Banken vor GerichtIm Zweifel gegen den Kunden

Ziehen Anleger vor Gericht, gewinnt am Ende meistens doch die Bank. von 

Anleger, die durch den Zusammenbruch von Lehman Brothers Geld verloren, demonstrieren im Juni 2009 in Berlin

Anleger, die durch den Zusammenbruch von Lehman Brothers Geld verloren, demonstrieren im Juni 2009 in Berlin  |  © John Macdougall/AFP/Getty Images

Was an dem Urteil in ihrem Fall gerecht sein soll, fragt sich Ilse Müller noch immer. Die 64-Jährige, die in Wirklichkeit anders heißt, hatte vor vier Jahren Geld in Wertpapiere gesteckt, die ihr der Bankberater zum Aufbessern ihrer Rente empfohlen hatte. 6000 Euro, das war alles, was Müller besaß, nachdem sie jahrelang arbeitslos war und vier Kinder alleine und mit einem 400-Euro-Job als Pflegehelferin durchgebracht hatte. »100 Prozent sicher sei das Geld angelegt, beteuerte der Berater seinerzeit. Das Einzige, was ich mir vorwerfe«, sagt Müller heute: »Ich habe ihm geglaubt.« Bei der Sparkasse war sie zehn Jahre lang Kundin, »und die wusste doch, wie schwer ich mir mein Geld verdient habe«. Zwei Jahre später war das Geld weg, die angeblich 100-prozentig sicheren Wertpapiere waren nichts mehr wert . Es waren Papiere von Lehman Brothers , und nachdem die US-Investmentbank Ende 2008 pleitegegangen war, zog Müller, wie Tausende andere Geprellte, auf den Rat von Verbraucherschützern hin vor Gericht . Recht bekam sie nicht, ähnlich wie viele andere Geschädigte. Dafür muss sie jetzt mehrere Tausend Euro Gerichtskosten tragen.

Das Gericht urteilte, sie hätte beim Kauf der Papiere genauer hinsehen müssen. Dann wäre es ihr nicht verborgen geblieben, dass die Papiere nur so sicher waren wie die Bank, die dahinter stand. Das war nicht die Sparkasse, sondern eben Lehman Brothers. Dabei muss man nicht lange mit Müller reden, um zu merken, dass sie bis heute nicht genau weiß, was das für Papiere waren und wie so ein Zertifikat funktioniert. Geschweige denn, was ein Emittentenrisiko ist. »Dann hat das Gericht noch gesagt: Ich hätte ja genug verdient, um den Verlust verkraften zu können.« Für sie klingt das wie Hohn. Viele Anlegeranwälte kennen solche Richtersätze und ärgern sich genauso darüber.

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Haftung

Grundsätzlich haften Banken bei Falschberatung; sie haben die Pflicht, Kunden  angemessen zu beraten. Was das allerdings  konkret bedeutet,  darüber gibt es im Einzelfall immer wieder Streit. Offen ist bei  Bankprodukten auch die Frage: Was geschieht nach dem Verkauf? Ist ein Berater zum  Beispiel verpflichtet,  einen Kunden zu warnen, wenn er erfährt, dass das Risiko eines Papiers gestiegen ist?

Denn eines haben Anleger hierzulande längst nicht: Eine faire 50:50-Chance, wenn sie gegen Banken vor Gericht ziehen. »Man sollte meinen, dass Gerichte eher gegen Banken entscheiden, bei allem, was die angerichtet haben«, sagt Rechtsanwalt Andreas Tilp, Experte für Kapitalmarktrecht, »in der Beratungshaftung kann ich das aber nicht bestätigen.« Der Berliner Professor für Wirtschaftsrecht Hans-Peter Schwintowski sieht es ähnlich: »Naturwissenschaftlich gesehen, müssten die Prozesse etwa halbe-halbe ausgehen, aber von einer Gleichverteilung kann keine Rede sein. Richter haben ein sehr starkes Verständnis für die Anbieter – aber kaum für die Kunden und deren Schutzbedürftigkeit. Das wundert mich sehr.«

