Es gab mal eine Zeit, da waren Mobiltelefone Lifestyle-Produkte . Schöne Handys hießen Razr, waren flach und ließen sich aufklappen. Das Nokia 8110i mit dem Mechanismus zum Aufschieben spielte vor zehn Jahren sogar eine Rolle in dem Film Matrix. Die Hersteller experimentierten mit Form, Farbe und Größe. Schließlich kommt dem Verbraucher nichts so nahe wie sein Handy – deswegen sollte es schön, intelligent und schlank sein. Genau so, wie der Käufer selbst sein will.
Doch dann kam das iPhone, und aller gestalterische Ehrgeiz brach in sich zusammen. Nokia erschafft keine verführerischen Produkte mehr. Motorola versucht derzeit mit dem Modell Defy, wieder Fuß zu fassen. Defy verspricht, besonders robust zu sein – und sieht aus wie das iPhone. Bereits ein Jahr nach der Markteinführung des Apple-Phones gab es über 30 Klone, und mittlerweile ist praktisch kein Smartphone mehr erhältlich, dessen Design von dem des Apple-Modells abweicht. Werden Handys auf ewig schwarz und rechteckig sein?

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Es ist mittlerweile fast unmöglich, durch die Wahl des Smartphones etwas über die eigene Persönlichkeit auszusagen. Wer sich wenigstens ein bisschen Flair verschaffen möchte, kann immerhin auf eines der Handys zurückgreifen, die von Modemarken seit einigen Jahren aufgelegt werden. Prada verkauft Handys mit Technik vom Hersteller LG, Armani arbeitet mit Samsung zusammen und hat gerade eine Edition des Smartphones Galaxy S auf den Markt gebracht. Noch wird Apple für sein revolutionäres Design gefeiert. Aber vielleicht wird man das in der Rückschau einmal anders sehen. Das Auftauchen des iPhones könnte dann als Wendepunkt im Elektronik-Design gewertet werden, von dem an eine Formen-Monotonie herrschte, wie man sie vorher nicht mal im Sozialismus kannte.

Apple-Designer Jonathan Ive nennt Dieter Rams als eines seiner Vorbilder. Rams war Chefdesigner von Braun und stand für rationales Technik-Design. In den achtziger Jahren, als das Rationale auf die Spitze getrieben wurde und alles bis zur Ermattung vernünftig gestaltet war, rebellierten Designer wie jene der Gruppe Memphis gegen den klaren Einheitslook. Sie kreierten wilde, unvernünftige Produkte. Vielleicht ist es bald wieder so weit.