Politikerinnen : Zur Frau gemacht

Zwei Politikerinnen, Mitte 30, auf dem Weg nach oben: Die Sozialdemokratin Manuela Schwesig und die CDU-Frau Julia Klöckner. In welcher der beiden Volksparteien ist der Aufstieg leichter?

Muss das wirklich sein, dass ein Porträt über zwei aufstrebende Politikerinnen mit dem Äußeren anfängt, mit blonden Haaren und schönen Augen? Ja, Entschuldigung, es muss sein, wenn das Aussehen so sehr ins Auge fällt wie bei Julia Klöckner und Manuela Schwesig. Wenn es also so wichtig dafür ist, wie diese Politikerinnen von Kameras, Wählern und Konkurrenten gesehen werden, auch wenn die beiden den Faktor Frau gern ignorieren würden. Also, fürs Protokoll: Klöckner, 38, unverheiratet, kinderlos, üppig, strahlt streifenfreie Sauberkeit und bodenständige Herzlichkeit aus, als ehemalige Weinkönigin entspricht sie konservativen Klischeevorstellungen, dass es schon fast wehtut. Schwesig, 36, verheiratet, ein Kind, ist schlank, hat lange Haare, lange Beine und ein Gesicht mit nur einem winzigen Makel, einer kleinen Stirnnarbe aus DDR-Kindheitstagen. Ein Matchbox-Auto aus einem Westpaket war damals schuld; Schwesig rannte hinter dem Flitzer her und rutschte aus.

Julia Klöckner, CDU, und Manuela Schwesig, SPD, zwei Frauen, zwei Hoffnungsträgerinnen ihrer Parteien , zwei Wetten auf die Zukunft. Die eine, Staatssekretärin im Verbraucherschutzministerium, will bei der kommenden Landtagswahl in Rheinland-Pfalz Kurt Beck stürzen, den am längsten amtierenden Ministerpräsidenten der Republik. Sie geht gerade das größte Risiko ihrer Karriere ein: Aus ihr kann die erste gewählte CDU-Regierungschefin in einem Bundesland werden – oder eine Oppositionspolitikerin in einem Provinzparlament. Die andere hat schon einen Ministerposten in Mecklenburg-Vorpommern und weniger zu verlieren. Doch auch Schwesig muss sich bewähren, sie muss zeigen, dass sie es mit ihrer Gegenspielerin auf Unionsseite, Ursula von der Leyen, aufnehmen kann und dass sie als stellvertretende Parteichefin nicht nur pro forma zur SPD-Führung gehört.

»Wir verstecken unsere Weiblichkeit nicht«, sagen CDU-Frauen

Klöckner und Schwesig sind Vertreterinnen einer Frauengeneration , die meist darauf besteht, dass ihr Frausein wenig Unterschied macht – und doch haben beide ihre Posten hauptsächlich, weil sie weiblich sind. Schwesig wurde von ihrer Partei in die erste Reihe geschoben, als die SPD im Bundestagswahlkampf 2009 dringend vorzeigbare Frauen suchte. Klöckner wäre ohne das Quorum, wonach bei Wahlen ein Drittel der Plätze auf Frauen entfallen müssen, nicht im Bundestag. Die beiden Politikerinnen stehen dafür, wie sich die Politik verändert: Lange galt sie als Männerbastion, geprägt von Testosteronkanzlern und Herrenbünden. Und tatsächlich kamen Frauen in dieser Welt selten vor.

Klöckner und Schwesig sind Beispiele dafür, dass es Frauen heute in den politischen Parteien oft sogar leichter haben als Männer, wie die Unternehmensberaterin und Autorin Gertrud Höhler behauptet: »Sie werden regelrecht getragen, anders als in der Wirtschaft.« Allerdings funktioniert weiblicher Aufstieg in der SPD anders als in der Union. Aber wo ist er leichter: bei den Sozialdemokraten, der Partei mit eingebautem Emanzipationsanspruch und Frauenquote, aber auch einem Ex-Kanzler Gerhard Schröder, der Frauenthemen abschätzig als »Gedöns« bezeichnete? Oder in der CDU, der Partei der Patriarchen und Chauvisprüche, die aber die erste Kanzlerin stellt?