Dabei ist inzwischen vieles publik geworden. Darüber, wie Banken Produkte entwickeln – so komplex, dass selbst Bankvorstände sagen, dass sie die Konstrukte und deren Risiken kaum noch verstehen. Und darüber, wie Bankberater diese Produkte an die Kunden weiterverkaufen – auf Provision komm raus und ohne Rücksicht auf Verluste. Das war nicht nur bei Lehman-Zertifikaten so, sondern auch bei Medienfonds, Schrottimmobilien und vielen anderen Geldanlagen. Deshalb fordern Anlegerschützer und Verbraucherminister vehement mehr Schutz für die Kunden. »Dass wir zigtausend Fälle haben, in denen Geschädigte vor Gericht ziehen, kann ja kein Zufall sein«, sagt Rechtsanwalt und Aktionärsschützer Klaus Nieding. Jüngster Versuch, Fehlberatungen entgegenzuwirken, ist das Anlegerschutzgesetz, das derzeit im Bundestag beraten wird, etwa leicht verständliche Informationsblätter vorsieht und zuletzt wegen der Idee verdeckter Kontrollen mittels Testkunden für Wirbel sorgte.

Allein, Einfluss in dem Sinne, dass auch die Rechtsprechung anlegerfreundlicher wird und Banken in Haftung genommen werden, hat all das nicht. »Viele Richter sind damit beschäftigt, Anlegerklagen so schnell wie möglich vom Tisch zu wischen, weil sie einen ganzen Schwall von Klagen auf dem Tisch haben«, beobachtet Kapitalanlagerechtsanwalt Peter Mattil. »Für viele sind Anleger wie Schmeißfliegen und einfach nur lästig.« Dass Anlegerklagen mehr Mühe machen, weil sie vor Zahlen und Fachbegriffen nur so strotzen und sich um Wertpapiere drehen, von denen viele Richter selbst nichts verstehen, fördert die Motivation der Juristen nicht gerade. Jedenfalls bei vielen Amts- und Landgerichten. »Mit den Urteilen der ersten Instanz braucht man sich gar nicht aufzuhalten«, sagt Mattil deshalb, »bis zum Oberlandesgericht müssen Anleger auf jeden Fall durchhalten.« Dann erst stiegen ihre Chancen, ein faires Urteil zu bekommen.

Besser noch, sie klagen bis zum Bundesgerichtshof (BGH). Dieser hat jüngst häufiger Urteile gefällt, die Anlegern klar recht geben. Sei es zur Offenlegung von Provisionen. Zu längeren Verjährungsfristen, die beim Kauf von Finanzprodukten gelten. Oder zu Risikohinweisen, die ein Berater unabhängig vom Prospekt auch mündlich geben muss. Anlegeranwälte feierten das als Watsche für die Finanzbranche.

An diesen »Rüffelurteilen« orientieren sich zunehmend Richter an den Oberlandesgerichten (OLGs). Dennoch »sind divergierende Auffassungen bei OLGs eher üblich«, sagt der Rechtswissenschaftler Mathias Habersack, Vorstand der Bankrechtlichen Vereinigung. Gerade die Frage, ob eine Bank haften muss, wenn sie einen Kunden nicht über Risiken aufgeklärt hat, beantworten viele OLGs noch immer mit Nein. Habersack findet das »schon richtig so. Man kann dem Kunden kein Rundum-sorglos-Paket geben. Wir sehen keinen Grund, dem Anleger die Risiken, die er sehenden Auges übernommen hat, hinterher wieder abzunehmen, wenn die Anlage schlecht läuft.«

