Philosophie Weltverdüsterungspathos

Adorno, Heidegger, Agamben und das unverwüstliche Verlangen, das "Ganze als Ganzes" zu denken. Von Thomas Assheuer

»Philosophen«, so lautete eine der Parolen, die die Studenten in den siebziger Jahren an die Seminarwände pinselten, »Philosophen verstehen vom Einzelnen alles, aber vom Ganzen nichts.« Übersetzt hieß dies: Liebe Professoren, Ihr seid zu Fachidioten verkümmert. Ihr verlauft Euch im Unterholz von Ethik, von Erkenntnistheorie und Logik. Ihr seid Meister des Kleingehäckselten, Ihr sprecht ein Stammes-Idiom, dessen Gemurmel Ihr nicht einmal selbst versteht. Auch Jürgen Habermas geriet damals ins Visier; der Shootingstar der Frankfurter Schule habe den Sturm der Revolution zum lauen Lüftchen des Reformismus abgekühlt. Anstatt das große Buch der Geschichte zu entziffern, lese er nur das Kleingedruckte und predige Demokratie und Diskurs.

Alles Schnee von gestern? Nein, keineswegs. Die Erwartung, Philosophen müssten wieder »aufs Ganze gehen«, ist unter theoriehungrigen Studenten wieder weit verbreitet, nach der Finanzkrise vielleicht stärker denn je. Die »Denkbeamten«, so fordern sie, müssten wieder das »System an sich« auf den Begriff bringen, das große Ganze und die Logik der kapitalistischen Moderne. Tatsächlich gibt es am vitalen Rand der akademischen Denkschulen genug Autoren, die ihnen diesen Wunsch erfüllen, zum Beispiel Giorgio Agamben, Alain Badiou, Toni Negri oder Slavoj Žižek. Diese »wilden Denker« nehmen, durchaus legitim, die Moderne als Gesamtkatastrophenveranstaltung in den Blick, und gerade Agamben hat es dabei zu einiger Meisterschaft gebracht. Der Italiener übermalt seine dunkle Lebensphilosophie mit einer noch dunkleren Zeitkritik; er beschwört die »vollständige« Vereinsamung des »liberalen Individuums« – und liefert die Erklärung, die genealogische Tiefenschau gleich mit. Für Agamben gehören die Exklusion des Lebendigen und die Zerstörung von Gemeinschaft zum Wesen des Abendlandes, dies ist sein Mastercode.

Anzeige
Einführungen in die Philosophie

Franz-Peter Burkard u.a.: dtv-Atlas Philosophie. dtv; 260 S., 12,90€

Wolfgang Detel: Grundkurs Philosophie. Band 1–5; Reclam; ca. 5€

Rafael Ferber, Philosophische Grundbegriffe. C.H. Beck; 2 Bände, 238/277 S., je 12,90€

Kurt Flasch: Kampfplätze der Philosophie. Große Kontroversen von Augustin bis Voltaire. Klostermann; 363 S., 34€

Otfried Höffe: Kleine Geschichte der Philosophie. C.H. Beck; 383 S, 12,95€

Mehr Einführungen

Ekkehard Martens u. a.: Philosophische Meisterstücke Band 1–2. Reclam; 163/212 S., ca. 5€

Ekkehard Martens: Philosophieren mit Kindern. Reclam; 202 S., 5,40€

Thomas Nagel: Was bedeutet das alles? Eine ganz kurze Einführung in die Philosophie. Reclam; 106 S., 6,90€

Herbert Schnädelbach u. a.: Was können wir wissen, was sollen wir tun? Zwölf philosophische Antworten. Rowohlt; 256 S., 12,90€

Eines allerdings ist kurios. Der wichtigste Zitierzeuge für die wilden Denker, gleichsam der Held ihrer Fußnoten, heißt Martin Heidegger. Aber warum? Warum ausgerechnet der Schwarzwälder Eremit, der 1933 den »Führer führen« wollte? Vielleicht liegt es daran, dass Heidegger der Radikalere von beiden und rechts wie links leichter »anschlussfähig« ist. Mit Heidegger im Rücken kann man eine neue Klassengesellschaft herbeifantasieren, einen Staat der Ungleichen, in dem die »Leistungsträger« keine Steuern zahlen und den »Abgehängten« ein paar Almosen vor die Füße rollen. Das ist das rechte Programm. Das linke Programm geht so: Man nehme Heideggers faszinierende Daseinsanalyse und beschreibe mit ihr das »In der Welt Sein« des modernen Subjekts.

