Ältere Mitarbeiter Das Zitat... und Ihr Gewinn
»Keine Grenze verlockt mehr zum Schmuggeln als die Altersgrenze« Robert Musil
Viele Bewerber ab Mitte 40 verschweigen ihre Lebensjahre wie eine peinliche Krankheit. Und stimmt es nicht, dass das Alter auf dem Weg zum neuen Job ein Bremsklotz ist?
Dass ältere Arbeitnehmer unter dem Generalverdacht stehen, ihr Wissen stamme von vorgestern, ihre Gesundheit sei angeschlagen und ihre Gehaltsvorstellungen seien übertrieben?
Jede Woche gibt der Coach Martin Wehrle Tipps für den Erfolg im Job in der Kolumne "Das Zitat und Ihr Gewinn"
Heerscharen junger Unternehmensberater fallen über die Firmen her, grasen die Kostenlandschaft ab und machen ältere Mitarbeiter als zweibeiniges Sparpotenzial aus.
Die Geschäftsleitung nimmt ihre Ratschläge gern an, natürlich nicht auf sich selbst bezogen, sondern nur auf die Angestellten. Unter dem Tarnmäntelchen der Frühverrentung schubsen sie spätestens die Generation 55 plus vor die Tür.
Trotzdem ist es ein Fehler, bei einer Bewerbung das Alter zu verschweigen. Es gilt das psychologische Gesetz der Mehrdeutigkeit: Wenn eine Lücke zum Spekulieren bleibt, füllen Menschen sie mit – meist ungünstigen – Annahmen.
Ein Bewerber von Ende 40 wird dann unter Umständen nicht für Mitte 40, sondern eher für Mitte 50 gehalten.

Der Coach Martin Wehrle ist Autor mehrerer Karrierebücher und gibt jede Woche Karrieretipps in der Kolumne "Das Zitat und Ihr Gewinn". Gerade ist sein neuestes Buch "Ich arbeite in einem Irrenhaus" erschienen
Statt beim Alter zu schummeln, sollten ältere Bewerber Firmen suchen, die Mitarbeiter nach Leistung statt Lebensjahren beurteilen. Im Zweifel sind das Mittelständler, die ihr Gehirn noch nicht an der Börse verkauft haben.
Den größten Erfolg haben reifere Bewerber, die ihr Alter offensiv als Vorteil verkaufen: Welche Erfahrungen, welche Kompetenzen und Kontakte bringen gerade sie mit?
Welche Probleme, vor denen eine Firma steht, haben sie schon mal gelöst? Wer unverkrampft zu seinem Alter steht, erzeugt unverkrampfte Reaktionen. Dagegen erzeugt das Schummeln an der Altersgrenze, und sei es nur Verschweigen, oft einen Absagereflex.
- Datum 23.01.2011 - 12:21 Uhr
- Serie Das Zitat und Ihr Gewinn
- Quelle DIE ZEIT, 20.1.2011 Nr. 04
- Kommentare 31
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Sehr geehrter Herr Mustermann,
Wir sind ein junges, dynamisches Team zwischen 10 und 20 Jahren. Unsere "Mitarbeiter" haben alle min. 30 Jahre Berufserfahrung und "arbeiten" für 1€/h.
Da passen Sie leider mit 50+ nicht hinein.
Auch Ihre Gehaltsvorstellungen sind überzogen.
Wie empfehlen Ihnen, Rente zu beantragen.
Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag.
Diese Mitteilung wurde maschinell erstellt und ist auch ohne Unterschrift gültig.
Nach meiner Erfahrung ist es in Deutschland schon mit 40 Jahren nahezu unmöglich, einen Job zu bekommen, vor allem wenn es sich um eine Tätigkeit handelt, von der man seinen Lebensunterhalt bestreiten kann.
Da wir zur Zeit mehr als 10 Millionen Arbeitssuchende haben, kommen auf fast jedes seriöse und einigermaßen attraktive Stellenangebot dutzende oder gar hunderte von Bewerbungen.
Drei Mal raten, wen Arbeitgeber bei dutzenden von Bewerbern einstellen, die Jungen oder die Alten? Es ist einfach schier das massive Überangebot an Arbeitskräften, das den Älteren die Jobchancen nimmt.
Ob man nun sein Alter selbst genau angibt oder nicht, spielt keine Rolle bei einer Bewerbung, der Jugendwahn sortiert die Älteren aus und zwar fast in allen Unternehmen.
Nach meiner Erfahrung ist es in Deutschland schon mit 40 Jahren nahezu unmöglich, einen Job zu bekommen, vor allem wenn es sich um eine Tätigkeit handelt, von der man seinen Lebensunterhalt bestreiten kann.
Da wir zur Zeit mehr als 10 Millionen Arbeitssuchende haben, kommen auf fast jedes seriöse und einigermaßen attraktive Stellenangebot dutzende oder gar hunderte von Bewerbungen.
Drei Mal raten, wen Arbeitgeber bei dutzenden von Bewerbern einstellen, die Jungen oder die Alten? Es ist einfach schier das massive Überangebot an Arbeitskräften, das den Älteren die Jobchancen nimmt.
Ob man nun sein Alter selbst genau angibt oder nicht, spielt keine Rolle bei einer Bewerbung, der Jugendwahn sortiert die Älteren aus und zwar fast in allen Unternehmen.
Bis 40 gilt man als zu jung, darauf als zu alt,
das ist das übliche Spielchen zur Einschüchterung, um Forderungen zu drücken und Menschen - egal welchen Alters - zu knebeln.
