AWD-Gründer Carsten Maschmeyer © Johannes Simon/Getty Images

Mitte Januar zeigte die ARD den Film » Der Drückerkönig und die Politik «. Christoph Lütgert hatte sich an die Fersen des Hannoveraner Multimillionärs Carsten Maschmeyer geheftet: Vergeblich versuchte der Reporter, den Gründer des AWD mit Anlegern zu konfrontieren, die mit AWD-Finanzprodukten viel Geld verloren hatten. Zudem unterstellte der Film Mauscheleien mit Regierungspolitikern. Maschmeyer wehrte sich mit einem 61 Seiten dicken Schreiben an die ARD-Verantwortlichen, mit Anwaltsbriefen und Unterlassungsforderungen.

DIE ZEIT: Herr Maschmeyer, man konnte den Eindruck gewinnen, Sie wollten mit all dem rechtlichen Wirbel der ARD auch mal mit einer Dokumentation eine ordentliche Quote bescheren. Wäre es nicht klüger gewesen, einfach den Mund zu halten?

Carsten Maschmeyer: Wenn man eine so krass falsche Berichterstattung stehen lässt, glauben die Leute im Umkehrschluss, dass es stimmt. Da muss man leider auch in Kauf nehmen, dass die rechtlichen Schritte zu Quotenzwecken missbraucht werden. Ich bin sicher kein Michael Kohlhaas, aber ich durfte und konnte nicht zulassen, dass hier Tausende meiner ehemaligen Mitarbeiter diffamiert werden.

ZEIT: Sie hätten sich ja den Kameras stellen können. Stattdessen sind Sie weggelaufen und haben es so möglich gemacht, dass man in der Doku eine kleine Jagd auf Sie inszenierte.

Maschmeyer: Ich habe Herrn Lütgert ein Interview angeboten.

ZEIT: Danach sah es nicht aus. Sie haben doch alle Versuche abgewimmelt.

Maschmeyer: Ich brauchte zur Vorbereitung konkrete Fragen und die Fälle derjenigen, die sich falsch beraten gefühlt haben, wobei diese Fälle teilweise auch bis zu 15 Jahre zurückliegen. Man hätte Mitarbeiter befragen müssen, die damals als Berater tätig waren, und ich hätte natürlich das Einverständnis der Betroffenen gebraucht.

ZEIT: Einige Betroffene waren ja im Film zu sehen. Die hätten sicher mit Ihnen gesprochen.

Maschmeyer: Bezeichnenderweise wurden mir erst nach der Ausstrahlung des Films konkrete Fragen zu den gezeigten Fällen übermittelt. Dagegen sind inzwischen einstweilige Verfügungen und Unterlassungserklärungen erlassen worden.

ZEIT: Es gab viele Anleger, die vom AWD schlecht beraten worden sind. Das haben Sie selbst eingeräumt. Noch mal: Warum haben Sie das nicht mit einer Entschuldigung in eine Kamera gesagt?

Maschmeyer: Wir haben ein ungeschnittenes Interview angeboten und hätten uns sogar die Redezeit diktieren lassen. Darauf ist man nicht eingegangen.

ZEIT: Das bestreitet der NDR.

Maschmeyer: Noch einmal, das Angebot zu so einem Interview gab es erst nach der Ausstrahlung. Warum wohl? Sie merken doch an unserem Gespräch: Ich verstecke mich nicht. Ich lasse mich gern auch zu dem Unternehmen befragen, das ich 2007 verkauft habe.

ZEIT: Sie könnten es ja auch immer noch nachholen. Oder haben Sie Angst vor Herrn Lütgert?

Maschmeyer: Nein, ich habe vor niemandem und keiner Frage Angst. Aber jetzt müssen die ausstehenden juristischen Verfahren abgewartet werden.