Wenn man dann noch das Wort »Zivilisation« durch Kapitalismus ersetzt, dann klingt es frisch von heute: Kapitalismus ist der »Rückfall in das bloße Leben weltarmer Wesen, denen die Erde nur noch als das Ausnutzbare blieb«. Kapitalismus ist das »unaufhörliche Und-so-weiter«. Kapitalismus ist die »trostlose Raserei der entfesselten Technik und der bodenlosen Organisation des Normalmenschen«. Hand aufs Herz – steckt darin nicht genau jenes suggestive Weltverdüsterungspathos, das dem Leser auch aus dem kommunistischen Manifest Der kommende Aufstand (Nautilus Verlag) entgegenweht?

Leser-Kommentare
  1. Sollte man nicht wenigstens eine Fußnote zum zynischen Gottfried Benn machen, der bereits 1920 das abendländische Denken als gescheitert betrachtete?

    • Parvis
    • 29.01.2011 um 20:53 Uhr

    was Philosophien, wie auch Religionen, können, ist auf zu zeigen, wie hilflos der Mensch in seinem Wesen ist. Das ist nötig, aber wie der Mensch diese, seine innere Lähmung, überwinden kann, auf diese Frage hat nie ein PhilosophIn, obwohl es ihr Anspruch ist/war, eine allgemeingültige Antwort geben können.

    Nur am Rande, es gibt nicht die eine Antwort.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Es ist schon erstaunlich, wie leicht wie viele gebildete Menschen behaupten, die Religion/Philosophie hätte bestimmte Antworten nie gefunden, ohne sich in der Regel auch nur annähernd mit dem Gesamtwerk eines einzigen Philosophen auseinandergesetzt zu haben... Meist kennen diese Personen nicht einmal das Hauptwerk jenseits von Philosophie-Einführungs-Lehrbuch-Artikeln.

    Noch erstaunlicher ist jedoch, dass eben jene Menschen, die sich nicht die Mühe machen, einen Teil ihres Lebens mit dem Verständnis auch nur eines (Religions)Philosophen zu verbringen, ständig den inneren Antrieb verspüren, zu betonen, es gebe auch nicht die eine Antwort.

    Wie man auf die Idee kommen kann, zu behaupten, man könne "die eine Antwort" nicht finden, ohne sich auch nur im Entferntesten mit den Antwortversuchen auseinandergesetzt zu haben - und ich rede hier wieder nicht von z.B. "Aber ich habe doch die 'Kritik der praktischen Vernunft' gelesen", sondern z.B. von "Ich habe Kant, Früh- und Neukantianer und alles seitdem gelesen", was mehrere Jahre intensivens Studiums bedeuten dürfte.

    Wer nicht mit Blut, Schweiß, Tränen und seiner Lebenszeit versucht hat, "die eine Antwort" überhaupt zu finden, sollte sich vielleicht mit seinem Urteil doch etwas zurückhalten:

    Zu behaupten, man selbst könne keines der Millenium-Probleme in der Mathematik lösen ist bescheiden.
    Zu behaupten, niemand anderem könne das jemals gelingen, weil es einem selbst nicht gelingt, ist dann doch irgendwie anmaßend, oder?

    man weiß es nicht, aber der performative Widerspruch in dieser Aussage gibt einem doch einen netten Wink.

    Ich wusste gar nicht, dass die Philosophie eine allgemeingültige Antwort auf alles geben will.
    Für mich ist es eher so, dass man mit ihr die Dinge anders sieht. Und dabei durchaus in einer Weise, die mehr Verknüpfungen zulässt, als nicht darüber nachgedacht zu haben. Das ist für mich ein Zeichen von Intelligenz, die einem generell etwas bringt - in der Betrachtung der ganzen Welt.

