Pendler: Ich Kilometermillionär
Mobilität ist ein Fluch. Erfahrungen eines Pendlers zwischen Bremen und Hamburg.
Wenn mein letztes Stündlein schlägt, werde ich es bitter bereuen: 380 komplette Tage meines Lebens, endlose 9120 Stunden werde ich nur für den Weg zur Arbeit verschwendet haben. Welch grässliche Vorstellung! Doch das dicke Ende kommt vorm Jüngsten Gericht: Gott, der oberste Öko, wird mir allein für das Pendeln zum Arbeitsplatz 28.000 Kilogramm Kohlendioxid um die Ohren hauen. Ich werde stammeln: Ich bin doch ein Guter, bin immer nur Bahn gefahren! Es wird mir nichts helfen, ich werde im Fegefeuer landen.
Uns Pendlern begegnet man morgens um sieben auf den Einfallstraßen der Großstädte im Stau. An den Bahnhöfen, wenn wir mit grauen, zerknitterten Gesichtern aus S-Bahnen und Regionalzügen quellen. Montags und freitags trifft man uns mit Rollköfferchen auf ICE-Bahnhöfen und Flughäfen an, als Wochenendpendler und Teil einer Fernbeziehung. Schon unsere Kinder üben sich früh – ob als von der Bahnhofsmission begleitete »Kids on Tour« unterwegs zum getrennten Elternteil oder als Privatschüler, die täglich zur Waldorfschule chauffiert werden.
1,5 Millionen berufstätige Deutsche pendeln laut Statistischem Bundesamt mindestens dreimal pro Woche über eine Stunde lang zum Arbeitsplatz und zählen damit zu den »Fernpendlern«. 60 Prozent nutzen ihre CO₂-Schleuder. Nur ein verschwindend kleiner Teil davon bildet ökonomisch und ökologisch vernünftige Fahrgemeinschaften. Der Rest benutzt die Bahn. Oder das Flugzeug. Einer der extremsten deutschen Pendler ist ein Helgoländer Unternehmer, der bis zu dreimal pro Woche zwischen Köln und der Insel mit seiner Cessna hin- und herfliegt.
350 Euro monatlich kostet das Hin und Her zwischen Wohnort und Arbeitsstätte
Sosehr sich die Pendler unterscheiden – ein jeder bastelt sich seine private Pendelbilanz. Meine sieht so aus: 350 Euro monatlich kostet die Pendelei zwischen Bremen, wo ich wohne, und dem Büro in Hamburg. Ich nutze die »schwarze Mamba« (Harald Schmidt), die Bahncard 100 mit Flatrate fürs Gesamtnetz, mit der ich auch Dienstreisen mache. Dieses schwarze Plastikkärtchen kennzeichnet wahre Fernpendler. 35.000 hat die Bahn 2009 verkauft. Die Mobilitätsinvestition rechnet sich: Hundert warme Quadratmeter kosten mich in Bremen 900 Euro. In Hamburg dürfte ich für eine vergleichbare Wohnung mein Pendelgeld drauflegen und hätte es noch nicht warm.
Irgendwann bin ich Kilometermillionär, aber ein schlechtes Gewissen habe ich nicht. Meine Ökobilanz ist klar und übersichtlich: Was ist schon umweltfreundlicher als die Bahn?! Und sonst? Macht mir Pendeln nichts aus. Im Gegenteil. Es geht mir ein bisschen wie meinem Freund Claus, der jeden Morgen stoisch mit dem Pkw eine halbe Stunde lang im Stau steht. Er sagt: »Ich genieße das! Ich kann rauchen, ohne dass ich angemacht werde. Kann meine Musik hören ohne blöde Kommentare. Weder Kinder noch Frau wollen was von mir. Das ist die einzige Zeit am Tag, in der ich meine Ruhe habe.« In der Eisenbahn kann ich zwar nicht rauchen, aber Zeitung lesen, Texte vorbereiten oder schreiben, dösen oder schlafen.







"Auch er plädiert für die Abschaffung der Pendlerpauschale. Besser sollten mit dem Geld Umzüge subventioniert werden."
