Patente Erfinden am Fließband
Nathan Myhrvold, einst Vordenker von Microsoft, erzeugt in seiner Firma systematisch kreative Ideen – und versucht sie zu verkaufen.
DIE ZEIT: Beim Erfinden geht es um Kreativität und Spontanität – kann man das planen?
Nathan Myhrvold: Es gibt diese Vorstellung, dass eine Erfindung wie ein Blitz aus heiterem Himmel kommt. Das passiert tatsächlich manchmal. Aber man kann die Kreativität auch fördern, indem man einen Haufen schlauer Leute mit unterschiedlichem Hintergrund in einem Raum versammelt und sie zu neuen Ideen stimuliert. Leute, die gar nicht ahnen, dass sie etwas zum Thema beizutragen haben, wissen häufig tatsächlich etwas Relevantes. Stellen Sie sich vor, man will eine Brücke über eine Schlucht bauen. Wenn Sie schon die ganze Brücke entwickelt haben, ist das kein Problem, aber das ist sehr selten. Tatsächlich baut man Brücken, indem man kleine Stücke zusammenfügt. Genau so verlaufen unsere Erfindungssitzungen. Jemand sagt: »Also, ich kann von hier bis da kommen.« Und dann kommt jemand anderes und sagt: »Also ich kann von da aus weiterbauen.«
- Nathan Myhrvold
Nathan Myhrvold war bis 1999 Chief Technological Officer (CTO), eine Art Ober-Erfinder, bei Microsoft. Im Jahr 2000 gründete er zusammen mit seinem Microsoft-Kollegen Edward Jung Intellectual Ventures (IV). Die Firma will den Innovationsprozess systematisieren, indem sie Experten zu Brainstorming-Sessions zusammenführt. IV kauft zudem Patente von Einzelerfindern und Firmen auf, die mit den Patenten selbst nichts anfangen können oder wollen. Mehr als 20.000 Patente hat IV auf diese Weise bereits angesammelt.
- Erfindungen
Zu den im eigenen Haus entwickelten Erfindungen gehört der TerraPower-Reaktor, ein neuartiger Atommeiler, der über mehrere Jahrzehnte wartungsfrei und sicher laufen soll. Damit machte sich IV bei Umweltschützern ebenso unbeliebt wie mit Ideen zur Beeinflussung des Klimas ("Geo-Engineering").
- »patent troll«
Kritiker werfen Myhrvold vor, ein "patent troll" zu sein – die Firma würde ihre Patente nicht in der Absicht horten, sie zu nützlichen Produkten zu machen, sondern um Technologiefirmen mit Klagen wegen der Verletzung der Patente zu überziehen. Im vergangenen Dezember strengte die Firma die ersten Prozesse gegen Patentverletzer an.
ZEIT: Und dann hängt die Brücke in der Luft!
Myhrvold: Ja, manchmal hängt sie tatsächlich in der Luft, zuweilen bricht die ganze Konstruktion zusammen. Aber überraschend oft funktioniert es.
ZEIT: Wie oft machen Sie diese Sitzungen?
Myhrvold: Etwa einmal im Monat.
ZEIT: Sie waren lange bei Microsoft. Haben Sie dort Erfindungen gemacht?
Myhrvold: Oh ja. Ich hatte 14 oder 15 Patente, die alle mit Windows zu tun hatten. Die gehören heute natürlich Microsoft. Aber es gibt auch ein Patent über drahtlose Kommunikation. Daraus ist nie etwas geworden – ein gutes Beispiel für ein Patent, das Microsoft besser verkauft hätte. Es hatte nicht viel mit Softwaretechnik zu tun.
ZEIT: Ihre Firma gibt es seit zehn Jahren. Haben Sie schon ein Produkt auf dem Markt?
Myhrvold: Wir haben unsere Patente an viele Firmen lizenziert, aber wir werden nie selbst ein Produkt herstellen. Wir lizenzieren unsere Erfindungen an Firmen, die dabei sind, Produkte zu entwickeln, aber es ist noch keines auf den Markt gekommen. Vergleichen Sie es mit einem Film: Der wird von einem Drehbuchautor entwickelt, aber finanziert und vertrieben wird er von den großen Studios. Auf ähnliche Weise entwickeln wir die Ideen bis zu einem Punkt, an dem jemand anders sie in Produkte umsetzen kann.
ZEIT: Also nach dem Motto: »Lasst uns einen Film machen, wo man aus alter Dinosaurier-DNA furchterregende Tiere macht...«?
Myhrvold: Genau, das war Michael Crichtons Beitrag, er hat sein geistiges Eigentum lizenziert. Steven Spielberg hat den Film produziert, und beide haben gut daran verdient.
- Datum 07.02.2011 - 12:02 Uhr
- Seite 1 | 2 | 3 | Auf einer Seite lesen
- Quelle DIE ZEIT, 3.2.2011 Nr. 06
- Kommentare 2
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:







Man kapiere doch bitte einmal, dass Patente gar nichts mit Kreativität zu tun haben. Patente anmelden ist eine Funktion abhängig von der Zahl der Patentjuristen, die du beschäftigst.
Der Mann ist einer der schlimmsten und gefährlichsten "Patentrolle" der Industrie.
Was ist ein Patenttroll?