    Zudem wirkt diese Sichtweise auch performativ - man ändert sein Denken und damit auch den Bezug zu sich selbst. Auch wenn ich die Philosophie absolut als unter Wert verkauft und grausam beschnitten sehe, wenn man unbedingt einen Einfluss auf die eigene Psyche möchte, leistet sie diesen.

    Es ist schon erstaunlich, wie leicht wie viele gebildete Menschen behaupten, die Religion/Philosophie hätte bestimmte Antworten nie gefunden, ohne sich in der Regel auch nur annähernd mit dem Gesamtwerk eines einzigen Philosophen auseinandergesetzt zu haben... Meist kennen diese Personen nicht einmal das Hauptwerk jenseits von Philosophie-Einführungs-Lehrbuch-Artikeln.

    Noch erstaunlicher ist jedoch, dass eben jene Menschen, die sich nicht die Mühe machen, einen Teil ihres Lebens mit dem Verständnis auch nur eines (Religions)Philosophen zu verbringen, ständig den inneren Antrieb verspüren, zu betonen, es gebe auch nicht die eine Antwort.

    Wie man auf die Idee kommen kann, zu behaupten, man könne "die eine Antwort" nicht finden, ohne sich auch nur im Entferntesten mit den Antwortversuchen auseinandergesetzt zu haben - und ich rede hier wieder nicht von z.B. "Aber ich habe doch die 'Kritik der praktischen Vernunft' gelesen", sondern z.B. von "Ich habe Kant, Früh- und Neukantianer und alles seitdem gelesen", was mehrere Jahre intensivens Studiums bedeuten dürfte.

    Wer nicht mit Blut, Schweiß, Tränen und seiner Lebenszeit versucht hat, "die eine Antwort" überhaupt zu finden, sollte sich vielleicht mit seinem Urteil doch etwas zurückhalten:

    Zu behaupten, man selbst könne keines der Millenium-Probleme in der Mathematik lösen ist bescheiden.
    Zu behaupten, niemand anderem könne das jemals gelingen, weil es einem selbst nicht gelingt, ist dann doch irgendwie anmaßend, oder?

    man weiß es nicht, aber der performative Widerspruch in dieser Aussage gibt einem doch einen netten Wink.

    Ich wusste gar nicht, dass die Philosophie eine allgemeingültige Antwort auf alles geben will.
    Für mich ist es eher so, dass man mit ihr die Dinge anders sieht. Und dabei durchaus in einer Weise, die mehr Verknüpfungen zulässt, als nicht darüber nachgedacht zu haben. Das ist für mich ein Zeichen von Intelligenz, die einem generell etwas bringt - in der Betrachtung der ganzen Welt.

    Zudem wirkt diese Sichtweise auch performativ - man ändert sein Denken und damit auch den Bezug zu sich selbst. Auch wenn ich die Philosophie absolut als unter Wert verkauft und grausam beschnitten sehe, wenn man unbedingt einen Einfluss auf die eigene Psyche möchte, leistet sie diesen.

  2. Es ist schon erstaunlich, wie leicht wie viele gebildete Menschen behaupten, die Religion/Philosophie hätte bestimmte Antworten nie gefunden, ohne sich in der Regel auch nur annähernd mit dem Gesamtwerk eines einzigen Philosophen auseinandergesetzt zu haben... Meist kennen diese Personen nicht einmal das Hauptwerk jenseits von Philosophie-Einführungs-Lehrbuch-Artikeln.

    Noch erstaunlicher ist jedoch, dass eben jene Menschen, die sich nicht die Mühe machen, einen Teil ihres Lebens mit dem Verständnis auch nur eines (Religions)Philosophen zu verbringen, ständig den inneren Antrieb verspüren, zu betonen, es gebe auch nicht die eine Antwort.

    Wie man auf die Idee kommen kann, zu behaupten, man könne "die eine Antwort" nicht finden, ohne sich auch nur im Entferntesten mit den Antwortversuchen auseinandergesetzt zu haben - und ich rede hier wieder nicht von z.B. "Aber ich habe doch die 'Kritik der praktischen Vernunft' gelesen", sondern z.B. von "Ich habe Kant, Früh- und Neukantianer und alles seitdem gelesen", was mehrere Jahre intensivens Studiums bedeuten dürfte.

