ThyssenKrupp "Nennen wir es Pflichtgefühl"
Ekkehard Schulz, 69, tritt als Chef von ThyssenKrupp ab. Sein Rezept: Die Wahrheit sagen. Sich selbst fordern. Und ab und zu jagen gehen.
DIE ZEIT: Herr Schulz, werden die Redner bei Ihrem Abschied nur die Wahrheit sagen?
EkkehardSchulz: Sie kennen den Spruch: Es wird nirgendwo so viel gelogen wie auf Beerdigungen...
ZEIT: Um Gottes willen...
Schulz: ...und auf Verabschiedungen wird viel Lob verteilt. Möglicherweise auch ungerechtfertigtes Lob.
- Ekkehard Schulz
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Es ist das Jahr 1999, als der gelernte Ingenieur und langjährige Stahlmanager Ekkehard Schulz zum Co-Chef des neuen Großkonzerns ThyssenKrupp aufsteigt. Zwei Jahre lang leitet er das neue Unternehmen gemeinsam mit dem Krupp-Mann Gerhard Cromme, dann zieht der um in den Aufsichtsrat, und Schulz ist seither der alleinige Chef. Doch was heißt das schon, alleiniger Chef? Nichts geht ohne den größten Aktionär, die Krupp-Stiftung, in Gestalt ihres starken Mannes Berthold Beitz.
1953 macht der regierende Krupp-Erbe Beitz zum Bevollmächtigten. 19 Jahre später beginnt Ekkehard Schulz seine Karriere beim großen Konkurrenten Thyssen. Er ist es, der schon Mitte der Achtziger die Fusion mit Krupp betreibt – zunächst ohne Erfolg. Und er ist es auch, der dann am Standort Duisburg auf dem Höhepunkt der Stahlkrise unter härtesten Protesten Zehntausende Jobs abbaut.
Nun übergibt der »eiserne Ekki«, wie Schulz in der Region heißt, den Vorsitz des Vorstands an Heinrich Hiesinger, der von Siemens kommt. Er selbst wird Mitglied im Aufsichtsrat von ThyssenKrupp und sitzt – von Bayer bis RWE – in weiteren Aufsichtsgremien. Im Jahr 2010 veröffentlichte er das Buch '55 Gründe, Ingenieur zu werden', in dem er junge Menschen auffordert, seiner Studienwahl zu folgen.
ZEIT: Was würden Sie gern hören?
Schulz: Die Wahrheit.
ZEIT: Und die wäre?
Schulz: Mein Saldo ist positiv. Überwiegend hatte ich Erfolge, und dazwischen gab es den ein oder anderen Misserfolg. Das lässt sich nicht leugnen.
ZEIT: Gab es einen Moment in Ihrer Karriere, in dem Sie die Wahrheit schwer ertragen konnten?
Schulz: Nein.
ZEIT: 2009 mussten Sie das größte Minus der Konzerngeschichte verantworten. Die neuen Stahlwerke in Brasilien und den USA wurden viel teurer als geplant. Die Wahrheit war: Ihre Strategie taugte nichts.
Schulz: Es war ein Katastrophenjahr. Aber die Katastrophe wurde im Wesentlichen nicht durch eigene Fehler und eigenes Versagen verursacht, sondern durch die Weltwirtschaftskrise. Wir haben dann ja auch vergleichsweise schnell Lösungen gefunden.
ZEIT: Wie müssen wir uns Ihre erste Reaktion vorstellen? Die Verschuldung des Konzerns steigt um 1,7 Milliarden Euro – und Sie nehmen das hin?
Schulz: Emotionen helfen in so einer Situation jedenfalls gar nichts.
ZEIT: Sie erzählen das jetzt mit der Gelassenheit des Managers, der eine glänzende Schlussbilanz vorlegen kann. Aber vor zwei Jahren war das anders. Das war Überlebenskampf.
Schulz: Es war nicht mein erster. Ich habe 39 Jahre lang in der Stahlindustrie gearbeitet, das war eine einzige Berg- und Talfahrt. Immer wieder Krisen. Immer wieder Hoffnung. Denken Sie nur an die Jahre von 1992 bis 1995. Da war die Stahlbranche weltweit fast am Ende. Wir mussten bei Thyssen Stahl in drei Jahren 25.000 Jobs abbauen, sonst wären wir weg gewesen. 25.000 Jobs, das war fast die Hälfte der Belegschaft! Damals kamen meine Kinder weinend aus der Schule und sagten: Wir werden von unseren Klassenkameraden beschuldigt: Dein Vater nimmt meinem Vater die Arbeit weg! Und sie fragten mich: Was bist du nur für ein Mensch?
ZEIT: Was sind Sie für ein Mensch?
Schulz: Ich glaube, dass ich sehr diszipliniert und pflichtbewusst bin. Und ich war mein Leben lang unabhängig. Ich habe mal einen schönen Satz gelesen, er stammt von Perikles: »Das Geheimnis der Freiheit ist der Mut.« Das trifft es ganz gut.
- Datum 21.01.2011 - 18:51 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 20.1.2011 Nr. 04
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Die Mangager-Kaste schiebt sich Geld und Posten seit Jahrzehnten gegenseitig zu - der ganze Artikel ist zum Gähnen langweilig. Überflüssiges Volk, diese Damen und Herren Jägermeister...
