ArbeitsbedingungenZu Deppen gemacht

Es wird Zeit, die Bankberater vor ihren eigenen Arbeitgebern zu schützen. von 

Bankberater war früher mal ein angesehener Beruf. Man interessierte sich für die Lebensumstände seiner Kunden und entwickelte gemeinsam mit ihnen ein passendes Konzept zur Geldanlage. Heute haben Bankberater ein ähnliches Image wie Gebrauchtwagenhändler. Und das liegt oft auch daran, dass ihre Arbeitgeber sie zu Deppen machen.

Die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung hat nun eine Studie über die Arbeitsbedingungen der Berater veröffentlicht. Der Job muss die Hölle sein. Berater hätten heute »fast keine Spielräume bei ihrer Arbeit« mehr, sondern würden zu Verkaufsmaschinen degradiert, »klare Mengenvorgaben« und »permanente Kontrolle« inklusive. Das gehe teils so weit, »dass jeder zweite Kundenkontakt zu einem Abschluss führen soll oder eine Beratung nicht länger als 30 Minuten dauern darf«. Wie? Egal. Interessen des Kunden? Auch egal. Kritik? Unerwünscht.

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Interessant sind in dieser Hinsicht Pläne der Bundesregierung. Ihnen zufolge sollen die rund 300.000 Bankberater im Land bald in einer zentralen Datenbank registriert werden. Die staatliche Finanzaufsicht BaFin will so unter anderem erfahren, wann und wie oft sich Kunden wegen schlechter Beratung über ihre Berater beschweren.

Eigentlich eine gute Idee, aber wieder sind die Berater die Dummen. Die Mehrzahl von ihnen dürfte ihren Beruf einmal gewählt haben, um für Kunden die besten Finanzprodukte zu finden. Jetzt kommt die Datenbank. Und mit ihr wird schlechte Beratung, die – wie die Böckler-Studie beweist – oft die Folge von systematischen Zwängen innerhalb einer Bank ist, zum persönlichen Versagen erklärt. Unausgesprochen bleibt der Vorwurf an den Einzelnen: Man hätte ja auch anders handeln können. Kein Wort davon, dass man seine »Zielvorgaben« dann niemals erreicht hätte.

Es heißt, die Banken hätten sich lange gegen die Datenbank gewehrt, weil sie zu bürokratisch sei. Gegen den Verkaufsdruck haben sie nichts. Ich hätte nie gedacht, dass ich mich mal fragen würde, wer eigentlich die Bankberater vor ihren Arbeitgebern schützt.

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Leserkommentare
  1. So, die Bankberater werden zu Deppen gemacht.
    Na ja, danach die Kunden. . . .

    • isualK
    • 31. Januar 2011 20:49 Uhr

    "Heute haben Bankberater ein ähnliches Image wie Gebrauchtwagenhändler."

    Das ist ja wohl eine starke Beleidigung der Gebrauchtwagehändler. Die haben kaum eine Chance, wie Bankberater mit ihren Kunden umzuspringen, denn da gibt es verdammt starke gesetzliche Regelungen, die die Politik dieser Berufsgruppe auferlegt hat. Ich verweise nur auf die Garantiebedingungen.

    Dagegen sind Banken - zumindest in meinen Augen - eher so etwas, wie Verbrecherorganisationen mit mafiösen Strukturen, deren Berater wie Drückerkolonnen agieren.

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    Banken und Versicherungen sind für mich ein ganz ganz heisses Eisen geworden. Diese Leute möchte ich noch nicht einmal mit einer Zange anfassen. Man trifft dort keinen einzigen Berater sondern nur Verkäufer nach Drückerkolonnenmanier. Sie arbeiten nach dem Motto: "Man muss den ahnungslosen Kunden so schnell und skrupellos über den Tisch ziehen, dass er die Reibungsenergie als Nestwärme empfindet." Ohne entsprechendes Spezialstudium sollte man sich niemals mit solchen Leuten einlassen, man zieht immer den Kürzeren.