"ZEIT: Ihre Firma gibt es seit zehn Jahren. Haben Sie schon ein Produkt auf dem Markt?
Myhrvold: Wir haben unsere Patente an viele Firmen lizenziert, aber wir werden nie selbst ein Produkt herstellen."
Man spricht auch von non-practicing entities(NPE) oder eben nach Intel von Patentrollen.
@ tabe, #1 "Patente anmelden ist eine Funktion abhängig von der Zahl der Patentjuristen":
Nein. Patente anmelden können ist eine Frage des Tätigkeitsbereichs und der Aktivität der potenziellen Erfinder. Patente anmelden wollen (und bereitstellen der erforderlichen Personal- und Geldmittel) ist eine Managemententscheidung. Wieviele Patente angemeldet werden, ist nur dann abhängig von der Zahl der Patentjuristen, wenn weniger gewollt als gekonnt wird.
"non-practicing entities (NPE) oder Patenttrolle":
Ja, diese Begriffe geraten dem erregten Laien leicht durcheinander. Aber die Gleichsetzung stimmt so nicht - auch wenn "Patenttrolle" i.d.R. NPEs sind: Zu den NPEs zählen auch die vielen kleinen Erfinder, die nicht gewillt oder in der Lage sind, ihre Entwicklung selbst zur Marktreife zu führen. Die suchen dann entsprechend Lizenznehmer, die ihnen für ihre Entwicklungsarbeit Geld zahlen.
In der Praxis machen genau diese kleinen Erfinder häufig die Erfahrung, dass sie von großen Unternehmen erst "abgewimmelt" werden - und dass die ihre Erfindung dann schlicht kopieren, in dem Vertrauen, dass sich mit "den Großen" schon keiner anlegen werde. Und in dieser Situation kommen dann die (bösen?) "Patenttrolle" ins Spiel, die dem Erfinder das Patent abkaufen - und mit ihrer größeren finanziellen Unabhängigkeit "den Großen" schließlich doch noch zeigen, wo der Patenthammer hängt.
@ tabe, #1 "Patente anmelden ist eine Funktion abhängig von der Zahl der Patentjuristen":
Nein. Patente anmelden können ist eine Frage des Tätigkeitsbereichs und der Aktivität der potenziellen Erfinder. Patente anmelden wollen (und bereitstellen der erforderlichen Personal- und Geldmittel) ist eine Managemententscheidung. Wieviele Patente angemeldet werden, ist nur dann abhängig von der Zahl der Patentjuristen, wenn weniger gewollt als gekonnt wird.
"non-practicing entities (NPE) oder Patenttrolle":
Ja, diese Begriffe geraten dem erregten Laien leicht durcheinander. Aber die Gleichsetzung stimmt so nicht - auch wenn "Patenttrolle" i.d.R. NPEs sind: Zu den NPEs zählen auch die vielen kleinen Erfinder, die nicht gewillt oder in der Lage sind, ihre Entwicklung selbst zur Marktreife zu führen. Die suchen dann entsprechend Lizenznehmer, die ihnen für ihre Entwicklungsarbeit Geld zahlen.
In der Praxis machen genau diese kleinen Erfinder häufig die Erfahrung, dass sie von großen Unternehmen erst "abgewimmelt" werden - und dass die ihre Erfindung dann schlicht kopieren, in dem Vertrauen, dass sich mit "den Großen" schon keiner anlegen werde. Und in dieser Situation kommen dann die (bösen?) "Patenttrolle" ins Spiel, die dem Erfinder das Patent abkaufen - und mit ihrer größeren finanziellen Unabhängigkeit "den Großen" schließlich doch noch zeigen, wo der Patenthammer hängt.
@ tabe, #1 "Patente anmelden ist eine Funktion abhängig von der Zahl der Patentjuristen":
Nein. Patente anmelden können ist eine Frage des Tätigkeitsbereichs und der Aktivität der potenziellen Erfinder. Patente anmelden wollen (und bereitstellen der erforderlichen Personal- und Geldmittel) ist eine Managemententscheidung. Wieviele Patente angemeldet werden, ist nur dann abhängig von der Zahl der Patentjuristen, wenn weniger gewollt als gekonnt wird.
"non-practicing entities (NPE) oder Patenttrolle":
Ja, diese Begriffe geraten dem erregten Laien leicht durcheinander. Aber die Gleichsetzung stimmt so nicht - auch wenn "Patenttrolle" i.d.R. NPEs sind: Zu den NPEs zählen auch die vielen kleinen Erfinder, die nicht gewillt oder in der Lage sind, ihre Entwicklung selbst zur Marktreife zu führen. Die suchen dann entsprechend Lizenznehmer, die ihnen für ihre Entwicklungsarbeit Geld zahlen.
In der Praxis machen genau diese kleinen Erfinder häufig die Erfahrung, dass sie von großen Unternehmen erst "abgewimmelt" werden - und dass die ihre Erfindung dann schlicht kopieren, in dem Vertrauen, dass sich mit "den Großen" schon keiner anlegen werde. Und in dieser Situation kommen dann die (bösen?) "Patenttrolle" ins Spiel, die dem Erfinder das Patent abkaufen - und mit ihrer größeren finanziellen Unabhängigkeit "den Großen" schließlich doch noch zeigen, wo der Patenthammer hängt.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren