Bankautomaten Bloß nicht fremdgehen

Geldabheben am Bankautomaten wird transparenter, aber oft nicht billiger.

Geldautomat in Berlin

Geldautomat in Berlin

Wer bisher Geld an einem fremden Bankautomaten abhob, erfuhr oft erst mit dem nächsten Kontoauszug, wie teuer das war – im Schnitt waren jeweils mehr als fünf Euro fällig. Das ändert sich jetzt. Seit dem vergangenen Wochenende müssen Nutzer direkt an der Maschine auf die Kosten hingewiesen werden. Billiger wird es aber nicht überall: Während private Banken künftig maximal 1,95 Euro je Fremdabhebung verlangen, nehmen Sparkassen, Volks- und Raiffeisenbanken weiterhin sehr unterschiedliche Gebühren. Wer als Kunde der Sparkasse bei der Deutschen Bank abhebt, dürfte somit weitaus billiger davonkommen als umgekehrt der Deutsche-Bank-Kunde bei einer Sparkasse.

Verbraucherfreundlich ist das nicht. Die Sparkassen nutzen ihre starke Position, schließlich haben sie mit 27.500 Geräten das größte Netz von Geldautomaten in Deutschland. Die in der Cash Group vereinten privaten Banken verfügen über nur rund 9000 Automaten im Land. Warum sollte man der privaten Konkurrenz also einen Gefallen tun?

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So lobenswert die neue Transparenz auch ist (obwohl es eigentlich selbstverständlich sein sollte, im Vorhinein über den Preis für eine Leistung informiert zu werden), bleibt es bedauerlich, dass sich die Finanzbranche zu einheitlichen Gebühren nicht durchringen konnte. Ebenso bedauerlich bleibt, dass man den Kunden verschweigt, dass Machtkämpfe und nicht etwa hohe Betriebskosten dafür verantwortlich sind. Zwar müssen auch Geldautomaten gekauft oder geleast werden. Zwar müssen sie mit Scheinen befüllt und die Buchungen zwischen den Banken abgerechnet werden. Das alles aber, so haben die Verbraucherzentralen ausgerechnet, kostet je Abhebung nicht einmal einen Euro. Und wenn man noch bedenkt, dass die Automaten seit den späten siebziger Jahren unter anderem auch deshalb flächendeckend eingeführt wurden, um Personalkosten am Kassenschalter zu senken, erscheinen selbst die gerade gesenkten Gebühren der Privatbanken noch als teuer.

 
Leser-Kommentare
    • Aelita
    • 23.01.2011 um 15:59 Uhr

    In Großbritannien zum Beispiel gibt es solche Gebühren gar nicht. Einzig und allein bei Unabhängigen Automaten wird eine Gebühr von in der Regel £1.75 erhoben um die Betriebskosten zu begleichen und dem privaten Betreiber einen kleinen Gewinn zu bescheren. Aber bei den Automaten der Banken wird überhaupt keine Fremdkartengebühr erhoben.

    Allerdings, bei Fehlbuchungen gibt es widerum sattige Strafgebühren von durchschnittlich £20. Es ist halt nirgendwo perfekt...

  1. Sollen die Volksbanken und Kreissparkassen ruhig dafür viel Geld verlangen. Letzten Endes lassen sie es sich bezahlen dass sie in fast jedem Dorf eine Filiale unterhalten, während die Privaten nur in den Großstädten präsent sind. Da sind die Automaten ja nur ein Teilaspekt davon.
    Durch diese "Kundennähe" positionieren sie sich letztendlich auf dem Markt und halten ihre Kunden, weil sie ja meist bei Zinsen, Rendite etc. nicht gegen die Großen Banken anstinken können.
    Im Zweifelsfall verlangt das eben den Kunden ab dass sie sich halbwegs organisieren, wer den Luxus haben will immer überall an Bargeld zu kommen, sollte eben auch seine 2-3 Euro pro Monat bezahlen, genauso wie die Leute gerne auch das doppelte ausgeben um überall bargeldlos zahlen zu können.

  2. kann man bei rewe, ab 20 Euro Einkauf. Das mache ich immer, weil meine Bank weit und breit mit keinem Automaten vertreten ist...

