Till Brönner Der Glanz der Trompete

"Talking Jazz": Till Brönner und Claudius Seidl reden über die Kunst des Swing.

Keine Brüche, keine Reibung. Auch das kann Jazz sein, zeigt Till Brönner

Keine Brüche, keine Reibung. Auch das kann Jazz sein, zeigt Till Brönner

Till Brönner mag Glanz. Und bei Big Bands, das sah der Trompeter schon in jungen Jahren, ist viel Glanz im Spiel: die Saxofone, Posaunen. Und die Trompeten! Doch die Instrumente sind nicht alles: Schon als Kind war Brönner begeistert von den Uniformen der Band-Musiker. Zu so einer Big Band wollte er auch gehören.

Mittlerweile hat er diese Orchester so weit hinter sich gelassen, dass er allenfalls als Gaststar hinter das Solistenmikrofon tritt: Till Brönner ist ein Vorzeigekönner und der Popstar unter den deutschen Jazzmusikern, fotogen, glamourös – ein Thema für Hochglanzmagazine. Derzeit erschließt er sich als Juror in der Vox-Castingshow X Factor ein weiteres Publikumssegment, und mit dem Doppelschlag von At the End of the Day, seiner neuen CD, und Talking Jazz, einem Buch, das Claudius Seidl, der Feuilletonchef der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, aus einer Reihe von sommerlichen Gesprächen auf der Havel destillierte, unterstreicht er seinen Status.

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Talking Jazz: Nach einem Intro, in dem Claudius Seidl die Umstände ihres Zusammentreffens schildert, tritt der Solist an die Rampe und spricht, als reihe er Chorus an Chorus. Im Plauderton erzählt er über seinen Werdegang, sein schwierig zu meisterndes Instrument, seine Begegnungen mit Stars des deutschen Unterhaltungsbusiness, den Jazz als solchen.

Während Seidl sich mit der Funktion eines Stichwortgebers begnügt, sprudelt Till Brönner vor Erzählfreude. Er kennt das Jazz-Repertoire aus dem Effeff; von Louis Armstrong über Harry »Sweets« Edison bis zu Chet Baker sortiert er seine Herzensmusiker ins Töpfchen und schiebt den Teil der Jazzgeschichte, der seinen Präferenzen zuwiderläuft, das Ungesicherte, Riskante, kurz: den »modernen« Impuls des Jazz, ins Reich der Brillenträger, der Lehrer mit Cordhosen und sonstigen Nerds. Schwierig oder intellektuell, schlecht angezogen oder gar rebellisch – so etwas kann der Trompeter nicht leiden.

Anders als die Gründerväter des deutschen Jazz, die mit ihrer Liebe zur »Negermusik« Jazz in Widerspruch zur Generation ihrer häufig in die Maschinerie und die Denkmuster der Nazis verstrickten Eltern traten, hält sich die Vita des 1971 geborenen Brönner im Bereich des spektakulär Unspektakulären: intaktes Elternhaus, Orchester an der Jesuitenschule, Landessieger bei Jugend jazzt, Bundesjugendjazzorchester, die Kaderschmiede des Jazznachwuchses. Dann eine gut bezahlte Stellung im Rias-Tanzorchester – und die Jugend ist vorbei. Keine Brüche, keine Reibung – der alte Jazzmythos, dass interessante Musik ein Leben am Rand der Gesellschaft voraussetze, zerbröselt zu Staub. Till Brönner ist ein Mann traditioneller Werte: Er schwärmt für die alten Meister, singt das Hohelied von Disziplin und Unterordnung und plädiert für Nachahmung als Weg zur Kunst. Und er liebt den Glanz seiner Trompete.

 
Leser-Kommentare
  1. Ja, glänzen tut er, und glänzend verdienen sowieso. Aber er ist ein glatter Langweiler, ein Artefakt des Marketings. Nichts hat er zu sagen, außer den Kopien, die er vorzeigt. Wie langweilig. Wie atemberaubend dagegen ein Kenny Wheeler, der so unvergängliche Noten geblasen hat, und der tingelt kaum beachtet durch die Lande. Aber so ist die Welt nun mal: da draußen laufen Hunderte von kreativen Genies herum, und Till Brönner und Neo Rauch machen Kasse, weil sie gaaanz laut ICH sagen können, und es genug Trottel gibt, die selber kein Ohr zum Hören, kein Auge zum Sehen, und erst recht kein Hirn zum Denken haben und sagen: ah ja, das ist es mir wert. Fenster weit auf und raus mit den Talern!

