Reisen in Krisengebiete : Ferien im Irak

Kevin Pollard, 37, organisiert in seinem Schweizer Reisebüro Babel Travel Trips durch Krisenregionen
Mit echten Piraten sprechen: Das Reisebüro von Kevin Pollard organisiert Reisen nach Somalia © MOHAMED DAHIR/AFP/Getty Images

DIE ZEIT: Herr Pollard, Ihr Büro Babel Travel bietet seit Beginn dieses Jahres Reisen in Krisenregionen an. Das klingt nicht sehr erholsam. Warum sollte man Urlaub in Darfur machen?

Kevin Pollard: Unsere Kunden suchen ja gar keine Erholung. Sie wollen Konflikte verstehen und die Welt kennenlernen, wie sie wirklich ist. Dafür reicht es nicht aus, die Zeitung zu lesen.

ZEIT: Jetzt tun Sie so, als hätten Sie Bildungsreisen im Angebot. Sie verkaufen den Leuten aber Abenteuerurlaube. So steht es jedenfalls auf Ihrer Internetseite.

Pollard: Aber es ist doch tatsächlich ein Abenteuer, die Welt auf diese Art zu sehen. Man wird mit dem echten Leben konfrontiert. Man spricht mit den Menschen. Und zwar in Regionen, in denen es nicht von Touristen wimmelt. Es geht nicht darum, Militärhubschrauber und Minenfelder zu fotografieren. Unsere Reisegruppen besuchen Dörfer, leben ein paar Tage mit den Leuten, lernen ihre Probleme kennen. In Somalia können Teilnehmer sogar mit inhaftierten Piraten sprechen.

ZEIT: Welche Länder bieten Sie in Ihrem Programm außerdem an?

Pollard: Den Irak, Afghanistan, Sudan...

ZEIT: Das Auswärtige Amt warnt vor Reisen in derart gefährliche Regionen. Betreiben Sie ein Reisebüro für Lebensmüde? 

Kevin Pollard

"Verrückte nehmen wir natürlich nicht mit". Der Schweizer Kevin Pollard organisiert mit seinem Reisebüro Babel Travel "Abenteuerreisen".

Pollard: Keinesfalls. Die meisten unserer Kunden haben ein berufliches Interesse. Sie sind Journalisten, Lehrer oder Ärzte, die sich für die Arbeit von Hilfsorganisationen interessieren. Es ist sehr teuer, in einem geschützten Rahmen in ein Krisengebiet zu reisen. Für viele geht aber ein Lebenstraum in Erfüllung. Dafür zahlen sie gerne den Preis. Wir prüfen die Beweggründe der Teilnehmer genau, führen ausführliche Gespräche vor jeder Reise. Chaoten sortieren wir aus.

ZEIT: Kommt das häufiger vor?

Pollard: Nein, nur einmal. Ein Mann wollte per E-Mail eine Reise nach Afghanistan buchen. Er schrieb: »Ich bezahle 5000 Euro für jeden Taliban, den ich erschießen darf.« Solche Verrückten nehmen wir natürlich nicht mit.

ZEIT: Aber wenn sich Menschen in Krisengebieten engagieren wollen, können sie sich doch gleich einer Hilfsorganisation anschließen. Wieso sollen die bei Ihnen eine Reise buchen?

Pollard: Wer sich so einer Organisation anschließt, bleibt etwa zwei Wochen am selben Platz. Mit uns werden Sie in der Zeit an zehn verschiedene Orte geführt. Im Übrigen kann ich Sie beruhigen. Wir organisieren nicht nur Reisen in gefährliche Gebiete, sondern fahren zum Beispiel auch nach Nordkorea.

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Kommentare

7 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

Mit dem Elend und der Angst...

...anderer Menschen lassen sich nachweislich schon lange gewinnbringende Geschäfte machen. Und wie man hier sehen kann, gibt es immer wieder genügend Nachfrage...der freie Markt begünstigt dies.
Diese "Abenteuerreisen" sind eine Geschäftsidee...ein Angebot auch, das niemand gezwungen wäre, anzunehmen...
Vor dem Hintergrund der inneren Leere, der Empathielosigkeit und Langeweile, wie es in unserer "entwickelten, westlichen Welt" so arg verbreitet ist, kommen solche Angebote zum Erfolg.
Schon lange kann man besorgt beobachten, dass aufgrund der zunehmenden emotionalen Gleichgültigkeit und dem Überdruss in unserer Gesellschaft die entsprechenden Angebote auf den Markt kommen.
Man kann sich am Elend und der Not anderer Menschen auf unterschiedliche Weise "gewinnbringend" selbst befriedigen. Das kompensiert dann vorübergehend eigene Untergangsängste, nicht wahr? Dem einen oder anderen erspart es auch die Erkenntnis der eigenen "Würstchenhaftigkeit"...
Der Reiseanbieter ist ein Geschäftsmann. Er macht ein Angebot, was auch immer man davon halten mag. Ebenso frei, wie er ein Angebot machen kann, hat ein "Kunde" die freie Wahl, ob er das Angebot annehmen oder ablehnen möchte...

Reisen

Diese Erde ist unfassbar schön. Die Infrastruktur wird sukzessive immer besser. Informationen zu Plätzen auf dieser Erden werden immer besser verfügbar. Der gefühlte Eindruck ist aber trotzdem, dass man immer weniger Orte mit vertretbarem Risiko und angemessenen Kosten bereisen kann. Jemen, Mali, Mauretanien, Niger, Tschad, Algerien, Pakistan uvm.: Alles sehr interessante Länder mit teils reicher Historie und sagenhaften Landschaften. Aber auch alles Länder, die aktuell nur mit signifikanten Risiken zu bereisen sind.

Für 9.500 EUR als geführte Reisegruppe mit Militärbegleitung durch Afghanistan zu touren, entspricht nicht wirklich meiner Definition von Reisen.

pervers,

kann ich dazu nur sagen. gibt es noch etwas wovor diese menschen respekt haben? profit zu machen indem man verzweifelte besichtigt die ums überleben kämpfen? natürlich von einem 5 sterne hotel aus!
" die verrückten werden natürlich in einem gespräch vorher aussortiert?" natürlich!
verrückt ist hier nur einer, nämlich der veranstalter.
wenn diese kunden die realität kennen lernen wollen, würde ich vorschlagen, was fr. lemhöfer auch gefragt hat, arbeiten für eine hilfsorganisation. pflege von aids kranken in afrika z.b. abstoßend das ganze.

Hoffentlich

zwingt man die peinlichen Idi....., die solche Reisen veranstalten/buchen, dazu jeden Cent des Lösegeldes zurückzuzahlen, dass der Steuerzahler wohl bald einmal für sie berappen muß.

(Oder alternativ: Man läßt sie ihr Abenteuer bis zur Neige auskosten = in den Händen der Terroristen.)