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Kommentare

59 Kommentare Seite 1 von 7 Kommentieren

Julia Klöckner...

steht für eine beliebige, irrationale Politik:

-als Theologin und sog. "Christin" für das Töten im Afghanistan-Krieg

-als ehemalige Weinkönigen "qualifiziert" als Staatssekretärin im Verbraucherschutzministerium und Dioxine frisch auf den Tisch.

-für die Verbreitung gentechnisch manipulierter Lebensmittel und GEGEN PID und Stammzellforschung.

-als Kinderlose ignoriert sie die Armut, in der 20% unserer Kinder aufwachsen müssen,

-anstatt für signifikante Verbesserungen für Familien einzutreten, will sie lieber ein "Generationenministerium" einrichten- womöglich um ihre Politfreunde mit pensionsberechtigen Pöstchen zu versorgen, auf Kosten aller, versteht sich...

-als Konservative und "Christin" hilft sie durch die faulen Atomkraftmauschelei der Regierung Gottes Schöpfung zu zerstören.

-als sog. "Spitzenkandidatin" schlittert sie in den Sumpf ihrer Landespartei, und offenbart außer Empörung bereits jetzt schon keinerlei Führungsqualitäten oder Konsequenzen.

Und als Abgeordnete des Bundestages und Mitglied der Regierungsfraktion ist sie schließlich durch ihr Abstimmungsverhalten für die kalte, bürgerfeindliche Politik von Schwatz/Geld mitverantwortlich.

Julia Klöckner und ihre seltsamen Ansichten erinnern mehr und mehr an eine gewisse S. Palin aus Wassila, Alaska.

Mir persönlich ist es vollkommen wurscht, ob ein Volksvertreter Mann oder Frau ist.
Ich erwarte von "meinem Abgeordneten" eine bürgernahe Vertretung gegenüber der Regierung, auch über Parteigrenzen hinweg.

Bitte bemühen Sie sich um eine sachliche und differenzierte Argumentation. Danke. Die Redaktion/wg

Mein Abgeordneter...

Um Frau Klöckner nicht zu mögen, gibt es sicher mehr Gründe als Monica Lierhaus bald neue Werbeverträge haben wird. Aber dennoch kann man ja ein wenig sachlich sein. Und auch wenn man Anführungszeichen gerne hat, sie ist nicht nur "sogenannte Spitzenkandidatin", sie ist es tatsächlich.

Und man kann von "seinem Abgeordneten" ja so allerhand verlangen, aber als Abgeordneter würde ich verlangen, dass man mir alle demokratisch vertretbaren Meinungen zugesteht. Ob ich Hans oder Wurst bin. Das würde ich sogar von einem "sogenannten anonymen ZEIT-Online-Kommentierenden" erwarten.

Mein Abgeordneter....meine Meinung! (Teil 1)

Entschuldigen Sie mein Wortspiel bezüglich des "Spitzenkandidaten".
Aber darf man als Bürger nicht verlangen, den besten Kandidaten zu bekommen, also derjenige, der "spitze" ist? Und sollte ein Spitzenkandidat nicht besser "seinen Landen" im Griff haben und mehr tun als nur Empörung zur Schau stellen, wenn die eigenen Parteigenossen es in Gelddingen nicht so genau nehmen (die ZEIT berichtete)?

Ich habe mich mit Frau Klöckners Positionen eingehend beschäftigt, und mir stösst dabei vor allem die Inkonsequenz in ihren wenig logisch anmutenden Standpunkten auf.

Sie ist also studierte Theologin und Christin. Sollte nicht so jemanden die 10 Gebote wichtig sein? Dazu gehört das Gebot "Du sollst nicht Töten". Warum also stimmt sie jedes mal für den Krieg in Afghanistan? Schickt junge Menschen in den Krieg, die dort getötet werden könnten oder sich gezwungen sehen könnten, selber zum Mörder zu werden. Das ist unchristlich und inkonsequent.
Als Demokratin und Volksvertreter sollte sie dem Wohl des Volkes aber auch dem Willen
des Souverän verpflichtet sein. Obwohl es eine große konstante Mehrheit GEGEN diesen Krieg gibt, widersetzt sie sich dem und stimmt stets DAFÜR. Das ist inkonsequent und undemokratisch.
Auch als kinderlose Theologin und Christin sollte sie wissen, was "lasset die Kindlein zu mir kommen" bedeutet, aber für die in Armut aufwachsenden Kinder im eigenen Land zeigt sie keine Nächstenliebe.

