Euro-Rettung Koste es, was es wolle

Die Zukunft des Euro entscheidet sich in Berlin – im Streit zwischen Schwarz und Gelb.

Sie hatten nur ein einziges Thema – aber eines mit Brisanz. Am Dienstag dieser Woche trafen sich Angela Merkel, Wolfgang Schäuble, Guido Westerwelle und Rainer Brüderle zum Abendessen im Kanzleramt. Sie besprachen den Umbau der Europäischen Währungsunion – der so weitreichend ist, wie es sich viele Deutsche nie vorstellen konnten. Und wie es die Regierung bisher stets ablehnte.

Spätestens beim Treffen der europäischen Staats- und Regierungschefs im März in Brüssel könnte dieser Umbau beschlossen werden. Offiziell weigert sich die Bundesregierung noch, auch wenn Merkel und Schäuble dazu bereit sind. Aber die Kanzlerin und ihr Finanzminister wissen, dass das weitere Zusammenwachsen Europas nicht populär ist.

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Vor allem nicht beim Koalitionspartner FDP.

Euro-Rettungsfonds

Seit dem Frühjahr 2010 können kriselnde Euroländer auf einen Rettungsschirm zurückgreifen. Der Fonds mit dem offiziellen Namen "Europäische Finanz-Stabilitäts-Fazilität" (EFSF) hat ein Volumen von insgesamt 750 Milliarden Euro und kann im Notfall Kredite gewähren, damit geschwächte Länder eine drohende Staatspleite verhindern.

Die Errichtung des Rettungsfonds trug in der Griechenland-Krise zur Beruhigung der Finanzmärkte bei. Bisher wurde der Fonds nicht in Anspruch genommen. Derzeit wird aber spekuliert, das hochverschuldete Irland könnte als erster darauf angewiesen sein. Die Regierung in Dublin dementiert das und betont, es gebe aktuell keine Notwendigkeit für einen Hilfsantrag.

Aufbau und Funktionsweise

Der Rettungsfonds besteht aus mehreren Teilen. Im Krisenfall kann er an den Finanzmärkten Anleihen herausgeben, die von allen Euroländern mit bis zu 440 Milliarden Euro garantiert werden. Die Mitgliedstaaten zahlen also keine Geldbeträge ein. Hinzu kommen eine Sonderkreditlinie der EU-Kommission von 60 Milliarden Euro und 250 Milliarden Euro vom Internationalen Währungsfonds (IWF).

Bevor der Fonds einspringen kann, müssen aber strenge Bedingungen erfüllt sein. Ein Euro-Mitgliedsland muss soweit in der Klemme stecken, dass es sich nicht mehr zu akzeptablen Zinssätzen an den Märkten finanzieren kann. Es muss dann einen Antrag stellen. Anschließend wird ein Hilfsprogramm mit der EU-Kommission und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) verhandelt. Erst nachdem die Euro-Finanzminister dem Programm zugestimmt haben, kann der Fonds aktiv werden. Die ganze Prozedur kann mehrere Wochen dauern.

Der Rettungsfonds ist bis Ende Juni 2013 begrenzt. Ende Oktober 2010 beschlossen die EU-Staats- und Regierungschefs, dass es von 2013 an eine dauerhafte Einrichtung geben soll. In dem neuen Mechanismus sollen dann bei Staatspleiten auch private Anleger, also Investmentfonds und Banken, in die Pflicht genommen werden. Den Kreditgebern droht dann ein echtes Verlustrisiko – das hat die Risikoaufschläge für langfristige Staatsanleihen von schwer angeschlagenen Ländern wie Irland oder Griechenland nach oben getrieben.
 

Und so leidet Europa inzwischen nicht mehr nur daran, dass bei 27 Staaten fast alle Entscheidungen so unglaublich mühsam sind. Noch mehr zum Problem wird das immer rauere Binnenklima der Berliner Regierungskoalition. Die Rettung des Euro kann nur unter deutscher Führung gelingen. Aber Westerwelle und Brüderle zaudern, sie sind hin- und hergerissen zwischen ihrer Regierungsverantwortung und dem wachsenden Unmut der FDP-Bundestagsfraktion.

Anfang der Woche drohte FDP-Generalsekretär Christian Lindner sogar mit Koalitionsbruch. Eine »Transferunion« oder »die scheibchenweise Ausweitung des Rettungsfonds« werde es mit der FDP nicht geben. Erst dann wetterte er über all die anderen strittigen Themen – die Steuersenkungen, die Vorratsdatenspeicherung oder den Truppenabzug aus Afghanistan.

Fast verzweifelt versuchen die Liberalen, das eigene Profil zu stärken. Mal stänkert man gegen den Koalitionspartner, mal gegen einzelne Unionsminister in der Regierung. Die eigentliche Sollbruchstelle der Koalition ist indes der Umbau der Euro-Zone. Und zwar spätestens dann, wenn bekannt wird, dass die Regierung viel mehr plant, als die eigenen Parlamentarier – und vor allem die FDP-Bundestagsfraktion – bisher akzeptieren wollen.

