Schwerpunkt Philosophie Staunen ist der Anfang
Warum Philosophie die Selbstverständlichkeiten meiden und alle Hoffnung auf Lebenshilfe enttäuschen muss.

Der Philosoph Ludwig Wittgenstein, 1925
Es gibt nicht leicht etwas, das so viel Hoffnung und Erwartung freisetzt wie das Stichwort Philosophie – Hoffnung auf Selbsterkenntnis und Sinn, Erlösung aus dem Wirrwarr des Alltags, Erwartung einer Richtschnur fürs Handeln, mit einem Wort: von Lebenshilfe. Und es gibt nicht leicht etwas, was bei der Begegnung so viel Enttäuschung bereitet – durch kaum lesbare Bücher, bizarre Gedankengänge, grobe Verstöße gegen den intuitiven Weltzugang, mit einem Wort: durch eine rapide Zunahme von Verwirrung und Desorientierung.
Und tatsächlich ist es leider so, dass sich die Philosophie seit alters zwar vorgenommen hat, die Dinge besser zu verstehen, nicht aber: sie einfacher zu verstehen. Philosophie, heißt es schon in der Antike, beginnt mit dem Staunen, und das meint vor allem, mit dem Staunen über Dinge, die alle anderen für selbstverständlich halten. Der Verstoß gegen den intuitiven Weltzugang ist deshalb keine Unart der Philosophen, sondern ihr Programm. Alle wünschen sich eine gute Politik, aber der Philosoph fragt zunächst: Was ist gut? Und: Was ist Politik? Und: Was ist das Gute im Zusammenhang mit der Politik? Im Zuge seines Nachdenkens könnte er durchaus zu dem Ergebnis kommen, dass es keine gute Politik gebe oder dass das Gute immer unpolitisch sei oder dass eine gute Politik, wenn sie denkbar sei, doch nicht wünschenswert wäre. Vielleicht würde der Philosoph sogar den Leuten, die nach einer guten Politik rufen, unterstellen, in Wahrheit eine schlechte Politik zu wollen – nämlich nur eine solche, die ihre Interessen auf Kosten anderer befriedigt.
- Einführungen in die Philosophie
-
Franz-Peter Burkard u.a.: dtv-Atlas Philosophie. dtv; 260 S., 12,90€
Wolfgang Detel: Grundkurs Philosophie. Band 1–5; Reclam; ca. 5€
Rafael Ferber, Philosophische Grundbegriffe. C.H. Beck; 2 Bände, 238/277 S., je 12,90€
Kurt Flasch: Kampfplätze der Philosophie. Große Kontroversen von Augustin bis Voltaire. Klostermann; 363 S., 34€
Otfried Höffe: Kleine Geschichte der Philosophie. C.H. Beck; 383 S, 12,95€
- Mehr Einführungen
-
Ekkehard Martens u. a.: Philosophische Meisterstücke Band 1–2. Reclam; 163/212 S., ca. 5€
Ekkehard Martens: Philosophieren mit Kindern. Reclam; 202 S., 5,40€
Thomas Nagel: Was bedeutet das alles? Eine ganz kurze Einführung in die Philosophie. Reclam; 106 S., 6,90€
Herbert Schnädelbach u. a.: Was können wir wissen, was sollen wir tun? Zwölf philosophische Antworten. Rowohlt; 256 S., 12,90€
Das alles kann leicht passieren (und ist auch schon geschehen), wenn man Philosophen nach ihrem Urteil fragt. Ihre Antwort bringt den Gegenstand der Frage zum Verschwinden oder beleidigt den Fragesteller. Es kann auch sein, dass sie die Einheit des Gemeinten zerschlagen und etwa sagen, es gebe nicht die Politik, sondern nur mehrere Politiken, nicht das Gute, sondern nur unterschiedliche Vorstellungen davon. Um diese Differenzierungen, die dem Laien endgültig die Aussicht auf ein erlösendes Wort rauben, angemessen vorzuführen, werden die Philosophen womöglich eine Reihe neuer Wörter einführen, die entweder in der Alltagssprache des Laien gar nicht vorkommen oder, schlimmer noch, darin vorkommen, aber bei den Philosophen eine ganz neue, verzwickte Bedeutung annehmen.
Denn die Mühsal, die etwa die Lektüre Kants oder Hegels oder Heideggers bedeutet, beruht keineswegs darauf, dass diese Denker etwa nicht gut zu schreiben vermögen. Sie können sogar sehr gut schreiben, müssen aber redlicherweise den Eindruck vermeiden, dass sie die Alltagswörter, auf die sie ja größtenteils angewiesen sind, in dem Sinne verwenden, der ihnen im Alltag gegeben ist. Und erst recht können sie den Gedanken, mit denen sie den Selbstverständlichkeiten des Alltags widersprechen, nicht die Selbstverständlichkeit von Alltagssätzen geben. Erst wenn die Mühsal, die Philosophensätze zu verstehen, die Mühsal deutlich übersteigt, den Gedanken des Philosophen zu folgen, hat man Grund, sich über dessen Sprachstil zu empören. Alle übrige Mühsal ist notwendig und erwünscht. Sie gleicht der Mühsal beim Ersteigen einer Leiter, von der aus man weiter und Neues sieht.
Übrigens gibt es auch Philosophen, die sich nur wenig von der Alltagssprache entfernen. Sie sind noch schwerer zu verstehen. Der späte Schelling zum Beispiel oder der späte Wittgenstein halten sich an die Alltagssprache, um umgekehrt den Selbstverständlichkeiten der tradierten Philosophensprache zu entkommen. Sie meiden die Nähe von philosophischen Begriffen und seit alters damit verknüpften Gedanken, die sie für irrig halten – was aber nicht heißt, dass sie den Alltagsbedeutungen der Wörter folgen, sondern nur, dass sie ihnen einen neuen Sinn verleihen, der mitunter noch mühsamer zu erkennen ist.
- Datum 26.01.2011 - 09:34 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 20.1.2011 Nr. 04
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hat nie den Anspruch erhoben, ein Philosoph zu sein. Hat aber woh das Wesentliche über Philosophie und Philosophen geäußert: "Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert; es kömmt drauf an, sie zu verändern".(Karl Marx, 11.These zu Feuerbach.
weil er die von anderen erarbeiteten Denkergebnisse nur als Instrumente der Manipulation seiner Mitmenschen über die von ihm darüber erbauten Ideologien nutzt.
"die Biologen haben sich immer nur Grünzeug angeguckt. Es kommt aber darauf an, es zu verändern" - ebenso sinnvoll.
Das Erlernen des Denkens gilt in unserer jetzigen Zeit wenig, da man damit nicht direkt etwas kaufen kann!
Das Bürgertum des 20. Jahrhunderts hat über den englischen Liberalismus, der sich über WK 1 und WK 2 auch in Deutschland durchsetzte, den Respekt vor dem Denken verloren - insbesondere seit den 1970er bis 1980er Jahren, als der Respekt vor gebildeten Menschen zusammenbrach, weil ja nun JEDERMANN "irgenwie studiert" und sich darum für gebildet und denkend erachtet!
Professoren bekommen Studentenmassen aufgedrückt und haben dshalb keine Chance zum Denken und für einen öffentlichen Dialog jenseits der Lehre - die Folgen sehen wir: eine zunehmend verspießernde Gesellschaft, wobei der heutige Spießer eben "cool mit Händen in den Hosentaschen" ist statt "aufgeregt verklemmt", aber darum um keinen Deut besser!
weil er die von anderen erarbeiteten Denkergebnisse nur als Instrumente der Manipulation seiner Mitmenschen über die von ihm darüber erbauten Ideologien nutzt.
"die Biologen haben sich immer nur Grünzeug angeguckt. Es kommt aber darauf an, es zu verändern" - ebenso sinnvoll.
Das Erlernen des Denkens gilt in unserer jetzigen Zeit wenig, da man damit nicht direkt etwas kaufen kann!
Das Bürgertum des 20. Jahrhunderts hat über den englischen Liberalismus, der sich über WK 1 und WK 2 auch in Deutschland durchsetzte, den Respekt vor dem Denken verloren - insbesondere seit den 1970er bis 1980er Jahren, als der Respekt vor gebildeten Menschen zusammenbrach, weil ja nun JEDERMANN "irgenwie studiert" und sich darum für gebildet und denkend erachtet!
Professoren bekommen Studentenmassen aufgedrückt und haben dshalb keine Chance zum Denken und für einen öffentlichen Dialog jenseits der Lehre - die Folgen sehen wir: eine zunehmend verspießernde Gesellschaft, wobei der heutige Spießer eben "cool mit Händen in den Hosentaschen" ist statt "aufgeregt verklemmt", aber darum um keinen Deut besser!
weil er die von anderen erarbeiteten Denkergebnisse nur als Instrumente der Manipulation seiner Mitmenschen über die von ihm darüber erbauten Ideologien nutzt.
Marx hat eigene Gedankengänge. Marx war auch Philosoph. Auch die Grundväter der freien Marktwirtschaft, nehmen wir den Oberguru Adam Smith, nahmen Gedanken von anderen auf, operierten mit mystischen Begriffen ("unsichtbare Hand"), gründeten Weltanschauungen und verlangen Glauben von den Menschen (der freie Markt ist unhinterfragbar, aber tut das Richtige; also bitte nicht einmischen, dann wird alles gut!). Ich bin kein Marxspezialist, doch bei ihm finden sich wertvolle Gedankenn, die zu wissen jedem Menschen, besonders Wirtschaftswissenschaftlern in ihrem Rationalitätswahn, nur gut tun kann. Zudem war er ein Kämpfer für Gerechtigkeit und derjenige, der so klar werden liess, dass die "freie Marktwirtschaft" eine Erfindung und gleichzeitige Besitzstandswahrung des Besitzbürgertums war und bis heute ist. Ihm gebührt ein Verdienst daran, dass Menschen sich gegen die unselige Ausbeutung der Kapitalisten gewehrt haben und Gewerkschaften gegründet haben. Ohne diese wäre Sozialgesetzgebung niemals eingeführt worden. Über den revolutionären Kampf kann und möchte ich mich nicht äußern. Im Moment sieht es konformistisch aus auf der Welt, aber die Widersprüche und die Ungerechtigkeiten wachsen. Und es gibt IMMEr ein danach.
Marx hat eigene Gedankengänge. Marx war auch Philosoph. Auch die Grundväter der freien Marktwirtschaft, nehmen wir den Oberguru Adam Smith, nahmen Gedanken von anderen auf, operierten mit mystischen Begriffen ("unsichtbare Hand"), gründeten Weltanschauungen und verlangen Glauben von den Menschen (der freie Markt ist unhinterfragbar, aber tut das Richtige; also bitte nicht einmischen, dann wird alles gut!). Ich bin kein Marxspezialist, doch bei ihm finden sich wertvolle Gedankenn, die zu wissen jedem Menschen, besonders Wirtschaftswissenschaftlern in ihrem Rationalitätswahn, nur gut tun kann. Zudem war er ein Kämpfer für Gerechtigkeit und derjenige, der so klar werden liess, dass die "freie Marktwirtschaft" eine Erfindung und gleichzeitige Besitzstandswahrung des Besitzbürgertums war und bis heute ist. Ihm gebührt ein Verdienst daran, dass Menschen sich gegen die unselige Ausbeutung der Kapitalisten gewehrt haben und Gewerkschaften gegründet haben. Ohne diese wäre Sozialgesetzgebung niemals eingeführt worden. Über den revolutionären Kampf kann und möchte ich mich nicht äußern. Im Moment sieht es konformistisch aus auf der Welt, aber die Widersprüche und die Ungerechtigkeiten wachsen. Und es gibt IMMEr ein danach.
