Umgang mit Schülern Wars früher besser?

Konfetti – so heißt ein Buch, mit dem Erstklässler oft Lesen und Schreiben lernen. Das klingt etwas nach Kindergeburtstag, nach Vergnügen und Leichtigkeit. Grundschullehrerin Ursula Sarrazin gefällt das nicht. Sie mag keine Titel, die »suggerieren«, Schule sei ein »lustiger Spaß«, sagte sie dem Focus . Ob sie in ihrem eigenen Unterricht Kindern den Spaß am Lernen verdorben hat, ist noch nicht geklärt. Da steht Aussage gegen Aussage. Wobei die Berliner Eltern, die solche Behauptungen aufstellen, bemerkenswert zahlreich sind.

Interessant bleibt die Frage, ob Ursula Sarrazin recht hat, wie einige Medien behaupten. Auch darf die Grundschullehrerin zumindest als Gedankenstütze ihres Mannes gelten, während dieser das Bildungskapitel seines Bestsellers Deutschland schafft sich ab verfasst hat. Das Lernniveau in der (Grund-) Schule, heißt es darin, sei in den vergangenen Jahrzehnten ständig gesunken. Kinder wüssten kaum noch, was Disziplin und Regeln sind.

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Tatsächlich sitzen Grundschüler heute nicht mehr still im Klassenzimmer herum, sie spielen im Unterricht, reden mit ihren Tischnachbarn und widersprechen manchmal ihren Lehrern - die finden das auch noch oft gut.

Wohin diese »Kuschelpädagogik« führt, zeigen regelmäßige Vergleichstests: überraschenderweise an die internationale Leistungsspitze. Laut der jüngsten Iglu-Studie können Viertklässler in keinem EU-Staat besser lesen als hierzulande. In höheren Klassen sieht es freilich anders aus. Zwar gibt es beklagenswert schwache Leser, besonders in Großstädten wie zum Beispiel Berlin. Vergleicht man jedoch die Lesekünste der Grundschüler mit denen ihrer Alterskollegen vor zwanzig Jahren, lässt sich kein Leistungsabfall feststellen. Beim Schreiben sieht es leicht anders aus. Schüler können sich heute besser und individueller ausdrücken. Handschrift und Orthografie gelingen dagegen weniger formvollendet als früher.

Dahinter steckt ein grundsätzlicher Wandel der Lernkultur. Schule erzieht heute weniger zur Folgsamkeit als zur Selbstständigkeit. Dafür bedienen sich Grundschulpädagogen einer Vielzahl neuer Unterrichtsmethoden. Mal lernen die Schüler in Gruppen, dann wieder für sich allein, schließlich hören sie auch noch dem Lehrer zu – sogar häufiger, als gemeinhin angenommen wird.

Nicht alle Lehrer und Schüler kommen damit klar. Besonders Kindern, die zu Hause keine Selbstkontrolle lernen, fällt es schwer, mit der Freiheit im Unterricht umzugehen. Für Klagen über einen pädagogischen Kulturverfall eignen sich diese Schüler kaum, für eine »neue Bildungsdebatte« durchaus. Die lässt sich immer führen. Dabei könnte man umgekehrt einmal fragen: Warum verlieren eigentlich so viele Schüler nach der Grundschule die Lust am Lernen?

 
Leser-Kommentare
  1. hieß meine Grundschule noch Volksschule.
    Es wurde nach Konfessionen getrennt und innerhalb der Klassen saßen Mädchen und Jungen getrennt.
    ADS-Schüler, so würde man heute sagen, bekamen mit dem Rohrstock entweder den Hintern voll oder - besonders brutal - ein paar Hiebe mit dem Rohstock auf die Fingerkuppen.

    Besser ?

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    Meine Mutter hat einmal in der Schule (Anfang der 60er) eine Ohrfeige bekommen. So schnell konnte der Lehrer sich keine passende Ausrede einfallen lassen wie meine Großmutter in der Schule war und ihn vor versammelter Klasse zusammenstauchte. Es ging auch anders.

    Wenn ich heute mitbekommen würde dass eine Lehrerin meine Kinder so angehen würde, würde ich das keinesfalls hinnehmen. Ich erwarte von einem Lehrer dass mein Kind morgens mit einem guten Gefühl in die Schule geht.

    Meine Mutter hat einmal in der Schule (Anfang der 60er) eine Ohrfeige bekommen. So schnell konnte der Lehrer sich keine passende Ausrede einfallen lassen wie meine Großmutter in der Schule war und ihn vor versammelter Klasse zusammenstauchte. Es ging auch anders.

    Wenn ich heute mitbekommen würde dass eine Lehrerin meine Kinder so angehen würde, würde ich das keinesfalls hinnehmen. Ich erwarte von einem Lehrer dass mein Kind morgens mit einem guten Gefühl in die Schule geht.

  2. "Nicht alle Lehrer und Schüler kommen damit klar. Besonders Kindern, die zu Hause keine Selbstkontrolle lernen, fällt es schwer, mit der Freiheit im Unterricht umzugehen."
    Wir brauchen demnach also nicht "ein" neues Bildungskonzept (über das dann trefflich gestritten werden kann), sondern vielleicht ein staatliches Bildungsangebot mit einer Reihe verschiedener Ansätze zwischen denen Eltern mit ihren Kindern wählen können, so wie es im Bereich der Privatschulen bereits im Entstehen bzw. entstanden ist.

    Eine Leser-Empfehlung
  3. Meine Mutter hat einmal in der Schule (Anfang der 60er) eine Ohrfeige bekommen. So schnell konnte der Lehrer sich keine passende Ausrede einfallen lassen wie meine Großmutter in der Schule war und ihn vor versammelter Klasse zusammenstauchte. Es ging auch anders.

    Wenn ich heute mitbekommen würde dass eine Lehrerin meine Kinder so angehen würde, würde ich das keinesfalls hinnehmen. Ich erwarte von einem Lehrer dass mein Kind morgens mit einem guten Gefühl in die Schule geht.

    Antwort auf "In den 60er Jahren"
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    Wenn ein Lehrer heute so mit meinem Kind umgehen würde wie wir es noch erlebt haben, würde es seines Lebens nicht mehr froh werden.

    Wenn ein Lehrer heute so mit meinem Kind umgehen würde wie wir es noch erlebt haben, würde es seines Lebens nicht mehr froh werden.

  4. 4. zu 3

    Wenn ein Lehrer heute so mit meinem Kind umgehen würde wie wir es noch erlebt haben, würde es seines Lebens nicht mehr froh werden.

  5. "Dabei könnte man umgekehrt einmal fragen: Warum verlieren eigentlich so viele Schüler nach der Grundschule die Lust am Lernen?"
    Mit dieser Aussage unterstellt Herr Spiewak doch den "weiterführenden" Schulen Versagen. Tatsache ist allerdings, dass die Kinder in der 5. Klasse durchaus noch sehr lernwillig sind, z. T. noch ein Jahr später. Aber dann, Herr Spiewak geschieht etwas, was kommt wie der regelmäßige Wintereinbruch - der ja auch immer wieder viele überrascht: Die Kinder pubertieren. War das früher anders? Also zu meiner Zeit nicht.

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