Am 2. März wird die Gemeinsame Kommission von Deutscher Forschungsgemeinschaft und Wissenschaftsrat beschließen, welche Universitäten – zusätzlich zu den neun in der ersten Runde erfolgreichen – im Rahmen der Exzellenzinitiative Anträge auf eine Förderung stellen können. Im Sommer 2012 wird dann entschieden sein, welche maximal zwölf Universitäten in Deutschland sich des Rufes als Spitzenuniversität erfreuen können. Die Finanzierung läuft von November 2012 bis zum 31. Oktober 2017. Die Kosten werden zu 75 Prozent vom Bund und zu 25 Prozent vom Trägerland der jeweils erfolgreichen Universität übernommen. Nach der Verfassung ist eine dauerhafte Mitfinanzierung von Universitäten durch den Bund ausgeschlossen. Daher stellt sich schon jetzt die Frage, was geschieht, wenn diese Förderung 2017 ausläuft.

Die Länder werden die Aufgabe kaum selbst schultern können

Die Länder dürften sich nach Auslaufen der Exzellenzinitiative sehr schwer damit tun, die erheblichen Mittel des Bundes dauerhaft (darauf aber käme es an) zu kompensieren. Die beiden mäßig ergiebigen Bildungsgipfel von Bund und Ländern und das Gerangel um die Finanzmittel des Bundes bei den Hochschulpakten haben dies überdeutlich gemacht. Hinzu kommt: Keine Landesregierung, kein Landeswissenschaftsminister wird durchsetzen können, eine Universität unter all den anderen Hochschulen ihres Landes aus Landesmitteln dauerhaft und der Exzellenzinitiative entsprechend zu privilegieren.

Ziel der für die Spitzenuniversitäten einschlägigen »dritten Förderlinie« der Exzellenziniative ist, diese in die Lage zu versetzen, »ihre international herausragenden Bereiche nachhaltig zu entwickeln und zu ergänzen und sich als Institution im internationalen wissenschaftlichen Wettbewerb in der Spitzengruppe zu etablieren«. Doch die einmal erreichte Stellung der Exzellenzuniversitäten weiter zu verbessern oder auch nur zu halten wird ohne dauerhafte zusätzliche Mittel nicht möglich sein. Damit laufen die Universitäten in Deutschland Gefahr, den gerade gewonnenen Anschluss an die Weltspitze wieder zu verlieren.

Natürlich: Es gibt in Deutschland eine ganze Reihe von Wissenschaftlern oder Instituten, die Weltspitze sind, aber keine Universität als solche. Wir haben keine mit Oxford, Cambridge, der ETH Zürich oder der Ivy League in den USA vergleichbare Universität. Dies ist nicht nur misslich, sondern auch schädlich. Wer die Universitäten als Organisationszentren der Wissenschaft schwächt, beeinträchtigt das Wissenschaftssystem als Ganzes.

Investitionen in die Wissenschaft sind Investitionen in unsere Zukunft, das ist inzwischen ein politischer Allgemeinplatz. Dies haben auch andere investitionsfähige und -willige Länder erkannt (China, Indien, Singapur, Arabische Halbinsel), das heißt: Der weltweite Wettbewerb wird intensiver; die Zahl wirklicher Spitzenwissenschaftler und außergewöhnlich begabter Studierender jedoch ist begrenzt, diese kommen in aller Regel am liebsten an Spitzeneinrichtungen. Deutschland wäre daher um des Erhalts seiner Zukunftsfähigkeit willen gut beraten, auch über im Weltmaßstab geltende Spitzenuniversitäten zu verfügen.

Wenn die Länder dieses Ziel aber nicht aus eigener Kraft realisieren können, sollten sie aus ihrer unbestrittenen und mit der Föderalismusreform 2006 noch einmal gestärkten Verantwortung für das Universitätssystem heraus die Hilfe des Bundes in Anspruch nehmen können. Das bedeutet nicht, dass sie die eine oder andere Universität an den Bund »verkaufen« sollen, sondern lediglich, einigen Universitäten eine dauerhafte Mitfinanzierung durch den Bund zu ermöglichen.

Die Gelegenheit hierfür ist günstig: Die vom Herbst 2012 an geförderten zwölf Spitzenuniversitäten werden in einem aufwendigen, eindeutig von der Wissenschaft dominierten Verfahren ermittelt. Entscheidendes Kriterium ist ihre wissenschaftliche Leistungsfähigkeit – eine unabdingbare Voraussetzung für ihre Akzeptanz in der wissenschaftlichen Community. Es wäre also nicht erforderlich, ein neues aufwendiges Verfahren zu erfinden, sondern lediglich, sich über die Kriterien zu verständigen, nach denen von den zwölf Spitzenuniversitäten drei bis vier (mehr sollten es keinesfalls sein) für eine Mitfinanzierung durch den Bund bestimmt werden. Hierfür besteht bis zum Beginn der Förderphase für die zwölf Spitzenuniversitäten im November 2012 hinreichend Zeit.