Mein Abgeordneter, meine Meinung! (Teil 2)

Als ehemalige Weinkönigin ist sie offensichtlich fachlich wenig geeignet, um als Staatssekretärin im Verbraucherschutzministerium die Verbraucher zu schützen.
Dennoch könnte ihr der Schutz unserer Ressourcen sowie der Zugang zum gesunden Essen für alle ein Anliegen sein. Aber ist es so? Wieso werden wir Verbraucher weiterhin mit Analogkäse, Surimi-Shrimps, aber auch mit Dioxin-Eier und Gammelfleisch z.T. legal betrogen?
Sollte trotzdem so jemanden wie Frau Klöckner nicht der Erhalt von Gottes Schöpfung eine Herzens- und Glaubenssache sein? Warum steht sie trotzdem für mehr Gentechnik im Essen und für mehr Atommüll?

Ja, wir Bürger sollten von unseren Abgeordneten, die uns vertreten wollen, einiges mehr abverlangen, als wir das zur Zeit tun. Wie Ihnen, mir und auch Frau Klöckner seien natürlich "alle demokratisch vertretbaren Meinungen" zugestanden.
Aber SIE will die Stimmen haben. SIE muss dafür werben. Und SIE muss sich an ihren eigenen (!!!) Maßstäben und Werten messen lassen.
Dabei überzeugt sie nicht.
Auch wenn ich nur- so wie Sie, ein "sogenannter anonymer ZEIT-Online-Kommentierender" bin- ich habe eine Stimme zu vergeben, und das passiert -gottseidank- in diesem Land immer noch anonym.

@ Die Redaktion/wg

Liebe Redaktion,
die Argumentation ist so sachlich und differenziert, wie die Standpunkte von Frau Klöckner selbst-
ist alles auf ihrer Homepage nachzulesen.

Man muss selbstverständlich mit Frau Klöckner nicht übereinstimmen, aber etwas mehr Konsequenz von jemanden, der sich um einen Ministerpräsidentenamt bewirbt, wird man als Bürger ja wohl einfordern dürfen!

Sind wir denn nicht

langsam aus dem Zeitalter raus, in dem weibliche Politiker nicht an Hand der politischen Inhalte ihrer Programme porträtiert werden, sondern durch reihenweise Artikel, in denen steht, warum sie als Frauen benachteiligt und/oder besser als ihre männlichen Kollegen sind? Dies ist nach dem Interview mit Kraft und Lörs vor ein paar Wochen schon der zweite Beitrag dieser Art und es wird darin genau das getan, was Volk und Politik darin angekreidet wird - dass sie, anstatt nach ihren politischen Kompetenzen beurteilt zu werden, vorrangig auf ihr Frausein reduziert werden.

In diesem Zusammenhang kann ich auch den Vorkommentator verstehen, der angesäuert darüber ist, wie regelmäßig hier der Geschlechterkampf inszeniert wird.

Soviel Frustration...

Wenn Sie es nicht aushalten, dass auch Themen wie Feminismus und Frauenförderung behandelt werden, dann lesen Sie doch die Sportseiten. Aber die Gelegenheit, sich derart zu echauffieren, wie bei Frauenthemen, lassen Sie sich wohl ungerne entgehen. Keiner will Ihnen ein schlechtes Gewissen machen, wenn Sie trotzdem eines kriegen ist das Ihr Problem. Und natürlich geht es um Narzissmus und Egoismus. Aber wenn Sie es aushalten, über narzisstische, inkompetente und überbewertete männliche Politiker zu lesen, die nicht nur aufgrund ihrer Qualifikationen ihre Posten haben (und die machen mindestens die Hälfte der internationalen politischen Berichterstattung aus) DANN WERDEN SIE WOHL AUCH DIESEN BERICHT UEBERLEBEN!