Auswärtiges Amt Eine Frage der Ehre
Der Streit um das Buch zur Geschichte des Auswärtigen Amtes nimmt seltsame Formen an. Sachliche Argumente spielen kaum noch eine Rolle.
Skandalös: Mit diesem Wort bedachte der Historiker Horst Möller, Direktor des Münchner Instituts für Zeitgeschichte (IfZ), vorige Woche in der FAZ die im Herbst mit viel Medienwirbel veröffentlichte Studie zur NS-Geschichte des Auswärtigen Amts, Das Amt und die Vergangenheit. Worin das Skandalon besteht, wurde indes nicht recht klar. Möller, zuständig unter anderem für die Dokumentenedition Akten zur Auswärtigen Politik der Bundesrepublik Deutschland (AAPD), beklagte die »Hysterie zeitgeschichtlicher Diskussionen in Deutschland« sowie die fortwährende »Alarmierung der Öffentlichkeit« in Sachen NS-Vergangenheit mithilfe von »Verschwörungstheorien«. Ist Das Amt, das Außenminister Guido Westerwelle erst kürzlich seinem israelischen Amtskollegen überreicht hat und das Westerwelles Vorvorgänger Joschka Fischer am Dienstag in New York präsentieren wird, also ein Sarrazin-Buch von Historikern, mit bislang fast 70.000 Käufern? Sind die 1,5 Millionen Euro des Staates für die Kommissionsarbeit »der eigentliche Skandal«?
Manchen Beobachtern mag es skandalträchtiger erscheinen, dass das IfZ trotz staatlicher Alimentierung in vielfacher Höhe und eigener – ausgezeichneter – Quelleneditionen es bislang nicht vermocht hat, selbst eine Gesamtdarstellung zum Thema vorzulegen. Und wenn der Direktor des IfZ die Mittäterschaft des Auswärtigen Amtes beim nationalsozialistischen Völkermord in der Diktion der fünfziger Jahre als »sehr kritikwürdige Verstrickung in das NS-Regime« umschreibt, darf man wiederum dies tatsächlich als skandalös bezeichnen.
Fast drei Monate ist es her, dass die unabhängige Kommission unter der Leitung der renommierten Historiker Eckart Conze, Norbert Frei, Peter Hayes und Moshe Zimmermann ihren Bericht, der als Buch im Blessing Verlag erschienen ist, vorgelegt hat. Mit Möllers Äußerungen hat der Streit um das 800-Seiten-Werk nun einen bizarren Höhepunkt erreicht, ein Streit allerdings, der für die Öffentlichkeit kaum noch nachvollziehbar ist.
Die Kommission war von Anfang an ein Störfaktor
Denn bis heute gab es manchen Lorbeer für das Buch: NS-Experten wie Ulrich Herbert, Michael Wildt, Reinhard Rürup und Christopher Browning, dessen Pionierstudie The Final Solution and the German Foreign Office von 1978 im vergangenen Jahr endlich auf Deutsch erschienen ist, lobten es, nicht zuletzt für die Darstellung der personellen Kontinuitäten nach 1945. Dagegen kritisierten unter anderem der Historiker Hans Mommsen sowie der Außenpolitik-Experte Christian Hacke die Studie scharf: Es gebe gravierende Fehler, außerdem sei das Buch allzu fixiert auf die Beteiligung des Amtes am Holocaust und nehme kaum Rücksicht auf die geringen individuellen Handlungsspielräume der Diplomaten. Auch habe sich die Kommission, so hieß es immer wieder, zum Handlanger Joschka Fischers gemacht, der als Außenminister seinerzeit die Studie in Auftrag gegeben hatte. Damit diene sie in erster Linie geschichtspolitischen Legitimationsinteressen und der persönlichen Inszenierung eines Alt-68ers. Der Mainzer Zeithistoriker Sönke Neitzel meinte gar, »Geschichtspornographie« gelesen zu haben.
Viele dieser Einwände halten einer Prüfung nicht stand: Dass die Kommission sich für Fischer hätte einspannen lassen, ist abwegig. Erwartbarerweise war er nicht mehr im Amt, als die Historiker ihren Bericht ablieferten, und politisch entsprach die Zusammensetzung der Kommission keineswegs rot-grüner Farbenlehre. Auch konnte der Bericht nicht, wie vielfach gefordert, jedes Diplomatenschicksal in allen Schattierungen abbilden. Der Auftrag war, sich auf die Frage nach der Beteiligung an der NS-Vernichtungspolitik zu konzentrieren und auf den verschleiernden Umgang mit der eigenen Vergangenheit nach 1945. Zu Recht widersprach die Kommission Mitte Dezember in einer Erwiderung in der Süddeutschen Zeitung ihren Kritikern.
Dass die Kommission so viel Ärger erregt hat, liegt ohnehin nur bedingt an ihrem Buch. Sondern am fehlenden »Stallgeruch«: Von Anfang an war sie ein Störfaktor für die eingespielte Routine professioneller Außenpolitik-Akteure und Erforscher, die sich gern als Kreis von Eingeweihten begreifen, in dem Staatsgeheimnisse und das strategische Walten von Männern und Mächten erörtert werden. Dass mit Conze, Frei, Hayes und Zimmermann vier »Uneingeweihte« die Arbeit übertragen bekamen, war da eine Provokation, zumal das Kommissionsmitglied Klaus Hildebrand, renommierter Diplomatie- und NS-Experte, krankheitsbedingt ausscheiden musste. Außerdem war die Politik- und Diplomatiegeschichte traditionell das Metier liberalkonservativer Wissenschaftler, die jedoch in Gestalt von IfZ-Direktor Horst Möller oder dem langjährigen AAPD- Herausgeber Hans-Peter Schwarz außen vor blieben. Die heftige Kritik steht also auch für einen Kampf um die Deutungshoheit.
- Datum 28.01.2011 - 12:42 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 27.1.2011 Nr. 05
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"Unabhängige Historikerkommission"? Hans Mommsen äußerte sich anläßlich dieser Studie, es werde in Deutschland zunehmend "staatlich-gelenkte Geschichtswissenschaft" betrieben, indem man sich von vornherein die Historiker unter dem Gesichtspunkt des Ergebnisses, das man erzielen will, zusammensucht. Mommsen sprach diesbezüglich von "totalitären Tendenzen" in Deutschland. In der Tat muß man den Eindruck gewinnen, die deutsche Historikerschaft wäre auschließlich darauf abonniert, den Deutschen alle Schechtigkeiten dieser Welt anzuhängen.
Wer Herrn Mommsen ueber die Studie hat sprechen hoeren konnte sich des Eindrucks nicht erwehren, dass hier ein Grosser Meister der Zeitgeschichte seiner Verletzung Ausruck gegeben hat, dass man nicht ihn selbst, den Profi, mit der Abfassung der Studie beauftragt hat, sondern lediglich Amateure.
Zudem hat Herr Mommsen immer wieder beklagt, dass die Kommission keine neuen Quellen zum Thema hat ans Tageslicht befoerdern koennen. Kann es denn nicht sein, dass Geschichtsschreibung manchmal in der neuen Bewertung, in der neuen Interpretation von bereits bekannten Quellen besteht ? Es ist ein seltsamer Positivismus, den Herr Mommsens pflegt. Als ob Quellen nur einmal ediert werden muessten, um sodann ihre eindeutige Wahrheit fuer immer zu zeigen.
Wer Herrn Mommsen ueber die Studie hat sprechen hoeren konnte sich des Eindrucks nicht erwehren, dass hier ein Grosser Meister der Zeitgeschichte seiner Verletzung Ausruck gegeben hat, dass man nicht ihn selbst, den Profi, mit der Abfassung der Studie beauftragt hat, sondern lediglich Amateure.
Zudem hat Herr Mommsen immer wieder beklagt, dass die Kommission keine neuen Quellen zum Thema hat ans Tageslicht befoerdern koennen. Kann es denn nicht sein, dass Geschichtsschreibung manchmal in der neuen Bewertung, in der neuen Interpretation von bereits bekannten Quellen besteht ? Es ist ein seltsamer Positivismus, den Herr Mommsens pflegt. Als ob Quellen nur einmal ediert werden muessten, um sodann ihre eindeutige Wahrheit fuer immer zu zeigen.
