Schweizer Großbanken Denn sie wollen nichts lernen
Die Schweizer Großbanken lassen sich nicht zähmen. Sie haben den Kampf gegen die Regulatoren gewonnen.
© Sebastian Derungs/Getty Images

Wie nachhaltig sind die Gewinne, die UBS-Boss Grübel macht?
Na also. Da sind sie wieder, die Milliardengewinne der Großbanken. Selbst die UBS, für viele Leute immer noch ein Problemhaufen, legte am Dienstag einen satten Jahresgewinn vor: 7,2 Milliarden Franken – es war das fünftbeste Ergebnis der Firmengeschichte. Zahlen wie zu Ospels Zeiten.
Spürbar wurde am Dienstag auch ein frisches Selbstbewusstsein. Beim Auftritt im Grünenhof, dem konzerneigenen Konferenzgebäude, stellten die UBS-Chefs Oswald Grübel und John Cryan gleich mehrfach klar, dass für bestimmte Geschäftsbereiche »Lösungen außerhalb der Schweiz« geprüft werden. Oder anders: Wenn das Land seine Bankgiganten durch strengere Kapitalvorschriften bändigen will, arbeiten sie Fluchtpläne aus. Für Geschäfte mit hohen Kapitalanforderungen müsse die UBS halt ihre Firmenstruktur ändern, um diese Geschäfte aus einem anderen Staat heraus zu führen, sagte UBS-Konzernchef Grübel. Wobei er auf Nachfrage Großbritannien und die USA nannte, aber offenließ, welche Geschäfte mit welchen Erträgen und wie vielen Arbeitsplätzen da gemeint sein könnten.
Na also. Es war ein dreijähriges Ringen zwischen Politik und Wirtschaft, Öffentlichkeit und Banken, Regulatoren und Regulierten – jetzt aber, im Winter 2011, ist es soweit. Jetzt wissen wir, wie eng die Großbanken nach dem Fast-Kollaps von 2008 in Fesseln gelegt werden – nämlich kaum. Die Druckphase ist vorbei. Die Gewinnzahlen beschwichtigen. Die Regelungen in anderen Staaten sind auch nicht schärfer geworden. In dieser Lage können die Chefs von UBS und Credit Suisse die Arme verschränken und sich sperren. UBS-Präsident Kaspar Villiger warf in der Neuen Zürcher Zeitung soeben die Frage auf, »ob eine international tätige Bank überhaupt noch aus der Schweiz heraus operieren kann, wenn die ausländischen Konkurrenten nicht ähnlich strengen Auflagen unterworfen sind«; und er befand, dass die Politik langsam den Krisenmodus beenden könnte. Ähnliche Töne äußerte der Schweiz-Chef von Credit Suisse (CS), Hans-Ulrich Meister: »Wenn sich die Rahmenbedingungen in der Schweiz negativ verändern, sind wir verpflichtet, Alternativen zu prüfen«, sagte er in der vergangenen Ausgabe der Sonntagszeitung.
Dass die Großbanken das ganze Land in den Abgrund reißen könnten – diese Vorstellung wirkt wie ein Wahn aus alter Zeit. Sicherungspläne, die vor wenigen Monaten noch dringend erschienen, vermodern in der Schublade. »Keine Tabus« hatte Nationalbank-Präsident Philipp Hildebrand im Juli 2009 verlangt. Doch seine Idee, im Hinblick auf die nächste Finanzkrise Sollbruchstellen einzuführen, reichte der Bundesrat inzwischen in harmlosen Kann-Formulierungen an die Banken weiter. Dass der Staat die Möglichkeit erhalten soll, notfalls die Größe einer Bank zu beschneiden, spricht selbst Hildebrand nicht mehr aus. Und ob die Großbanken ihr Investmentbanking nicht besser herunterfahren oder gar abstoßen sollten, wird allenfalls noch branchenintern debattiert, ein Smalltalk-Stoff zwischen Privat- und Großbankern. Anpassungen beim Konkursrecht? Leverage Ratio? Jährliche Stresstests? Schnee vom vergangenen Winter.
