Die Nazis nutzten die Wirren der ersten Kriegstage, um im Wald von Piaśnica gleich mehrere große und genau geplante Massaker anlaufen zu lassen: Eines davon gehörte zur "Intelligenzaktion" – die Ermordung der lokalen Führungsschichten in Polen. Auch in Wejherowo wurde aus einheimischen Deutschen eine paramilitärische Selbstschutz-Gruppe zusammengestellt. Diese fanatisierten Volksdeutschen hatten schon vor Kriegsbeginn Listen mit den Namen ihrer polnischen und kaschubischen Nachbarn erstellt und sie Anfang September 1939 der Gestapo und der SS übergeben. Lehrer, Pfarrer, Bürgermeister, Kaufleute, Bezirksrichter, Künstler – fast die gesamte Intelligenz der Region war erfasst.

Unmittelbar nach Eintreffen der Wehrmacht wurden die Männer und Frauen verhaftet – im Kreis Wejherowo, in der Hafenstadt Gydnia (Gdingen) und in Danzig. Zunächst kamen sie in das Gefängnis von Wejherowo. Dann transportierte die SS sie mit geschlossenen Lastwagen in den Wald von Piaśnica und erschoss sie. Romanowski, Schwarz, Bukowski, Kwiatkowski... – viele Namen der ermordeten Kaschuben sind heute auf den Gedenksteinen im Wald eingraviert.

Mit der "rassischen Einordnung" der Kaschuben taten sich die Nazis zunächst schwer. Einerseits betonten sie, dass die streng katholischen Kaschuben keine Polen, sondern als "Pommeranen" ein "slawischer Volkstumssplitter" seien. "Wir haben sie anzuerkennen als Volksgenossen, und es ist vielleicht die Bezeichnung ›kaschubische Volksgenossen‹ oder ›deutsche Slawen‹ zu geben", heißt es in einem "Sonderbericht zur Kaschubenfrage" vom 15. Oktober 1939. Andererseits kursierten Berichte der Arbeitsämter Karthaus und Neustadt, in denen die Kaschuben als "hinterlistig, falsch und verschlagen" denunziert wurden, "dem deutschen Volkstum gänzlich wesensfremd". Dennoch verkündeten führende Rassenkundler 1942: "Das Großdeutsche Reich hat das Westslawentum nun endgültig in seine Obhut genommen." Damit wurden die Kaschuben offiziell "eingedeutscht" beziehungsweise zu "westslawischen Volksgenossen" erklärt.

Im Spätsommer und Herbst 1939 allerdings machten Wehrmacht und SS im besetzten Polen keine so feinsinnigen Unterschiede. Wie die Polen gehörten auch die Kaschuben zu den ersten Opfern des deutschen Überfalls. "Etwa 2000 Ermordete im Wald von Piaśnica waren Kaschuben aus der Region", schätzt der polnische Historiker und stellvertretende Leiter des im Aufbau befindlichen Museums des Zweiten Weltkriegs in Danzig, Piotr M. Majewski. "Vereinzelt waren auch polnische Soldaten darunter und einige Juden."

Hinzu kam ein weiteres genau geplantes Massaker, das zur "Aktion T4" gehörte – zur Tötung von physisch und psychisch behinderten Menschen. So ermordete die SS 2000 polnische Patienten aus der "Irrenanstalt Konradstein" im Wald von Szpegawsk bei Starogard (Preußisch Stargard) – das Städtchen südlich von Danzig war gleich am 2. September von der Wehrmacht besetzt worden –, weitere "Geisteskranke aus pommerschen Irrenanstalten" wurden dann im Wald von Piaśnica umgebracht. Diese Patienten kamen aus den deutschen Heil- und Pflegeanstalten Stralsund, Stettin-Kückenmühle, Treptow an der Rega, Ueckermünde, Lauenburg in Pommern und Meseritz-Obrawalde. Die SS hatte die Patienten bei Kriegsbeginn in der Heilanstalt Stralsund zusammengeführt und kaserniert und im November und Dezember 1939 nach Westpreußen deportiert. 1285 Patienten aus mindestens zehn Transporten, die am Bahnhof Wejherowo ankamen, wurden nachweislich kurz darauf im Wald von Piaśnica erschossen.

Einer der Hauptverantwortlichen war der SS-Sturmbannführer Kurt Eimann. 1968 kam es in Hannover zum Prozess. Eimann schilderte dem Gericht, wie er die Patienten am Bahnhof von Wejherowo in Empfang nahm: "Die Kranken wurden durch die SS-Männer auf Lastwagen geladen, die meiner Truppe zur Verfügung standen. Die Lkw fuhren dann bis auf 50 Meter an die Erschießungsstelle heran. Dort ließ ich die Kranken einzeln aussteigen. Jeweils zwei SS-Männer führten den Geisteskranken bis an den Rand der Grube, ein dritter SS-Mann folgte mit einer Pistole 08. Am Grubenrand schoss der dritte SS-Mann den Kranken mit der Pistole in das Genick, sodass er in die Grube fiel. Dieser Vorgang wiederholte sich einzeln hintereinander bei sämtlichen Kranken des Transportes."

Polnische Kriegsgefangene aus Stutthof mussten die Leichen verscharren. Anschließend ließ SS-Sturmbannführer Eimann auch diese Polen erschießen. Das Landgericht Hannover verurteilte ihn wegen gemeinschaftlichen Mordes an mindestens 1200 Menschen zu vier Jahren Haft. Nach zwei Jahren kam Kurt Eimann wieder frei.