Gesellschaftskritik Über Aktfotos

Steffi Graf und Andre Agassi (Archivfoto)

Steffi Graf und Andre Agassi (Archivfoto)

Man spricht bei Andre Agassi und Steffi Graf seit vielen Jahren von einem Traumpaar. Traumpaar meint: Es gibt keine öffentlichen Skandale, keine bekannt gewordenen Zänkereien, keine amourösen Verwicklungen, die in den auf Prominenz zugeschnittenen Blättern ausgebreitet werden könnten. Die Verwerfungen, auf die man sich publizistisch bislang stürzen konnte, waren von rührender Harmlosigkeit: Agassi schrieb in seiner Autobiografie Open, die vor zwei Jahren erschienen ist, er habe der Eitelkeit wegen beim Spielen ein Toupet getragen. Und früher, ja, habe er auch mal Drogen genommen.

Steffi Graf und Andre Agassi erscheinen wie Figuren aus einem Bildungsroman: Sie zelebrieren die freie individuelle Entwicklung des Einzelnen zu einem höheren, strahlenden Ziel. Einst gab es den Starrummel, das Toupet, die Rückenschmerzen, den Ehrgeiz, Steuerhinterziehung, Brooke Shields, zwei Kindheiten unter der Fuchtel ehrgeiziger Väter. Mittlerweile aber, nach besinnungsreichen Jahren, erblicken wir eine transatlantische Musterfamilie ganz im Zeichen von Unschuld und Gesundheit. Man kümmert sich in einer Stiftung um traumatisierte Kinder in aller Welt, betreibt Sportclubs für Frauen, fördert die Schulbildung und so weiter.

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Gesellschaftskritik
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Rar sind die Meldungen, die von Abgründen zeugen wie vermeintlich jene: Andre Agassi, der längst seine Profikarriere beendet hat, spielte kürzlich Tennis in Taiwan – naturgemäß für einen guten Zweck. Von Agassi wurden zu diesem Anlass von ihm unterschriebene Tennisschläger und ein Teller versteigert. Letzterer fand wenig Interesse, weshalb Agassi in das Auditorium rief: »Wenn jemand mehr als 4000 Dollar bietet, zeige ich ihm ein Handyfoto von meiner Frau – nackt!« Ein eilfertiger Asiate zahlte, stürmte nach vorn – und irgendetwas präsentierte ihm Agassi auf seinem Handy. Der Kunde lächelte beseelt und umarmte Agassi jedenfalls inniglich.

Nun ist es beinahe einerlei, ob ein zartes Babyfoto von Steffi Graf für die Aktion herhalten musste, eine abstrakte Zeichnung oder tatsächlich ein derbes Aktfoto. In jedem Fall zeigt Agassis Versteigerung die engen Grenzen des Humors, die jeder Unschuld eigen sind. Es kichert die Nonne bereits über eine nackte Wade, die Jungfrau in Romanen des 18. Jahrhunderts über die kleinste Anzüglichkeit. Und die Welt angesichts von Andre und Steffi, den Nachfahren von Ken und Barbie, über ein gewiss nur arg verpixeltes, belangloses, biederes Nichts.

 
Leser-Kommentare
  1. 1. Nichts

    Wie man über ein Nichts derartig viele Zeilen verlieren kann, gehört für mich zu den unerforschten Rätseln der Mediengeschichte.

  2. 2. [...]

    Entfernt. Bitte äußern Sie Ihre Kritik sachlich und konstruktiv. Danke. Die Redaktion/ag

    • iDog
    • 21.01.2011 um 13:38 Uhr

    gesellschaftskritik ist doch wohl etwas ganz anderes.
    [...]

    Gekürzt. Bitte äußern Sie Ihre Kritik sachlich. Danke. Die Redaktion/ag

  3. Die Grenzen der Unschuld sind zumindest Ueberschritten wenn die Gesellschaft versucht sich in die Privatsphaehre zweier Menschen einzumischen.

    • chamsi
    • 21.01.2011 um 13:43 Uhr

    promovieren...? ...:)
    Was gäbe es nicht alles an Kritik an unserer Gesellschaft
    zu üben...

  4. bieten sie dies geschwafel doch der bild oder bunte etc. an. aber verschonen sie zeit leser damit!

    Eine Leser-Empfehlung
    • verne
    • 21.01.2011 um 14:53 Uhr
    7. ?????

    Wen interessiert so etwas?
    Als wenn es nichts wichtigeres gäbe...
    (Hab mir den Artikel nicht durchgelesen... dafür ist mir meine Zeit zu schade)

    • iDog
    • 21.01.2011 um 14:56 Uhr

    ach so, man darf diese zeitung also nicht mit einer anderen zeitung vergleichen, um z.b. damit das niveau des artikel zu kritisieren. ist ja toll.

    noch erstaunlicher ist, dasss sich hier mehrere kritiken auf diese art von vergleichen stützt. wie soll man qualität evaluieren, wenn nicht im vergleich? sagen sie es uns doch bitte- sie wissen doch sonst auch alles besser oder haben angeblich zu bestimmen was gesagt werden kann oder wie.

    die reihe der kommentare hier spricht für sich und gegen ihren "anspruchsvollen" und tacktlosen inhalt. aber sie wollen uns für dumm verkaufen, ohne dass wir uns wehren dürfen -offenbar ohne erfolg.

    es tut mir jetzt schon leid hier etwas gelesen zu haben und auch noch meine zeit mit einem kommentar verschwendet zu haben. ich werde sie nicht weiterempfehelen. ihre unverschaemtheit einem leser trotz mehrmaliger abmeldung immer noch werbung ins haus zu senden, sollte auch nicht unerwaehnt bleiben. ihre suggestiven pseudoumfragen soll man mit zustimmung bedienen, aber eine meinung darf man nicht haben? passt zusammen. erstklaesselerniveau. 'habt ihr auch schoen die antworten auswendiggelernt'. maehhhh ....

    totalitäre anmaßung nenenn ich das und nicht freie presse. denn sie haben da sicher was nicht verstanden. frei bedeutet frei für alle seiten und nict nur für selbstherrliche buettel der elite.

    ich empfehle mich mit dem hinweiss , dass es nicht hilft anderen die wuerde zu nehmen , wenn man die eigene bereits verkauft hat .

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