Hamburger Musikleben Philharmonie ohne rechten Schwung

Hamburgs neues Kulturwahrzeichen wird nie so aussehen wie auf den animierten Bildern. Die gewaltigen Kosten erdrücken sogar ihre architektonischen Besonderheiten.

Schon wieder 20 Millionen Euro mehr? Oder sind es 30 Millionen? Der Hamburger blickt nur noch mit müdem Groll auf seine Elbphilharmonie, die doch vom gewaltigen Kunstwillen der Hanseaten künden sollte – und heute vor allem ein Wahrzeichen kaufmännischer Dummheit ist.

Folgt man dem jüngsten Bericht des Untersuchungsausschusses – 183 Seiten dick –, gibt es an diesem Bauwerk so gut wie nichts, was nicht übersehen, fehlgeplant, falsch verabredet wurde. Doch über all das, über die ganze teure Aktenlage (Honorar für die Architekten: 58 Millionen Euro) würde der Hamburger vielleicht sogar hinwegsehen, wenn jedenfalls das Gebäude so wunderbar verheißungsvoll glitzern und leuchten würde, wie es die ersten computergenerierten Fotos versprachen.

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Selbst diese Hoffnung aber will sich nicht erfüllen. Jedenfalls wirken die Fassaden ohne den Computerschmelz auf seltsam triste Weise geckig. Und so sind nicht wenige Hamburger enttäuscht von dem, was sie im Hafen heranwachsen sehen. Der versprochene Zauber mag sich nicht einstellen, und vor allem die auf den Entwürfen noch herrlich beschwingte Dachlandschaft wirkt seltsam flau.

Sicher, für ein endgültiges Urteil ist es zu früh, das Gebäude soll ja erst 2013 eröffnet werden. Doch auf Nachfrage geben die Schweizer Architekten freimütig zu, sie hätten am Dach tatsächlich noch kräftig herumgezupft. Das sei in der »Optimierungsphase« gewesen, erzählt David Koch, der leitende Planer des Büros Herzog & de Meuron. Damals gab es den dringenden Wunsch des Bauherrn, noch ein weiteres Geschoss unterzubringen, um mehr Platz für das Hotel zu gewinnen, das neben den Musiksälen und einigen Wohnungen hinter den Glasfassaden liegt.

Doch statt die Elbphilharmonie auf ganzer Fläche gleichmäßig aufzustocken, wollte man die Gebäudehöhe im Westen, an der Spitze des Bauwerks, möglichst unverändert lassen. Die Folge: Nivellierung. Die großen wilden Wellentäler des Daches sind heute nicht mehr ganz so groß und wild. Den Architekten scheint das kaum der Rede wert zu sein. Sie haben sich daran gewöhnt, dass ihre Bilder lügen. Außerdem sei es doch normal, dass in der Planung noch dieses oder jenes nachjustiert werde. Das Publikum aber sieht es mit Unbehagen. Es ließ sich von den Bildern verführen und wünscht sich zu recht, dass die angekündigte Begeisterung nun endlich in die Wirklichkeit hinüberschwappt. Ein zu hoher Preis für ein zu flaches Dach – das erscheint selbst dem still grollenden Hamburger unzumutbar.

 
Leser-Kommentare
    • Chali
    • 15.02.2011 um 8:42 Uhr

    Wenn ich mich da richtig erinnere, war gewaltig vor allem die Verkündigung, Privat könnte alles besser.

    Besonders, wenn 111 Prozent der Bausumme von der Allgemeinheit vorgestreckt würden. Zinslos, natürlich.

  1. Entfernt. Bitte argumentieren Sie sachlich. Danke. Die Redaktion/wg

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    ...in Berlin läst man das halbe Dach gleich weg am Bahnhof, in Stuttgart will man glubschäugige Dächer in den Schloßgarten pflanzen. Überall Dachschäden für hunderte Millionen!

    ...in Berlin läst man das halbe Dach gleich weg am Bahnhof, in Stuttgart will man glubschäugige Dächer in den Schloßgarten pflanzen. Überall Dachschäden für hunderte Millionen!

  2. aha - also wieder ein Kapitalist am Werk, der sich die Attraktivität seines Hotels, durch den Steuerzahler bezahlen lässt...

    Puh, liebe Hamburger, dass würde mir auch mächtig stinken!
    Man stelle sich vor der Oper in Sydney hätte man ihr Muschel- Design genommen, um mehr gut betuchte ins Bett zu kriegen...

    Welcher normale Steuerzahler und welches seiner Kinder, wird schon die Möglichkeit haben, sich dort eine
    (fehl-)subventionierte Vorstellung anzuschauen...
    ...und wie viele Kindergartenplätze, Büchereien und Schwimmbäder hätte man nur alleine von den "Mehrkosten" bezahlen können ?!

    Kultur muss sein, aber man kann sie besser mit einem vollem Magen genießen...
    - hier entsteht dazu noch "Hochkultur" in einem Palast für einen elitären (subventionierten) "Über-"menschen...

