Ein Wanderer steht im Nationalpark Sächsische Schweiz nahe Rathen auf einem Sandsteinfelsen. Hier veranstaltet Michael Unger Survivalkurse © Matthias Hiekel dpa/lsn

DIE ZEIT: Herr Unger, rund sieben Millionen Zuschauer verfolgen derzeit jeden Abend die RTL-Dschungel-Show Ich bin ein Star, holt mich hier raus . Sie selbst arbeiten seit fast 20 Jahren als Aktiv-Reiseveranstalter in Mittelsachsen und bieten auch Survival-Training an. Muss man sich wirklich von Schaben und Würmern ernähren, wenn man der Zivilisation den Rücken kehrt?

Michael Unger: Nein, das ist natürlich Blödsinn. Wir essen definitiv keine Würmer. Wer das ausprobieren will, kann das ja für sich machen: in den Garten gehen, ein paar Regenwürmer ausgraben, sich eine Sternchensuppe kochen und die Würmer mit in den Topf schmeißen. Dann wird er merken: Davon stirbt man zwar nicht, aber es schmeckt ein bisschen eigenartig.

ZEIT: Was gibt es in Ihren Survival-Camps zu essen? Was gibt der Wald freiwillig her?

Unger: Bei uns geht es ja um etwas anderes. Wir wollen Fertigkeiten zum Überleben vermitteln.

ZEIT: Da gehört Essen aber auch dazu.

Unger: Was das betrifft, behelfen wir uns mit Gedankenexperimenten. Unser Camp liegt im Nationalpark Sächsische Schweiz, sehr idyllisch an einem kleinen Teich gelegen. Bis zum nächsten Hotel sind es etwa zehn Kilometer – das sind andere Voraussetzungen als in der Wildnis.

ZEIT: Und wie sehen diese Experimente aus?

Unger: Wir stellen uns zum Beispiel vor, dass wir mit unserer Falle ein Karnickel gefangen haben. Dann fragen wir uns: Wie geht’s jetzt weiter?

ZEIT: Aber eigentlich haben Sie kein Karnickel?

Unger: Doch, aber das hab ich vorher beim Züchter besorgt. Wir schlachten es dann zusammen und bereiten es zu. Die Teilnahme ist natürlich freiwillig. Es gibt ja auch Vegetarier.

ZEIT: Was machen die so lange?

Unger: Für die haben wir verschiedene Getreidesorten dabei, die wir auf einem alten Blech über dem Feuer rösten. Dann werden die Körner mit einem Stein gemahlen, und daraus machen wir eine Art Fladenbrot. Einen Teil davon kann man auch weiterrösten und daraus am nächsten Morgen einen Getreidekaffee kochen. Der schmeckt gar nicht übel.

ZEIT: Wenn wir mal ehrlich sind, ist es in Europa bis zur nächsten Siedlung allerdings selten wirklich weit. Was für Menschen interessieren sich überhaupt für Ihre Workshops?

Unger: Zum einen sind das Leute, die unsere Kurse als Reisevorbereitung nutzen, wenn sie extremere Touren vorhaben – drei Wochen Kanufahren in Kanada oder Schweden, Bergwanderer, Mountainbiker. Da kann es ja passieren, dass man mal in eine missliche Lage kommt und eine Nacht im Freien verbringen muss. Aber erfolgreich sind auch unsere Angebote für Schulklassen, mit Outdoor-Erlebnis.