Verkehr: Vorsicht, Bahn!
Nach dem Unfall von Hordorf: Warum zögert die Bahn, prinzipiell moderne Sicherheitstechnik einzuführen?
Menschen machen Fehler. Selbst altgediente Fahrlehrer missachten irgendwann eine Vorfahrtstraße, auch erfahrene Lokführer überfahren im Nebel manchmal ein Haltesignal. Technik kann das zwar nicht verhindern. Aber dafür sorgen, dass der kleine menschliche Fehler keine fatalen Folgen hat – so wie am vergangenen Samstagabend beim Frontalzusammenstoß zweier Züge auf der eingleisigen Strecke zwischen Magdeburg und Halberstadt.
Wäre dort moderne Leittechnik installiert gewesen, hätte sie die Züge vor dem Zusammenstoß automatisch gestoppt. Und wären die Lok des Güterzugs und die beiden Waggons des HarzElbeExpress nach den neuesten Sicherheitsnormen gegen einen Aufprall geschützt gewesen, hätten mehr Fahrgäste den Unfall überlebt. Beides war leider nicht der Fall.
90 Prozent der deutschen Züge würden im Crashtest scheitern
Vor allem in den neuen Bundesländern wird der Zugverkehr auf vielen eingleisigen Strecken noch immer mit sogenannten Formsignalen aus der Vorkriegszeit geregelt. Doch im Nebel sind die roten und gelben Zeiger nicht so gut sichtbar wie moderne Lichtsignale. Auf dem Unglücksabschnitt fehlte zudem eine »Punktförmige Zugbeeinflussung«, kurz PZB genannt. Ignoriert der Lokführer ein Haltesignal , stoppt sie den Zug automatisch. Weil auf der Unglücksstrecke maximal 100 km/h erlaubt sind, durfte sie ohne PZB betrieben werden. Trotzdem sind fünf von sieben Stellwerken bereits nachgerüstet, denn die Bahn will die Höchstgeschwindigkeit auf 120 km/h steigern. An der Unfallstelle war die Installation für dieses Jahr geplant.
Ähnlich wie am aktiven mangelt es auch am passiven Unfallschutz. Mehr als 90 Prozent aller Personenzüge, die auf deutschen Gleisen unterwegs sind, würden den heute nach EU-Recht vorgeschriebenen Crashtest nicht bestehen. Das gilt selbst für die meisten ICEs – und auch für den in Sachsen-Anhalt verunglückten Zug aus zwei fast neuen Triebwagen des Herstellers Alstom.
»Das Beharrungsvermögen ist bei der deutschen Eisenbahn besonders ausgeprägt«, sagt Markus Hecht, seit knapp 15 Jahren Leiter des Fachgebiets Schienenfahrzeuge der Fakultät für Verkehrs- und Maschinensysteme an der TU Berlin. Wenn die Sicherheit des Zugverkehrs in der Vergangenheit verbessert wurde, dann immer nur als Reaktion auf schwere Unfälle. So ist seit 1975 die sogenannte fliegende Kreuzung verboten. Zuvor durfte der Fahrplan Zugbegegnungen mitten auf einer eingleisigen Strecke vorsehen. Natürlich sollten die Züge dort nicht tatsächlich zusammenstoßen. Derjenige Zug, der den eingleisigen Abschnitt zuerst erreichte, durfte hineinfahren, der Gegenzug musste warten. Das verbesserte die Pünktlichkeit – bis ein Missverständnis zwischen zwei bayerischen Fahrdienstleitern im Juni 1975 einen Frontalzusammenstoß mit 41 Toten und mehr als 100 Verletzten verursachte.
Auch das Notstopp-Funksignal verdankt seine Einführung einem Unglück. Ein Schienenbus war 1971 bei Radevormwald auf eingleisiger Strecke frontal auf einen Güterzug geprallt, es gab 46 Tote, darunter 41 Schülerinnen und Schüler. Der Fahrdienstleiter hatte das Desaster kommen sehen und noch vor dem Zusammenstoß die Rettungsdienste alarmiert. Doch die beiden Lokführer konnte er mangels Funknetz nicht mehr warnen.
