NotfallmaßnahmenSchnell raus!

Jedes Jahr fordern Lawinen in den Alpen durchschnittlich hundert Menschenleben. Technische Notfallsysteme helfen dabei, die Opfer möglichst rasch zu finden. Denn nur wer schnell geortet wird, hat gute Überlebenschancen von 

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Klicken Sie auf das Bild, um die Infografik als PDF-Datei herunterzuladen  |  © Dieter Duneka

Was ist zu tun, wenn die Schneemassen auf einen zurollen? Weltweit sterben jedes Jahr rund 200 Menschen durch Lawinen, die Hälfte davon in den Alpen.

Die Todesursachen sind dabei ganz unterschiedlich: Manche Skifahrer werden mitgerissen und prallen gegen Felsen. Andere werden von der schieren Schneemasse erdrückt oder ersticken, weil ein Schnee-Luft-Gemisch mit Hochgeschwindigkeit in ihre Lungen gelangt.

Eine Infografik zeigt , wie Lawinenopfer aufgespürt werden und wie man sich verhalten sollte, wenn es gefährlich wird.

Oben bleiben

Wer in der Lawine oben bleibt, überlebt meistens. Dabei helfen Airbags. Sie bestehen aus einem oder zwei Ballonen mit einem Gesamtvolumen von 150 bis 170 Litern. Das Prinzip: Die Lawine ist physikalisch betrachtet ein strömendes Granulat. Luftsäcke machen den Skifahrer in diesem Granulat zu einer großen »Partikel« – und die bleiben beim Schütteln eher oben. Verantwortlich dafür ist der Sortierungseffekt, der auch bei Frühstücksflocken dafür sorgt, dass große Partikel in der Tüte oben, kleine unten liegen.

Rasch orten

Wenn eine Gruppe mit digitalen Lawinenverschüttetensuchgeräten (LVS) ausgerüstet ist und ein Mitglied unter Schneemassen gerät, können die Begleiter den Verunglückten per Funk orten. Weit mehr als die Hälfte der verschütteten Personen wird auf diese Weise gerettet. Modernste Geräte (Pieps Global Finder) sind außerdem ans Global Positioning System (GPS) angeschlossen und verschicken Notrufsignale via Satellit. Beim Orten hilft auch der Avalanche Ball. Er ist mit einer Schnur am Bauchgurt befestigt. Wird er mittels eines Griffs ausgelöst, springt er aus der Hülle und »schwimmt« an der Lawinenoberfläche. Entlang der Schnur finden die Retter den Weg zum Opfer.

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Richtig atmen

Wer es nicht schafft, aus der Lawine hinauszufahren, sollte versuchen, die Stöcke loszulassen und die Skibindung zu lösen. Außerdem: Knie gegen die Brust ziehen, Arme vor das Gesicht. Verschüttete ersticken oft am eigenen ausgeatmeten Kohlendioxid. Das AvaLung-System hilft, Ein- und Ausatmungsluft zu trennen. Einatmen kann der Verschüttete über einen Schnorchel mit Filter und Schlauch, die ausgeatmete Luft wird über ein Ventil in den Rückenbereich transportiert. So kann man länger unter der Schneedecke überleben.

Schnell bergen

Kann ein Verschütteter nicht umgehend von Kameraden geborgen werden, kommen organisierte Retter zum Einsatz. Sie sind mit Suchgeräten ausgerüstet und meist auch mit den Radargeräten des Recco-Systems. Da manche Hersteller mittlerweile passive Recco-Reflektoren in Jacken, Helme und Snowboardschuhe integrieren, können viele Verschüttete auf diese Weise geortet werden. Noch immer unterstützen auch Hunde die Suche – etwa dann, wenn die Opfer weder technische Notfallsysteme besitzen noch Reflektoren auf sich tragen. Sogar die klassischen Sondierstangen, mit denen die Retter im Schnee stochern, haben längst nicht ausgedient.

Auf markierten Pisten riskieren Skifahrer oder Snowboarder am wenigsten, von Schneemassen verschüttet zu werden. Aber Tourenskifahrer und Freerider reizt der Tiefschnee abseits der Pisten. Sie sollten sich vor der Abfahrt über die Risiken erkundigen. Die Website www.avalanches.org kennt die Lawinengefahr in den Skiregionen der europäischen Länder: von 1 (»gering«) bis 5 (»sehr groß«). Das kostenlose Merkblatt »Achtung Lawinen!« des Instituts für Schnee- und Lawinenforschung (SLF) hilft, das Risiko selbst abzuschätzen. Und falls möglich, sollte man sich auch vor Ort bei Fachleuten erkundigen, wo am ehesten mit Lawinen zu rechnen ist. Je höher das Risiko, desto wichtiger ist es, sich mit den hier beschriebenen Schutzsystemen für den Notfall zu wappnen.

Weitere Infografiken der Serie "Wissen in Bildern" finden Sie hier.

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Leserkommentare
    • abzurdo
    • 04. Januar 2012 18:59 Uhr

    ich möchte einige Dinge, die in dieser Kürze dem Laien wohl nicht klar werden ergänzen.
    Betreffend des Avalance Balls ist zu bemerken, dass dieser höchstens eine Ergänzung zu einem LVS sein kann, nicht jedoch ein Ersatz, da die Helfer sich entlang der Schnur zum Opfer vorgraben müssen (10 Meter durch betonharten Lawinenschnee dauern oft zu lange).
    Um die Stöcke loswerden zu können, ist Stand der Lehre, dass man die Schlaufen ausserhalb der Pisten nicht verwendet, da dies eine Befreiung von der Ankerwirkung der Stöcke im Ernstfall praktisch unmöglich macht.
    Auch das Reccosystem ist nur als Zusatz empfehlenswert, da bis zum Eintreffen der organisierten Rettung, die über dieses System verfügt die Überlebenswahrscheinlichkeit schon stark zurückgegangen ist (~10% nach 20 Minuten, machen sie sich ein Bild).

    • abzurdo
    • 04. Januar 2012 19:09 Uhr
    2. Daher

    ist zu empfehlen, als Laie einen ausgebildeten Bergführer zu buchen, denn die beste Überlebenschance hat der, der erst gar nicht verschüttet wird.

    Wer sich das nicht leisten kann, sollte in jedem Fall zumindest ein LVS ausleihen (praktisch in jedem guten Sportgeschäft), und sich in alpinen Vereinen über deren Handhabung informieren und regelmäßig damit trainieren.

    Wer auf die organisierte Rettung wartet (mit Hund und Sonde) hat schlechte Karten, darum nie alleine im Gelände fahren und dann auch nicht gemeinsam verschüttet werden!

    Bitte, liebe Zeit-Redaktion, versuche in Zukunft bei solchen Artikeln professionellen Rat einzuholen, da sonst falsche Sicherheit suggeriert wird, die Menschen das Leben kosten kann.

    Eine Leserempfehlung

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  • Schlagworte Airbag | GPS | Lawine | Alpen
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