  3. kann man als Kunde einer Direktbank. Diese unterhalten keine Filialen und sparen dabei soviel Geld, dass der Kunde mit seiner VISA-Karte welweit abheben gehen darf und die Bank die Gebühren übernimmt. Sogar das Spielchen einiger Sparkassen anfangs, die Abhebesumme zu begrenzen, damit sie öfter die Gebühr erheben dürfen (teilweise war das auf 20-50 EUR begrenzt!) haben sie brav mitgespielt. Der Kunde steckte seine Karte dann eben 4x in den Automaten. Die Direktbank zahlte dann der Sparkasse ihre 4 x 11,99 EUR oder so - und behielt den Kunden. Der ist nämlich mehr wert, und Filialen mit haufenweise Seramiskulturen und schlecht ausgelasteten Kundenberatern kosten auch erheblich mehr.
    Um meiner Direktbank einen Gefallen zu tun, hebe ich keine Kleinbeträge ab, sondern nur ca. 2x monatlich. Dann immer mit der Kreditkarte. Und ja, das funktioniert tatsächlich auch im Ausland. Oh, und habe ich schon erwähnt, dass Sie keine Gebühren zahlen, die Kreditkarte kostenlos ist und Sie sogar Zinsen auf das Tagesgeldkonto bekommen (auf das Kreditkartenkonto aktuell sogar 1,6 % oder so)?

    • output
    • 23.01.2011 um 19:12 Uhr

    Was es nicht einmal so, dass den Großbanken die kleinen Kunden zu „popelig“ waren? Die Kontoführungen, Zahlungsverkehr für die kleinen Lohn- und Gehaltsempfänger war für die Großen zu mickerig. Man zog sich aus der Breite zurück, um sich auf den großen Kreditnehmer und Anleger zu konzentrieren. Und das internationale Investmentgeschäft sollte das große Geld bringen. Da störten doch nur die Kleinkunden.

    Wir die kleinen normalen Arbeitnehmer zählten für die Großen nicht mehr. Folgerichtig haben sich die Großbanken aus der Breite zurückgezogen. In diese Lücke sind die Sparkassen und Volksbanken gestoßen.

    Ich für meinen Teil wende mich an die Bank, wo ich als Arbeitnehmer noch etwas zähle. Wer sein Konto noch bei einer Großbank hält, wird seine Gründe haben. Aber wer hier seine Vorteile sieht, darf sich nicht wundern, dass es anderer Stelle mal etwas mehr kostet. Alles andere wäre Rosinen picken.

  4. Sparkassen, Volks- und Raiffeisenbanken investieren in dichte Filial- und Bankautomatennetze. Die Privatbanken sparen sich dies. Sie profitieren damit von der Infrastruktur, die andere geschaffen haben. Da ist es doch nur gut und billig von Kunden dieser Banken mehr Geld zu nehmen.

  5. Verbraucherschützer sind berufliche Nörgler mit Planstelle. Wenn die nichts mehr zu nörgeln haben, dann wird die Planstelle gestrichen.

    Wenn die Verbraucherschützer meinen, Sie können mit einem Euro pro Abhebung kostendeckend arbeiten, dann sollen die doch Automaten aufstellen.

    Ich frage mich echt, warum niemand Aldi und Lidl bzw. allen Bäckern in Deutschland die Preise fürs Brot vorschreibt. Ist doch total verbraucherunfreundlich, diese unterschiedlichen Preise.

  6. Schon seit vielen Jahren haben sich die Privatbanken zusammengeschlossen, man zahlt keinen Cent Gebühren. Sie haben also die Wahl, ihr Konto bei einer der Gruppen zu führen und ihren Lebensumständen anzupassen.

    Vor über zehn Jahren wäre dies wirklich ein Thema gewesen, da konnte man nur Gebühren frei an Automaten des eigenen Instituts Geld abheben. Das war aber ein Wettbewerbsnachteil der damals lokal organisierten Genossenschaftsbanen und Sparkassen.

    Was einen heute ärgert, sind allenfalls die Abschreckungsgebühren, die an Fremdautomaten anfallen würden.

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