Bereits 1996 hatte die EU Standards für die Umstellung Dutzender verschiedener analoger Bahnfunksysteme auf ein europaweit einheitliches und zuverlässigeres digitales Zugfunknetz mit Notruffunktionen festgelegt, genannt GSM-R. Die Einführung verzögerte sich jedoch immer wieder. Inzwischen sind rund drei Viertel des deutschen Gleisnetzes damit ausgestattet, die Unglücksstrecke in Sachsen-Anhalt gehört nicht dazu.







Zunächst ist anzumerken, dass tatsächlich meist nur Verbesserungen getätigt werden, wenn es zu Zwischenfällen kommt. Aber das liegt meist in der Natur der Sache, dass bestimmte Kombinationen von Ereignissen einfach nicht vorher gesehen wurden. So etwas zieht sich durch die ganze Technikgeschichte, ohne die Verkehrstoten der 1960er Jahre gäbe es sicher auch keine Gurtpflicht.
Ihre Feststellung über die Formsignale ist falsch. Formsignale sind Nachts Beleuchtet, wobei die Beleuchtung exakt das gleich Signalbild zeigt, wie es auch ein Lichtsignal zeigen würde. (siehe z.B. www.stellwerke.de)
Die neuen Normen der EU gelten wie sie schreiben erst seit 2009, da es ist kaum verwunderlich, dass die meisten Züge sie noch nicht erfüllen und Bestandsschutz genießen, genauso wie vorher bestellte Züge, die erst jetzt ausgeliefert werden. Abgesehen davon sind die Crashnormen für Rangierunfälle und Kollisionen mit Pkw/Lkw an Bahnübergängen ausgelegt. Auch mit modernsten Crashnormen werden sie die Energie eines 1500t-Güterzuges nicht einfach absorbieren können. Ob es in einem Zug nach den neuesten Normen mehr Überlebende gegeben hätte ist reine Spekulation.
... wenn ein Sozialwissenschaftler meint, er habe sich genügend Sach- und Fachkenntnis angelesen, um über so ein sensibles Technikthema, wie es die Eisenbahn nun einmal ist, fundiert schreiben zu können? Da haben dann Formsignale "Zeiger" und ein zweiteiliger Triebwagen mutiert zu "zwei Triebwagen".
Übrigens: Daß die Signalleuchten der Formsignale "exakt das gleiche Signalbild" wie das der Lichtsignale zeigen, stimmte einmal; mit den neuen Ks-Lichtsignalen stimmt allerdings kaum noch ein (Licht-) Signalbild von Formsignalen überein.
Ich kann Ihren Kommentar nur als pauschale Entschuldigung für die Bahn verstehen oder sind Sie Bahnsprecher?
Es geht hier um Sicherheits-Standards wie z.B. PZB. Die Bahn (immer noch "Eigentum" des Bundes und damit auch des Steuerzahlers) ist nicht einmal in de Lage grundlegende Sicherheitsvorkehrungen umzusetzen. Megaprojekte wie Stuttgart-21 sind interessanter.
Sie haben Recht, dass nicht alle Schwierigkeiten in der technikgteschichte vorhersehbar waren. Aber nochmehr gilt: Sie waren vorhersehbar, aber man dachte es gehe gut. Das Beispiel mit der Gurtpflicht ist ausgesprochen mies, da es ja auch jedem Mittelschüler klar ist, was mit Objekten passiert die einer starken Be/Entschleunigung ausgesetzt sind, wenn sie dann irgendwo dagegenschleudern. Das war klar. Warum die Politik so spät reagiert oder auch nur die Autobauer, ist wieder eine andere Sache und hat wirklich damit zu tun, dass die Forderungen und Kritik an der Praxis stark werden, so eben nach den Unfällen. Das ist völlig richtig. Richtig ist aber auch, dass viele Probleme schon lang bekannt sind und es auch auf EU-Ebene Empfehlungen und Verordnungen gibt um die Personen zu schützen bei unfällen. Das kann, ja das muss kritisiert werden, natürlich besser bevor wieder ein trauriger Unfall geschieht. Medien wären nein SIND hier gefragt.
Ganz absurd wird ihre Argumentation, es sei nicht vorhersehbar, dass solche Zugunglücke passieren können und beim Unfall werde man auf die Problematik aufmerksam gemacht. Das ist ein schlechter Witz. Solche Unfälle passieren seid es Zugfahrt gibt und in der Frühzeit umso häufiger. Auch Frontalzusammenstösse, alles bekannt. Sonst würde es auch garnicht die ganzen Sicherungssysteme geben, wenn man darum nicht wüsste. Sie sind nur hier nicht eingebaut worden. Die Grenzgeschwindigkeit ist Irrsin, ob 110 oder 90, es ist tödlich.
Auch bei Zügen sind Crahsnormen sinnvoll, und auch wenn nur ein paar Verletzte oder Tote bei einem solchen Unglück vermieden werden können, hat die Öffentlichkeit einen Anspruch auf solide und stabile Technik die auch die Passagiere in einem ausreichenden Ausmaß schützt. Oder bestreiten sie den Schutzanspruch denn auch im Autobau?
Es ist reine Fahrlässigkeit und Sparzwang, der zu Lasten der menschen geht. Ich hoffe, auch wenn das leider keinen Menschen wieder lebendig macht, dass die Strafen und auch Strafzahlungen enorme Ausmasse annehmen, auch wenn ich aus der Erfahrung heraus daran nicht glaube.
Was die Crash-Bestimmungen angeht, hatte der Artikel bereits darauf hingewiesen, dass z. B. die Bahnen Frankreichs die Crash-Normen schon seit längerem und ohne eine EU-Vorschrift umsetzen. Und dass an dieser Norm schon seit längerem gefeilt wurde, sollte der Bahn nicht entgangen sein (wobei man sich bei dem Chaos-Unternehmen nicht sicher sein kann). Der Artikel hat auch nicht generell behauptet, dass der Crash-Vorbau im vorliegenden Fall Tote ausgeschlossen hat, sonst nur die Vermutung angestellt, dass es u. U. weniger Tote gegeben hätte.
Was die Frage der kamera-, radar-, oder lasergesteuerten Systeme angeht, ist mir die Auffassung Hechts nicht plausibel. Denn weshalb sollte man solchen Systemen nicht zugleich die Information zusteuern können, wie die nächsten Weichen gestellt sind?
Und was die Vorhersehbarkeit der im Artikel geschilderten Unfälle einschließlich des Anlassunfalls angeht, wäre jeder Zweifel lächerlich. Dass auf einer einspurigen Strecke und unter Berücksichtigung menschlichen Versagens zwei Züge zusammenstoßen können, liegt so sehr auf der Hand, dass man genau deswegen die PZB bereits in den 30er Jahren eingeführt hatte. Und Gründe, die die Annahme tragen, dass solche Unfälle nicht auch auf Strecken geschehen, auf denen nicht 100 gefahren werden darf, sind nicht ersichtlich. Was dabei rauskommen kann, wenn zwei langsamer als 100 km/h fahrende Züge zusammenstoßen, zeigt ja der Unfall in Hordorf anschaulich!
Der internationale Aufkauf von Bahn- und Transportunternehmen hatte doch noch einen weiteren Nachteil: Er hat eine unglaubliche Masse an Manpower im Konzern gebunden. Da standen die Leute für den heimischen Bereich wohl nicht zur Verfügung. Und weshalb die Bahn auch in Honkong präsent sein muss, leuchtet mir beim besten Willen nicht ein. Mit dieser Vorstellung von Größe und Internationalität sind schon andere Konzerne gescheitert: Man denke an die Post mit DHL (ausgerechnet in den USA, wo DHL angesiedelt war und wo die Post den Kauf tätigte), an Daimler mit Chrysler, an BMW mit Rover usw. Und wenn dann die internationalen Zukäufe keine Gewinne bringen, sondern mit den Gewinnen der Bahn aus dem Personennahverkehr (die Gewinne dort werden aus den Zuschüssen der Steuerzahler finanziert!) und dem Personenfernverkehr (wer ohne Bahnkarte erst drei, vier Tage vor der Fahrt ein Ticket kaufen kann, zahlt sich dull und dutt und das Mehrfache dessen, was er für eine Autofahrt oder einen Flug ausgibt) über Wasser halten muss, sind die Zukäufe überhaupt nicht gerechtfertigt.
Allerdings richten sich die Blicke dabei auch immer wieder auf das Bundesverkehrsministerium (das gilt nicht nur für Ramsauer, der ja erst relativ kurz im Amt ist, sondern für alle Vorgänger seit 1991, gleich welcher politischen Couleur) und den Bundestag. Man hat fröhlich zugeschaut - und schaut immer noch zu! Man lässt sich vom Konzern gewissermaßen vorführen.