  2. Bitte verzichten Sie auf Pauschalisierungen und argumentieren Sie differenziert. Danke, die Redaktion/fk.

  3. Das Pyramidensystem der Finanzwirtschaft steht vor dem Kollaps. Da wird eben Druck von Oben nach Unten ausgeuebt, um auch noch den letzten Cent aus diesem betrueherischem System heraus zu holen. Die armen Wuerstchen haben keine Wahl: Entweder dem unwissenden Kunden das durch reale Arbeit Ersparte aus den Rippen zu leiern, oder sich auf Hartz 4 einzurichten. Es wird hoechste Zeit, dass dieser ganze Wahnsinn endlich ein Ende findet und auch der Letze kapiert, dass dieses System ein gigantischer Betrug an jedem von uns ist.

  4. och, mir kommen gleich die Tränen, da fühlen sich Bankberater missverstanden, ja sogar angefeindet von Normalbürgern, dabei wird nur das ausgesprochen, was endlich begriffen ist, dass diese Berufsgruppe so seriös ist wie ein Löwe zum Zebra ist. Nicht nur, dass man deren arrogante Gesten wie Rhetorik ertragen muss, nein die verdienen aus der Tatsache, dass jeder Bürger ein Konto haben muss schon ihre Brötchen, natürlicherweise zahlen die Geringverdiener die Gebühren, die den Gutverdienenden mästet.

    • ZDFchen
    • 31. Januar 2011 21:30 Uhr

    Wer einen Kunden nicht innerhalb von 30 Minuten von seiner Seriosität überzeugt hat, der wird es niemals schaffen.

    Merke: Es sind Monster, die die Zeit verkürzen.

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    Ein Banker - genauer gesagt eine "Wealthmanager" sollte folgende Dinge können:

    ad 1: ein neuronales Netz aufspannen, auch wenn er nicht weiss was das ist.

    ad 2: den Kunden beruhigen, dass das aufgespannte neuronale Netz funktionitert (tut es immer, egal wie schlacht es ist).

    ad 3: dem Kunden erklären das auch mit statistischen Methoden einiges zu machen ist (wenn auch nicht alles, eine Traumfrau lässt sich zwar berechnen aber nicht realisieren).

    ad 4: den Anleger davon überzeugen, dass er sein Schicksal selbst in die Hand nehmen möge, auf dass die Erträge des "Wealthmanagers" ertragreich seien.

    ad 5: Er - der Wealthmanager - wie Goethe sei, auf das die letzte Flasche Wein in der Dunkelheit mit dem Ausspruch eröffnete werde: "Es werde Licht".

    • setter
    • 31. Januar 2011 21:34 Uhr

    z.B. Steuerberater und Rechtsanwälte (und deren Beratung ist nicht umsonst) und es gibt Berater, die eigentlich was verkaufen wollen, wie Bankberater, Versicherungsberater, Berater im Reisebüro, viele Energieberater. Letzte Gruppe verlangt zwar nichts für ihre Beratung, strebt aber den Verkauf eines ihrer Produkte an. Von solch einem Berater zu verlangen, dass er das Bestmöglichste für einen Kunden heraussucht oder ihm auch ehrlich sagt "Das richtig für Sie Passende kann ich Ihnen nicht bieten" ist wohl etwas unangemessen. Wenn der Kunde bei den heutigen Möglichkeiten der Suche und Information im Internet, sich die Art seiner Geldanlage oder seine Reise selbst im Internet aussucht und nur noch zum Abschluss /zur Buchung und wegen spezieller Fragen zu seinem Berater geht, gibt es weniger Enttäuschungen im Nachhinein.

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    • frank62
    • 31. Januar 2011 21:45 Uhr

    "Versicherungsberater": Anders als der Versicherungsvertreter oder -makler hat der Versicherungsberater kein Verkaufsinteresse, sondern berät gegen Gebühr. Der Kunde kauft sich damit den Vorteil ein, dass der "Berater" ein Beraterhonorar verdient, das ihn unabhängig vom Zwang zum Verkauf von Versicherungspolicen macht. Im Gegenteil, dem Versicherungsberater (muss gesetzlich zugelassen werden) ist untersagt, zu verkaufen. Diesen Beratertyp müssen wir also den RAe´s und StB´s zuordnen.

    Aber natürlich haben Sie mit den anderen Beispielen und mit dem, was Sie ausdrücken wollten, absolut Recht.

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  • Schlagworte Bundesregierung | Arbeitgeber | BaFin | Bank | Geldanlage | Hans-Böckler-Stiftung
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