Um die Währungsunion zu retten, sollen die Mittel des europäischen Rettungsfonds aufgestockt und seine Aufgaben ausgeweitet werden. Zugleich sollen Europas Staaten enger zusammengekettet werden. Alle drei Maßnahmen berühren innenpolitisch Tabus: noch mehr Geld für Europa; noch mehr Chancen für Haushaltssünder; noch mehr Absprachen und Koordination. Der Showdown der Euro-Rettung findet nicht in Brüssel statt. Sondern in Berlin.

Es ist kein Zufall, dass die deutschen Ideen genau dann konkreter wurden, als die FDP mit sich selbst beschäftigt war. Zwischen Neujahr und Dreikönig tobte bei den Liberalen die Debatte um den Parteichef. Guido Westerwelle kämpfte um seinen Job, seine parteiinternen Gegner suchten ihren Platz.

Leser-Kommentare
  1. So kommt die FDP wieder auf 15%:

    Schreibt euch "Raus aus dem Euro, schluß mit deutschem Geld für Griechen und Co." auf die Fahnen, gewürzt mit ein bisschen Ausländer-raus-Sarrazin: Fertig ist der Wahlerfolg!

    Millionen würden es euch danken!
    Bitte argumentieren Sie sachlich. Danke. Die Redaktion/wg

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    Ich schliesse mich ihren Ansichten voll an.
    Mit Westerwelle und Leutheusser-Schnarrenberg wird es leider keine Aenderung der inhaltlosen FDP Politik geben, d.h. sie wird damit untergehen, obwohl sie als eingefuehrte Partei eine Chance haette, als rechtsliberale Partei gross herauszukommen auch mit der Umsetzung der Sarrazin Thesen.

    Ich schliesse mich ihren Ansichten voll an.
    Mit Westerwelle und Leutheusser-Schnarrenberg wird es leider keine Aenderung der inhaltlosen FDP Politik geben, d.h. sie wird damit untergehen, obwohl sie als eingefuehrte Partei eine Chance haette, als rechtsliberale Partei gross herauszukommen auch mit der Umsetzung der Sarrazin Thesen.

  2. der Versuch den EURO zu retten - wenn dies überhaupt noch gelingen kann. Hau-Ruck-Aktionen wie sie von Links (EURO-Bonds) und Rechts (sofortige Rückkehr zur DM)würden immensen Schaden anrichten. Der Chacen, die nach wie vor mit dem Euro verbunden sind, dürfen nicht leichtfertig auf das Spiel gesetzt werden. Sollte eine Rettung doch nicht möglich sein, ist eine Rückkehr zur DM immer noch eine Option.

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    Ich bin sicher, dass mindestens 70 - 80 Prozent der Bürger die DM zurück haben wollen,

    Das ist das Problem. Und es ist richtig: Das Festhalten am Euro wird Deutschlands Wohlstand schleichend massiv dezimieren - und ein Ausstieg wäre auch eine politische Katastrophe. Aber wie heißt es so schön: Besser ein Ende mit Schrecken als Schrecken ohne Ende.
    Die fortlaufende "Retterei" geht nur zulasten des deutschen Steuerzahlers. Ich wurde nie gefragt - den Euro wollte ich nie. Nicht, weil ich national-chauvinistisch denke, sondern die volkswirtschaftlichen Argumente der sogenannten Euro-Skeptiker nachvollziehen kann. Wunschdenken entgegen wirtschaftlicher Logik hilft nicht weiter.
    So wird dieses Experiment wohl mit dem Staatsbankrott Deutschlands enden. Das klingt zwar dramatisch, aber der Schwarze Schwan wird irgendwann eben flügge...

    Ich bin sicher, dass mindestens 70 - 80 Prozent der Bürger die DM zurück haben wollen,

    Das ist das Problem. Und es ist richtig: Das Festhalten am Euro wird Deutschlands Wohlstand schleichend massiv dezimieren - und ein Ausstieg wäre auch eine politische Katastrophe. Aber wie heißt es so schön: Besser ein Ende mit Schrecken als Schrecken ohne Ende.
    Die fortlaufende "Retterei" geht nur zulasten des deutschen Steuerzahlers. Ich wurde nie gefragt - den Euro wollte ich nie. Nicht, weil ich national-chauvinistisch denke, sondern die volkswirtschaftlichen Argumente der sogenannten Euro-Skeptiker nachvollziehen kann. Wunschdenken entgegen wirtschaftlicher Logik hilft nicht weiter.
    So wird dieses Experiment wohl mit dem Staatsbankrott Deutschlands enden. Das klingt zwar dramatisch, aber der Schwarze Schwan wird irgendwann eben flügge...

  3. mein Nachbar auch nicht und mein Genenüber schon dreimal nicht. Woher nimmt die Regierung dann die Frechheit, Quasi- Bürgschaften abzugeben ohne Sicherheiten einzufordern? Für Kreta gibt's 12 Milliarden, für Madeira nur 3 und für die Azoren gar nichts, weil da immer das schlechte Wetter gemacht wird. So einfach ist das .

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    Die Griechen haben so viele Inseln...wir geben ihnen Kredite, die aber mit ein paar Inselchen besichert sein müssen. Können sie nicht zahlen, ZACK, gehören die Eilande uns. Wunderbar! Freue mich schon auf die deutsche Mittelmeerflotte!

    Die Griechen haben so viele Inseln...wir geben ihnen Kredite, die aber mit ein paar Inselchen besichert sein müssen. Können sie nicht zahlen, ZACK, gehören die Eilande uns. Wunderbar! Freue mich schon auf die deutsche Mittelmeerflotte!

  4. Die Griechen haben so viele Inseln...wir geben ihnen Kredite, die aber mit ein paar Inselchen besichert sein müssen. Können sie nicht zahlen, ZACK, gehören die Eilande uns. Wunderbar! Freue mich schon auf die deutsche Mittelmeerflotte!

    Eine Leser-Empfehlung
  5. ... spricht nur vom Euro, unser Zinseszinspargeldproblem stirbt am Exponenten und die Medienfront ist so frei die "Alternativlos"igkeit weiter zu predigen. Stichwort: "Freiwirtschaft" sollte genügen um den Eingang zu finden.

  6. Ich bin sicher, dass mindestens 70 - 80 Prozent der Bürger die DM zurück haben wollen,

    13 Leser-Empfehlungen
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    "Ich bin sicher, dass mindestens 70 - 80 Prozent der Bürger die DM zurück haben wollen,"

    Sind Sie sich auch wirklich sicher, dass dann alles wieder die alten (halben) DM-Preise kosten wird?

    "Ich bin sicher, dass mindestens 70 - 80 Prozent der Bürger die DM zurück haben wollen,"

    Sind Sie sich auch wirklich sicher, dass dann alles wieder die alten (halben) DM-Preise kosten wird?

  7. - die Ländern, welche den Rettungsschirm in Anspruch nehmen müssen werden auch in Zukunft kein Geld haben, weil sie über ihre Verhältnisse leben (sonst wäre es nicht so weit gekommen)

    - Ein Euro ist nicht gleich Europa! Wir hatten bis zur Euroeinführung eine Begeisterung für Europa, die nimmt stetig ab

    - Nationale Spielräume sind nicht unbedingt schlecht, nicht umsonst gibt es Nationalstaaten (dieses Prinzip funktioniert im Föderalismus gut). Warum sollte alles in Brüssel entschieden werden?

    - jeder Rettungsfonds ist ein Verlustfonds für die Deutschen. Jeder soll seine Finanzen selber retten! Eine Schicksalsgemeinschaft wie den Euro zu bilden, ist einfach unnötig.

    - die "Global Player" heißen nicht Griechenland oder Spanien, sondern Russland, USA, China - zu diesen Ländern sollten wir gute Kontakte haben. Eine Konzentration auf Europa schadet nur und bringt nichts. Deutsche Produkte sind auch mit starker DM gefragt!

  8. Ich persönlich glaube nicht das weder Schwarz noch Gelb über den Euro entscheidet.

    Diese Beiden Figuren werden nur im Weltschachspiel eingesetzt, so wie zwei Hähne im Hahnenkampf, damit der Zuschauer, hier das Volk, was zu schauen hat.

    Die Entscheider über Euro oder Nichteuro, die sind den Menschen in der Regel nicht bekannt und auch in keiner Presse zu lesen!

    Das Welttheater lässt grüßen und das Volk nimmt dankbar die Spiele entgegen.

    Das Brot hat ja die Frau von der Leine schon ein wenig verteilt…

    Herzliche Grüße
    Alexander P.

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    Die Euro-Lüge: Wie Deutschland unter der Gemeinschaftswährung leidet

    Es geht schlußendlich darum, wer in der EU die Hosen anhat, wer bezahlt und bestimmt (und wer im Hintergrund (weiter) die Fäden zieht und mit welcher Wertigkeit es eine neue Währung gibt und/oder einen Nord- und einen Süd-Euro.

    Wie immer - erfahren die Bürger weder etwas wesentliches noch werden sie beteiligt - schachern die "Großen" unter sich und die Medien sind bei bestimmten Themen nur an den Rändern des Geschehens aktiv.

    Die Euro-Lüge: Wie Deutschland unter der Gemeinschaftswährung leidet

    Es geht schlußendlich darum, wer in der EU die Hosen anhat, wer bezahlt und bestimmt (und wer im Hintergrund (weiter) die Fäden zieht und mit welcher Wertigkeit es eine neue Währung gibt und/oder einen Nord- und einen Süd-Euro.

    Wie immer - erfahren die Bürger weder etwas wesentliches noch werden sie beteiligt - schachern die "Großen" unter sich und die Medien sind bei bestimmten Themen nur an den Rändern des Geschehens aktiv.

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