Schöner Text, der die Probleme der "westlichen" Philosophie der Gegenwart recht gut beschreibt. Aber auch nur die.
Der relativistische Glaube daran, daß eh kein philosophisches Problem zufriedenstellend gelöst werden kann, ist ja inzwischen zu einer selbsterfüllenden Prophezeihung geworden. Die Tatsache, daß Themen, wie im letzten Absatz beschrieben, immer weiter diskutiert werden, ändert aber nichts daran, daß Philosopen für sich durchaus derlei Themen zum Abschluß bringen.
Der These, daß Philosophie schwer verständlich sein muß, möchte ich hier mal widersprechen. Dies mag bei den genannten Philosophen (Kant - mit übermäßig detaillierter Struktur und aus heutiger Sicht naivem Weltbild; Hegel - ein unsäglicher Schwätzer, der nach 20 Seiten Vorwort, 40 Seiten Vorrede und weiteren 40 Seiten Einleitung noch immer nicht zum Punkt kommt) der Fall sein, doch schaut man sich etwa Hume, Seneca, Schopenhauer oder Nietzsche an, so sieht man, daß Philosophie durchaus in verständlicher Form dargebracht werden kann und auch lebensrelevantes zu sagen hat. Zugegeben eine Kunst, die verloren gegangen scheint, in einer Zeit, in der Philosophie nur noch Rechtfertigung von Professorengehältern ist.
"die Biologen haben sich immer nur Grünzeug angeguckt. Es kommt aber darauf an, es zu verändern" - ebenso sinnvoll.
Das Erlernen des Denkens gilt in unserer jetzigen Zeit wenig, da man damit nicht direkt etwas kaufen kann!
Das Bürgertum des 20. Jahrhunderts hat über den englischen Liberalismus, der sich über WK 1 und WK 2 auch in Deutschland durchsetzte, den Respekt vor dem Denken verloren - insbesondere seit den 1970er bis 1980er Jahren, als der Respekt vor gebildeten Menschen zusammenbrach, weil ja nun JEDERMANN "irgenwie studiert" und sich darum für gebildet und denkend erachtet!
Professoren bekommen Studentenmassen aufgedrückt und haben dshalb keine Chance zum Denken und für einen öffentlichen Dialog jenseits der Lehre - die Folgen sehen wir: eine zunehmend verspießernde Gesellschaft, wobei der heutige Spießer eben "cool mit Händen in den Hosentaschen" ist statt "aufgeregt verklemmt", aber darum um keinen Deut besser!
Marx hat eigene Gedankengänge. Marx war auch Philosoph. Auch die Grundväter der freien Marktwirtschaft, nehmen wir den Oberguru Adam Smith, nahmen Gedanken von anderen auf, operierten mit mystischen Begriffen ("unsichtbare Hand"), gründeten Weltanschauungen und verlangen Glauben von den Menschen (der freie Markt ist unhinterfragbar, aber tut das Richtige; also bitte nicht einmischen, dann wird alles gut!). Ich bin kein Marxspezialist, doch bei ihm finden sich wertvolle Gedankenn, die zu wissen jedem Menschen, besonders Wirtschaftswissenschaftlern in ihrem Rationalitätswahn, nur gut tun kann. Zudem war er ein Kämpfer für Gerechtigkeit und derjenige, der so klar werden liess, dass die "freie Marktwirtschaft" eine Erfindung und gleichzeitige Besitzstandswahrung des Besitzbürgertums war und bis heute ist. Ihm gebührt ein Verdienst daran, dass Menschen sich gegen die unselige Ausbeutung der Kapitalisten gewehrt haben und Gewerkschaften gegründet haben. Ohne diese wäre Sozialgesetzgebung niemals eingeführt worden. Über den revolutionären Kampf kann und möchte ich mich nicht äußern. Im Moment sieht es konformistisch aus auf der Welt, aber die Widersprüche und die Ungerechtigkeiten wachsen. Und es gibt IMMEr ein danach.
Gerade darin liegt der Gewinn der Philosophie im Alltag, - dass sie uns nämlich durch das Denken auch jene gesicherten Erkenntnisse des Lebens hinterfragen lässt, die wir bis dahin zu haben glaubten. Wer denkt lebt intensiver, sagt Aristoteles und wer intensiver lebt, der profitert davon wiederum im Bereich des Alltäglichen. Wem das Resultat, dass nämlich zunächst einmal (!) die Skepsis überwiegt, nicht gefällt, der sollte stattdessen lieber ins Kino gehen...
In der Philosophie geht's um Meinungen und Weltanschauung.
In der Wissenschaft geht's um Wahrheit.
Wenn die Philosophie der Wahrheit verpflichtet wäre, gäbe es nicht so viele verschiedene Erklärungen für die Welt.
Es sind alles nur Theorien. Im Gegensatz zur Wissenschaft, welche neben Theorien zumindest auch Fakten vorzuweisen hat.
Da muß ich widersprechen. Philosophie arbeitet mit den Methoden der Wissenschaft und unterscheidet sich von Religion etwa dadurch, daß sie Empirie einbindet anstatt sie nach Gutdünken zu ignorieren.
Ebenso wie die Naturwissenschaft geht die Philosophie von (empirischer) Erfahrung aus und zieht die Schlussfolgerungen.
Sie schreiben:"Wenn die Philosophie der Wahrheit verpflichtet wäre, gäbe es nicht so viele verschiedene Erklärungen für die Welt."
Die Physik hat, sofern ich richtig gezählt habe, momentan nicht weniger als 5 einander widersprechende Weltmodelle, die allesamt die Empirie zum Großteil einbinden.
In der Psychologie existieren allein in Deutschland um die 11 Paradigmen bzw. Schulen (wobei ich letztere Zahl nur von Kollegen kenne). Wer glaubt, Naturwissenschaft sei völlig faktenorientiert und präzise, der hat nie in der Wissenschaft gearbeitet.
Und kein fähiger Naturwissenschaftler glaubt heute noch, er fände etwas über "Wahrheit" heraus, man ist da mithin viel pragmatischer.
Auf der anderen Seite hat die Philosophie nur recht wenig Empirie zur Hand bzw. in der praktischen Philosophie nur sehr ungenaue, daher der große Deutungsspielraum und viele Erklärungsmuster. Abgesehen davon ist sie recht komplex und leidet unter einer Professorenschaft, die nie über Kant hinaus gekommen ist. Doch das sind nur praktische Probleme; die Philosophie bleibt das Dach der Wissenschaften, die alle Disziplinen vereint und daraus ein Bild der Welt formt.
Das ist genau die Art der Wissenschafts-Religion die zu einer gewaltigen Überbewertung der Wirtschaftswissenschaftlichen "Wahrheiten" geführt hat. "Wahrheit" gibt es nur in Sätzen und logischen Schlüssen wie in "Stiere sind männliche Rinder". Was die - hier als Gegensatz aufgestellte - Wissenschaft findet ist Wirklichkeit. Ein gutes wissenschaftliches MODELL ist einfach und kann viel erklären. Kein ernst zu nehmender Wissenschaftler behauptet, er hätte die Wahrheit gefunden, die Welt besteht nicht aus Atomen und auch weder aus Quarks noch aus Strings, diese Modelle konkurrieren nur auf dem Gebiet der logischen Schlüssigkeit und der empirischen Erklärungskraft.
Die Philosophie arbeitet mit denselben Mitteln wie alle anderen Wissenschaften. Eine Philosophische Theorie, die sich selbst widerspricht ist schlecht, ebenso eine solche, die nichts erklären kann, zu kompliziert ist oder jeglicher Intuition widerspricht. Nun ist das empirische Überprüfen philosophischer Theorie schwieriger möglich als in der Soziologie: Ich habe noch keine Universalien gesehen, es gibt kein Messgerät für moralisch gutes und ob ich mir alles nur einbilde oder Materie existiert lässt sich schwierig durch repräsentative Umfragen beweisen. Die Philosophie hat nur die Vernunft und die Logik. Das kann man jetzt "Meinung" nennen, meist ist diese "Meinung" aber sehr gut begründet und kann mit den "Wahrheiten" anderer Wissenschaften durchaus mithalten.
Da muß ich widersprechen. Philosophie arbeitet mit den Methoden der Wissenschaft und unterscheidet sich von Religion etwa dadurch, daß sie Empirie einbindet anstatt sie nach Gutdünken zu ignorieren.
Ebenso wie die Naturwissenschaft geht die Philosophie von (empirischer) Erfahrung aus und zieht die Schlussfolgerungen.
Sie schreiben:"Wenn die Philosophie der Wahrheit verpflichtet wäre, gäbe es nicht so viele verschiedene Erklärungen für die Welt."
Die Physik hat, sofern ich richtig gezählt habe, momentan nicht weniger als 5 einander widersprechende Weltmodelle, die allesamt die Empirie zum Großteil einbinden.
In der Psychologie existieren allein in Deutschland um die 11 Paradigmen bzw. Schulen (wobei ich letztere Zahl nur von Kollegen kenne). Wer glaubt, Naturwissenschaft sei völlig faktenorientiert und präzise, der hat nie in der Wissenschaft gearbeitet.
Und kein fähiger Naturwissenschaftler glaubt heute noch, er fände etwas über "Wahrheit" heraus, man ist da mithin viel pragmatischer.
Auf der anderen Seite hat die Philosophie nur recht wenig Empirie zur Hand bzw. in der praktischen Philosophie nur sehr ungenaue, daher der große Deutungsspielraum und viele Erklärungsmuster. Abgesehen davon ist sie recht komplex und leidet unter einer Professorenschaft, die nie über Kant hinaus gekommen ist. Doch das sind nur praktische Probleme; die Philosophie bleibt das Dach der Wissenschaften, die alle Disziplinen vereint und daraus ein Bild der Welt formt.
Das ist genau die Art der Wissenschafts-Religion die zu einer gewaltigen Überbewertung der Wirtschaftswissenschaftlichen "Wahrheiten" geführt hat. "Wahrheit" gibt es nur in Sätzen und logischen Schlüssen wie in "Stiere sind männliche Rinder". Was die - hier als Gegensatz aufgestellte - Wissenschaft findet ist Wirklichkeit. Ein gutes wissenschaftliches MODELL ist einfach und kann viel erklären. Kein ernst zu nehmender Wissenschaftler behauptet, er hätte die Wahrheit gefunden, die Welt besteht nicht aus Atomen und auch weder aus Quarks noch aus Strings, diese Modelle konkurrieren nur auf dem Gebiet der logischen Schlüssigkeit und der empirischen Erklärungskraft.
Die Philosophie arbeitet mit denselben Mitteln wie alle anderen Wissenschaften. Eine Philosophische Theorie, die sich selbst widerspricht ist schlecht, ebenso eine solche, die nichts erklären kann, zu kompliziert ist oder jeglicher Intuition widerspricht. Nun ist das empirische Überprüfen philosophischer Theorie schwieriger möglich als in der Soziologie: Ich habe noch keine Universalien gesehen, es gibt kein Messgerät für moralisch gutes und ob ich mir alles nur einbilde oder Materie existiert lässt sich schwierig durch repräsentative Umfragen beweisen. Die Philosophie hat nur die Vernunft und die Logik. Das kann man jetzt "Meinung" nennen, meist ist diese "Meinung" aber sehr gut begründet und kann mit den "Wahrheiten" anderer Wissenschaften durchaus mithalten.
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