Ist Facebook nicht eine Freunde-Plattform?

Als solche vermarktet sich Facebook, während etwa Xing oder LinkedIn sich als Businessnetzwerke verstehen. Diese Trennung verwischt aber zunehmend. Firmen checken auf Facebook längst nicht nur die Profile ihrer Bewerber , sie suchen auch gezielt nach neuen Mitarbeitern. Inzwischen wollen Kollegen dort genauso gern »Freunde« werden wie alte Bekannte aus der Schule. Allein im letzten halben Jahr ist die Zahl der deutschen Facebook-Nutzer um 50 Prozent auf 14,2 Millionen gewachsen. LinkedIn hat sich hierzulande mit bisher weit unter einer Million Nutzern noch nicht durchgesetzt, bleibt aber für Menschen interessant, die internationale Kontakte suchen.Auch das eher national ausgerichtete Netzwerk Xing wächst mitnichten so schnell wie Facebook, was auch daran liegen könnte, dass nur zahlende Mitglieder wirkliche Vorteile genießen können. Und: Vielen Nutzern wird es schlicht zu anstrengend, ihre Profile in mehreren Netzwerken zu pflegen. Sie entscheiden sich lieber für eines – und in den meisten Fällen ist das Facebook.

Was bringt der Facebook-Auftritt beruflich?

Dasselbe wie der Auftritt in einem Businessnetzwerk, aber man erreicht ein größeres und vielfältigeres Publikum. Informationen werden weniger zielgerichtet, dafür breiter gestreut. Werben kann man für zweierlei: für sich selbst – oder für seine Firma. Bei Selbstständigen und Künstlern fällt beides zusammen. Viele verwenden ihren Auftritt in einem Sozialen Netzwerk als Aushängeschild und verlinken von dort auf ihren Web-Auftritt. Manche verzichten inzwischen sogar ganz auf eine eigene Internet-Seite. Angestellte, die sich umorientieren wollen, können sich möglichen Personalsuchern hier ganz unverfänglich präsentieren. Wer als Angestellter hingegen auch für seine Firma werben will, sollte das unbedingt absprechen . Nicht dass er am Ende die große Kommunikationsstrategie konterkariert.

Wie persönlich soll man sich präsentieren?

Schon bei den reinen Businessnetzwerken kann man auch Charakter zeigen, indem man etwa Hobbys auflistet. Bei Facebook geht es noch persönlicher zu. Diese Lockerheit kann das Anbahnen von Kontakten erleichtern, erfordert aber auch eine Gratwanderung bei der Präsentation. Das Foto muss nicht vom Profi gemacht sein, sollte einen aber in günstigem Licht zeigen. Wer sonst Krawatte trägt, kann die weglassen – nicht aber das Hemd. Im Feld »Info« lässt sich der berufliche Werdegang unterbringen, optische Arbeitsproben (Skizzen, Bühnenbilder...) kann man in einem Fotoalbum sammeln. Mit der Pinnwand-Funktion hält man andere über seine Projekte auf dem Laufenden. Das können eigene Vorträge oder Seminare sein; genauso kann man auf Produkte verlinken, an deren Entstehung man beteiligt war. Und warum nicht bekanntgeben, dass man sich gerade für eine interessante Weiterbildung angemeldet hat? Bei der Preisgabe von privaten Informationen ist Vorsicht geboten: Einerseits machen sie einen menschlich interessant, andererseits aber auch durchsichtig. Für den geschäftlichen Auftritt gilt: Nie mehr erzählen als bei einem Arbeitsessen.

Und was wird aus den echten Freunden?

Privates und Berufliches im Netzwerk zu mischen ist kompliziert. Freunden würde man gern von den ersten Gehversuchen seines Kindes erzählen, die die Kunden oder Vorgesetzten wiederum nichts angehen. Solche Unterschiede kann man auch bei Facebook machen. Freunde lassen sich in Gruppen einteilen, die verschiedene Mengen an Informationen einsehen können.