Gesellschaftskritik Über ungleiche Brüder
© Gareth Cattermole/Getty Images

Sänger Elton John
Brüder, die sich gut verstehen, können zusammen Fußball spielen (die Abramcziks), Märchen erzählen (die Grimms), denken (die Humboldts), Banken gründen (die Lehman Brothers), Banken ausrauben (die Brüder Sass), Millionen im Internet verdienen (die Samwers) oder auch zusammen singen (die Gibbs). Und so weiter. Brüder, die sich weniger gut verstehen, können ebenfalls in die Kulturgeschichte eingehen, müssen sich dafür aber meist erschlagen (Kain und Abel, Romulus und Remus).
Insofern muss man es als zivilisatorischen Fortschritt werten, dass Elton John und sein Bruder, die sich noch weniger gut verstehen, einander einfach aus dem Weg gehen. Schaut man sich die Fotos von Elton John, 63, und seinem Halbbruder Geoff Dwight, 43, an, wird zunächst deutlich, dass sie zwar denselben Vater haben mögen, aber definitiv einen anderen Friseur.
Die britischen und deutschen Boulevardzeitungen schlachteten jetzt die Geschichte des angeblich »verkommenen« Halbbruders, der in einer schäbigen Hütte in Nordwales lebt, genüsslich aus. Während also Elton John jährlich mehrere Hunderttausend Euro allein für Blumengestecke in seinem Haus ausgibt, lebt Geoff Dwight in bitterer Armut und von der Hand in den Mund.
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Doch allein wenn man sich die Fotos der beiden ungleichen Brüder anschaut, fragt man sich rasch, ob die gefärbten Haare, die getönte Brille und der rosa Anzug von Elton John ästhetisch nicht weitaus verkommener sind als der selbstbewusst aus seiner chaotischen Prekariatshütte lächelnde Geoff Dwight. Sein herrlich wirres Haupthaar und das Blitzen in den Augen vor zugemüllter Erfinderwerkbank erinnern uns wärmstens an den verrückten englischen Zauberer Catweazle aus der gleichnamigen Fernsehserie der siebziger Jahre. In den Interviews, die der Halbbruder nach seiner Entdeckung nun freimütig gegeben hat, wurde aber vor allem deutlich, dass die beiden zwar biologisch verschwistert sind, man aber ganz offenkundig nicht von Brüdern im Geiste sprechen kann. Er sei zu stolz, um seinen Bruder um Geld zu bitten, sagt Geoff Dwight etwa.
Ob er nicht manchmal mit dessen Leben tauschen wolle, wurde er da gefragt. Da sprach er, die Arme vor der Brust verschränkt, grinsend den großen Satz: »Ich bin lieber Geoff Dwight als Elton John.« Sein großer Bruder tue ihm eher leid. »Er wirkt etwas einsam und traurig auf mich, wie er da in seiner Blase aus Berühmtheit lebt.« Wir lernen daraus: Auch Brüder, die sich nicht verstehen, sind für den Fortgang der Kulturgeschichte unerlässlich. Nur von ihnen hört man wahre Gesellschaftskritik.
- Datum 03.02.2011 - 10:23 Uhr
- Serie Gesellschaftskritik
- Quelle ZEITmagazin, 3.2.2011 Nr. 06
- Kommentare 22
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Er mag die "Musik" seines Bruders nicht...
fast ein ABO der Zeit zu haben und so einen nichts sagenden Artikel zu finanzieren.
1. Nicht jeder Artikel muss ja zwingend das Niveau eines wissenschaftlichen Textes haben.
2. Die Online-Seite wird wohl maßgeblich aus Werbung finanziert und ist kostenlos.
3. Es gibt genügend andere bessere Artikel, es gibt ja keinen Lesezwang.
4. Ferner keinen Abo-Zwang
5. Warum sollte sich der Leser denn schämen? Weil er nicht selektieren kann in der Menge der Artikel?
Und zu den Kritiken warum hier nicht das Bild aus der Boulevardpresse zu sehen ist: Das ist ja in der engl. Boulevardpresse zu sehen und nicht in der Zeit! Wie kann man sich nur ernsthaft darüber aufregen weil man die "Werkbank" nicht sieht....
Manchmal frage ich mich was die Kommentarfunktion soll, aber dann muss ich mich auch hinterfragen und finde es mitunter auch komisch, dass ich auf so etwas antworte... Schreibzwang?
.......man kann das Abo doch kündigen. Wenn Sie einen Artikel nicht verdauen können, sollten Sie das unbedingt. Aber was geht uns das an?
1. Nicht jeder Artikel muss ja zwingend das Niveau eines wissenschaftlichen Textes haben.
2. Die Online-Seite wird wohl maßgeblich aus Werbung finanziert und ist kostenlos.
3. Es gibt genügend andere bessere Artikel, es gibt ja keinen Lesezwang.
4. Ferner keinen Abo-Zwang
5. Warum sollte sich der Leser denn schämen? Weil er nicht selektieren kann in der Menge der Artikel?
Und zu den Kritiken warum hier nicht das Bild aus der Boulevardpresse zu sehen ist: Das ist ja in der engl. Boulevardpresse zu sehen und nicht in der Zeit! Wie kann man sich nur ernsthaft darüber aufregen weil man die "Werkbank" nicht sieht....