Sie beschweren sich über falsche Erwartungshaltungen an die Bahn:
"Die neuen Normen der EU gelten wie sie schreiben erst seit 2009, da es ist kaum verwunderlich, dass die meisten Züge sie noch nicht erfüllen und Bestandsschutz genießen, genauso wie vorher bestellte Züge, die erst jetzt ausgeliefert werden."
Meine Erwartung als Dauerkundin der Bahn ist, dass man sich nicht zwei Jahre und länger auf "Bestandsschutz" beruft, sondern meine Sicherheit von Beginn an in den Mittelpunkt stellt.
Sind die entsprechenden EU-Vorschriften 2009 vom Himmel gefallen? Seit wann weiß man wohl, dass diese Vorschriften in Kraft treten? Ist das angeblich so kundenfreundliche Unternehmen nicht in der Lage, das wichtigste Kundeninteresse, nämlich lebend und gesund anzukommen, nicht auch ohne EU zu erkennen??? Ein Haltesignal versehentlich zu überfahren ist doch wohl etwas, von dem man seit Jahrzehnten weiß, dass es vorkommt...!!
Warum hat die Bahn auf eingleisigen Strecken nicht schon Überfahrschutz, seit dieser technisch machbar und in der Tat auch bezahlbar ist?
Sind die Leuchten gleich leuchtstark wie die von Lichtsignalen. Mir fällt bei Bahnfahrten in der Dunkelheit an Formsignalen immer eine gewisse "Funzeligkeit" auf, während die Lichtsignale strahlend hell und sehr gut sichtbar sind. Tagsüber ist der Effekt bei Dunst oder gar Nebel noch erheblich beeindruckender.
Liege ich da richtig, oder ist das rein subjektiv?
Wenn das Geld für S21 komplett in Sicherheit, Fahrzeugpark und marode Kleinbahnhöfe gepumpt würde, dann wäre wahrscheinlich alles zum Besten; vor allem würden zahlreiche kleine und mittelständische Unternehmen beschäftigt und Sicherheit für Pendler und Schüler erzeugt; so gibt es einen Bahnhof -S21-, den viele nicht wollen, der aber wohl ein recht lukratives Geschäft für einige ganz Große darstellt und für einige Eilige einen kleinen Zeitfortschritt darstellt.
Das ist nicht fair...
... wenn ein Sozialwissenschaftler meint, er habe sich genügend Sach- und Fachkenntnis angelesen, um über so ein sensibles Technikthema, wie es die Eisenbahn nun einmal ist, fundiert schreiben zu können? Da haben dann Formsignale "Zeiger" und ein zweiteiliger Triebwagen mutiert zu "zwei Triebwagen".
Übrigens: Daß die Signalleuchten der Formsignale "exakt das gleiche Signalbild" wie das der Lichtsignale zeigen, stimmte einmal; mit den neuen Ks-Lichtsignalen stimmt allerdings kaum noch ein (Licht-) Signalbild von Formsignalen überein.
Ich kann Ihren Kommentar nur als pauschale Entschuldigung für die Bahn verstehen oder sind Sie Bahnsprecher?
Es geht hier um Sicherheits-Standards wie z.B. PZB. Die Bahn (immer noch "Eigentum" des Bundes und damit auch des Steuerzahlers) ist nicht einmal in de Lage grundlegende Sicherheitsvorkehrungen umzusetzen. Megaprojekte wie Stuttgart-21 sind interessanter.
Sie haben Recht, dass nicht alle Schwierigkeiten in der technikgteschichte vorhersehbar waren. Aber nochmehr gilt: Sie waren vorhersehbar, aber man dachte es gehe gut. Das Beispiel mit der Gurtpflicht ist ausgesprochen mies, da es ja auch jedem Mittelschüler klar ist, was mit Objekten passiert die einer starken Be/Entschleunigung ausgesetzt sind, wenn sie dann irgendwo dagegenschleudern. Das war klar. Warum die Politik so spät reagiert oder auch nur die Autobauer, ist wieder eine andere Sache und hat wirklich damit zu tun, dass die Forderungen und Kritik an der Praxis stark werden, so eben nach den Unfällen. Das ist völlig richtig. Richtig ist aber auch, dass viele Probleme schon lang bekannt sind und es auch auf EU-Ebene Empfehlungen und Verordnungen gibt um die Personen zu schützen bei unfällen. Das kann, ja das muss kritisiert werden, natürlich besser bevor wieder ein trauriger Unfall geschieht. Medien wären nein SIND hier gefragt.
Ganz absurd wird ihre Argumentation, es sei nicht vorhersehbar, dass solche Zugunglücke passieren können und beim Unfall werde man auf die Problematik aufmerksam gemacht. Das ist ein schlechter Witz. Solche Unfälle passieren seid es Zugfahrt gibt und in der Frühzeit umso häufiger. Auch Frontalzusammenstösse, alles bekannt. Sonst würde es auch garnicht die ganzen Sicherungssysteme geben, wenn man darum nicht wüsste. Sie sind nur hier nicht eingebaut worden. Die Grenzgeschwindigkeit ist Irrsin, ob 110 oder 90, es ist tödlich.
Auch bei Zügen sind Crahsnormen sinnvoll, und auch wenn nur ein paar Verletzte oder Tote bei einem solchen Unglück vermieden werden können, hat die Öffentlichkeit einen Anspruch auf solide und stabile Technik die auch die Passagiere in einem ausreichenden Ausmaß schützt. Oder bestreiten sie den Schutzanspruch denn auch im Autobau?
Es ist reine Fahrlässigkeit und Sparzwang, der zu Lasten der menschen geht. Ich hoffe, auch wenn das leider keinen Menschen wieder lebendig macht, dass die Strafen und auch Strafzahlungen enorme Ausmasse annehmen, auch wenn ich aus der Erfahrung heraus daran nicht glaube.
Was die Crash-Bestimmungen angeht, hatte der Artikel bereits darauf hingewiesen, dass z. B. die Bahnen Frankreichs die Crash-Normen schon seit längerem und ohne eine EU-Vorschrift umsetzen. Und dass an dieser Norm schon seit längerem gefeilt wurde, sollte der Bahn nicht entgangen sein (wobei man sich bei dem Chaos-Unternehmen nicht sicher sein kann). Der Artikel hat auch nicht generell behauptet, dass der Crash-Vorbau im vorliegenden Fall Tote ausgeschlossen hat, sonst nur die Vermutung angestellt, dass es u. U. weniger Tote gegeben hätte.
Was die Frage der kamera-, radar-, oder lasergesteuerten Systeme angeht, ist mir die Auffassung Hechts nicht plausibel. Denn weshalb sollte man solchen Systemen nicht zugleich die Information zusteuern können, wie die nächsten Weichen gestellt sind?
Und was die Vorhersehbarkeit der im Artikel geschilderten Unfälle einschließlich des Anlassunfalls angeht, wäre jeder Zweifel lächerlich. Dass auf einer einspurigen Strecke und unter Berücksichtigung menschlichen Versagens zwei Züge zusammenstoßen können, liegt so sehr auf der Hand, dass man genau deswegen die PZB bereits in den 30er Jahren eingeführt hatte. Und Gründe, die die Annahme tragen, dass solche Unfälle nicht auch auf Strecken geschehen, auf denen nicht 100 gefahren werden darf, sind nicht ersichtlich. Was dabei rauskommen kann, wenn zwei langsamer als 100 km/h fahrende Züge zusammenstoßen, zeigt ja der Unfall in Hordorf anschaulich!
Der internationale Aufkauf von Bahn- und Transportunternehmen hatte doch noch einen weiteren Nachteil: Er hat eine unglaubliche Masse an Manpower im Konzern gebunden. Da standen die Leute für den heimischen Bereich wohl nicht zur Verfügung. Und weshalb die Bahn auch in Honkong präsent sein muss, leuchtet mir beim besten Willen nicht ein. Mit dieser Vorstellung von Größe und Internationalität sind schon andere Konzerne gescheitert: Man denke an die Post mit DHL (ausgerechnet in den USA, wo DHL angesiedelt war und wo die Post den Kauf tätigte), an Daimler mit Chrysler, an BMW mit Rover usw. Und wenn dann die internationalen Zukäufe keine Gewinne bringen, sondern mit den Gewinnen der Bahn aus dem Personennahverkehr (die Gewinne dort werden aus den Zuschüssen der Steuerzahler finanziert!) und dem Personenfernverkehr (wer ohne Bahnkarte erst drei, vier Tage vor der Fahrt ein Ticket kaufen kann, zahlt sich dull und dutt und das Mehrfache dessen, was er für eine Autofahrt oder einen Flug ausgibt) über Wasser halten muss, sind die Zukäufe überhaupt nicht gerechtfertigt.
Allerdings richten sich die Blicke dabei auch immer wieder auf das Bundesverkehrsministerium (das gilt nicht nur für Ramsauer, der ja erst relativ kurz im Amt ist, sondern für alle Vorgänger seit 1991, gleich welcher politischen Couleur) und den Bundestag. Man hat fröhlich zugeschaut - und schaut immer noch zu! Man lässt sich vom Konzern gewissermaßen vorführen.
Sie beschweren sich über falsche Erwartungshaltungen an die Bahn:
"Die neuen Normen der EU gelten wie sie schreiben erst seit 2009, da es ist kaum verwunderlich, dass die meisten Züge sie noch nicht erfüllen und Bestandsschutz genießen, genauso wie vorher bestellte Züge, die erst jetzt ausgeliefert werden."
Meine Erwartung als Dauerkundin der Bahn ist, dass man sich nicht zwei Jahre und länger auf "Bestandsschutz" beruft, sondern meine Sicherheit von Beginn an in den Mittelpunkt stellt.
Sind die entsprechenden EU-Vorschriften 2009 vom Himmel gefallen? Seit wann weiß man wohl, dass diese Vorschriften in Kraft treten? Ist das angeblich so kundenfreundliche Unternehmen nicht in der Lage, das wichtigste Kundeninteresse, nämlich lebend und gesund anzukommen, nicht auch ohne EU zu erkennen??? Ein Haltesignal versehentlich zu überfahren ist doch wohl etwas, von dem man seit Jahrzehnten weiß, dass es vorkommt...!!
Warum hat die Bahn auf eingleisigen Strecken nicht schon Überfahrschutz, seit dieser technisch machbar und in der Tat auch bezahlbar ist?
Sind die Leuchten gleich leuchtstark wie die von Lichtsignalen. Mir fällt bei Bahnfahrten in der Dunkelheit an Formsignalen immer eine gewisse "Funzeligkeit" auf, während die Lichtsignale strahlend hell und sehr gut sichtbar sind. Tagsüber ist der Effekt bei Dunst oder gar Nebel noch erheblich beeindruckender.
Liege ich da richtig, oder ist das rein subjektiv?
Wenn das Geld für S21 komplett in Sicherheit, Fahrzeugpark und marode Kleinbahnhöfe gepumpt würde, dann wäre wahrscheinlich alles zum Besten; vor allem würden zahlreiche kleine und mittelständische Unternehmen beschäftigt und Sicherheit für Pendler und Schüler erzeugt; so gibt es einen Bahnhof -S21-, den viele nicht wollen, der aber wohl ein recht lukratives Geschäft für einige ganz Große darstellt und für einige Eilige einen kleinen Zeitfortschritt darstellt.
Das ist nicht fair...
Wenn dieser Artikel und seine aufgelisteten Mängel richtig sind, haben die Angehörigen von den Bahn-Opfern das Recht, die Bahn und die Bundesregierung vor dem Bundesverfassungsgericht und dem Europäische Gerichtshof zu verklagen.
Danke
Das habe ich auch gedacht. Falls dies so haltbar ist, ist es eine Sache für den Staatsanwalt.
ob es sich für die Hinterbliebenen und Verletzten lohnen würde, oder ob das wieder aus der Portokasse geht.
Finanzieller Schmerzreiz für unverantwortliche Unternehmen und Gesetzgeber.
Das habe ich auch gedacht. Falls dies so haltbar ist, ist es eine Sache für den Staatsanwalt.
ob es sich für die Hinterbliebenen und Verletzten lohnen würde, oder ob das wieder aus der Portokasse geht.
Finanzieller Schmerzreiz für unverantwortliche Unternehmen und Gesetzgeber.
Ein Eisenbahnunternehmen ist nun mal kein Global Player und erst recht kein börsennotiertes Unternehmen. Fahrgäste und Fracht sollen sicher und pünktlich von A nach B gelangen und das wird nie nach rein betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten funktionieren. Die die das versuchen, setzen vorsätzlich Leben aufs Spiel und werden nicht zur Verantwortung gezogen. Oder wird gerade jemand verhaftet wegen Mord? Also, die Bahn muss in der öffentlichen Hand bleiben und die hat dafür zu Sorgen, dass die Bürger dieses Landes nach neuesten Sicherheitsstandards oder gesetzlich vorgegebenen transportiert werden. Das müssen wir uns doch wert sein.
Die BAHN hat aktuell doch ganz andere Probleme:
Internationlisierung durch Zukäufe,
Börsengang muss vorbereitet werden
und Sicherheit hat Vorrang,
ja sicher aber erstmal Stuttgart 21 durchboxen
und dann mal sehen ob noch etwas Bimbes dafür übrig ist.
@2.: Das Recht haben sie auch ohne dass die Mängelliste zutrifft.
Ganz generell ist der Artikel schlecht geschrieben. Nach dem was ich gelesen habe, bremste der Personenzug noch erheblich ab, nachdem über Funk gewarnt wurde. Nur das nützt alles nichts, wenn ein 1500 Tonnen Güterzug mit 80 km/h auf den Personenzug prallt. Das nutzt auch dann nichts, wenn der Personenzug steht.
Die kinestische Energie von 1500 Tonnen macht einfach alles platt.
Bevor die ZEIT also solch abenteuerliche Vorwüfe formuliert, sollte sie lieber erörtern, wie lange der Bremsweg eines solchen Güterzuges ist und ob er überhaupt rechtzeitig hätte gestoppt werden können. Und sie sollte erörtern, warum der Personenzugführer per Funk gewarnt werden konnte, aber der Güterzugführer nicht.
Ansonsten ist das viel heiße Luft der künstlichen Empörung, aber die erzeugt halt viele Page Impressions, gell? ;)
Wenn ich mich da richtig erinner' ist die Punkt-Zug-Beeinflussung ist so ausgelegt, dass ein Zug immer sicher zum Stehen gebracht werden kann. Funktioniert natuerlich nur, wenn sie vorhanden ist (und funktioniert).
Zum technischem Hintergrund kann ein eine Chaosradio Express Folge empfehlen http://chaosradio.ccc.de/...
Allgemein find ich das ziemlich erschreckend, mit welcher Dreistigkeit die Bahn da Sicherheitsvorschriften umgehen kann...
Das Ding heisst kinetische Energie. Verwenden Sie einfach das Wort Bewegungsenergie.
Wenn ich mich da richtig erinner' ist die Punkt-Zug-Beeinflussung ist so ausgelegt, dass ein Zug immer sicher zum Stehen gebracht werden kann. Funktioniert natuerlich nur, wenn sie vorhanden ist (und funktioniert).
Zum technischem Hintergrund kann ein eine Chaosradio Express Folge empfehlen http://chaosradio.ccc.de/...
Allgemein find ich das ziemlich erschreckend, mit welcher Dreistigkeit die Bahn da Sicherheitsvorschriften umgehen kann...
Das Ding heisst kinetische Energie. Verwenden Sie einfach das Wort Bewegungsenergie.
... wenn ein Sozialwissenschaftler meint, er habe sich genügend Sach- und Fachkenntnis angelesen, um über so ein sensibles Technikthema, wie es die Eisenbahn nun einmal ist, fundiert schreiben zu können? Da haben dann Formsignale "Zeiger" und ein zweiteiliger Triebwagen mutiert zu "zwei Triebwagen".
Übrigens: Daß die Signalleuchten der Formsignale "exakt das gleiche Signalbild" wie das der Lichtsignale zeigen, stimmte einmal; mit den neuen Ks-Lichtsignalen stimmt allerdings kaum noch ein (Licht-) Signalbild von Formsignalen überein.
Richtig, das Ks-Signalsystem verwendet etwas andere Signalbilder, aber das alte H/V-System, dass noch flächendeckend im Einsatz ist, besitzt das gleiche Signalbild wie das Nachtsignal der Formsignale.
Richtig, das Ks-Signalsystem verwendet etwas andere Signalbilder, aber das alte H/V-System, dass noch flächendeckend im Einsatz ist, besitzt das gleiche Signalbild wie das Nachtsignal der Formsignale.
technik einzuführen?
Die Überschrift ist irreführend oder demagogisch. Im gesamten Artikel lese ich nichts darüber, dass die Bahn zögert. SIe forciert nur nicht, weil es zum Teil irrsinig viel Geld kostet. Und in diesem Zusammenhang erinnere ich an Artikel und Leserbriefe in der Zeit, worin sich laut beklagt wurde, dass die Preise bei der Bahn schon wieder gestiegen sind. Und bevor jetzt - in diesem Zusammenhang - über den Gewinn der Bahn gerdet wird: Wenn man den Gewinn, den der Fernverkehr im letzte Jahr gemacht hat, auf die Anzahl der verkauften Fahrkarten runterbricht, kommt ein Centbetrag pro Fahrkarte raus...
Nun es gab mal einen Mann, der hatte die Geschäftsidee Läden aufzumachen, wo nichts teurer war als 99 Pfennig (oder cent ?).
Er wurde damit dennoch zum Millionär.
Ist es wirklich korrekt, vorschnell auf die Fahrkartenkäufer zu schimpfen, die gewiss nicht daran schuld sind, dass die Bahn privatisiert wird und Kosten auf die Kunden abwälzt? Ein Sicherheitssystem auch für Ostdeutsche nicht einzubauen ist menschenverachtend. Menschenverachtend auch der Zusatz: "..weil es zum Teil irrsinig viel Geld kostet..".
Für Prestigebahnhöfe und Schnellfahrstrecken ist das Geld unerwartet plötzlich wieder da.
...unnütze Kosten gibt es bei der Bahn zuhauf: Allein der Kauf einer einfachen Bahnfahrkarte am Schalter ist eine langsame, umständliche und teure Prozedur geworden. Bei meiner letzten Fahrt vor zwei Monaten dauerte das mindestens fünf Minuten, und am Ende hielt ich zwei ausgedruckte DIN-A-4-Seiten in den Händen: Die Abrechnung und die Fahrkarte. Zwei Papierbögen! Das kostet Geld, dazu die teuren Computer, Drucker, nicht zu vergessen die Automaten, mit denen der Ticketkauf fast genauso lange dauert. Sparsamkeit ist anhand dieses einfachen Beispiels nicht zu erkennen, gab es doch im vordigitalen Zeitalter ein kleines Gerät, mit dem der Schalterbeamte in Sekundenschnelle ein bedrucktes handliches Fahrkärtchen hervorzauberte.
Nun es gab mal einen Mann, der hatte die Geschäftsidee Läden aufzumachen, wo nichts teurer war als 99 Pfennig (oder cent ?).
Er wurde damit dennoch zum Millionär.
Ist es wirklich korrekt, vorschnell auf die Fahrkartenkäufer zu schimpfen, die gewiss nicht daran schuld sind, dass die Bahn privatisiert wird und Kosten auf die Kunden abwälzt? Ein Sicherheitssystem auch für Ostdeutsche nicht einzubauen ist menschenverachtend. Menschenverachtend auch der Zusatz: "..weil es zum Teil irrsinig viel Geld kostet..".
Für Prestigebahnhöfe und Schnellfahrstrecken ist das Geld unerwartet plötzlich wieder da.
...unnütze Kosten gibt es bei der Bahn zuhauf: Allein der Kauf einer einfachen Bahnfahrkarte am Schalter ist eine langsame, umständliche und teure Prozedur geworden. Bei meiner letzten Fahrt vor zwei Monaten dauerte das mindestens fünf Minuten, und am Ende hielt ich zwei ausgedruckte DIN-A-4-Seiten in den Händen: Die Abrechnung und die Fahrkarte. Zwei Papierbögen! Das kostet Geld, dazu die teuren Computer, Drucker, nicht zu vergessen die Automaten, mit denen der Ticketkauf fast genauso lange dauert. Sparsamkeit ist anhand dieses einfachen Beispiels nicht zu erkennen, gab es doch im vordigitalen Zeitalter ein kleines Gerät, mit dem der Schalterbeamte in Sekundenschnelle ein bedrucktes handliches Fahrkärtchen hervorzauberte.
Wenn ich mich da richtig erinner' ist die Punkt-Zug-Beeinflussung ist so ausgelegt, dass ein Zug immer sicher zum Stehen gebracht werden kann. Funktioniert natuerlich nur, wenn sie vorhanden ist (und funktioniert).
Zum technischem Hintergrund kann ein eine Chaosradio Express Folge empfehlen http://chaosradio.ccc.de/...
Allgemein find ich das ziemlich erschreckend, mit welcher Dreistigkeit die Bahn da Sicherheitsvorschriften umgehen kann...
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