Westerwelle machte sich kürzlich wieder dafür stark, keine Nachrufe für NSDAP-Mitglieder zuzulassen. Ob er wohl weiß, daß sein großes Vorbild, Hans Dietrich Genscher ebenfalls in der NSDAP war?
http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_ehemaliger_NSDAP-Mitglieder,_die_nach_Mai_1945_politisch_tätig_waren
Zur Studie gibt es Stimmen, die aussagen die beteiligten Historiker hätten die Studie gar nicht selbst verfasst, sondern sie von einem Heer von unbekannten aber fachlich qualifizierten Zuarbeitern erstellen lassen. Ist dies korrekt, wäre es ein Skandal. Ich erwarte hierzu dringend eine Stellungnahme, hier geht es auch um Steuergelder!
"Die Mitglieder der Kommission Eckart Conze, Norbert Frei, Peter Hayes und Moshe Zimmermann haben nicht eine Zeile des Buches selbst geschrieben. Alle in dem 1,5 Millionen Euro teuren Manuskript enthaltenen Texte stammen von zwölf »Mitautoren«, denen ein ganzes Heer an Rechercheuren und Hilfskräften zur Verfügung stand. Eine kritische Überprüfung dessen, was von dort zusammengetragen und geschrieben wurde, blieb offensichtlich aus."
http://info.kopp-verlag.d...
Entfernt. Bitte verzichten Sie auf unsachliche Spekulationen. Die Redaktion/ew
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Was ist daran unsachlich zu vermuten, daß zwischen Conze/Frei und ZEIT-Redakteuren eine Beziehung besteht? Also: Wenn man die ZEIT-Berichterstattung bezüglich "Das Amt" richtig einordnen möchte, dann muß man wissen, in welcher Beziehung der Autor zu dem Berichteten steht. Wenn es keinen solchen Bezug geben sollte, dann kann das der Autor ja selbst darlegen und benötigt dafür nicht die Wasserträgerdienste der Online-Redakteure.
Entfernt. Bitte verzichten Sie auf unsachliche Spekulationen. Die Redaktion/ew
Was ist daran unsachlich zu vermuten, daß zwischen Conze/Frei und ZEIT-Redakteuren eine Beziehung besteht? Also: Wenn man die ZEIT-Berichterstattung bezüglich "Das Amt" richtig einordnen möchte, dann muß man wissen, in welcher Beziehung der Autor zu dem Berichteten steht. Wenn es keinen solchen Bezug geben sollte, dann kann das der Autor ja selbst darlegen und benötigt dafür nicht die Wasserträgerdienste der Online-Redakteure.
Entfernt. Bitte verzichten Sie auf unsachliche Spekulationen. Die Redaktion/ew
Es geht in erster Linie darum, daß "Das Amt" nichts beschreibt, was neu *und* richtig wäre. Was neu ist, ist eher zweifelhaft und was richtig ist, ist altbekannt. Der Rademacher Bericht? Seit 1952 bekannt. Das Weizsäcker-Papier? Nur ein Entwurf, der noch nicht einmal in der abgezeichneten Version zitiert wird. Was genau ist denn nun die 1,5 Mio Euro wert, die innerhalb der Historikerzunft einen außergewöhnlichen Batzen Geld darstellen? Vielleicht hätten Conze/Frei mehr als einen Nachmittag im Archiv verbringen sollen, ehe sie von ihren HiWis Thesen formulieren lassen.
Revisionismus trägt zu einer sachlichen Geschichtsaufarbeitung nicht bei und so lange rechtsextreme Idioten den 13. Februar für ihre Geschichtsverdrehung vereinnahmen, wird das Datum nicht im würdigen Rahmen begangen werden können. Die Mehrheit der Bürger der Stadt Dresden gibt sich jedoch redlich Mühe und man muß angesichts der gemeinsamen Feierlichkeiten Dresden/Coventry schon sehr hartgesotten sein, um nicht gerührt zu sein von den Fortschritten der europäischen Versöhnungspolitik.
Es geht in erster Linie darum, daß "Das Amt" nichts beschreibt, was neu *und* richtig wäre. Was neu ist, ist eher zweifelhaft und was richtig ist, ist altbekannt. Der Rademacher Bericht? Seit 1952 bekannt. Das Weizsäcker-Papier? Nur ein Entwurf, der noch nicht einmal in der abgezeichneten Version zitiert wird. Was genau ist denn nun die 1,5 Mio Euro wert, die innerhalb der Historikerzunft einen außergewöhnlichen Batzen Geld darstellen? Vielleicht hätten Conze/Frei mehr als einen Nachmittag im Archiv verbringen sollen, ehe sie von ihren HiWis Thesen formulieren lassen.