    Wer nicht mit Blut, Schweiß, Tränen und seiner Lebenszeit versucht hat, "die eine Antwort" überhaupt zu finden, sollte sich vielleicht mit seinem Urteil doch etwas zurückhalten:

    Zu behaupten, man selbst könne keines der Millenium-Probleme in der Mathematik lösen ist bescheiden.
    Zu behaupten, niemand anderem könne das jemals gelingen, weil es einem selbst nicht gelingt, ist dann doch irgendwie anmaßend, oder?

    Antwort auf "Das einzige"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Parvis
    • 29.01.2011 um 21:47 Uhr

    aber ich bin Technokrat, ein humaner Technokrat. Und so bewerte ich die Philosophie.

    Geben sie mir Antworten. Ich habe, weder in den Religionen noch in den Philosophien, welche gefunden. Aber wie gesagt, geben sie Antworten die gültig sind.

    Ihre Antwort zeigt mir nur, dass sie 'intellektuelle' Besitzstände bewahren wollen. Denken Sie selbst.

    • agffm1
    • 30.01.2011 um 13:21 Uhr

    Vielleicht sollten Sie erstmal die Frage stellen?
    Dann sehen wir weiter. ;-)

    Mich befremdet diese Diskussion. Herr Assheuer ist kein Philosoph, sondern ein editor. So what?

    Dass, wie aus den Kommentaren ersichtlich, ein großes jedoch empathisches Halbwissen bezüglich einer Wissenschaft herrscht, geschenkt.

    Dass jedoch - wichtig! - es Massenzeitungen nie schaffen, sich in den philosophischen Diskurs einzufügen, könnte unter anderem daran liegen, dass darin nur Einführungs- und Allgemeinbeiträge und Wetterberichte vorkommen.

    Solche Beiträge sollten uns an Beiträge zur Physik erinnern. Auch diese entbehren jeder wissenschaftlichen Auseinandersetzung, und beschränken sich oft auf biographische, semiliterarische, lyrische Auswüchse.

    Das heißt, wer erkennt hier wen nicht?

    Vielleicht erkennen Massenzeitungen die wissenschaftlichen Diskurse nicht. Gesetzt den Fall, eine Massenzeitung würde zum Foren für echte Wissenschaftler - und nicht nur deren Biographen oder editors - werden, würde was passieren? Die Wissenschaft würde in der Gesellschaft weniger verzerrt ankommen.

    Diese umgedrehten Urteile sind Phänomene moderner Massenmedien, welche, und das zeigt sich doch, über wenig Selbstkritik zu verfügen scheinen. Ich halte diesen Umstand für eine Kapitulation der Massenmedien. Und wir können froh sein, dass es das Internet gibt, ... das, im übrigen, wahrscheinlich sogar die Verwissenschaftlichung der Gesellschaft verstärken wird.

    • selbon
    • 30.01.2011 um 19:47 Uhr

    Philosophie ist eine Geisteswissenschaft, neben Anderen. So habe ich es einmal gelernt. Die Vorstellung, man lese die Ideen, das Werk eines Philosophen und findet darin die Antworten auf exitentielle Fragen in seinem Leben ist doch schon reichlich abstrus. Es ist so, als könne jemand die Wahrheit erfinden oder entdecken, stellvertretend für andere. Im Großen und Ganzen mag dies reitvoll sein. Im Kleinen und Einzelnen wird das nicht funktionieren. Da jedes Individuum seine eigene Wahrheit hat,oder nur finden kann. Wer sagt den, dass daswasPhilosophen denken richtig oder treffend ist. Es kann schön, vielleicht nützlich, verbindend sein. Dann ist es schon sehr viel.

    • Parvis
    • 29.01.2011 um 21:47 Uhr

    aber ich bin Technokrat, ein humaner Technokrat. Und so bewerte ich die Philosophie.

    Geben sie mir Antworten. Ich habe, weder in den Religionen noch in den Philosophien, welche gefunden. Aber wie gesagt, geben sie Antworten die gültig sind.

    Ihre Antwort zeigt mir nur, dass sie 'intellektuelle' Besitzstände bewahren wollen. Denken Sie selbst.

    • agffm1
    • 30.01.2011 um 13:21 Uhr

    Vielleicht sollten Sie erstmal die Frage stellen?
    Dann sehen wir weiter. ;-)

    Mich befremdet diese Diskussion. Herr Assheuer ist kein Philosoph, sondern ein editor. So what?

    Dass, wie aus den Kommentaren ersichtlich, ein großes jedoch empathisches Halbwissen bezüglich einer Wissenschaft herrscht, geschenkt.

    Dass jedoch - wichtig! - es Massenzeitungen nie schaffen, sich in den philosophischen Diskurs einzufügen, könnte unter anderem daran liegen, dass darin nur Einführungs- und Allgemeinbeiträge und Wetterberichte vorkommen.

    Solche Beiträge sollten uns an Beiträge zur Physik erinnern. Auch diese entbehren jeder wissenschaftlichen Auseinandersetzung, und beschränken sich oft auf biographische, semiliterarische, lyrische Auswüchse.

    Das heißt, wer erkennt hier wen nicht?

    Vielleicht erkennen Massenzeitungen die wissenschaftlichen Diskurse nicht. Gesetzt den Fall, eine Massenzeitung würde zum Foren für echte Wissenschaftler - und nicht nur deren Biographen oder editors - werden, würde was passieren? Die Wissenschaft würde in der Gesellschaft weniger verzerrt ankommen.

    Diese umgedrehten Urteile sind Phänomene moderner Massenmedien, welche, und das zeigt sich doch, über wenig Selbstkritik zu verfügen scheinen. Ich halte diesen Umstand für eine Kapitulation der Massenmedien. Und wir können froh sein, dass es das Internet gibt, ... das, im übrigen, wahrscheinlich sogar die Verwissenschaftlichung der Gesellschaft verstärken wird.

    • selbon
    • 30.01.2011 um 19:47 Uhr

    Philosophie ist eine Geisteswissenschaft, neben Anderen. So habe ich es einmal gelernt. Die Vorstellung, man lese die Ideen, das Werk eines Philosophen und findet darin die Antworten auf exitentielle Fragen in seinem Leben ist doch schon reichlich abstrus. Es ist so, als könne jemand die Wahrheit erfinden oder entdecken, stellvertretend für andere. Im Großen und Ganzen mag dies reitvoll sein. Im Kleinen und Einzelnen wird das nicht funktionieren. Da jedes Individuum seine eigene Wahrheit hat,oder nur finden kann. Wer sagt den, dass daswasPhilosophen denken richtig oder treffend ist. Es kann schön, vielleicht nützlich, verbindend sein. Dann ist es schon sehr viel.

  3. man weiß es nicht, aber der performative Widerspruch in dieser Aussage gibt einem doch einen netten Wink.

    Ich wusste gar nicht, dass die Philosophie eine allgemeingültige Antwort auf alles geben will.
    Für mich ist es eher so, dass man mit ihr die Dinge anders sieht. Und dabei durchaus in einer Weise, die mehr Verknüpfungen zulässt, als nicht darüber nachgedacht zu haben. Das ist für mich ein Zeichen von Intelligenz, die einem generell etwas bringt - in der Betrachtung der ganzen Welt.

    Zudem wirkt diese Sichtweise auch performativ - man ändert sein Denken und damit auch den Bezug zu sich selbst. Auch wenn ich die Philosophie absolut als unter Wert verkauft und grausam beschnitten sehe, wenn man unbedingt einen Einfluss auf die eigene Psyche möchte, leistet sie diesen.

    Antwort auf "Das einzige"
  4. 5. ~ 1378

    Philosophie ist Teil der Lebenswelt, ganz besonders gilt dies für die Philosophen selbst. Oder Menschen, die sich so bezeichnen. Es ist ebenfalls ein Zeichen der Zeit, den Aufdruck auf einem Karton als unnötig zu bezweifelnden Beleg für seinen Inhalt zu nehmen.

    So sind viele Philosophen einerseits gefangen in ihren Denkmustern, denen sie auch ihren Status verdanken, so dass sie nicht mehr philosophieren, sondern Erwartungen ihrer Jüngerschaft bedienen. Andererseits können sie sich als Künstler oder selbstständige Wirtschaftler entpuppen, denen es vor allem darum geht, sich erfolgreich zu vermarkten und sei dies, weil sie eine Lücke zu erspähen glaubten - als Philosoph.