Ab 40 kommen die doch alle nur noch mit dem Rollator, Rollstuhl mit Plegerin, oder auf der Bahre zum Arbeitsplatz.
Wir brauchen diese "Zittergreise" nicht!
/Zynismus off
Das also ist unsere "(Un)menschliche" Gesellschaft!
Die "Alten" werden abgeschoben; und "alt" ist man heute schon mit 40!!!
...die die 40 plus heute als "alt" abstempeln kommen auch noch dahin.
Vielleicht ist das ganze ja nur eine Phase durch die die Menschheit durch muss, bis sie bemerkt wie falsch sie liegt.
...die die 40 plus heute als "alt" abstempeln kommen auch noch dahin.
Vielleicht ist das ganze ja nur eine Phase durch die die Menschheit durch muss, bis sie bemerkt wie falsch sie liegt.
...die die 40 plus heute als "alt" abstempeln kommen auch noch dahin.
Vielleicht ist das ganze ja nur eine Phase durch die die Menschheit durch muss, bis sie bemerkt wie falsch sie liegt.
Das ist ja alles nett, was der Autor hier schreibt. Aber einer der größten Hemmschuhe für Arbeitgeber (auch für Mittelständler) ist tatsächlich die Lebenserfahrung älterer Menschen. Das wird einem häufig durchaus nicht zum Vor-, sondern zum Nachteil ausgelegt. - Ein junger Mitarbeiter wird tendenziell nicht nur als "billig", sondern auch als "willig" betrachtet. Wohingegen ein älterer, gestandener Mitarbeiter nicht mehr so gut "lenkbar" erscheint, und - das wird so gut wie nie eingestanden - vom potentiellen Arbeitgeber als "überqualifiziert" eingeschätzt wird. Und zwar vor allem, was die "soft skills" angeht. Kritiklos zu funktionieren, und um mehr geht es oft nicht, traut man einem jungen, naiven Mitarbeiter eher zu. Das heißt: Älter, "überqualifiziert", bedeutet Revoluzzerpotential. Der brächte ja vielleicht die seit dem letzten Jahrhundert eingefahrenen Betriebsabläufe durcheinander, und auch sonst einiges. Der könnte kraft seiner Erfahrung ja mitdenken und Dinge in Frage stellen. Obwohl er doch nur arbeiten soll!
Papier ist halt geduldig. Die Praxis läuft oft anders. Aber was will ein "Coach" denn auch anderes schreiben? Er weiß, wenn er wirklich Ahnung hat, doch, dass es aus dem Dilemma für Ältere keinen realen Ausweg gibt. Nicht mit dieser typisch deutschen, sprich: unmodernen Einstellung gegenüber "human resources".
Wer nicht akzeptiert, daß alt werden zum Leben gehört, der hat einfach in dieser Gesellschaft nichts zu suchen. Alt und Jung müssen gemeinsamen Schrittes gehen. Der eine profiziert vom anderen und vor allem ist die Erfahrung ein wichtiger Faktor um Anspruch auf eine Stelle zu haben. Hier geht es auch nicht darum, daß Ältere einiges voraus haben und dies in die Wagschale schmeißen. Wir die älteren haben Ende der 60ger Jahre den Veränderungsprozess Schritt für Schritt ermöglichst, dadurch sehen wir viele Dinge anderes und auch unsere Einstellung zum Älteren hat sich geändert. Darum sollten ältere Arbeitnehmer die gleichen Chancen haben - und am Arbeitsplatz gibt es regeln die für alle gelten. Wie gesagt beide profitieren und sollten aufeinander zugehen.
Ein Vorschlag zu Güte - an der Mode oder an Aussagen sollte es nicht liegen. Man sollte das allgemein bekannte Brainstorming anwenden und sehen was da unten raus kommt.
Wie kann man in einer Bewerbung sein Alter verschweigen ?
Gehört es nicht zum formalen Aufbau einer Bewerbung, darin sein Geburtsdatum zu schreiben oder macht man das heute nicht mehr ?
genaugenommen ist es verboten.
genauso wie die angabe über geschlecht, religion etc.
theoretisch darf noch nicht einmal mehr ein bild eingefügt werden.
wird jedoch zum teil freiwillig noch gemacht.
auf keinen fall jedoch darf es der arbeitgeber einfordern.
In einem internationalen CV ist weder die Angabe des Geburtsdatums noch eines Passbildes vorgesehen. Das ist bis nach Deutschland zwar noch nicht vorgedrungen, aber es wird ausserhalb von D als Harassment/Schikane angesehen, nach dem Alter zu fragen oder nach einem Bild zu verlangen. Schliesslich soll ja die fachliche Qualifikation und nicht Alter und Aussehen den Ausschlag geben. Es wird Zeit, dass D auch einmal gute internationale Gepflogenheiten bei der Personalauswahl annimmt.
genaugenommen ist es verboten.
genauso wie die angabe über geschlecht, religion etc.
theoretisch darf noch nicht einmal mehr ein bild eingefügt werden.
wird jedoch zum teil freiwillig noch gemacht.
auf keinen fall jedoch darf es der arbeitgeber einfordern.
In einem internationalen CV ist weder die Angabe des Geburtsdatums noch eines Passbildes vorgesehen. Das ist bis nach Deutschland zwar noch nicht vorgedrungen, aber es wird ausserhalb von D als Harassment/Schikane angesehen, nach dem Alter zu fragen oder nach einem Bild zu verlangen. Schliesslich soll ja die fachliche Qualifikation und nicht Alter und Aussehen den Ausschlag geben. Es wird Zeit, dass D auch einmal gute internationale Gepflogenheiten bei der Personalauswahl annimmt.
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