Verkehr: Vorsicht, Bahn!
Nach dem Unfall von Hordorf: Warum zögert die Bahn, prinzipiell moderne Sicherheitstechnik einzuführen?
© Odd Andersen/AFP/Getty Images

Ein Polizeibeamter geht die eingleisige Bahnstrecke nahe Hordorf ab. Im Hintergrund steht die beschädigte Lok des Güterzuges. Sie kollidierte am 29.01.2011 mit einem Nahverkehrszug, zehn Menschen starben
Menschen machen Fehler. Selbst altgediente Fahrlehrer missachten irgendwann eine Vorfahrtstraße, auch erfahrene Lokführer überfahren im Nebel manchmal ein Haltesignal. Technik kann das zwar nicht verhindern. Aber dafür sorgen, dass der kleine menschliche Fehler keine fatalen Folgen hat – so wie am vergangenen Samstagabend beim Frontalzusammenstoß zweier Züge auf der eingleisigen Strecke zwischen Magdeburg und Halberstadt.
Wäre dort moderne Leittechnik installiert gewesen, hätte sie die Züge vor dem Zusammenstoß automatisch gestoppt. Und wären die Lok des Güterzugs und die beiden Waggons des HarzElbeExpress nach den neuesten Sicherheitsnormen gegen einen Aufprall geschützt gewesen, hätten mehr Fahrgäste den Unfall überlebt. Beides war leider nicht der Fall.
90 Prozent der deutschen Züge würden im Crashtest scheitern
Vor allem in den neuen Bundesländern wird der Zugverkehr auf vielen eingleisigen Strecken noch immer mit sogenannten Formsignalen aus der Vorkriegszeit geregelt. Doch im Nebel sind die roten und gelben Zeiger nicht so gut sichtbar wie moderne Lichtsignale. Auf dem Unglücksabschnitt fehlte zudem eine »Punktförmige Zugbeeinflussung«, kurz PZB genannt. Ignoriert der Lokführer ein Haltesignal , stoppt sie den Zug automatisch. Weil auf der Unglücksstrecke maximal 100 km/h erlaubt sind, durfte sie ohne PZB betrieben werden. Trotzdem sind fünf von sieben Stellwerken bereits nachgerüstet, denn die Bahn will die Höchstgeschwindigkeit auf 120 km/h steigern. An der Unfallstelle war die Installation für dieses Jahr geplant.
Ähnlich wie am aktiven mangelt es auch am passiven Unfallschutz. Mehr als 90 Prozent aller Personenzüge, die auf deutschen Gleisen unterwegs sind, würden den heute nach EU-Recht vorgeschriebenen Crashtest nicht bestehen. Das gilt selbst für die meisten ICEs – und auch für den in Sachsen-Anhalt verunglückten Zug aus zwei fast neuen Triebwagen des Herstellers Alstom.
»Das Beharrungsvermögen ist bei der deutschen Eisenbahn besonders ausgeprägt«, sagt Markus Hecht, seit knapp 15 Jahren Leiter des Fachgebiets Schienenfahrzeuge der Fakultät für Verkehrs- und Maschinensysteme an der TU Berlin. Wenn die Sicherheit des Zugverkehrs in der Vergangenheit verbessert wurde, dann immer nur als Reaktion auf schwere Unfälle. So ist seit 1975 die sogenannte fliegende Kreuzung verboten. Zuvor durfte der Fahrplan Zugbegegnungen mitten auf einer eingleisigen Strecke vorsehen. Natürlich sollten die Züge dort nicht tatsächlich zusammenstoßen. Derjenige Zug, der den eingleisigen Abschnitt zuerst erreichte, durfte hineinfahren, der Gegenzug musste warten. Das verbesserte die Pünktlichkeit – bis ein Missverständnis zwischen zwei bayerischen Fahrdienstleitern im Juni 1975 einen Frontalzusammenstoß mit 41 Toten und mehr als 100 Verletzten verursachte.
Auch das Notstopp-Funksignal verdankt seine Einführung einem Unglück. Ein Schienenbus war 1971 bei Radevormwald auf eingleisiger Strecke frontal auf einen Güterzug geprallt, es gab 46 Tote, darunter 41 Schülerinnen und Schüler. Der Fahrdienstleiter hatte das Desaster kommen sehen und noch vor dem Zusammenstoß die Rettungsdienste alarmiert. Doch die beiden Lokführer konnte er mangels Funknetz nicht mehr warnen.
Bereits 1996 hatte die EU Standards für die Umstellung Dutzender verschiedener analoger Bahnfunksysteme auf ein europaweit einheitliches und zuverlässigeres digitales Zugfunknetz mit Notruffunktionen festgelegt, genannt GSM-R. Die Einführung verzögerte sich jedoch immer wieder. Inzwischen sind rund drei Viertel des deutschen Gleisnetzes damit ausgestattet, die Unglücksstrecke in Sachsen-Anhalt gehört nicht dazu.







die allermeisten Kommentatoren übersehen, dass die Regelungen für den Bahnverkehr nicht von der DB AG sondern vom Eisenbahnbundesamt gemacht werden. Wenn dort Schwachstellen sind, ist das EBA, welches auch die Einhaltung der bestehenden Regelungen zu kontrollieren hat,in die Pflicht zu nehmen.
Die Gesetze schreibt nicht das EBA und die Verordnungen auch nicht. Und diese geben bis dato leider nicht viel her.
Die technischen Regeln schreibt sich die DB AG selbst.
... gebe ich Ihnen Recht.
Übrigens kostet ein Gleismagnet am Vorsignal oder Hauptsignal (Material + Installation) ca. 2000€.
Wird festgeschraubt und zwei Drähte werden angeschlossen. Fertig.
Die Gesetze schreibt nicht das EBA und die Verordnungen auch nicht. Und diese geben bis dato leider nicht viel her.
Die technischen Regeln schreibt sich die DB AG selbst.
... gebe ich Ihnen Recht.
Übrigens kostet ein Gleismagnet am Vorsignal oder Hauptsignal (Material + Installation) ca. 2000€.
Wird festgeschraubt und zwei Drähte werden angeschlossen. Fertig.
Sie begehen Kategoriefehler und wem die Strasse gehört ist eine völlig irrelevante Nebelkerze. Jammern sie eigentlich auch über die PISA-Ergebnisse?
Richtig, das Ks-Signalsystem verwendet etwas andere Signalbilder, aber das alte H/V-System, dass noch flächendeckend im Einsatz ist, besitzt das gleiche Signalbild wie das Nachtsignal der Formsignale.
Nebenbei bemerkt, und dann bin ich auch gleich mit ihnen fertig, die Fahrgäste im Zug haben garnicht die Möglichkeit ihre Sicherheit einzufordern, wie sich ein Autofahrer ja einfach einen Wagen mit ESP kaufen kann [Aber auch vor ESP und nach ESP, gibt es Unfälle, denn es hängt immernoch viel Verantwortung am Fahrer und seinem Fahrstil sowie seiner Erfahrung ab und auch technisches Versagen passiert noch immer]. Die Qualität einer Schienennetzsicherungstechnik oder den Sicherheitsstandard des Zuges kann der Fahrgast nicht beeinflussen, er ist dem befördernden Unternehmen ausgeliefert und wenn dieses nicht für Sicherheit sorgt, obwohl es einen Dienst für die Allgemeinheit zu erfüllen hat und es Vorschriften und technische Möglichkeiten seit langer Zeit gibt, so ist das etwas vollkommen Verschiedenes. Zudem, im Beispiel sind beide "Unfallgegner" durch die "Strasse", hier Schiene, und deren Systematik in den Unfall getrieben worden, der auf Grund der Umstände viel zu schnell zur Katastrophe führen konnte. Das Beispiel, was eigentlich passiert wenn ein Lokführer ohnmächtig würde oder lebensmüde Amok fahren möchte, verdeutlicht dies nur zu gut. Da gibt es durch fehlende Sicherheitstechnik keine Sicherheit und die Katastrophe ist vorprogrammiert. Sehen sie es ein, egal wo, es wird reglementiert und Sicherheit ist ein wichtiger und geforderter Wert in der modernen Technikgesellschaft, in nahezu jeder Sparte. Wer dem nicht nachkommt und mit dem Leben Vieler spielt, verdient Rüge.
