ZEITmagazin: Frau Hohlmeier, in Ihrer politischen Karriere haben Sie einige Niederlagen erlitten. Woher nehmen Sie die Kraft, immer wieder aufzustehen?

Monika Hohlmeier: Manchmal wundert es mich selbst, dass ich zu bestimmten Zeiten diese Kraft entwickeln kann. Sie ist dann einfach da.

ZEITmagazin: Vor neun Jahren meldete sich Ihr Körper, es wurde ihm zu viel.

Hohlmeier: Natürlich nimmt einen der Stress mit. Aber die Symptome hatten andere Ursachen. Mitte 2002 bekam ich eine schwere Virusinfektion nach der anderen. Mein Internist spritzte mir Immunglobuline, nicht wissend, dass ich eine Lebensmittelunverträglichkeit habe. Und dann ging es los: Mein Körper bekämpfte sich selbst. Durchfall, Magenschmerzen, Muskelverhärtungen und Schlaflosigkeit, Muskeln lösten sich auf, ich hatte Krämpfe und Schmerzen ohne Ende und nahm über 20 Kilo ab. Ich litt an einer Autoimmunerkrankung. Meine Bauchspeicheldrüse und die Leber waren entzündet, dann kam auch noch ein Nierenversagen hinzu. Es stand Spitz auf Knopf. Aber keiner wusste, was mir fehlte. Bis ich zu einem befreundeten Hausarzt ging.

ZEITmagazin: Der konnte Ihnen helfen?

Hohlmeier: Er sagte, mein Körper habe ein Problem mit der Verarbeitung von Eiweißen. Ich solle einfach eine Zeit lang nur Kartoffeln, Karotten und Fenchel mit Olivenöl essen. Kein Getreide mehr, kein Fleisch, keinen Fisch. Es dauerte ein paar Wochen, aber dann nahm ich tatsächlich nicht weiter ab, und der Körper begann ganz langsam, sich zu regenerieren.

Alle Interviews aus der Serie des ZEITmagazins zum Nachlesen

ZEITmagazin: Das heißt, nicht die moderne Medizin, sondern der Rat eines einfachen Hausarztes hat Sie gerettet?

Hohlmeier: Der war mehr als klug, der Mann. Und weitere Untersuchungen einer zweiten Hausärztin bestätigten ihn. Ich sehe noch heute die lange Liste der Laborergebnisse. Totale Lebensmittelunverträglichkeit, stand darin, mit drei fetten roten Ausrufezeichen, und dahinter, dass ich völlig anormale Immunwerte hätte.

ZEITmagazin: Gegen wie viele Lebensmittel waren Sie allergisch?

Hohlmeier: Über 170. Aber es war keine klassische Allergie, sondern eine angeborene latente Lebensmittelunverträglichkeit. Schon meine Mutter hatte sie, wie wir heute wissen, und meine Kinder haben sie auch. Die Schulmedizin hatte keinen Rat. Deshalb habe ich mich therapiemäßig unabhängig gemacht, mein Essverhalten drastisch geändert und es mit einer vertieften Neuraltherapie versucht.