Ob die Kunden jedoch nur ansatzweise durchschauen, welche Risiken sie sich ins Depot holen, bezweifeln diejenigen stark, die Hunderte solcher Fälle kennen. Zum Beispiel Daniela Bergdolt von der Arbeitsgemeinschaft Bank- und Kapitalmarktrecht des Deutschen Anwaltsvereins: Sie vertritt einen 82-jährigen Mann, dem eine Großbank geschlossene Fonds verkaufte, von denen der erste fällig wird, wenn der Kunde 95 Jahre alt ist, und der letzte, wenn er 105 Jahre alt ist. »Das sind keine Einzelfälle, da steckt System dahinter«, sagt auch Nieding, der einen 96-Jährigen betreut, der ein Lehman-Zertifikat mit fünfjähriger Laufzeit bekam: »Wenn Sie mit Jopi Heesters verwandt sind, dann erleben Sie solche Laufzeiten vielleicht noch.«

Die meisten Anlegeranwälte sind wie Nieding überzeugt: »Die Banken machen die Produkte bewusst so schwierig, dass sie kein Anleger mehr versteht. Er hört nur, dass der Berater sagt, das Papier sei total sicher.« Viele Käufer von Lehman-Papieren waren älter als 70 Jahre und hatten meist nur Festgeld. Eine Initiative von Geschädigten will belegen, dass es Zielgruppenvorgaben gegeben hat, die Papiere gezielt Älteren aufzuschwatzen.

Noch immer tun sich aber Geschädigte vor Gericht extrem schwer, nachzuweisen, dass sie falsch beraten oder getäuscht worden sind. Nicht etwa die Bank muss nachweisen, dass ihr Personal die gesetzlichen Beratungspflichten erfüllt hat. Stattdessen muss der Kunde zeigen, dass der Banker nicht alles gesagt hat – was ohne Zeugen schwer ist.

Dabei nehmen die Banken nicht nur wohlwollend hin, dass viele Anleger Verfahren in den unteren Instanzen verlieren. Sie kalkulieren regelrecht damit – das zumindest werfen ihnen Kritiker vor: »Sie konstruieren Problemprodukte, weil sie wissen, dass nur wenige Kunden klagen. Das rechnet sich für sie trotzdem«, wettert Mattil. Auf jede neue Produktwelle folge wenige Jahre später eine Klagewelle. Die wenigsten Fälle landen dabei vorm BGH: Schon bei 20.000 Euro Anlagesumme kostet ein Prozess durch zwei Instanzen leicht 10.000 Euro, in Einzelfällen auch einmal bis zu 15.000 Euro. Daher geben Anleger oft früh klein bei. Und ihre Anwälte versuchen, hinter den Kulissen einen Vergleich zu erstreiten, der ihnen wenigstens einen Teil des Geldes zurückbringt. Da lenken auch die Banken gern ein, ersparen sie sich doch die Gefahr negativer Presse, sollten sie einmal verlieren.

Jurist Schwintowski ärgert diese Praxis. Er würde sich wünschen, dass die Gerichte deutlicher aufzeigen, dass Banken mehr Verantwortung für ihre Produkte übernehmen müssen und das Risiko nicht ständig auf den Anleger abgewälzt werden kann.

Ilse Müller wird weiter klagen. Sie will sehen, ob sie ihr Geld zurückbekommt.

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Leserkommentare
    • 8ende8
    • 29. Januar 2011 20:36 Uhr

    lieben leicht erfassbare Vorgänge (z.B Entwendung eines Kassenbons)und die Partei, die finanziell besser gestellt ist, und somit durch ihre Rechtsanwälte mit mehr Arbeit drohen.

    Komplexe Sachverhalte geistig zu durchdringen ist mühsam und offenbar für manche Richter schlicht überfordernd.