    In der Folge sollte man die einen nicht als Beispiel für einen Philosophen, die anderen nicht als Beispiel für das Philosophieren benutzen. Und es ist kaum ein Wunder, dass nicht wenige von beiden Sorten gerne sich des größten Scharlatans dieses Bereichs im letzten Jahrhundert bedienen: Heidegger. Denn er war Prototyp für beide Formen, ein sich vermarktender Selbstdarsteller und ein Priester für seine Jünger, der den nicht Verstehenden die Schuld zuwies und nicht seiner eigenen, der Verschleierung und Mystifizierung dienenden Sprache.

    Philosophie steht nicht außerhalb. Wer ihr Treiben heute beschreiben will, muss die Aspekte der Moderne auch auf sie anwenden, statt ihr allein eine Hoheitsdeutung über die Moderne zuzuweisen. Sie scheiterte ebenso sehr - oder wenig - wie der Mensch schlechthin.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Myth
    • 30.01.2011 um 12:03 Uhr

    Zitat:
    "Philosophie ist Teil der Lebenswelt, ganz besonders gilt dies für die Philosophen selbst. Oder Menschen, die sich so bezeichnen. Es ist ebenfalls ein Zeichen der Zeit, den Aufdruck auf einem Karton als unnötig zu bezweifelnden Beleg für seinen Inhalt zu nehmen.

    So sind viele Philosophen einerseits gefangen in ihren Denkmustern, denen sie auch ihren Status verdanken, so dass sie nicht mehr philosophieren, sondern Erwartungen ihrer Jüngerschaft bedienen. Andererseits können sie sich als Künstler oder selbstständige Wirtschaftler entpuppen, denen es vor allem darum geht, sich erfolgreich zu vermarkten und sei dies, weil sie eine Lücke zu erspähen glaubten - als Philosoph."

    Ersetzen sie bitte das Philosoph mit Wissenschaftler, Künstler oder was auch immer. Ihre Kritik ist nichts Spezielles, sie ist generell.

    • Myth
    • 30.01.2011 um 12:03 Uhr

    Zitat:
    "Philosophie ist Teil der Lebenswelt, ganz besonders gilt dies für die Philosophen selbst. Oder Menschen, die sich so bezeichnen. Es ist ebenfalls ein Zeichen der Zeit, den Aufdruck auf einem Karton als unnötig zu bezweifelnden Beleg für seinen Inhalt zu nehmen.

    So sind viele Philosophen einerseits gefangen in ihren Denkmustern, denen sie auch ihren Status verdanken, so dass sie nicht mehr philosophieren, sondern Erwartungen ihrer Jüngerschaft bedienen. Andererseits können sie sich als Künstler oder selbstständige Wirtschaftler entpuppen, denen es vor allem darum geht, sich erfolgreich zu vermarkten und sei dies, weil sie eine Lücke zu erspähen glaubten - als Philosoph."

    Ersetzen sie bitte das Philosoph mit Wissenschaftler, Künstler oder was auch immer. Ihre Kritik ist nichts Spezielles, sie ist generell.

    • Parvis
    • 29.01.2011 um 21:47 Uhr

    aber ich bin Technokrat, ein humaner Technokrat. Und so bewerte ich die Philosophie.

    Geben sie mir Antworten. Ich habe, weder in den Religionen noch in den Philosophien, welche gefunden. Aber wie gesagt, geben sie Antworten die gültig sind.

    Ihre Antwort zeigt mir nur, dass sie 'intellektuelle' Besitzstände bewahren wollen. Denken Sie selbst.

    Antwort auf ""Die Antwort""
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Sie haben nichts verstanden von dem, was ich versucht habe, zu sagen, verehrter Parvis:
    Sie verlangen Antworten auf die wirklich schwierigen Fragen, die in 1500 Zeichen Zeit-Kommentar passen? Antworten auf die Antinomien von Zeit, Raum, unbedingtem Sollen auf 1500 Zeichen?
    Die werden Sie, das kann ich Ihnen versichern, nicht finden.