Ich denke sie wären auch nicht begeistert, wenn sie ihr Auto jedes Jahr nach den neusten Sicherheitsnormen umbauen müssten. Deshalb gelten diese Normen nur für Neufahrzeuge, bei der Bahn ist es genauso.
Die Einsatzdauer von Zügen beträgt aber im Normalfall 30 Jahre, weswegen es im Vergleich zum Auto (10 Jahre) entsprechend länger dauert, bis alles ausgetauscht ist.
Ein Erfüllen der Sicherheitsnormen würde übrigens bedeuten die Front jeden Schienenfahrzeuges komplett neu zu bauen, was möglicherweise gar nicht oder nur mit unverhältnismäßigem Aufwand möglich ist.
Meine Aussage, dass so etwas "irrsinnig" viel Geld kostet, ist nicht menschenverachtend, sondern die schlichte Feststellung einer Tatsache.
Sie dürfen nicht Birnen mit Äpfeln in Ihrer Argumentation vertauschen: Es gibt seitens des Bundes Geld für das Bestandsnetz und das Bedarfsnetz. Und Geld, was für das Bedarfsnetz gegeben wird, kann nicht im Bestandsnetz verwendet werden. Sie dürfen dreimal raten, welches "Netz" mehr Geld zur Verfügung hat? Genau, damit werden die Prestigeprojekte (bei diesem Begriff bin ich bei Ihnen) und Träume lokaler Politiker verwirklicht.
Was glauben Sie, wer bei der Bahn (außer einigen in BW) das Projekt Stuttgart 21 wirklich wollte? Oder den Citytunnel in Leipzig (dessen Realisierung durch die Bahn von selbiger 2 mal abgelehnt wurde)?
"sind es ohnehin quasi nur noch ostdeutsche Strecken, die noch nicht mit PZB nachgerüstet wurden"
Ja genau, wer wird sich denn wegen der paar ostdeutschen Strecken so aufregen...
Glaubt irgendjemand ernsthaft, dass die Bahn auch nur ein bisschen sicherer wäre, wenn sie von Beamten gesteuert werden würde?
Vermutlich würd se dann noch mehr in Bürokratie versinken.
Das Primat der Betriebswirtschaft ist man dann aber los. Es ist doch schon seltsam, dass man seitens der Bahn lieber Milliarden in riesige Prestige-Objekte steckt, man sicherheitstechnisch aber teilweise sich noch im Dampflok-Zeitalter befindet.
Beim Transrapid-Unfall von Lathen fuhr man sicherheitstechnisch mit über 400 km/h auf Sicht - da traf Hochtechnologie des 21. Jahrhunderts auf Sicherheitstechnologie aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts...
Die von Beamten betriebene Bundesbahn war pünktlicher und ich fühlte mich in Zügen mit Zugführer und ein/zwei Schaffnern sicherer als in Zügen, die häufig ohne Zugbegleitpersonal fahren, z. B. RE5 (Rheinexpress).
Das Primat der Betriebswirtschaft ist man dann aber los. Es ist doch schon seltsam, dass man seitens der Bahn lieber Milliarden in riesige Prestige-Objekte steckt, man sicherheitstechnisch aber teilweise sich noch im Dampflok-Zeitalter befindet.
Beim Transrapid-Unfall von Lathen fuhr man sicherheitstechnisch mit über 400 km/h auf Sicht - da traf Hochtechnologie des 21. Jahrhunderts auf Sicherheitstechnologie aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts...
Die von Beamten betriebene Bundesbahn war pünktlicher und ich fühlte mich in Zügen mit Zugführer und ein/zwei Schaffnern sicherer als in Zügen, die häufig ohne Zugbegleitpersonal fahren, z. B. RE5 (Rheinexpress).
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