Stilkolumne : Flach, schwarz, alle gleich

Tillmann Prüfer über Smartphone-Design
Rabenschwarz und flach – so sehen Handys heute aus, wie das Samsung Giorgio Armani Galaxy S, 699 Euro

Es gab mal eine Zeit, da waren Mobiltelefone Lifestyle-Produkte . Schöne Handys hießen Razr, waren flach und ließen sich aufklappen. Das Nokia 8110i mit dem Mechanismus zum Aufschieben spielte vor zehn Jahren sogar eine Rolle in dem Film Matrix. Die Hersteller experimentierten mit Form, Farbe und Größe. Schließlich kommt dem Verbraucher nichts so nahe wie sein Handy – deswegen sollte es schön, intelligent und schlank sein. Genau so, wie der Käufer selbst sein will.
Doch dann kam das iPhone, und aller gestalterische Ehrgeiz brach in sich zusammen. Nokia erschafft keine verführerischen Produkte mehr. Motorola versucht derzeit mit dem Modell Defy, wieder Fuß zu fassen. Defy verspricht, besonders robust zu sein – und sieht aus wie das iPhone. Bereits ein Jahr nach der Markteinführung des Apple-Phones gab es über 30 Klone, und mittlerweile ist praktisch kein Smartphone mehr erhältlich, dessen Design von dem des Apple-Modells abweicht. Werden Handys auf ewig schwarz und rechteckig sein?

Alle Kolumnen von Tillmann Prüfer im Überblick

Es ist mittlerweile fast unmöglich, durch die Wahl des Smartphones etwas über die eigene Persönlichkeit auszusagen. Wer sich wenigstens ein bisschen Flair verschaffen möchte, kann immerhin auf eines der Handys zurückgreifen, die von Modemarken seit einigen Jahren aufgelegt werden. Prada verkauft Handys mit Technik vom Hersteller LG, Armani arbeitet mit Samsung zusammen und hat gerade eine Edition des Smartphones Galaxy S auf den Markt gebracht. Noch wird Apple für sein revolutionäres Design gefeiert. Aber vielleicht wird man das in der Rückschau einmal anders sehen. Das Auftauchen des iPhones könnte dann als Wendepunkt im Elektronik-Design gewertet werden, von dem an eine Formen-Monotonie herrschte, wie man sie vorher nicht mal im Sozialismus kannte.

Apple-Designer Jonathan Ive nennt Dieter Rams als eines seiner Vorbilder. Rams war Chefdesigner von Braun und stand für rationales Technik-Design. In den achtziger Jahren, als das Rationale auf die Spitze getrieben wurde und alles bis zur Ermattung vernünftig gestaltet war, rebellierten Designer wie jene der Gruppe Memphis gegen den klaren Einheitslook. Sie kreierten wilde, unvernünftige Produkte. Vielleicht ist es bald wieder so weit.

Kommentare

29 Kommentare Seite 1 von 5 Kommentieren

Design von Mobiltelefonen

Ich erinnere mich noch gut an den Vortrag des Chefdesigners von Siemens-Handys vor ein paar Jahren. Wurzelholzdesign und ähnliche Ideen habe ich schon damals nicht nachvollziehen können. Die Siemens-Kunden wohl auch nicht.
Meine Prognose: Es kommen Handys, die wieder vernünftig bedienbar sind und nicht völlig überladen...

Designerhandy

"Wer sich wenigstens ein bisschen Flair verschaffen möchte, kann immerhin auf eines der Handys zurückgreifen, die von Modemarken seit einigen Jahren aufgelegt werden."

Also das besagte Designerhandy von Armani & Samsung sieht für mich irgendwie auch ziemlich schwarz und rechteckig aus. ;-)

Muss man denn mit seinem Mobiltelefon seine Persönlichkeit zum Ausdruck bringen?

Es grüßt,
Cando

Na und?

Ist doch gut wenn der DesignerQuatsch aufhört.

Wozu braucht man Mobiltelefone die gut aussehen aber auf Dauer nicht funktionieren weil das Kabel im Klappmechanismus bricht?
Da habe ich doch lieber einen Klotz a la Blackberry - oder auch sonst "Touch-Dinger" (ja, ich bin auf "touch" nicht gut zu sprechen - Taste = Besser)

Und wer für Produkte von Desingermarken viel Geld ausgibt also Mobiltelefone von Prada oder Uhren von Armani ist sowieso bekloppt - ein Name auf ein Billigprodukt geklebt und schon gilt der Artikel als begehrenswert.
Da sollten Kunden eher auf altbekannte Hersteller zurückgreifen - Nokia, Motorolla, Sony Ericsson (kaputtes Kabel im Klapphandy... yepp... hatte ich) oder BlackBerry - Firmen die sich ihren Namen mit der Zeit verdient haben.
Und "Design" - wen kümmert es?

Und wo ich von Uhren sprach - die Schweizer bieten viele gute Produkte an die ihren Preis wert sind.

Design != Design

Das Äußerliche spielt ja so oft eine Rolle, weil es für den ersten Eindruck von großer Wichtigkeit ist. Wenn man mehr als 3 Monate aber mit dem Produkt gebunden ist, merkt man erst, dass auch das Innere zählt.
Was nutzt ein ausgeklügeltes Design in allen Farben des Regenbogens und einem Gewicht von einem Gramm, wenn man Informatik studiert haben muss um Musik, Fotos oder Kontakte zu synchronisieren oder gar auf ein neues Gerät zu portieren.