    Antworten muss man suchen - und das dauert! Sich mal unter Anleitung (z.B. "Was meinen diese Begriffe, mit denen wir heute nichts mehr anfangen können", "was hat Philosoph x,y überhaupt beschäftigt") durch Platon, durch Kant, durch Fichte, durch Natorp und Flach kämpfen... Mal mehr von Horkheimer/Adorno als nur die Dialektik und diese nur in der Zusammenfassung...

    Warum soll ich "intelektuelle" Besitzstände nicht bewahren wollen? Ihre Beiträge zeigen, dass man sich damit eindeutig noch zu wenig auseinandergesetzt hat...
    Sie haben bisher keine Antworten gefunden - gut, akzeptiert:
    Vielleicht liegt das an Ihnen, nicht an dem Angebot, das die Philosophie zu bieten hätte, wenn man sich darauf einließe - nur mal im Ansatz darüber nachgedacht, Herr Technokrat?

    Sie haben nichts verstanden von dem, was ich versucht habe, zu sagen, verehrter Parvis:
    Sie verlangen Antworten auf die wirklich schwierigen Fragen, die in 1500 Zeichen Zeit-Kommentar passen? Antworten auf die Antinomien von Zeit, Raum, unbedingtem Sollen auf 1500 Zeichen?
    Die werden Sie, das kann ich Ihnen versichern, nicht finden.

    Antworten muss man suchen - und das dauert! Sich mal unter Anleitung (z.B. "Was meinen diese Begriffe, mit denen wir heute nichts mehr anfangen können", "was hat Philosoph x,y überhaupt beschäftigt") durch Platon, durch Kant, durch Fichte, durch Natorp und Flach kämpfen... Mal mehr von Horkheimer/Adorno als nur die Dialektik und diese nur in der Zusammenfassung...

    Warum soll ich "intelektuelle" Besitzstände nicht bewahren wollen? Ihre Beiträge zeigen, dass man sich damit eindeutig noch zu wenig auseinandergesetzt hat...
    Sie haben bisher keine Antworten gefunden - gut, akzeptiert:
    Vielleicht liegt das an Ihnen, nicht an dem Angebot, das die Philosophie zu bieten hätte, wenn man sich darauf einließe - nur mal im Ansatz darüber nachgedacht, Herr Technokrat?

  5. Ich vermisse einen Hinweis auf Herbert Marcuse, Schüler Heideggers, Weggefährte Adornos bei den Frankfurtern.

    • Crest
    • 29.01.2011 um 22:06 Uhr

    sie werden uns bei der Eroberung des Weltraums zumeist nicht behilflich sein. (Gelingt es ihnen aber zumindest, nicht hinderlich zu sein?)

    Herzlichst Crest

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • redfox
    • 30.01.2011 um 0:42 Uhr

    und womit & zu welchem Preis könnten wir dieses Ziel erreichen?

    Wir haben mit unserer Erde und den Menschen, die auf ihr leben, wahrlich genug zu tun.

    • Varech
    • 30.01.2011 um 10:49 Uhr

    Für das Weltraum-Paradis sind Fortschritts-Priester zuständig. So eine Art Sekte.

    • Myth
    • 30.01.2011 um 12:13 Uhr

    Sie neigen gerne zu Vereinnahmungen. Wie viele Menschen kommen denn je in den Weltraum in ihrem Leben? Leben sie denn noch, falls wir irgendwann einmal eine erste Siedlung auf einem anderen Planeten schaffen werden [falls das überhaupt je passiert]?
    Sind sie, ich frage sie jetzt explizit, sind sie einer, der Stolz auf das menschliche Schaffen und Wirken ist? Wenn ja, Glückwunsch, sie leben in einer guten Zeit. Wenn nein, Pech gehabt, die Aufklärung hat sich schon längst zur Leitidee, ja Religion mit ihrem Jünger, der Wissenschaft erhoben und sich gemäß Horkheimer und Adorno selbst ausgelöscht. Nebenbei geht die Menschheit gerade wahrhaftig den Bach runter, indem sie erkennen muss, wie das Schicksal, welches man mit dem technologischen Fortschritt besiegt zu haben glaubte, dem quasi man auf der Eisenbahn davonfuhr, sich plötzlich [ganz unerwartet ;---)] in Form einer übermächtigen Mauer vor unserem Zug steht, so nah, das der Bremsweg längst nicht mehr ausreicht. Und ob die Restzeit groß genug ist, sie zu sprengen, danach sieht gerade leider nicht so aus. Lustigerweise haben wir die Mauer selbst aufgebaut und bei den Bauarbeiten den ganzen Planeten ruiniert. Also wir sind wirklich die Krone der Schüpfung mit unserer Weisheit!

    Da kann man ja schon mal stolz sein.

    P.S.: Wenn die menschheit schon auf ihrem Planeten so kläglich scheitert, glaube ich kaum, dass wir das Scheitern woandershin tragen sollten. Wenn wir das überhaupt schaffen.

    herzlichst, dein Freund.

    • fegalo
    • 30.01.2011 um 21:07 Uhr

    Die "Eroberung" des Weltraums können Sie getrost als abgesagt betrachten.

    Die Mondlandung war eines der grandiosesten Husarenstücke der Menschheit, aber die "Eroberung" war wenig mehr als das Aufatmen darüber, lebendig herunter gekommen zu sein.

    Und weshalb sollten wir den Weltraum erobern? - Vielleicht könnten sie uns ja sagen, dass die eroberung des Weltraums keinesfalls unsere Lebensqualität verbessert....

    • redfox
    • 30.01.2011 um 0:42 Uhr

    und womit & zu welchem Preis könnten wir dieses Ziel erreichen?

    Wir haben mit unserer Erde und den Menschen, die auf ihr leben, wahrlich genug zu tun.

    • Varech
    • 30.01.2011 um 10:49 Uhr

    Für das Weltraum-Paradis sind Fortschritts-Priester zuständig. So eine Art Sekte.

    • Myth
    • 30.01.2011 um 12:13 Uhr

    Sie neigen gerne zu Vereinnahmungen. Wie viele Menschen kommen denn je in den Weltraum in ihrem Leben? Leben sie denn noch, falls wir irgendwann einmal eine erste Siedlung auf einem anderen Planeten schaffen werden [falls das überhaupt je passiert]?
    Sind sie, ich frage sie jetzt explizit, sind sie einer, der Stolz auf das menschliche Schaffen und Wirken ist? Wenn ja, Glückwunsch, sie leben in einer guten Zeit. Wenn nein, Pech gehabt, die Aufklärung hat sich schon längst zur Leitidee, ja Religion mit ihrem Jünger, der Wissenschaft erhoben und sich gemäß Horkheimer und Adorno selbst ausgelöscht. Nebenbei geht die Menschheit gerade wahrhaftig den Bach runter, indem sie erkennen muss, wie das Schicksal, welches man mit dem technologischen Fortschritt besiegt zu haben glaubte, dem quasi man auf der Eisenbahn davonfuhr, sich plötzlich [ganz unerwartet ;---)] in Form einer übermächtigen Mauer vor unserem Zug steht, so nah, das der Bremsweg längst nicht mehr ausreicht. Und ob die Restzeit groß genug ist, sie zu sprengen, danach sieht gerade leider nicht so aus. Lustigerweise haben wir die Mauer selbst aufgebaut und bei den Bauarbeiten den ganzen Planeten ruiniert. Also wir sind wirklich die Krone der Schüpfung mit unserer Weisheit!

    Da kann man ja schon mal stolz sein.

    P.S.: Wenn die menschheit schon auf ihrem Planeten so kläglich scheitert, glaube ich kaum, dass wir das Scheitern woandershin tragen sollten. Wenn wir das überhaupt schaffen.

    herzlichst, dein Freund.

    • fegalo
    • 30.01.2011 um 21:07 Uhr

    Die "Eroberung" des Weltraums können Sie getrost als abgesagt betrachten.

    Die Mondlandung war eines der grandiosesten Husarenstücke der Menschheit, aber die "Eroberung" war wenig mehr als das Aufatmen darüber, lebendig herunter gekommen zu sein.

    Und weshalb sollten wir den Weltraum erobern? - Vielleicht könnten sie uns ja sagen, dass die eroberung des Weltraums keinesfalls unsere Lebensqualität verbessert....

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service