Das Luxushotel Le Meurice, Paris: weißes Holz, Gold, Spiegel.

Er gibt Interview-Slots für gleich zwei Filme, den Cyberspace-Film »Tron Legacy« und den Western »True Grit«, das neue Werk der Coen-Brüder, ein Remake des gleichnamigen Films von 1969, für den John Wayne den Oscar bekam. Die beiden Filme mit Jeff Bridges in der Hauptrolle sind in den USA die Kassenschlager der Saison.

Wir haben einen Zwanzig-Minuten-Slot zu »True Grit«, sind also angehalten, Fragen zum Western zu stellen, zu Cowboys und zu der Augenklappe, die John Wayne vor 40 Jahren trug und nun Jeff Bridges in der Rolle des Marshals Reuben J. Cogburn trägt. Zwanzig Minuten mit Jeff Bridges: der pure Luxus. Er ist auf dem Zenit seines Ruhms, seiner Kraft, seines Könnens, seiner Erfahrung.

Wenn es in Hollywood einen Star gibt, mit dem man wirklich gerne Zeit verplempert, dann ist es er: Jeff Bridges – der Dude aus »The Big Lebowski« , großer Slacker, Hippie, Cowboy, Gentleman. Bridges gilt als maulfaul und wenn nicht als schlichter, dann doch als bequemer Denker: ideale Bedingungen für die 99 Fragen.

Wir wollen ja praktisch nichts, keine großen Antworten, nur ein bisschen Stimmung aufnehmen. Seine Pressefrau bringt ihn herein, er steht gleich sympathisch unentschlossen mit seinem großen Körper im Raum herum: Cowboystiefel, Jeans, Gold- Rolex. Was für ein Mann.

Bridges verkörpert jene altmodische Männlichkeit (mit Vollbart, zurückgekämmten Haaren, Bauchansatz), die hippe, junge Männlichkeits-Darsteller in New York und Berlin, denen jedes Talent zur Männlichkeit abgeht, so gerne nachahmen. Er begibt sich nun – Achtung, man stelle sich das vor – in die folgende Zuhörposition: Sitzen auf der äußersten Kante des Stuhles, Rausstrecken des Bauchs, Zurücknehmen der Schultern, Ablegen der Hände auf den Kniespitzen.

Gut, viel geiler kann man nicht dasitzen: gleichzeitig vollkommen entspannt und vollkommen anders als andere Menschen. Wer weiß, vielleicht ist das eine Entlastungsposition für seinen Rücken. Husten, Räuspern, der Körper des Hollywoodstars spricht. Fragen zu seinem großen Vorgänger, dem Supermann und Supercowboy John Wayne. Die berühmten Jeff-Bridges-Äuglein lächeln.

1. Was ist beim Schauspielen mit Augenklappe zu beachten?

Spielen mit Augenklappe ist nicht viel anders als Spielen ohne Augenklappe.

2. Haben Sie die Augenklappe über dem rechten oder dem linken Auge getragen?

Über dem rechten Auge.

3. Ist das das Auge, über dem John Wayne die Augenklappe getragen hat?

John trug die Klappe über dem linken, ich über dem rechten Auge. Keine Ahnung, warum, aber das rechte Auge hat für mich einfach besser funktioniert. Es war keine politische Entscheidung.

4. Wie lautet Ihre Erklärung dafür, dass Marshal Reuben J. »Rooster« Cogburn, obwohl er eine Augenklappe trägt, ein derart sicherer Schütze ist?

Übung.

5. Kann es einen cooleren Gegenstand auf Erden geben als eine Augenklappe?

Keine Ahnung.

6. Haben Sie als Marshal Rooster Cogburn mit echten Waffen geschossen?

Ob ich im Film mit echten Waffen geschossen habe? Nein. Es ist alles immer nur Attrappe.

7. Ihr Lieblingsspruch als Marshal Cogburn in »True Grit«?

Der berühmteste Spruch fällt natürlich, als der Marshal sich die Zügel in den Mund stopft, damit er die Hände zum Schießen frei hat: »Fill your hands, you son of a bitch.«

8. Was wusste John über das Reiten?

Er vergisst einfach alles, was gerade keine Rolle spielt. Und reitet.

9. Was wusste John über das Schießen, das Schauspieler heute nicht mehr wissen?

Er zieht den Hahn.

10. Echt wahr, dass John Wayne so grandios wie kein Zweiter auf der Mitte der Straße stehen konnte?

Die besten amerikanischen Schauspieler konnten die einfachen Dinge gut, schießen, Guten Tag sagen, dastehen.

11. Wenn John Wayne Angie Dickinson in »Rio Bravo« hatte, wen haben dann Sie?

Ich habe meine Frau.

12. Echt wahr, dass John Wayne auf denselben Spitznamen hörte wie Sie, »The Dude«?

Nein! Ich bin der Dude. Er ist der Duke.