Mit echten Piraten sprechen: Das Reisebüro von Kevin Pollard organisiert Reisen nach Somalia © MOHAMED DAHIR/AFP/Getty Images

DIE ZEIT: Herr Pollard, Ihr Büro Babel Travel bietet seit Beginn dieses Jahres Reisen in Krisenregionen an. Das klingt nicht sehr erholsam. Warum sollte man Urlaub in Darfur machen?

Kevin Pollard: Unsere Kunden suchen ja gar keine Erholung. Sie wollen Konflikte verstehen und die Welt kennenlernen, wie sie wirklich ist. Dafür reicht es nicht aus, die Zeitung zu lesen.

ZEIT: Jetzt tun Sie so, als hätten Sie Bildungsreisen im Angebot. Sie verkaufen den Leuten aber Abenteuerurlaube. So steht es jedenfalls auf Ihrer Internetseite.

Pollard: Aber es ist doch tatsächlich ein Abenteuer, die Welt auf diese Art zu sehen. Man wird mit dem echten Leben konfrontiert. Man spricht mit den Menschen. Und zwar in Regionen, in denen es nicht von Touristen wimmelt. Es geht nicht darum, Militärhubschrauber und Minenfelder zu fotografieren. Unsere Reisegruppen besuchen Dörfer, leben ein paar Tage mit den Leuten, lernen ihre Probleme kennen. In Somalia können Teilnehmer sogar mit inhaftierten Piraten sprechen.

ZEIT: Welche Länder bieten Sie in Ihrem Programm außerdem an?

Pollard: Den Irak, Afghanistan, Sudan...

ZEIT: Das Auswärtige Amt warnt vor Reisen in derart gefährliche Regionen. Betreiben Sie ein Reisebüro für Lebensmüde? 

Pollard: Keinesfalls. Die meisten unserer Kunden haben ein berufliches Interesse. Sie sind Journalisten, Lehrer oder Ärzte, die sich für die Arbeit von Hilfsorganisationen interessieren. Es ist sehr teuer, in einem geschützten Rahmen in ein Krisengebiet zu reisen. Für viele geht aber ein Lebenstraum in Erfüllung. Dafür zahlen sie gerne den Preis. Wir prüfen die Beweggründe der Teilnehmer genau, führen ausführliche Gespräche vor jeder Reise. Chaoten sortieren wir aus.

ZEIT: Kommt das häufiger vor?

Pollard: Nein, nur einmal. Ein Mann wollte per E-Mail eine Reise nach Afghanistan buchen. Er schrieb: »Ich bezahle 5000 Euro für jeden Taliban, den ich erschießen darf.« Solche Verrückten nehmen wir natürlich nicht mit.

ZEIT: Aber wenn sich Menschen in Krisengebieten engagieren wollen, können sie sich doch gleich einer Hilfsorganisation anschließen. Wieso sollen die bei Ihnen eine Reise buchen?

Pollard: Wer sich so einer Organisation anschließt, bleibt etwa zwei Wochen am selben Platz. Mit uns werden Sie in der Zeit an zehn verschiedene Orte geführt. Im Übrigen kann ich Sie beruhigen. Wir organisieren nicht nur Reisen in gefährliche Gebiete, sondern fahren zum Beispiel auch nach Nordkorea.