Revisionismus trägt zu einer sachlichen Geschichtsaufarbeitung nicht bei und so lange rechtsextreme Idioten den 13. Februar für ihre Geschichtsverdrehung vereinnahmen, wird das Datum nicht im würdigen Rahmen begangen werden können. Die Mehrheit der Bürger der Stadt Dresden gibt sich jedoch redlich Mühe und man muß angesichts der gemeinsamen Feierlichkeiten Dresden/Coventry schon sehr hartgesotten sein, um nicht gerührt zu sein von den Fortschritten der europäischen Versöhnungspolitik.
Man gewinnt den Eindruck, die Macher der deutschen veröffentlichten Meinung, also ca. 200 Journalisten, Publizisten, Politiker, Soziologen, "Experten" aller Art, zeichneten sich durch eine gewisse NS-Fixiertheit aus. Manchmal fragt man sich, worüber geschrieben würde, hätte es Adolf Hitler nicht gegeben.
Bei der Jugend erzeugt dieses Zumüllen mit Schuld schon seit langem Brechreiz. Wie wäre es mal mit einem schönen Artikel über die Kriegsverbrechen der Alliierten? Atombomben auf Zivilisten? 600.000 Bomben auf Dresden, ohne jeglichen militärischen Nutzen?
Wird die ZEIT am 13. Februar, dem Jahrestag der Bombardiereung Dresdens, auf diese abscheulichen Verbrechen der Alliierten hinweisen?
Man darf gespannt sein!
es Schicklgruber nicht, dann müsste man ihn erfinden.
es Schicklgruber nicht, dann müsste man ihn erfinden.
Es geht in erster Linie darum, daß "Das Amt" nichts beschreibt, was neu *und* richtig wäre. Was neu ist, ist eher zweifelhaft und was richtig ist, ist altbekannt. Der Rademacher Bericht? Seit 1952 bekannt. Das Weizsäcker-Papier? Nur ein Entwurf, der noch nicht einmal in der abgezeichneten Version zitiert wird. Was genau ist denn nun die 1,5 Mio Euro wert, die innerhalb der Historikerzunft einen außergewöhnlichen Batzen Geld darstellen? Vielleicht hätten Conze/Frei mehr als einen Nachmittag im Archiv verbringen sollen, ehe sie von ihren HiWis Thesen formulieren lassen.
Revisionismus trägt zu einer sachlichen Geschichtsaufarbeitung nicht bei und so lange rechtsextreme Idioten den 13. Februar für ihre Geschichtsverdrehung vereinnahmen, wird das Datum nicht im würdigen Rahmen begangen werden können. Die Mehrheit der Bürger der Stadt Dresden gibt sich jedoch redlich Mühe und man muß angesichts der gemeinsamen Feierlichkeiten Dresden/Coventry schon sehr hartgesotten sein, um nicht gerührt zu sein von den Fortschritten der europäischen Versöhnungspolitik.
Was ist daran unsachlich zu vermuten, daß zwischen Conze/Frei und ZEIT-Redakteuren eine Beziehung besteht? Also: Wenn man die ZEIT-Berichterstattung bezüglich "Das Amt" richtig einordnen möchte, dann muß man wissen, in welcher Beziehung der Autor zu dem Berichteten steht. Wenn es keinen solchen Bezug geben sollte, dann kann das der Autor ja selbst darlegen und benötigt dafür nicht die Wasserträgerdienste der Online-Redakteure.
Man muss auch ein bisschen meschugge sein um anzunehnen, dass das Aussenamt des Naziregimes ein Hort von Widerständlern gegen die Nazipolitik war.
Da was zu finden, das ist ja die totalste Sensation, wer hätte das gedacht! Eigentlich reichen die Wannseeprotokolle, den Rest kann man dann als Jugnforscher aus den Archiven dazuschmieren. Fertig ist die Provo-Geschichtsschreibung der Nazimottenkistenjäger.
Übrig bleibt die Schmäh gegen das Auswärtige Amt.
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