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    • cs
    • 06.02.2011 um 15:54 Uhr

    ... aber das hier hat 100mal mehr leben als dieser Snob:

    • dacapo
    • 09.02.2011 um 21:50 Uhr

    Dann muss ich bekennen: ich bin ein Trottel, habe keine Ohren zum Hören, kein Auge zum Sehen und erst recht kein Hirn zum Denken. Ich muss aber davon ausgehen, dass Sie all die Fähigkeiten besitzen. Hut ab dafür. Warum erwähnen Sie denn nur den von Ihnen verehrten Wheeler, wenn Sie schon Alternativen zu Brönner erwähnen wollen (warum auch immer)? Fragen Sie doch mal Wheeler, was der von Brönner hält, als Musiker. Was nun aber eine unvergängliche Note ist, kann ich natürlich sowieso nicht verstehen, es fehlt mir das passende Hirn.

    • cs
    • 06.02.2011 um 15:54 Uhr

    ... aber das hier hat 100mal mehr leben als dieser Snob:

    • dacapo
    • 09.02.2011 um 21:50 Uhr

    Dann muss ich bekennen: ich bin ein Trottel, habe keine Ohren zum Hören, kein Auge zum Sehen und erst recht kein Hirn zum Denken. Ich muss aber davon ausgehen, dass Sie all die Fähigkeiten besitzen. Hut ab dafür. Warum erwähnen Sie denn nur den von Ihnen verehrten Wheeler, wenn Sie schon Alternativen zu Brönner erwähnen wollen (warum auch immer)? Fragen Sie doch mal Wheeler, was der von Brönner hält, als Musiker. Was nun aber eine unvergängliche Note ist, kann ich natürlich sowieso nicht verstehen, es fehlt mir das passende Hirn.

    • cs
    • 06.02.2011 um 15:54 Uhr

    ... aber das hier hat 100mal mehr leben als dieser Snob:

    Antwort auf "Ja, ja - der Glanz"
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    • cs
    • 06.02.2011 um 15:59 Uhr

    ... (warum eigentlich?) ... was zu sehen wäre, wäre Shonen Knife's "Top of the World" (nur für die, die sich wundern, was für`n Quark Ich da oben gepostet habe ...

    • cs
    • 06.02.2011 um 15:59 Uhr

    ... (warum eigentlich?) ... was zu sehen wäre, wäre Shonen Knife's "Top of the World" (nur für die, die sich wundern, was für`n Quark Ich da oben gepostet habe ...

  2. ... erfährt man im Artikel. Wie z. B. klingt denn Brönners "Hohelied der Unterordnung"? Wär doch interessant.

    ... bekannt ist Brönners tolle Platte mit Manfred Krug, "Schlafstörung". Darauf findet sich eine super Version von Bacharachs "Raindrops keep falling on my head", von Krug schön verdeutscht und von Brönner sehr, sehr funky arrangiert - Kunststück: Sie klingt genau wie D'Angelos ein Jahr vorher erschienenes, fabelhaftes "Chicken Grease" (so gut klauen muss man auch erst mal können).

    ... bekannt ist auch, dass man tiefer als zum Mitglied der Jury einer Castingshow in Wahrheit nicht sinken kann, auch wenn's für manche aussehen mag wie das Gegenteil. Natürlich musste er die Dramaturgie dort mittragen, hat dies jedoch sichtlich gerne getan und wirkte dabei manchmal nett, aber meistens ziemlich abstoßend. Ihr wisst schon: dieses urteilende Getue - die Pest.

    ... gewürdigt wird die große Musikalität seiner Soli und Arrangements, er hat bei den Besten abgeschaut und sie verinnerlicht, und er führt stellenweise große Traditionen fort.

    Gut, hab' ich jetzt auch geurteilt.

    • cs
    • 06.02.2011 um 15:59 Uhr

    ... (warum eigentlich?) ... was zu sehen wäre, wäre Shonen Knife's "Top of the World" (nur für die, die sich wundern, was für`n Quark Ich da oben gepostet habe ...

  3. Wer etwas gegen Cordhosenträger sagt, hat auf eine Art dann wieder überhaupt keine Ahnung und macht sich des schon seit ca. 1992 unerträglich überstrapazierten Hippie- und Sozialpädagogen-Bashings verdächtig, das hat sooooooo'n Bart. Außerdem: Cordhosen sind prima.

  4. Warum macht es sich der Jazz so dermaßen schwer? Ich glaube, es gibt kaum eine Genre, wo es so viel Gelaber darüber gibt, ob etwas Jazz ist oder nicht. Und hat jemand Erfolg, siehe Till Brönner, kann es laut den intellektuellen Cordhosenträgern kein Jazz sein. Das verbietet sich von selbst. Wenn man sich die Geschichte des Jazz ansieht, ist es eigentlich ein Trauerspiel. Miles Davis wurde von Branford Marsalis (oder war es der andere Marsalis?) verrissen, als dieser begann, Grenzen auszutesten. Miles Davis hat den Jazz revolutioniert, aber Marsalis meint, was Davis ab einem gewissen Zeitpunkt gemacht hat, sei kein Jazz mehr. Jazz ist die lebendigste Musik, wie ich finde, weil sie es versteht, sich unterschiedlichster Stilelemente zu bedienen und somit Grenzen zu verschieben.