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    Ich finde es etwas unverständlich, dass die ZEIT den Architekten für die Sünden des Bauherrn verantwortlich macht.

    Weiters: Die Bilder, die der Öffentlichkeit zugespielt wurden, beziehen sich vermutlich auf den gewonnenen Wettbewerb. Renderings sind nie realitätsnah und immer "shiny", aber leider notwendig, wenn man gegenüber einer meist fachfremden Jury einen Bewerb gewinnen will. Ohne "shiny" Renderings wird man gar nicht wahrgenommen - zumindest nict von der Frau vom Stadtrat, die sich meist gegenüber den Fachberatern einer Jury durchzusetzen weiß.

    Über die Höhe Architektenhonorar kann man streiten wie man will. Gemessen an der Gesamtbausumme ist es gar nicht so viel - wer weiß, welche Planungsaufgaben an Dritte abgegeben wurden und welche Fehler diese zu verantworten haben? Zumal nicht unbedingt 58 Mio. direkt ankommen.

    Ich finde es etwas unverständlich, dass die ZEIT den Architekten für die Sünden des Bauherrn verantwortlich macht.

    Weiters: Die Bilder, die der Öffentlichkeit zugespielt wurden, beziehen sich vermutlich auf den gewonnenen Wettbewerb. Renderings sind nie realitätsnah und immer "shiny", aber leider notwendig, wenn man gegenüber einer meist fachfremden Jury einen Bewerb gewinnen will. Ohne "shiny" Renderings wird man gar nicht wahrgenommen - zumindest nict von der Frau vom Stadtrat, die sich meist gegenüber den Fachberatern einer Jury durchzusetzen weiß.

    Über die Höhe Architektenhonorar kann man streiten wie man will. Gemessen an der Gesamtbausumme ist es gar nicht so viel - wer weiß, welche Planungsaufgaben an Dritte abgegeben wurden und welche Fehler diese zu verantworten haben? Zumal nicht unbedingt 58 Mio. direkt ankommen.

  3. 4. [...]

    Das kommt davon, wenn mittels HDR / CGI am Computer Visualisierungen erstellt werden, die dem menschlichen Auge genau das anbieten, nach dem es giert.

    Die Realität kann da nur verlieren.

    Hoffentlich lernen die Dienstleister daraus.

    Überschrift entfernt. Bitte formulieren Sie Kritik sachlich. Danke. Die Redaktion/wg

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    ...nämlich wie man den Kunden durch Täuschung verar....
    Hat doch geklappt, was gibt es da noch zu sagen. Das große Gejammer legt sich bald.

    Interessant wäre es doch zu wissen, in weit die Anpassungen der Hotelanlage, die das Erscheinungsbild versauen, zu den Mehrkosten beitragen.

    Aber die Sache wird nie kritisch hinterfragt werden. Alles Eingestehen von Fehlern wird lediglich ein Beschwichtigen sein, um Druck aus den Segeln zu nehmnen.

    Der Coup hat geklappt und darum geht es.

    ...nämlich wie man den Kunden durch Täuschung verar....
    Hat doch geklappt, was gibt es da noch zu sagen. Das große Gejammer legt sich bald.

    Interessant wäre es doch zu wissen, in weit die Anpassungen der Hotelanlage, die das Erscheinungsbild versauen, zu den Mehrkosten beitragen.

    Aber die Sache wird nie kritisch hinterfragt werden. Alles Eingestehen von Fehlern wird lediglich ein Beschwichtigen sein, um Druck aus den Segeln zu nehmnen.

    Der Coup hat geklappt und darum geht es.

    • Guido3
    • 15.02.2011 um 9:25 Uhr

    Für die weltberühmte Oper in Sydney - heute DAS Wahrzeichen der Stadt - wurden seinerzeit etwa 4 Jahre Bauzeit und Kosten von etwa 7 Millionen AUD veranschlagt. Es wurden schließlich 14 Jahre Bauzeit und 100 Millionen AUD an Baukosten. Es geht also noch viel schlimmer als in Hamburg. Hat sich das Projekt für Sydney gelohnt? Unzweifelhaft ja. Es mag sein, dass die Oper als solche nie rentabel geworden ist. Für die Stadt dürfte sich das Projekt allemal gelohnt haben. Aus dem Grund habe ich das Elbphilharmonie-Projekt in Hamburg auch immer befürwortet. Steuergelder werden regelmäßig viel schlechter investiert.

    Nur wurde die Architektur der Elbphilharmonie im Rahmen der Realisierung mittlerweile so weit verhunzt, dass das ganze Projekt als Ikone und zukünftiges Wahrzeichen von Hamburg möglicherweise nicht mehr funktioniert.

    Ganz furchtbar sind die unzähligen großen Öffnungen in der Fassade, die der Originalentwurf nicht hatte. Die zerstören die erhabene Eleganz des Originalentwurfes. Stattdessen wirkt die Fassade nun kleinteilig und unruhig.

    Und nun werden auch noch die wohl ausbalancierten Wölbungen des Originalentwurfes geschliffen. Das Bauwerk wirkt dadurch wohl plumper und weniger kühn.

    In 10, 20, 30 Jahren spricht niemand mehr über die ausgeuferten Baukosten. Die verhunzte Architektur,ist dann aber immer noch da. Das ist das wahre Trauerspiel bei der Elbphilharmonie.

  4. ...nämlich wie man den Kunden durch Täuschung verar....
    Hat doch geklappt, was gibt es da noch zu sagen. Das große Gejammer legt sich bald.

    Interessant wäre es doch zu wissen, in weit die Anpassungen der Hotelanlage, die das Erscheinungsbild versauen, zu den Mehrkosten beitragen.

    Aber die Sache wird nie kritisch hinterfragt werden. Alles Eingestehen von Fehlern wird lediglich ein Beschwichtigen sein, um Druck aus den Segeln zu nehmnen.

    Der Coup hat geklappt und darum geht es.

    Antwort auf "[...]"
  5. Ich finde es etwas unverständlich, dass die ZEIT den Architekten für die Sünden des Bauherrn verantwortlich macht.

    Weiters: Die Bilder, die der Öffentlichkeit zugespielt wurden, beziehen sich vermutlich auf den gewonnenen Wettbewerb. Renderings sind nie realitätsnah und immer "shiny", aber leider notwendig, wenn man gegenüber einer meist fachfremden Jury einen Bewerb gewinnen will. Ohne "shiny" Renderings wird man gar nicht wahrgenommen - zumindest nict von der Frau vom Stadtrat, die sich meist gegenüber den Fachberatern einer Jury durchzusetzen weiß.

    Über die Höhe Architektenhonorar kann man streiten wie man will. Gemessen an der Gesamtbausumme ist es gar nicht so viel - wer weiß, welche Planungsaufgaben an Dritte abgegeben wurden und welche Fehler diese zu verantworten haben? Zumal nicht unbedingt 58 Mio. direkt ankommen.

    • Impuls
    • 15.02.2011 um 10:18 Uhr

    nicht besonders schlau und zeugt von einer großen Egozentrik bei den Verantwortlichen!
    Denn es handelt sich hier eben nicht primär um eine Skultur, sondern ein Gebäude, also etwas auch zu nutzendes, das entsprechend kompromisshaft gebaut werden mußte.
    Dagegen kann eine Skulptur optisch optimiert werden!!! Sie ist reine Kunst!
    Die Vermischung dieser 2 Gebiete ist seit Corbusier und Bauhaus in Mode, klappt in der Regel aber bekanntlich nicht!
    Eigentlich ist das bekannt!
    Warum wußten dies nicht die Hamburger????

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    • skycop
    • 15.02.2011 um 10:44 Uhr

    Ihre Aussagen über Le Corbusier und und Bauhaus, also die Moderne stimmt nicht. Aber das war zu erwarten.
    Hat beides nur inderekt mit einander was zu tun.

    • skycop
    • 15.02.2011 um 10:50 Uhr

    Nun ja, das Problem mit der Dachlandschaft ist vor allem daran zu begründen, dass bis heute noch nicht wirklich geklärt ist, wie die freispannende Dachkonstruktion über den Konzertsaal zu realisieren ist. Da der Grundriss des Speicher mehr oder weniger ein Trapez ist und sich der Saal wir ein Ei hineinsetzt und keine störenden Stützen oder Pfeiler hindurchlaufen sollen, sondern die Lastenabtragung über die Aussenwände erfolgt, ergibt sich an der Stelle mit der weitesten Distanz beider Aussenwände zwangsläufig ein Problem. Es ist also nur die halbe Wahrheit zu sagen, es würde mehr Fläche für das Hotel gefordert, die andere Seite ist die Reduzierung der aufwendigen Dachkonstruktion zu Minimierung ihrer Eigenlast und damit zur Reduzierung der Flächenlast.

    • skycop
    • 15.02.2011 um 10:44 Uhr

    Ihre Aussagen über Le Corbusier und und Bauhaus, also die Moderne stimmt nicht. Aber das war zu erwarten.
    Hat beides nur inderekt mit einander was zu tun.

    • skycop
    • 15.02.2011 um 10:50 Uhr

    Nun ja, das Problem mit der Dachlandschaft ist vor allem daran zu begründen, dass bis heute noch nicht wirklich geklärt ist, wie die freispannende Dachkonstruktion über den Konzertsaal zu realisieren ist. Da der Grundriss des Speicher mehr oder weniger ein Trapez ist und sich der Saal wir ein Ei hineinsetzt und keine störenden Stützen oder Pfeiler hindurchlaufen sollen, sondern die Lastenabtragung über die Aussenwände erfolgt, ergibt sich an der Stelle mit der weitesten Distanz beider Aussenwände zwangsläufig ein Problem. Es ist also nur die halbe Wahrheit zu sagen, es würde mehr Fläche für das Hotel gefordert, die andere Seite ist die Reduzierung der aufwendigen Dachkonstruktion zu Minimierung ihrer Eigenlast und damit zur Reduzierung der Flächenlast.

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