- Datum 13.02.2011 - 12:54 Uhr
- Seite 1 | 2 | Auf einer Seite lesen
- Quelle DIE ZEIT, 10.2.2011 Nr. 07
- Kommentare 20
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:




Menschen lernen nur über Verluste oder Schmerzen.
Beides wird kommen.
Sie lernen es nicht, sie wollen auch nicht, denn sie haben den Druck, sie geben den Druck bei Verlusten weiter an den Staat und seinen Bürgern. [...]
Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Herabwürdigungen und diskutieren Sie sachlich. Danke. Die Redaktion/ew
Diese Lernunwilligkeit hängt mit der Geldgier zusammen, die den Menschen nicht nur emotionell, sondern auch intellektuell verkümmern lässt. Wie sagte doch schon Cicero:
"Nichts verrät so sehr einen beschränkten und kleinlichen Geist wie die Geldgier."
@ Die Schweizer Großbanken haben Kreditausfallversicherungen ausstehend, die sie im Extremfall – sollten alle Verträge platzen – zur Zahlung von jeweils über 1000 Milliarden Franken verpflichteten...
...Natürlich (und mit gewissem Recht) wenden die Institute ein, dass sie ähnliche Gegenversicherungen eingegangen sind, dass sich die Risiken der gekauften und verkauften Swaps aufheben und dass die Banken ihre Positionen im Krisenfall weitgehend gegeneinander verrechnen könnten.
- Das war genau so vor der Krise, dann haben die Staaten und Steuerzahler die Bürgschaft und Zahlungen für ähnliche Versicherungen und Gegenversucherungen der Banken übernommen.
@»Man darf das Problem der Kreditausfallversicherungen nicht unterschätzen«, sagt Walter Wittmann. »Heute weiß keiner, was geschieht, wenn die Musik das nächste Mal aufhört zu spielen.«
...
Wenn die Musik das nächste Mal aufhört zu spielen, rechnet man mit der Wiederholung der gleichen Vorstellung - Polit-Finanz-Zirkus, wie ab 2007.
Dann haben wir die Antwort, auf alle wichtigste Frage der Bürgschaft - SWAPS - Versicherungen und Gegenversicherungen erklärt.
Swaps stellen eine irrationale Maske, ohne der realen Bedeutung und Wirkung, vor. Sie sind einfach als Betrug ausgedacht.
...
Das internationale Regelwerk muss kräftig ausgebaut werden. Bankmonopol muss aufgehoben werden und Risiko vollgetragen werden wie in jedem anderem Geschäft.
Die momentanen wirtschaftspolitischen Vorgänge sind ein Paradebeispiel dafür, wie Gier die menschliche Ratio vergiften kann. Ich hoffe inständig, dass man so etwas eines Tages nur noch in Büchern für Psychologiestudenten über menschliche Verfehlungen finden kann.
Wir fahren direkt auf einen Abgrund zu, aber diejenigen, die am Steuer sitzen, zählen lieber ihre Geldscheine, als auf die Straße zu achten.
Wer braucht eigentlich noch Politiker, die nicht vorausschauend handeln, sondern zwei- oder dreimal mit dem Kopf gegen dieselbe Wand laufen? Wofür haben wir eine Demokratie, wenn sich doch ohnehin die Richtung der Politik nur alle paar Jahrzehnte mal ändert, also so oft oder selten wie meistens auch eine Dikatur ausgetauscht wird. Ob wir jetzt alle drei Jahrzehnte einen Sturz eines diktatorischen oder eines demokratischen Regimes haben, spielt eigentlich keine Rolle.
Warum übertragen die Menschen die Entscheidungsgewalt auf einige hundert Abgeordnete? Weil sich nicht jeder einzelne mit jedem Detail der Politik beschäftigen kann. Doch die Abgeordneten in den Parlamenten der Welt sind noch nicht mal fähig, sich um das große Ganze zu kümmern, und eine neue katastrophale Finanzkrise zu verhindern. Eine solche Politik erübrigt ihre Existenzberechtigung selbst.