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    • matbhm
    • 29. Januar 2011 21:02 Uhr

    und kann sagen: Wer geht schon nicht am liebsten den Weg des geringsten Widerstandes? Allerdings: Ihre Ironie ist völlig verfehlt und ein Stammtischvereinfachung! Richtig allerdings ist, dass für viele Sachverhalte Richter überhaupt nicht die nötige Ausbildung haben. Das Grundproblem ist doch schon, dass es kaum einen Richter gibt, der auch nur eine Bilanz lesen kann. Selbst wenn er einen Sachverständigen beauftragt, besteht ja immer noch das Problem, dass der Richter die Ausführungen des Sachverständigen verstehen muss. Ich habe diesen Umstand schon immer beklagt. Der Unfug, für den Mal wieder vorrangig die Politik verantwortlich ist: Die Annahme des Universaljuristen! Diesen Blödsinn vertreten darüber hinaus leider auch die Justizverwaltungen. Auf Anwaltsseite haben wir hochgradige Spezialisten, die über das für den konkreten Fall vom Richter auf die Schnelle vorbereitete Fallwissen im Stillen schallend lachen. Selbst wenn ich als Richter über Kommentarliteratur mir die Rechtsprobleme erarbeite, bleiben sie abstrakt. Nehmen wir nur Insolvenzverfahren. Die Richter haben doch, anders als die Anwälte aus den Insolvenzverwalterbüros, über den tatsächlichen Ablauf einer Insolvenz keine Ahnung. Sie können keine Bilanzen lesen. Und dasselbe Problem besteht doch gerade auch bei den ganzen Bank- und Finanzgeschäften. Und deswegen gilt es, die Akten möglichst schnell wegzudrücken. Schnell ein Urteil, alles weitere in der nächsten Instanz. OLG und BGH werden's im Zweifelsfall richten.

    • matbhm
    • 29. Januar 2011 21:09 Uhr

    Dasselbe gilt doch auch für den Strafrechtsbereich. Das ist doch der Hauptgrund für die Deals und geringen Strafen im Bereich der Wirtschaftskriminalität (neben den ohnehin bestehenden Beweisschwierigkeiten).

    Man muss sich einfach vom Richter als Universaljuristen verabschieden. Man muss für besondere Problembereich einfach bundesweit einige wenige Gerichte schaffen, die sich nur mit einem bestimmten Rechtsbereich befassen und wo Richter sitzen, die vor Aufnahme ihrer Tätigkeit eine volle betriebswirtschaftliche Ausbildung erhalten - und dann auch qualifikationsgerecht anders vergütet werden. So mag man eben bundesweit drei Gerichte einrichten, die nichts anderes als Bank- und Finanzsachen machen, drei oder vier weitere, die nichts anderes als Insolvenzsachen machen. Dasselbe gilt für Wirtschaftsstrafsachen. Nur wird dies alles an den Eitelkeiten der Justizverwaltungen, an den Eitelkeiten der Präsidenten der einzelnen Gerichte, an den Eitelkeiten der Bundesländer scheitern.

    Und noch etwas: Wer wie selbstverständlich seit Jahrzehnten so genannte Mangelpensen führt mit der Begründung, ein Richter kann nach entsprechender Erhebung im Jahr im Durchschnitt soundsoviele Verfahren bearbeiten (=100 %). Weil aber nicht genügend Geld da ist, um hinreichend Richter einzustellen, lassen wir die Richter über Jahre hinweg mit 150 % arbeiten, der darf sich dann über die Verfahrensdauer, die Qualität der Entscheidung und schlecht gelaunte Richter im Gerichtssaal nicht aufregen!

    • matbhm
    • 29. Januar 2011 21:02 Uhr

    und kann sagen: Wer geht schon nicht am liebsten den Weg des geringsten Widerstandes? Allerdings: Ihre Ironie ist völlig verfehlt und ein Stammtischvereinfachung! Richtig allerdings ist, dass für viele Sachverhalte Richter überhaupt nicht die nötige Ausbildung haben. Das Grundproblem ist doch schon, dass es kaum einen Richter gibt, der auch nur eine Bilanz lesen kann. Selbst wenn er einen Sachverständigen beauftragt, besteht ja immer noch das Problem, dass der Richter die Ausführungen des Sachverständigen verstehen muss. Ich habe diesen Umstand schon immer beklagt. Der Unfug, für den Mal wieder vorrangig die Politik verantwortlich ist: Die Annahme des Universaljuristen! Diesen Blödsinn vertreten darüber hinaus leider auch die Justizverwaltungen. Auf Anwaltsseite haben wir hochgradige Spezialisten, die über das für den konkreten Fall vom Richter auf die Schnelle vorbereitete Fallwissen im Stillen schallend lachen. Selbst wenn ich als Richter über Kommentarliteratur mir die Rechtsprobleme erarbeite, bleiben sie abstrakt. Nehmen wir nur Insolvenzverfahren. Die Richter haben doch, anders als die Anwälte aus den Insolvenzverwalterbüros, über den tatsächlichen Ablauf einer Insolvenz keine Ahnung. Sie können keine Bilanzen lesen. Und dasselbe Problem besteht doch gerade auch bei den ganzen Bank- und Finanzgeschäften. Und deswegen gilt es, die Akten möglichst schnell wegzudrücken. Schnell ein Urteil, alles weitere in der nächsten Instanz. OLG und BGH werden's im Zweifelsfall richten.

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "Richter"
    • matbhm
    • 29. Januar 2011 21:09 Uhr

    Dasselbe gilt doch auch für den Strafrechtsbereich. Das ist doch der Hauptgrund für die Deals und geringen Strafen im Bereich der Wirtschaftskriminalität (neben den ohnehin bestehenden Beweisschwierigkeiten).

    Man muss sich einfach vom Richter als Universaljuristen verabschieden. Man muss für besondere Problembereich einfach bundesweit einige wenige Gerichte schaffen, die sich nur mit einem bestimmten Rechtsbereich befassen und wo Richter sitzen, die vor Aufnahme ihrer Tätigkeit eine volle betriebswirtschaftliche Ausbildung erhalten - und dann auch qualifikationsgerecht anders vergütet werden. So mag man eben bundesweit drei Gerichte einrichten, die nichts anderes als Bank- und Finanzsachen machen, drei oder vier weitere, die nichts anderes als Insolvenzsachen machen. Dasselbe gilt für Wirtschaftsstrafsachen. Nur wird dies alles an den Eitelkeiten der Justizverwaltungen, an den Eitelkeiten der Präsidenten der einzelnen Gerichte, an den Eitelkeiten der Bundesländer scheitern.

    Und noch etwas: Wer wie selbstverständlich seit Jahrzehnten so genannte Mangelpensen führt mit der Begründung, ein Richter kann nach entsprechender Erhebung im Jahr im Durchschnitt soundsoviele Verfahren bearbeiten (=100 %). Weil aber nicht genügend Geld da ist, um hinreichend Richter einzustellen, lassen wir die Richter über Jahre hinweg mit 150 % arbeiten, der darf sich dann über die Verfahrensdauer, die Qualität der Entscheidung und schlecht gelaunte Richter im Gerichtssaal nicht aufregen!

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Richter"
    • gquell
    • 30. Januar 2011 1:10 Uhr

    Meine Frau wurde auch in einem ähnlichen Fall von einem Richter und dem Anwalt der Sparkasse regelrecht über den Tisch gezogen. Wir mußten die Erfahrung machen, daß, in unserem Fall ein Amtsrichter, alle Argumente unsererseits ignoriert wurden, ja es wurde meiner Frau sogar mit einem Strafverfahren gedroht. Dummerweise mußten sie sich aus Kostengründen selbst vertreten. Jetzt kommen zum Verlust auch noch die Gerichts- und Anwaltskosten.
    Ich vertraue diesem Rechtsstaat und seinen Gerichten schon lange nicht mehr. Wir leben im Grunde in einem Feudalstaat, wo die Feudalherren durch die Mächtigen ersetzt sind. Ich frage mich manchmal, ob die Richter, die solche Urteile sprechen, überhaupt noch einen Funken von Anstand haben. Oder sind sie inzwischen so weit abgestumpft, daß sie lieber nach dem Geldbeutel entscheiden?
    Und das Argument, daß die Richter überlastet sind, zählt meiner Ansicht nach nicht. Wenn sich die Richter nämlich entscheiden würden, vermehrt zu Gunsten der Benachteiligten zu entscheiden und dieses mit der zu großen Belastung begründen würden, dann wäre wahrscheinlich in kürzester Zeit genug Geld für eine faire Justiz da.
    Solange aber aus Faulheit zu Lasten der Schwächeren geurteilt wird, haben die Stärkeren keinen Grund, für eine bessere Justiz zu sorgen.

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    • matbhm
    • 30. Januar 2011 2:42 Uhr

    [...] Nirgends sitzen so viele Rechthaber wie unter den streitenden Parteien in deutschen Gerichtssälen. Haben Sie Mal darüber nachgedacht, dass Ihre Argumente möglicherweise rechtlich nicht stichhaltig waren? Da haben sie im Saal zwei Parteien sitzen, die selbstverständlich nur eins wollen: Gerechtigkeit! Und die heißt natürlich, dass sie Recht bekommen. Der Kläger hält es für ausnahmslos gerecht, wenn der Beklagte verurteilt wird, der Beklagte hält es für ausnahmslos gerecht, wenn die Klage abgewiesen wird. Und da haben wir schon Mal das Problem: Im Saal "zwei Gerechtigkeiten"! Und der Richter sagt dann, dass der Kläger einen Teil seiner Forderung bekommt, wegen des Restes die Klage abgewiesen wird. Da haben wir dann die 3. Gerechtigkeit. Und dann die Berufungsinstanz angerufen wird, die behauptet, der Kläger bekommt ein bischen weniger als durch das Vordergericht zuerkannt, dann haben wir die 4. Gerechtigkeit. Im Ergebnis sind beide Parteien beleidigt und der festen Überzeugung, dass die Justiz strunzdoof ist.

    [...] Kein Richter macht sich mit einem der Anwälte einer Partei gemein! Und ihr Hinweis, ihre Ehefrau hätte sich aus Kostengründen ohne Anwalt selbst verteidigen müssen, ist vor dem Hintergrund der Prozesskostenhilfe schlicht grober Unfug.
    Bitte achten Sie auf einen sachlichen und höflichen Diskussionston. Danke. Die Redaktion/lv

    • matbhm
    • 30. Januar 2011 2:45 Uhr

    Der Umstand, dass Ihr Rechtsstreit vor dem Amtsgericht geführt wurde, spricht schon Mal dagegen, dass es um eine komplexe Bankhaftungssache gegangen sein kann. Und mit den kleinen Bankgeschäften kommt auch jeder Richter, auch der Amtsrichter, klar. Im Übrigen gilt: Es wird kaum Richter geben, die nicht einräumen, auch Fehler zu machen. Deswegen wird die Justiz noch längst nicht zur Feudaljustiz. [...]
    Bitte achten Sie auf einen höflichen Umgangston. Danke. Die Redaktion/lv

    • matbhm
    • 30. Januar 2011 2:42 Uhr
    5. [...]

    [...] Nirgends sitzen so viele Rechthaber wie unter den streitenden Parteien in deutschen Gerichtssälen. Haben Sie Mal darüber nachgedacht, dass Ihre Argumente möglicherweise rechtlich nicht stichhaltig waren? Da haben sie im Saal zwei Parteien sitzen, die selbstverständlich nur eins wollen: Gerechtigkeit! Und die heißt natürlich, dass sie Recht bekommen. Der Kläger hält es für ausnahmslos gerecht, wenn der Beklagte verurteilt wird, der Beklagte hält es für ausnahmslos gerecht, wenn die Klage abgewiesen wird. Und da haben wir schon Mal das Problem: Im Saal "zwei Gerechtigkeiten"! Und der Richter sagt dann, dass der Kläger einen Teil seiner Forderung bekommt, wegen des Restes die Klage abgewiesen wird. Da haben wir dann die 3. Gerechtigkeit. Und dann die Berufungsinstanz angerufen wird, die behauptet, der Kläger bekommt ein bischen weniger als durch das Vordergericht zuerkannt, dann haben wir die 4. Gerechtigkeit. Im Ergebnis sind beide Parteien beleidigt und der festen Überzeugung, dass die Justiz strunzdoof ist.

    [...] Kein Richter macht sich mit einem der Anwälte einer Partei gemein! Und ihr Hinweis, ihre Ehefrau hätte sich aus Kostengründen ohne Anwalt selbst verteidigen müssen, ist vor dem Hintergrund der Prozesskostenhilfe schlicht grober Unfug.
    Bitte achten Sie auf einen sachlichen und höflichen Diskussionston. Danke. Die Redaktion/lv

    Antwort auf "Heute üblich"
    • matbhm
    • 30. Januar 2011 2:45 Uhr

    Der Umstand, dass Ihr Rechtsstreit vor dem Amtsgericht geführt wurde, spricht schon Mal dagegen, dass es um eine komplexe Bankhaftungssache gegangen sein kann. Und mit den kleinen Bankgeschäften kommt auch jeder Richter, auch der Amtsrichter, klar. Im Übrigen gilt: Es wird kaum Richter geben, die nicht einräumen, auch Fehler zu machen. Deswegen wird die Justiz noch längst nicht zur Feudaljustiz. [...]
    Bitte achten Sie auf einen höflichen Umgangston. Danke. Die Redaktion/lv

    Antwort auf "Heute üblich"
  1. ...sind für mich ein ganz ganz heisses Eisen. Diese Leute möchte ich noch nicht einmal mit einer Zange anfassen. Man trifft dort keinen einzigen Berater sondern nur Verkäufer. Sie arbeiten nach dem Motto: "Man muss den ahnungslosen Kunden so schnell und skrupellos über den Tisch ziehen, dass er die Reibungsenergie als Nestwärme empfindet." Ohne entsprechendes Spezialstudium sollte man sich niemals mit solchen Leuten einlassen, man zieht immer den Kürzeren. Das gilt übrigens auch für Richter die davon leider auch keine Ahnung haben.

    • Neroll
    • 22. April 2011 11:10 Uhr

    Zunaechst einmal halte ich die Idee, die oben geaeussert wurde bezueglich eines Wirtschafts - und Finanzgerichts fuer interessant. Man bedenke die ganzen Prozesskosten, die gespart wuerden, wenn das oben geschilderte "durchwinken" zu hoeheren Gerichten entfiele. An welcher Stelle kann man ein solches Projekt anstossen, hoert sich doch nach einer guten Idee an?

    Weiterhin: Bei all den Artikeln dieser Art "Arbeitslose Frau XY hat ihre Altersvorsorge verloren etc." habe ich schon teilweise Mitleid, die schicksale sind hart, keine Frage.

    ABER: Warum wird dem Bankkunden in diesem Fall jede Eigenverantwortung abgesprochen? Google und Co sind nah, dass geschlossene Fonds oder Zertifikatgeschaefte auf amerikanische Immobilien u. U. riskant sind kann man schnell verstehen. Auch ueber geschlossene Fonds und deren Nachteile (weitgehend illiquide Handelsmoeglichkeiten, Intransparaenz) finden sich zehntausende Quellen im Internet.

    Als jemand, der seine Finanzanlagen komplett ohne Beratung verwaltet, kann ich nicht nachvollziehen was "unwissende" dazu treibt Geschaefte einzugehen deren Risiko sie nicht annaehernd einschaetzen koennen (Medienfonds!). Dieser Drang nach exotischen und komplexen Anlagen scheint sehr ausgepraegt zu sein (Indonesische small-cap Short Aktienfonds und andere Spaesse..)

    Was spricht denn dagegen einfach zu verstehende Aktien (ohne Instrumenten Brimborium aka. Derivate/Fonds/Optionen) von namenhaften Unternehmen oder ETFs auf stabile Industrieindizes zu erwerben?

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