Es mag ja vielen Erstsemestern so gehen, dass ihr gewähltes Studienfach ein wenig anders daherkommt, als sie sich das so vorgestellt haben. Besonders groß allerdings ist oft die Kluft zwischen Vorstellung und Wirklichkeit bei Studenten, die Islamwissenschaft studieren und selbst muslimischen Glaubens sind.

So berichten nicht wenige Professoren von Studienanfängern, die sich nach Vorlesungen über kritische Koranauslegungen beschweren, die aus Protest Seminare verlassen und nur noch den Arabischunterricht besuchen, um den Koran selbst im Original lesen zu können.

Sie sind einem Missverständnis aufgesessen: Sie glaubten, die deutsche Islamwissenschaft sei eine Art islamische Theologie, die den Islam aus bekennender Perspektive behandele, berichtet Lutz Richter-Bernburg, Professor am Orientalischen Seminar der Universität Tübingen. Nicht eine säkulare Wissenschaft, die sich kritisch mit der Religion, Kultur und Geschichte des Islams auseinandersetzt.

Oft handelt es sich um Studenten, die neben den Seminaren an der Universität auch Korankurse in den Moscheen besuchen. Die Unterschiede zwischen den jeweiligen Lehrinhalten sind groß, häufig nicht vereinbar. Ein Konflikt, den eine Studentin so löste, indem sie, wie sie sagt, den »nicht muslimischen Dozenten einfach keinen Glauben mehr schenkt«. Es sind die Studenten, die zusammenzucken, wenn in den Einführungskursen vom Propheten Mohammed gesprochen wird, ohne dass sich an seinen Namen die traditionelle Segensformel anschließt.

Gudrun Krämer, Professorin für Islamwissenschaft an der Freien Universität Berlin, berichtet von einem Studenten, der verlangte, dass auch der Arabischunterricht an der Uni allein auf der Grundlage des Korans gehalten werden sollte. Sogar ein Lehrbuch hatte er dafür geschrieben.

Es mögen Einzelfälle sei, aber sie finden sich in fast allen Seminaren der Islamwissenschaft. Den Anteil der Muslime unter ihren Studierenden schätzen manche Professoren auf ein Viertel, manche auf die Hälfte. Die Mehrheit von ihnen hat keine Probleme mit dem wissenschaftlichen Umgang mit dem Islam. Wahr sei zudem, dass es auch den Übrigen meist nach ein bis zwei Semestern gelinge, zumindest nach außen hin, zwischen eigenem religiösen Empfinden und der wissenschaftlichen Betrachtung zu unterscheiden, sagt Richter-Bernburg.