Manchmal frage ich mich was die Kommentarfunktion soll, aber dann muss ich mich auch hinterfragen und finde es mitunter auch komisch, dass ich auf so etwas antworte... Schreibzwang?
.......man kann das Abo doch kündigen. Wenn Sie einen Artikel nicht verdauen können, sollten Sie das unbedingt. Aber was geht uns das an?
... wenn sich die, die es nicht so "weit gebracht" haben, auch noch wohlfühlen in ihrer unterdurchschnittlichen Haut. Arme Amy Chua, armer Bernard Bueb, armer Nietzsche ... Euch ist ja schon die "Mittelmäßigkeit" ein unerträglicher Dorn im Auge, und nun das ... ein zufriedener Prekarier, der z. B. nie eine Geländewagen-Dominanzschüssel sein eigen nennen wird ... wofür denn dann die ganze Vertikalstreberei?! Schlimm.
Ich kann auf dem Artikel-Photo keine Werkbank entdecken.
warum man solche Artikel schreibt, ist doch die Frage, warum ich sie lese.
Nur Menschen,die in einem Nanny-State leben,wie in Deutschland können sich den Luxus leisten Armut als "chic" zu bezeichnen und Reichen als verkommen abzustempeln.
Kein Wunder ist Zürich mit deutschen Millionären vollgestopft und meine Solidarität haben sie auch.
http://www.dailymail.co.u...
Scheint ja einen Nerv getroffen zu haben.
"Nur Menschen,die in einem Nanny-State leben,wie in Deutschland"
Du lebst nicht in D, richtig?
"Kein Wunder ist Zürich mit deutschen Millionären vollgestopft und meine Solidarität haben sie auch."
Na dann, aber bitte erwarte von den asozialen deutschen Steuerkriminellen nicht zuviel Gegenleistung, kann sein, dass die dann ganz schnell nach Monaco, Luxemburg, Liechtenstein oder auf die Caymans fliehen, um ihren Mehrwertdiebstahl und ihre leistungsfreien Erbschaften voll und ungestört auskosten zu können...
http://www.dailymail.co.u...
Scheint ja einen Nerv getroffen zu haben.
"Nur Menschen,die in einem Nanny-State leben,wie in Deutschland"
Du lebst nicht in D, richtig?
"Kein Wunder ist Zürich mit deutschen Millionären vollgestopft und meine Solidarität haben sie auch."
Na dann, aber bitte erwarte von den asozialen deutschen Steuerkriminellen nicht zuviel Gegenleistung, kann sein, dass die dann ganz schnell nach Monaco, Luxemburg, Liechtenstein oder auf die Caymans fliehen, um ihren Mehrwertdiebstahl und ihre leistungsfreien Erbschaften voll und ungestört auskosten zu können...
Und wo sieht man mal ein Foto von GEOFF DWIGHT ?
Ein Artikel ausführlich über den Halbbruder, soll verschroben aussehen.
Aha, ja nee klar Du....
@Redaktion: wenn ihr schon einen Boulevard-Artikel produziert, dann zeigt doch wenigstens das Bild von BEIDEN Männern. Was soll ein Bild von Elton mit Lebensgefährte? Ich dachte erst, der Lebensgefährte sei sein Bruder, bis ich die Bildunterschrift gelesen hatte.
@Redaktion: wenn ihr schon einen Boulevard-Artikel produziert, dann zeigt doch wenigstens das Bild von BEIDEN Männern. Was soll ein Bild von Elton mit Lebensgefährte? Ich dachte erst, der Lebensgefährte sei sein Bruder, bis ich die Bildunterschrift gelesen hatte.
Weiß ich mehr über Eltons Halbbruder? Nein, im Artikel steht NICHTS als leeres Gelaber.
Bitte formulieren Sie Ihre Kritik sachlich und untermauern Sie diese mit Argumenten. Danke. Die Redaktion/ew
...ein Boulevard-Artikel, der sich nicht getraut voyeuristisch zu sein, ganz ohne Paparazzi-Fotos und zu allem Überfluß auch noch in der Rubrik "Gesellschaftskritik" :-)
Also das geht auch besser liebe ZEIT, oder noch besser: nämlich gar nicht. Auf Artikel die sich BUN*E oder BI*D Niveau angleichen, würde ich gerne verzichten.
...ein Boulevard-Artikel, der sich nicht getraut voyeuristisch zu sein, ganz ohne Paparazzi-Fotos und zu allem Überfluß auch noch in der Rubrik "Gesellschaftskritik" :-)
Also das geht auch besser liebe ZEIT, oder noch besser: nämlich gar nicht. Auf Artikel die sich BUN*E oder BI*D Niveau angleichen, würde ich gerne verzichten.
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