Das ist so ein Ding für Möchtegern-Grüne, die Abschaffung der Pendlerpauschale. Wie auch im Artikel ausgeführt, geht das nicht immer und ist schon gar nicht lohnend, wenn dann dafür hunderte Euro Wohngeld anfallen.
"Wo aber städtische Mieten exorbitant sind, rät Holzapfel zu Investitionen in die ländliche Infrastruktur."
Das ist ein MUSS!
Kapitalismus neigt zur Molochbildung. Jeder der mal in Asien war und die menschenfeindlichen Riesenstädte gesehen hat, weiß wovon ich spreche. Die mögen zwar auch ihren Reiz haben, für kurze Zeit, aber leben möchte man in dieser Enge, dem Lärm, dem Schmutz usw. nicht, schon gar nicht Kinder aufziehen.
Will man gute Lebensbedingungen für die Menschen, darf man nicht dem *Markt* vertrauen, sondern muss aktiv Landförderung betreiben. Die Pendlerpauschale mag dazu nicht optimal sein, aber sie ist zumindest ein Ansatz.
"Auch er plädiert für die Abschaffung der Pendlerpauschale. Besser sollten mit dem Geld Umzüge subventioniert werden."
Das wäre ein Irrsinn und ein Unsinn. Denn, "Jobs" aka "Arbeitsplätze" findet man meistens nur in Ballungszentren. Dort ballt sich - wie der Name schon sagt - alles.
Das krasse Gegenteil zu den Pendlern ist nämlich die Megametropole. Und ob die "ökonomisch" zu nennen sind...
Die einzigen, die von so einer Umzugspauschale etwas hätten sind die Vermieter und Mietwucherer, solange so etwas nicht mit gewaltigen Investitionen in die Infrastruktur von Seiten der öffentlichen Hand errr Hand in Hand gehen.
Und selbst wenn das passieren würde, hat man KEINE Garantie, dass diese städtischen "Wohngebiete" in 10 - 20 - 30 Jahren (Zeithorizont) nicht von den Menschen gescheut werden.
In Frankreich nennt man solche Gebiete nämlich *google* "Banlieue" - Platte bei uns. Und wer möchte schon in so einem "Bezirk" leben... trotz Infrastruktur und *möglichen*, nahegelegenen Arbeitsplätzen.
So, ich hoffe mal, das Ganze war nicht zu verworren und die Rechtschreibfehler halten sich in Grenzen.
Grüße.
"Auch er plädiert für die Abschaffung der Pendlerpauschale. Besser sollten mit dem Geld Umzüge subventioniert werden."
Das wäre ein Irrsinn und ein Unsinn. Denn, "Jobs" aka "Arbeitsplätze" findet man meistens nur in Ballungszentren. Dort ballt sich - wie der Name schon sagt - alles.
Das krasse Gegenteil zu den Pendlern ist nämlich die Megametropole. Und ob die "ökonomisch" zu nennen sind...
Die einzigen, die von so einer Umzugspauschale etwas hätten sind die Vermieter und Mietwucherer, solange so etwas nicht mit gewaltigen Investitionen in die Infrastruktur von Seiten der öffentlichen Hand errr Hand in Hand gehen.
Und selbst wenn das passieren würde, hat man KEINE Garantie, dass diese städtischen "Wohngebiete" in 10 - 20 - 30 Jahren (Zeithorizont) nicht von den Menschen gescheut werden.
In Frankreich nennt man solche Gebiete nämlich *google* "Banlieue" - Platte bei uns. Und wer möchte schon in so einem "Bezirk" leben... trotz Infrastruktur und *möglichen*, nahegelegenen Arbeitsplätzen.
So, ich hoffe mal, das Ganze war nicht zu verworren und die Rechtschreibfehler halten sich in Grenzen.
Grüße.
folglich auch kein Umzug in die Stadt, in der Mann/Frau z.Z. arbeitet!
Vorweg dies: ich bin für den Wegfall der Kilometerpauschale, aus genannten Gründen. Allerdings glaube ich nicht daran, dass dadurch die Pendlermentalität großartig abnimmt.
Ein Grund nicht umzuziehen, liegt in den vielfach auch bei Akademikern anzutreffenden unsicheren Beschäftigungsverhältnissen. Da kaum eine Firma ein solches für die nächsten Jahre garantieren kann, nehme ich doch nicht meine Kinder aus der Schule, verkaufe das Haus und siedle um!
Lange hat es gedauert, aber endlich scheint sich Vernunft durchzusetzen. Wer in den Speckgürtel zieht und dann erwartet, dass der Staat ihm Kindergarten und S-Bahn bis vor die Haustür baut, handelt unökologisch. Wer das Häuschen im Grünen für seine Privatangelegenheit hält, verkennt auch, dass die vielen Pendler, die täglich die Einfallstraßen verstopfen, die Lebensqualität der Städter vermindert. Es muss nicht immer Hamburg sein, in kleineren Städten sind die Mieten nicht exorbitant und der Leerstand teilweise bedrohlich. Wer hier noch den Wegzug per Pendlerpauschale fördern will, denkt und handelt unsozial.
"in kleineren Städten sind die Mieten nicht exorbitant und der Leerstand teilweise bedrohlich."
Und warum? Das ist doch der selbe Mechanismus wie die Land-Stadtflucht. In kleineren Städten gibts auch keine Jobs. Und wenn ich die Wahl habe, ob ich von einer Stadt in die andere pendele oder vom Land in die Stadt, dann ist klar was ich bevorzuge, nicht?
Und ich kann jeden verstehen, der ein bisschen grün um sich will und jeden der sich kein Wohneigentum in der (großen) Stadt leisten kann. Und in Wohneigentum zu investieren, halte ich für ein Grundrecht. Niemand sollte gezwungen sein in ständiger Abhängigkeit Mietzinsen für irgendwelchen Vermieter zu zahlen, die günstig geerbet haben.
"in kleineren Städten sind die Mieten nicht exorbitant und der Leerstand teilweise bedrohlich."
Und warum? Das ist doch der selbe Mechanismus wie die Land-Stadtflucht. In kleineren Städten gibts auch keine Jobs. Und wenn ich die Wahl habe, ob ich von einer Stadt in die andere pendele oder vom Land in die Stadt, dann ist klar was ich bevorzuge, nicht?
Und ich kann jeden verstehen, der ein bisschen grün um sich will und jeden der sich kein Wohneigentum in der (großen) Stadt leisten kann. Und in Wohneigentum zu investieren, halte ich für ein Grundrecht. Niemand sollte gezwungen sein in ständiger Abhängigkeit Mietzinsen für irgendwelchen Vermieter zu zahlen, die günstig geerbet haben.
es macht doch überhaupt keinen sinn, täglich zum arbeitsplatz zu pendeln, es sei denn zuhause wartet eine frau, der man, aus welchen gründen auch immer, besser aus dem weg geht.
...macht es Sinn. Angenommen du hast ein Haus gebaut und verlierst deinen Job in der Gegend und findest keinen neuen. Was tun? Haus verkaufen? Was wenn die Frau noch Arbeit hat und die Kinder vor Ort in die Schule gehen? Arbeitslos zu Hause rumhocken und sich als Sozialschmarotzer diffamieren lassen (so man überhaupt H4-Anspruch hat), evtl. riskieren, die Raten nicht mehr bezahlen zu können usw.? Überhaupt niemals festlegen und in die eigene Zukunft investieren?
Die wenigsten pendeln doch, weil es Spaß macht. Sie sehen darin die für sich schmerzlosteste Variante.
...macht es Sinn. Angenommen du hast ein Haus gebaut und verlierst deinen Job in der Gegend und findest keinen neuen. Was tun? Haus verkaufen? Was wenn die Frau noch Arbeit hat und die Kinder vor Ort in die Schule gehen? Arbeitslos zu Hause rumhocken und sich als Sozialschmarotzer diffamieren lassen (so man überhaupt H4-Anspruch hat), evtl. riskieren, die Raten nicht mehr bezahlen zu können usw.? Überhaupt niemals festlegen und in die eigene Zukunft investieren?
Die wenigsten pendeln doch, weil es Spaß macht. Sie sehen darin die für sich schmerzlosteste Variante.