Guten Morgen,
ich möchte meinen Vorrednern widersprechen, Herr Schulz ist ein hervorragender Manager.
Er war unbequem weil er die Wahrheit gesagt hat, was ich persönlich sehr gut finde. Seine Entscheidungen waren transparent und er hat meines Erachtens für einen Manager sehr sozial gehandelt.
Das er von unserer Gesellschaft als "überflüssig" gesehen wird ist mir unverständlich, denn Menschen brauchen nun mal Anführer, sonnst können sie ihre Anstrengenden nicht effektiv einsetzen.
Man darf eben nicht vergessen, dass der technische Fortschritt menschliche Arbeitskraft überflüssig macht und so Rationalisierungen eine wesentliche Manageraufgabe sind, es sei denn man glaubt an unendliches Wachstum oder ist Sozialist.
Die Menschen sollten nicht auf Manager schimpfen sondern nach einer Rationalisierung ihre Anstrengenden für die Arbeitssuche verwenden. Dafür muss man wahrscheinlich auch was neues lernen, aber dafür scheinen einige zu faul.
Meines Erachtens hatte er einfach Pech wegen der Krise und es ist schade, dass er für Fehler zahlen muss, die er nicht verschuldet hat.
Mit freundlichen Grüßen
Nicolaus Helminger
ist doch passend für die heutige "Zeit" oder nicht?
Bemerkenswert vor allem die Verflechtung der Konzerne
und Aufsichtsräte so nach dem Motto,eine Krähe hackt der
anderen kein Auge aus....oder gibst Du mir,geb ich Dir.
Trotzdem,oder gerader deswegen ist Thyssen-Krupp einer der
sozialsten oder Arbeitnehmer-Gerechtesten Konzerne die
ich kenne,natürlich nur in Deutschland.
Von den beiden Interviewpartnern, deren Texte ich eigentlich gerne lese, besonders Heusinger als Hirten, hätte ich mehr erwartet als diese Schmonzette. Über das Leben an der Spitze lernen wir hier gar nichts, außer, dass Herausforderungen i.d.R. bravourös bestanden werden ("Der Herr Kanzler will Geld" - dass mit der Doppelspitze war ja eine wirklich fürwahr kühne Erwiderung, ob er das Geld aber nun rausrücken mußte, darüber aber kein Wort!), Niederlagen halt Pech sind (die globale Krise, ja, ja).
Das Highlight jedoch war der Glücksindikator: wie oft bin ich zur Jagd gekommen. Jeder normale Mensch hätte gedacht, da komme irgendwas im Zusammenhang mit seiner Familie, seinen Kindern, seiner Frau. Nein, die Jagd.
Hätte da mal nicht eine Nachfrage kommen müssen, wie man sich das Familienlieben eines Vorstandschefs vorstellen muss, der dafür eigentlich kaum Ziet hat und wenn doch, dann lieber Jagen geht? ich meine das nicht aus Häme, sondern weil es mir etwas über die Voraussetzungen für die Jobs "da ganz oben" aufzeigen würde.
Nichts davon. Langweilig. Überflüssig. Und als Plattform zur Selbstbeweihräucherung sogar ärgerlich.
ist ja wohl der schrägste Kommentar den man zu "Ekki"
schreiben kann.
In Deutschland gehen mehr Lehrer, Ärzte,Landwirte und
Handwerker auf die Jagd und töten Tiere "damit Ihnen nicht
faaad wird" als Manager...und jetzt was?
Beim zweiten Lesen denke ich, die Fragen sind eigentlich gar nicht so schlecht gestellt - sie sind informiert und haken schon nach. Er macht aber nichts draus. Seine Antworten sind retortenhaft, vorhersehbar. Er teilt nichts mit, das über Gestanztes hinausgeht. Jetzt frage ich mich, wie würde ich versuchen, da mehr rauszuholen, und es fällt mir nichts ein. Wenn er nicht will, dann will er nicht. Das liegt nicht so sehr an den Interviewern. Denn das penetrante Nachfragen, wie es im TV immer zu sehen ist, bringt ja auch nichts.
Manager haben i.d.R. versagt (aus gesellschaftlicher Sicht), denn sie haben es nicht geschafft, den Standort Deutschland vor dem ruinösen Sozialabbau, der im Zuge der "Globalisierung" entstanden ist, zu verteidigen.
Aber aus finanzieller Sicht: super Leistung!
Schulz hat einigen Respekt für seinen Berufsweg verdient,
keine Frage, wenn auch die Antworten genau so allglatt daher=
kommen wie von Politikern. Aber warum sollte er sein Privat=
leben ausbreiten, auch diese Zurückhaltung paßt zu ihm.
Interessant fand ich auch, wie er die Frage mit dem "Vertrie=
benenkind" ignoriert. Er wie der ehem. Deutsche Bank-Chef
Hilmar Kopper entstammen westpreußischem Gutsbesitzer-Nichtadel, bei Kopper sagt man sogar, er wäre mit dem goldenen
Löffel im Mund geboren, also Kind sehr begüterter Eltern.
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