Dann kann man lieber nach Umfragen regieren. Die Entscheidung zwischen einem stabilen Weltfinanzsystem und einem deregulierten, an dem sich einige wenige auf Kosten aller bereichern, ist so einfach, dass nicht mal ansatzweise Fachwissen dafür notwendig ist. Wir haben weltweit tatsächlich kein Erkenntnis-, sondern ein Umsetzungsproblem. Aber nicht so wie Herr Herzog es 1997 gemeint hat. Damals hatten wir ein Erkenntnisproblem.
Diese Frage stelle ich mir schon seit mehreren Jahren. Die täglichen Ereignisse machen doch offenkundig, das nicht die Politik den Kurs bestimmt. Übermächtige Wirtschaftszweige und große Einzelunternehmen dominieren die Politik nicht nur durch die Beeinflussung der handelnden Politiker. Sie schreiben die Gesetze inzwischen selbst und begleiten deren Umsetzung durch permanente Beeinflussung der Politiker. Es ist doch unbestreitbar, das wir in einem pseudo-demokratischen System leben. Demokratie ist nur der Anstrich, der das höchst undemokratische System tarnt. Die Berieselung des Volkes mit verdummenden, abstunpfenden TV- und Zeitungsbeiträgen stützt diese Scheindemokratie. Das demokratische System ist zu einem Bereicherungssystem der besitzenden Klasse verkommen, die ihren Reichtum inzwischen völlig gefahrlos zur Schau stellen kann. Ethische Bedenken sind nicht mehr von Nöten.
Diese Frage stelle ich mir schon seit mehreren Jahren. Die täglichen Ereignisse machen doch offenkundig, das nicht die Politik den Kurs bestimmt. Übermächtige Wirtschaftszweige und große Einzelunternehmen dominieren die Politik nicht nur durch die Beeinflussung der handelnden Politiker. Sie schreiben die Gesetze inzwischen selbst und begleiten deren Umsetzung durch permanente Beeinflussung der Politiker. Es ist doch unbestreitbar, das wir in einem pseudo-demokratischen System leben. Demokratie ist nur der Anstrich, der das höchst undemokratische System tarnt. Die Berieselung des Volkes mit verdummenden, abstunpfenden TV- und Zeitungsbeiträgen stützt diese Scheindemokratie. Das demokratische System ist zu einem Bereicherungssystem der besitzenden Klasse verkommen, die ihren Reichtum inzwischen völlig gefahrlos zur Schau stellen kann. Ethische Bedenken sind nicht mehr von Nöten.
Dazu passend die Meldung, dass die Ankündigungen Angela Merkels, künftig auch Gläubiger an den Kosten der Finanzkrise-Teil B (=Euro-Krise) zu beteiligen, nur noch Makulatur sind.
Aus einem internen Papier der EU geht hervor, dass auch nach 2013 nicht beabsichtigt wird, private Gläubiger für die Folgen der Fehlentwicklungen mithaften zu lassen. Stattdessen habe man sich lediglich für eine "freiwilige Beteiligung" ausgesprochen. Demnach sei ein erwzungener Forderungsverzicht nur ein "letzter Ausweg".
Somit ist bereits die erste - den Bürgern in Deutschland durch die Bundeskanzlerin kommunizierte - Forderung der Bundesregierung an den ESM (Europäischer Stabilitätsmechanismus) gekippt. Bereits vergangene Woche Freitag auf dem EU-Gipfel und Dienstag im EU-Parlament deutete sich an, dass auch die eingeforderten gemeinsamen Standards in Wirtschafs- und Sozialpolitik kaum in der Weise umgesetzt werden dürften, wie sie den Bundesbürgern ursprünglich in Aussicht gestellt wurden. Die Ausdehnung des EFSF sollte ursprünglich von diesen abhängig gemacht werden.
Während der Krise waren es die Europäer, die am lautesten nach weltweiten Bankenreformen schrien. Nun, die USA haben ihre Banken durchgehend reformiert und die Bankengesetze verschärft, doch in Europa blieb alles beim alten. Nicht einmal die bis heute in den EU-Banken sitzenden Schrottpapiere wurden abgeschrieben wie in anderen Ländern.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren