Gerade ist ein wunderschönes Buch über den ehemaligen Weltmeister Michail Tal (1936 bis 1992) in der Edition Olms erschienen: Zaubern wie Schachweltmeister Tal – Der Taktikratgeber mit 100 Opferkombinationen zum Selbstlösen. Den Autoren, dem Großmeister Dr. Karsten Müller und dem Schachpublizisten Raymund Stolze, ist ein unterhaltsamer und lehrreicher Streifzug zugleich durch Tals leider nur 55-jähriges, aber von der Liebe zum Schach durchglühtes Leben gelungen. Dem trotz seiner Genialität – Kramnik: "ein Außerirdischer" – stets bescheidenen und humorvollen "Mischa" zoll(t)en all seine Weggenossen unisono Beifall. Auch für mich war es immer ein besonderes Erlebnis, diesem "Schachzauberer" am Brett gegenüberzusitzen und mit ihm gemeinsam beim WM-Kampf Karpow – Kortschnoi in Meran 1981 zu kommentieren.

Sein Freund Gennadi Sosonko schreibt treffend: "Im Grunde war diesem eher weltfremden, gütigen Menschen der Weltmeistertitel völlig egal – er wollte einzig spielen, spielen und nochmals spielen. Und das mit der unbändigen Freude eines schöpferischen Geistes, eine Art moderner Don Quichote des Schachs." Tal selbst brachte sein schöpferisches Credo so auf den Punkt: "Du musst deinen Gegner in einen tiefen, dunklen Wald führen, wo 2 + 2 = 5 ist und wo der Weg, der wieder hinausführt, nur breit genug für einen ist."

Mit welch unglaublichem (zweiten!) Zug einer Kombination führte er als Weißer beim Keres-Memorial 1979 in Tallinn den Finnen Yrjö Rantanen in einen Wald ohne Ausgang für diesen?

Lösung aus Nr. 4:
Welcher weiße Zug eroberte entweder Turm oder Dame?
Nach 1.Ta8! gab Schwarz schon auf, weil 1...Txa8 die Fesselung des Springers e2 aufhebt, sodass sich dieser mit 3.Sxc1 die Dame einverleiben kann, andererseits 1...Sxe2 2.Txe8+ Kh7 3.Txe2 auch völlig hoffnungslos ist