC vorlegen muss, heißt es, der unternehmerische Erfolg hänge »vom Schlüsselpersonal, einschließlich des CEO, vom Führungsteam und von den hoch spezialisierten Angestellten« ab. Es prägen also noch andere Menschen Apple, auch wenn Jobs sie alle an Strahlkraft und Genie überragt.

Leser-Kommentare
    • fanta4
    • 19.01.2011 um 9:38 Uhr

    Die Situation bei Apple erinnert mich an einen schwarzhumorigen Witz, in dem die Familie die tote Oma ans Fenster stellt, um weiter die Rente zu kassieren.

    Apple stellt eben Steve Jobs ins Schaufenster und verdient prächtig (auch) damit.

    Das ist die eine Seite der Medaille.

    Die andere Seite wird die sein, dass Steve Jobs für jede Sekunde dankbar ist, in der er nicht an seine tödliche Krankheit denkt.

    Da ist Arbeit mitunter eine wunderbare Ablenkung.

    Der letzte Auftritt von Steve Jobs war einfach nur erschreckend. Da stand ein Mann, der schon vom Tod gezeichnet ist, abgemagert bis auf die Knochen.

    Und er wird von den Analysten dieser Welt bejubelt. Skurril.

    Eine Leser-Empfehlung
  1. Der war gut :-)) Mit einer Monopolstellung schlechte Software herzustellen ist ja auch nicht so schwierig. Konkurrenz aufzubauen ist praktisch unmöglich, in Anbetracht der nahezu 100% Verflechtung von Firmen IT Infrastrukturen mit Windows. Da kommt man nicht mehr so schnell raus, egal wie gut die alternativen sind. Apple ohne Jobs wird sich wohl ebenfalls zu einem "gewöhnlichen" Konzern wandeln. Die derzeitige Marktkapitalisierung wird ohne die visionäre Genialität von Jobs da wohl nicht mehr drinnen sein. Ohne guten Visionen passiert früher oder später das Nokia Schicksal. Wenn man in der High-Tech Branche mal eine Fehler macht, auf eine falsche Technologie setzt oder eine Trend verpasst ist man schnell weg.Da die Themen so hoch komplex sind, ist es extrem schwierige kompetente Führungspersönlichkeiten zu finden, welche uber das technische Feingefühl verfuegen die 1% Gewinnbringer zu erkennen und sich nicht von dem restlichen Muell blenden lassen. Jobs konnte noch mehr: er hatte die Fähigkeit als Trends zu inintieren welche ganze Industrien verändert haben. Zum Beispiel war die Genialität am iPod nicht das kleine Stück Hardware, sondern die Software Itunes. Das haben bis heute manche Mitbewerber nicht verstanden. Jobs zu ersetzen ist vollkomen utopisch. Aehlich wie der Versuch einen Ersatz fuer einen begabten Schriftseller zu finden um seine Werke fortzusetzen. Das geht einfacht nicht.

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