- und ich meine das durchaus nicht als beleidigung. wer aber bei sich im ort nichts mehr mitbekommt, weil er morgens um sechs schon auf der autobahn oder im zug sitzt, der merkt nicht mehr, wenn neonazis die bushaltestelle im ort zerlegen, wenn der einzelhandel zerfällt, das sozialleben den bach runtergeht und die nachbarin im haus nebenan vergammelt. der hat, zusammengefasst, städtisches leben ohne die vorteile städtischer dichte.
die alternative kann aber nicht heißen, sich als qualifizierter akademiker in nivellierte grünlinke refugien in die altbauquartiere der kernstädte zurückzuziehen, sondern notfalls auch in der pampa mit den kompetenzen und den segnungen des formalen bildungsabschlusses, die man mitbringt, seinen mann / seine frau zu stehen.
mit anderen worten: wir brauchen mehr leute, denen die gesellschaft in ihrem näheren umfeld wichtiger ist als der nächste karrieresprung in berlin, münchen oder düsseldorf.
"mit anderen worten: wir brauchen mehr leute, denen die gesellschaft in ihrem näheren umfeld wichtiger ist als der nächste karrieresprung in berlin, münchen oder düsseldorf."
...Geld verdienen kann man überhaupt nur dort wo Geld ist. Und offensichtlich konzentriert es sich auf immer weniger und dafür immer größere Ballungsräume. Die Politik versteht das nicht und tut nichts dagegen, forciert die Fehlentwicklung gar.
Was sollen denn die Leute vor Ort auf dem Dorf machen, ein Ingenieur z.B.? Wenn er den Mut dazu hat, kann er sich selbstständig machen, aber idR fördert er dann schon wieder pendeln, da er nicht alle seine Mitarbeiter und Kunden im Dorf finden dürfte. Auch ist dazu nicht jeder geeignet und hat ausreichend Kapital etc.
"mit anderen worten: wir brauchen mehr leute, denen die gesellschaft in ihrem näheren umfeld wichtiger ist als der nächste karrieresprung in berlin, münchen oder düsseldorf."
...Geld verdienen kann man überhaupt nur dort wo Geld ist. Und offensichtlich konzentriert es sich auf immer weniger und dafür immer größere Ballungsräume. Die Politik versteht das nicht und tut nichts dagegen, forciert die Fehlentwicklung gar.
Was sollen denn die Leute vor Ort auf dem Dorf machen, ein Ingenieur z.B.? Wenn er den Mut dazu hat, kann er sich selbstständig machen, aber idR fördert er dann schon wieder pendeln, da er nicht alle seine Mitarbeiter und Kunden im Dorf finden dürfte. Auch ist dazu nicht jeder geeignet und hat ausreichend Kapital etc.
meine 1700,- euro stadtwohnung.
Wahrscheinlich die meiste Arbeit könnte zuhause gemacht werden, nur blöd, dass der Arbeit"geber" den Arbeit"nehmer" dort nicht überwachen kann.
"Auch er plädiert für die Abschaffung der Pendlerpauschale. Besser sollten mit dem Geld Umzüge subventioniert werden."
Das wäre ein Irrsinn und ein Unsinn. Denn, "Jobs" aka "Arbeitsplätze" findet man meistens nur in Ballungszentren. Dort ballt sich - wie der Name schon sagt - alles.
Das krasse Gegenteil zu den Pendlern ist nämlich die Megametropole. Und ob die "ökonomisch" zu nennen sind...
Die einzigen, die von so einer Umzugspauschale etwas hätten sind die Vermieter und Mietwucherer, solange so etwas nicht mit gewaltigen Investitionen in die Infrastruktur von Seiten der öffentlichen Hand errr Hand in Hand gehen.
Und selbst wenn das passieren würde, hat man KEINE Garantie, dass diese städtischen "Wohngebiete" in 10 - 20 - 30 Jahren (Zeithorizont) nicht von den Menschen gescheut werden.
In Frankreich nennt man solche Gebiete nämlich *google* "Banlieue" - Platte bei uns. Und wer möchte schon in so einem "Bezirk" leben... trotz Infrastruktur und *möglichen*, nahegelegenen Arbeitsplätzen.
So, ich hoffe mal, das Ganze war nicht zu verworren und die Rechtschreibfehler halten sich in Grenzen.
Grüße.
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