Der Mensch verliert an Gewicht, wenn er mehr Energie verbraucht, als er dem Körper über die Nahrung zuführt. Das ist letztlich die einzig wirksame Diät. Zu welcher Zeit man die Kalorien zu sich nimmt, ist für deren Verwertung nebensächlich.

Die alte Regel, man solle "frühstücken wie ein Kaiser, mittagessen wie ein Edelmann und abendessen wie ein Bettler", ist sicherlich ein guter Tipp für Menschen, die körperlich hart arbeiten und schon am Vormittag große Muskelleistungen vollbringen müssen. Manchmal wird dieser Ratschlag aber auch denen gegeben, die abnehmen wollen. Das ausgiebige Frühstück, so heißt es dann, sättige praktisch für den ganzen Tag. Man würde mittags und abends weniger essen, und die Gesamtkalorienzufuhr sei geringer.

Für weitere Artikel zur Serie "Stimmt's?" klicken Sie auf dieses Bild. © Jeff J. Mitchell/Getty Images

Volker Schusdziarra von der Technischen Universität München ist diesem Mythos nun auf den Grund gegangen. Für seine Studie, die soeben in der Zeitschrift Nutrition Journal veröffentlicht wurde, untersuchte er das Frühstücksverhalten von 380 Menschen, 280 davon waren stark übergewichtig und 100 normal gebaut. Manche vertilgten schon zum Frühstück über 600 Kalorien, andere gar nichts.

Das überraschende Resultat: "Die Ergebnisse unserer Studie zeigen, dass Menschen das gleiche zum Mittag- und Abendessen zu sich nehmen, unabhängig davon, was sie frühstücken", sagt Schusdziarra. Der Sättigungseffekt ist offenbar schon zur Mittagszeit wieder verpufft, allenfalls eine Zwischenmahlzeit am Vormittag ließen die Testpersonen aus.

Das Ergebnis widerspricht nur scheinbar früheren Studien, die ergeben hatten, dass Menschen insgesamt weniger essen, wenn der Anteil des Frühstücks an der Gesamtnahrungsaufnahme groß ist. Relativ ist nicht dasselbe wie absolut. 

"Die Vorstellung, man sollte morgens sechs Semmeln essen, dann würde man abnehmen, ist irrig", sagt Schusdziarra. "Wer bescheiden frühstückt, der hat schon einmal ein paar Kalorien eingespart." Und ob auf Diät oder nicht – es ist für alle Menschen gesünder, die gesamte Nahrungsmenge auf mehrere kleine Mahlzeiten am Tag zu verteilen anstatt auf wenige große.

Die Adressen für "Stimmt’s"-Fragen: DIE ZEIT, Stimmt’s?, 20079 Hamburg oderstimmts@zeit.de. Das "Stimmt’s?"-Archiv:www.zeit.de/stimmts

Diesen Artikel finden Sie als Audiodatei im Premiumbereich unterwww.zeit.de/audio