StilkolumneFlach, schwarz, alle gleich

Tillmann Prüfer über Smartphone-Design von 

Rabenschwarz und flach – so sehen Handys heute aus, wie das Samsung Giorgio Armani Galaxy S, 699 Euro

Rabenschwarz und flach – so sehen Handys heute aus, wie das Samsung Giorgio Armani Galaxy S, 699 Euro  |  © Peter Langer

Es gab mal eine Zeit, da waren Mobiltelefone Lifestyle-Produkte . Schöne Handys hießen Razr, waren flach und ließen sich aufklappen. Das Nokia 8110i mit dem Mechanismus zum Aufschieben spielte vor zehn Jahren sogar eine Rolle in dem Film Matrix. Die Hersteller experimentierten mit Form, Farbe und Größe. Schließlich kommt dem Verbraucher nichts so nahe wie sein Handy – deswegen sollte es schön, intelligent und schlank sein. Genau so, wie der Käufer selbst sein will.
Doch dann kam das iPhone, und aller gestalterische Ehrgeiz brach in sich zusammen. Nokia erschafft keine verführerischen Produkte mehr. Motorola versucht derzeit mit dem Modell Defy, wieder Fuß zu fassen. Defy verspricht, besonders robust zu sein – und sieht aus wie das iPhone. Bereits ein Jahr nach der Markteinführung des Apple-Phones gab es über 30 Klone, und mittlerweile ist praktisch kein Smartphone mehr erhältlich, dessen Design von dem des Apple-Modells abweicht. Werden Handys auf ewig schwarz und rechteckig sein?

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Alle Kolumnen von Tillmann Prüfer im Überblick

Alle Kolumnen von Tillmann Prüfer im Überblick  |  © Peter Langer

Es ist mittlerweile fast unmöglich, durch die Wahl des Smartphones etwas über die eigene Persönlichkeit auszusagen. Wer sich wenigstens ein bisschen Flair verschaffen möchte, kann immerhin auf eines der Handys zurückgreifen, die von Modemarken seit einigen Jahren aufgelegt werden. Prada verkauft Handys mit Technik vom Hersteller LG, Armani arbeitet mit Samsung zusammen und hat gerade eine Edition des Smartphones Galaxy S auf den Markt gebracht. Noch wird Apple für sein revolutionäres Design gefeiert. Aber vielleicht wird man das in der Rückschau einmal anders sehen. Das Auftauchen des iPhones könnte dann als Wendepunkt im Elektronik-Design gewertet werden, von dem an eine Formen-Monotonie herrschte, wie man sie vorher nicht mal im Sozialismus kannte.

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Apple-Designer Jonathan Ive nennt Dieter Rams als eines seiner Vorbilder. Rams war Chefdesigner von Braun und stand für rationales Technik-Design. In den achtziger Jahren, als das Rationale auf die Spitze getrieben wurde und alles bis zur Ermattung vernünftig gestaltet war, rebellierten Designer wie jene der Gruppe Memphis gegen den klaren Einheitslook. Sie kreierten wilde, unvernünftige Produkte. Vielleicht ist es bald wieder so weit.

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Leserkommentare
  1. Ich erinnere mich noch gut an den Vortrag des Chefdesigners von Siemens-Handys vor ein paar Jahren. Wurzelholzdesign und ähnliche Ideen habe ich schon damals nicht nachvollziehen können. Die Siemens-Kunden wohl auch nicht.
    Meine Prognose: Es kommen Handys, die wieder vernünftig bedienbar sind und nicht völlig überladen...

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    • aji
    • 02. Februar 2011 5:33 Uhr

    Mobiltelefone mit Touchscreen sind doch jetzt schone alle sehr auf das wesentlichste reduziert, naemlich ein paar Tasten und eine moglichst grosse Anzeigeflaeche. Nachdem der Trend mit Sicherheit immer mehr zum Smarttelefon geht, wird dies vermutlich eine Weile so bleiben.

    Zumindest bist eine Alternative zum Touchscreen entwickelt wird, wie z.B. Holographische Projektionen

    • Cando
    • 31. Januar 2011 9:55 Uhr

    "Wer sich wenigstens ein bisschen Flair verschaffen möchte, kann immerhin auf eines der Handys zurückgreifen, die von Modemarken seit einigen Jahren aufgelegt werden."

    Also das besagte Designerhandy von Armani & Samsung sieht für mich irgendwie auch ziemlich schwarz und rechteckig aus. ;-)

    Muss man denn mit seinem Mobiltelefon seine Persönlichkeit zum Ausdruck bringen?