    All diejenigen, die darüber in epischer Breite diskutieren, was Jazz ist und was nicht mehr, sollen einfach mal den Ur-Jazz hören. Dann ist heute praktisch gar nichts mehr Jazz, weil den Ur-Jazz kaum noch jemand hört. Und auch niemand hören mag, weil es einfach eine andere Zeit war. Jazz lebt und Jazz entwickelt sich ständig weiter. Und ich bin Till Brönner dankbar, dass er Menschen den Jazz nahebringt. Auch ich bin über Umwege zum Jazz gekommen. Mein Gehör musste sozusagen erst sensibilisiert werden. Ich habe Miles Davis vor 20 Jahren als quäkend empfunden. Heute ist er für mich einer der Größten.

    Till, auch wenn Du ein Aalglatter bist, mach einfach so weiter. Erfolg hat viele Neider.

    Eine Leser-Empfehlung
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    1. Sie meinen Wynton Marsalis. Brandford hat mit Buckshot Lefonque - genau wie Miles Davis - begrüßenswerte Ausflüge in den Funk unternommen, die seinem Bruder Wynton missfallen haben dürften.

    2 Es heißt nicht "die Genre".

    3. Was tragen Sie für Hosen? Neopren?

    • Quirke
    • 08.02.2011 um 13:27 Uhr

    Wenn Sie mit Ur-Jazz (den kaum jemand hört) den New-Orleans-Jazz meinen: es gibt noch viele Jazzliebhaber, die diese Art von Jazz (ich gehöre dazu und höre mir immer noch mit Genuss Louis Armstrongs Hot Five und Hot Seven an). Und was soll heißen, dass es "einfach eine andere Zeit" war? Übersetzt in die "E-Musik" müßte das ja heißen, dass man heutzutage nur noch Stockhausen und Zwölftonmusik hört und dass Mozart, Beethoven usw., die "einfach in einer anderen Zeit" lebten und komponierten nicht mehr aktuell sind. - Sie machen den (allerdings weit verbreiteten) Fehler, Ihre Meinung und Ihre Vorlieben und Abneigungen für repräsentativ für den Rest der Menschheit zu halten.

    1. Sie meinen Wynton Marsalis. Brandford hat mit Buckshot Lefonque - genau wie Miles Davis - begrüßenswerte Ausflüge in den Funk unternommen, die seinem Bruder Wynton missfallen haben dürften.

    2 Es heißt nicht "die Genre".

    3. Was tragen Sie für Hosen? Neopren?

    • Quirke
    • 08.02.2011 um 13:27 Uhr

    Wenn Sie mit Ur-Jazz (den kaum jemand hört) den New-Orleans-Jazz meinen: es gibt noch viele Jazzliebhaber, die diese Art von Jazz (ich gehöre dazu und höre mir immer noch mit Genuss Louis Armstrongs Hot Five und Hot Seven an). Und was soll heißen, dass es "einfach eine andere Zeit" war? Übersetzt in die "E-Musik" müßte das ja heißen, dass man heutzutage nur noch Stockhausen und Zwölftonmusik hört und dass Mozart, Beethoven usw., die "einfach in einer anderen Zeit" lebten und komponierten nicht mehr aktuell sind. - Sie machen den (allerdings weit verbreiteten) Fehler, Ihre Meinung und Ihre Vorlieben und Abneigungen für repräsentativ für den Rest der Menschheit zu halten.

  5. 1. Sie meinen Wynton Marsalis. Brandford hat mit Buckshot Lefonque - genau wie Miles Davis - begrüßenswerte Ausflüge in den Funk unternommen, die seinem Bruder Wynton missfallen haben dürften.

    2 Es heißt nicht "die Genre".

    3. Was tragen Sie für Hosen? Neopren?

    Antwort auf "Warum bloß???"
  6. Zu 1) Danke, irgendein Marsalis halt.

    zu 2) Wer frei von Fehlern ist, werfe den ersten Stein. Es sollte außerdem "ein Genre" heißen, aber danke, dass Sie die Rechtschreibpolizei spielen wollen.

    zu 3) Weiß nicht, was die Frage soll, aber ich trage Jeans, Stoffhosen und hab sogar eine Cordhose im Schrank. Und meinen Neoprenanzug nutze ich zum Freiwasserschwimmen, wenn es kalt ist.

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