Die Jasminrevolution, wie sie im Nachhinein genannt wird, wurde mit bloßen Händen durchgeführt, von einem Volk, das keinen einzigen Schuss abgegeben, keinen einzigen Terrorakt begangen hat. Auslöser war der Freitod von Mohamed Bouazizi, einem arbeitslosen Hochschulabsolventen, der sich am 17. Dezember mit Benzin übergoss und anzündete – aus Protest gegen die Schikanen der Polizei, die zum x-ten Mal das Gemüse beschlagnahmt hatte, mit dessen Verkauf er seinen Lebensunterhalt bestreiten musste. Der verzweifelte Entschluss dieses Mannes, die Entwürdigung und die Demütigungen nicht länger hinzunehmen, hat die Kette der Ereignisse in Gang gesetzt, die das Volk schließlich auf die Straße brachte.

Das Totschlagargument des religiösen Fundamentalismus, das islamistische Gespenst, das Europa immer an die Wand malt, um die Diktatur zu rechtfertigen, hat sich also als untauglich erwiesen. In den vier Wochen des Kampfes der Unbewaffneten gegen eine hochgerüstete Polizei war kein einziger fundamentalistischer Slogan zu hören, keine islamistische Wandparole zu lesen.

Stattdessen hat diese Jugend ohne politische oder parteiliche Bindung sich in den einzelnen Stadtvierteln zu Bürgerkomitees zusammengeschlossen, um, unterstützt von der Armee, die Bürger zu schützen und Übergriffe und Plünderungen durch die Milizen der herrschenden RCD, die Machtbasis des gestürzten Präsidenten Ben Ali, ebenso zu verhindern wie die Aktivitäten der politischen Polizei: Mit Todesschwadronen verbreitet sie im ganzen Land Angst und Schrecken, um die Menschen glauben zu machen, dass sie allein das Chaos verhindern kann.

Die Bürgerkomitees haben diese Manöver durchkreuzt und das Gefühl der Sicherheit im Land wiederhergestellt, manche Menschen haben diesen Einsatz mit dem Leben bezahlt (die genaue Zahl der Toten in diesen Kämpfen steht noch nicht fest, vorläufig ist von etwa 50 die Rede).

Eins ist sicher: Diese jungen Leute, die die Jasminrevolution gemacht haben, sind nicht bereit, die Zerstörung ihres Freiheitstraums hinzunehmen. Hold-up, »Raubüberfall«, nennen sie den Versuch, diesen Traum kaputt zu machen. In ihren Augen sind die Architekten der Diktatur unfähig, die Demokratie aufzubauen.

Aus dem Französischen von Elisabeth Thielicke