    Es grüßt,
    Cando

  2. Ist doch gut wenn der DesignerQuatsch aufhört.

    Wozu braucht man Mobiltelefone die gut aussehen aber auf Dauer nicht funktionieren weil das Kabel im Klappmechanismus bricht?
    Da habe ich doch lieber einen Klotz a la Blackberry - oder auch sonst "Touch-Dinger" (ja, ich bin auf "touch" nicht gut zu sprechen - Taste = Besser)

    Und wer für Produkte von Desingermarken viel Geld ausgibt also Mobiltelefone von Prada oder Uhren von Armani ist sowieso bekloppt - ein Name auf ein Billigprodukt geklebt und schon gilt der Artikel als begehrenswert.
    Da sollten Kunden eher auf altbekannte Hersteller zurückgreifen - Nokia, Motorolla, Sony Ericsson (kaputtes Kabel im Klapphandy... yepp... hatte ich) oder BlackBerry - Firmen die sich ihren Namen mit der Zeit verdient haben.
    Und "Design" - wen kümmert es?

    Und wo ich von Uhren sprach - die Schweizer bieten viele gute Produkte an die ihren Preis wert sind.

  3. Das Äußerliche spielt ja so oft eine Rolle, weil es für den ersten Eindruck von großer Wichtigkeit ist. Wenn man mehr als 3 Monate aber mit dem Produkt gebunden ist, merkt man erst, dass auch das Innere zählt.
    Was nutzt ein ausgeklügeltes Design in allen Farben des Regenbogens und einem Gewicht von einem Gramm, wenn man Informatik studiert haben muss um Musik, Fotos oder Kontakte zu synchronisieren oder gar auf ein neues Gerät zu portieren.

  4. Durch Touch werden Mobiles von Knöpfen befreit. Optisch eine völlig normale Entwicklung und dafür verantwortlich, dass sich viele Smartphones ähneln. Das hat eigentlich nichts mit Apple zu tun. Mehr Screen bedeutet weniger aussenrum. Gerade LG hat schon lange vor dem iphone deutlich gemacht, wohin die Reise geht. Zwar nicht mit einem mobile, aber mit seinen anderen Produkten. Schaut man sich die LG Phones an, sind sie eine Designfortsetzung anderer LG Produkte. Vielen Menschen ist es wichtig, wie ihr Phone aussieht oder von welcher Marke es ist. Ich hatte eine iphone, aber die Flash-Restriktion von Apple hat mich jetzt zu einem anderen Smartphone getrieben. Das sieht ähnlich aus, ist aber dank Android wesentlich interessanter. Und zum Thema, dass man fast keine Möglichkeit hat, mit Hilfe eines Phones, etwas über seine Persönlichkeit auszusagen, das stimmt so auch nicht. Will ja niemand. Echtes Branding funktioniert nicht über den Look, sondern rein über ein Gefühl. Insofern könnte das iphone wie ein Kuhfladen aussehen.

    • Zack34
    • 31. Januar 2011 11:19 Uhr
  5. Die inneren Werte scheinen wieder Konjunktur zu haben.

    Wahrer Stil vermeidet ästhetische Aufmüpfigkeit und für die komplexbeladenen bling-bling-Ego-Protesen-Liebhaber reicht schon ein kleines bisschen aufgeklebter Strass (uhh), um sich der erhofften eigenen Individualität wieder gewiss zu sein.

  6. Ich habe in meinem Leben sicher schon mehr als 30 Mobiltelefone besessen - da waren ausgesprochen hässliche dabei (ich erinnere mich an meinen ersten Blackberry), aber auch wahre Augen- und Handschmeichler.

    Um es auf den Punkt zu bringen: Handies werden letztendlich nur nach der Nutzbarkeit beurteilt, auf den ganzen Schnickschnack, sowohl beim Hardware- als auch beim Sogtwaredesign kann ich persönlich getrost verzichten. Es muss gut in die Hosentasche passen und die Software ohne Schnörkel meine Vorgaben erfüllen.

    Ich bin kein Apple-Fan und persönlich werde ich mir nie ein Telefon dieser Marke kaufen, aber man muss ihnen zu Gute halten, dass sie die ersten waren, die diese Vorgaben konsequent umgesetzt haben. Genauso wie sich Blackberry konsequent an die Bedürfnisse der Geschäftskunden ausrichtet (und auch weiter sollte!). Nokia geht da leider den komplett falschen Weg und treibt ihn mit der Tochtermarke Vertu mit überladenem Design und inpraktikabler Software an die Spitze. Android hat hingegen gute Ansätze, solange die Nutzeroberfläche von den Hardwareherstellern nicht zusätzlich "verhunzt" wird.

    Zur Zeit schaut das ideale Bedienkonzept bei Smartphones eben so aus, dass ein großes Display benötigt wird um die Software gut nutzen zu können - das grenzt den Spielraum beim Design extrem ein. Wenn sich das ändern sollte, sehen auch die Telefone wieder anders aus. Strasssteine oder anderes Bling-Bling kommt mir aber trotzdem nicht an mein Handy.

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  • Serie Stilkolumne
  • Schlagworte Apple | Film | Nokia | Armani | Design | Motorola
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